Nebenberuf Komponist
Es gibt erstaunlich viele Komponisten, die sich im Hauptberuf etwas anderem als der Musik widmeten

Wer kann eigentlich als hauptberuflicher Komponist zählen? Keine ganz einfache Frage. Wollte man nur solche Personen berücksichtigen, die ihren Lebensunterhalt allein mit dem Komponieren bestritten haben, würde die sehr kurze Liste vor allem Film-Komponisten beinhalten. Stattdessen müssen wir all jene einschließen, deren Tätigkeit als Musiker das Komponieren notwendig beinhaltete (wie es etwa bei Bach oder Haydn der Fall war), und auch alle, die ihren Lebensunterhalt auch mit der Aufführung eigener Kompositionen bestritten (wie es Mozart oder Händel taten). Wer bleibt dann übrig als nebenberuflicher Komponist?
1. Die Kleriker
Komponist und Priester – da denkt man wohl zuerst an Vivaldi. Der hat allerdings nie als Priester gearbeitet. Ganz anders Agostino Steffani, der wohl interessanteste Vertreter dieser Zunft. 1686 wurde er Münchner Hofkapellmeister, aber er war auch als Rektor der Universität Heidelberg (1703), Bischof (seit 1706) und Diplomat tätig. Seine 21 Opern kamen zwischen 1681 und 1709 auf diverse deutsche Bühnen. Mehr bemerkenswerte Geistliche finden wir im 15. Jahrhundert, als praktisch alle Komponisten auch als Kleriker tätig waren. Schon allein deswegen, weil es Beschäftigung für Komponisten jenseits der Kirchen nur an den Hofkapellen gab, und auch in denen wurden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur geweihte Priester für die Leitung engagiert. So war Guillaume Du Fay ebenso Kleriker wie John Dunstable und Johannes Ockeghem; Letzterem verlieh der französische König 1459 sogar den besonders einträglichen und renommierten Titel eines Schatzmeisters der Abtei von Tours – allerdings ganz ohne Anwesenheitspflicht. Solche Ämter machten denn auch viele Komponisten dieser Zeit zu wohlhabenden Männern, ganz im Gegensatz zu ihren späteren Kollegen.

2. Die Reichen
Noch wohlhabender waren nur die Komponisten, die sich um ihren Lebensunterhalt gar nicht sorgen mussten, weil sie aus reichem Hause stammten. Unter den zahlreichen komponierenden Fürsten und Königen ist vor allem Carlo Gesualdo (1566-1613), Fürst von Venosa, zu nennen, der Einzige unter ihnen, der zu den großen Komponisten seiner Epoche gezählt wird. Ob seine wilde Chromatik auch darin ihren Ursprung hatte, dass er es sich leisten konnte, ohne jede Rücksicht auf Käufer oder Publikum zu komponieren? Noch interessanter ist nur Benedetto Marcello, der 1686 geborene venezianische Edelmann, der seit 1706 im Magistrat der Serenissima tätig war und trotzdem nachhaltig Einfluss auf das musikalische Geschehen seiner Zeit nehmen konnte: durch seine Psalmkompositionen und seine Sonaten, seine Schülerin Faustina Bordoni und vor allem seine 1720 erschienene satirische Theaterkritik „Il teatro alla moda“. 1728 leistetet er sich den Fehltritt, seine Schülerin Rosanna Scalfi, eine ehemalige Gondel-Sängerin, zu heiraten, 1730 wurde er nach Istrien versetzt, 1739 starb er in Brescia.
3. Die Kapellmeister
Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke war noch stolz darauf gewesen, 1860 als Komponist und eben nicht bloß als Dirigent für sein Amt auserwählt worden zu sein – doch mit ihm endete die Zeit der Kapellmeister, die eigentlich Komponisten waren. Ob Hans von Bülow, Otto Klemperer, Bruno Walter oder Wilhelm Furtwängler – dass sie auch komponiert haben, interessierte schon zu Lebzeiten das Publikum kaum, heute ist es fast vergessen. Obwohl vor allem Furtwängler viel lieber Komponist gewesen wäre als Kapellmeister. Sogar Gustav Mahler muss man in diesem Zusammenhang nennen, denn auch er konnte nur nebenberuflich Komponist sein. Seit er im Sommer 1887 „Die drei Pintos“ abschloss, sind beinahe alle seine Werke bis zu seinem Tod 1911 im Sommer entstanden, denn nur in den Sommerferien fand er Zeit, sich dem Komponieren zu widmen. Im Juni ging es meist los in den Komponier-Urlaub: 1893-96 nach Steinbach, seit 1900 nach Maiernigg, seit 1907/08 nach Toblach.
Einige Komponisten hatten auch eine zweite große Liebe neben der Musik, aus der sie ihren „eigentlichen“ Beruf machten. Die Chemie war es, die Alexander Borodin nicht losließ. 1833 in St. Petersburg als Leibeigener geboren, begann er mit 17 Jahren ein Studium der Medizin, wandte sich aber nach dem Abschluss der Chemie zu – mehr als 40 wissenschaftliche Aufsätze veröffentlichte er in diesem Bereich. 1862 wurde er Assistent, 1864 dann Professor für Chemie. Zwei Jahre zuvor hatte er Balakirew kennengelernt und mit der Arbeit an seiner ersten Sinfonie begonnen, doch ihm fiel es besonders schwer, sich gleichzeitig zwei Berufen zu widmen. 1887 starb er während eines Balls seiner Fakultät an einem Herzinfarkt.

Sir William (Friedrich Wilhelm) Herschel fand eine bessere Lösung, um mit dem Konflikt zweier Berufungen umzugehen: 1738 in Hannover geboren, beendete der Oboist, Organist und Konzertveranstalter, der immerhin 18 Sinfonien komponierte, 1782 kurzerhand seine musikalische Karriere, als ein großzügiges Stipendium des britischen Königs (und hannoverschen Kurfürsten) Georg III. es ihm erlaubte, sich ganz der Astronomie zu widmen. Schließlich hatte Herschel den 1781 von ihm entdeckten Uranus nach Georg nennen wollen. Bis zu seinem Tod 1822 scheint Herschel nichts mehr komponiert zu haben – genau genommen war er also weniger ein nebenberuflicher Komponist als einer, der seine musikalischen Fähigkeiten nur zum Broterwerb eingesetzt hatte, um sich in seiner Freizeit seiner eigentlichen Passion widmen zu können.
Den umgekehrten Weg schlug Hans Sommer ein; 1837 in Braunschweig geboren, studierte er in Göttingen Mathematik, die er zwischen 1859 und 1884 auch an der Hochschule lehrte – um sich dann aber doch ganz der Musik zu widmen: Er zog erst nach Berlin, dann nach Weimar, und 1898 gründete er gemeinsam mit Richard Strauss die Genossenschaft Deutscher Komponisten. Seine Opern von „Der Nachtwächter“ (1865) bis „Der Waldschrat“ (1912) brachte er in Braunschweig auf die Bühne, daneben komponierte er vor allem Lieder. Erhalten ist auch seine umfangreiche Musikbibliothek. 1922 starb der Vorkämpfer für das Urheberrecht von Komponisten.
Bei César Cui erkennen wir seinen Hauptberuf schon auf den ersten Blick: Stets in Uniform ließ sich der Professor für Festungsbau porträtieren, der unter anderem den Thronfolger Nikolaus II. unterrichtete und es in der Armee bis zum Generalleutnant brachte. Im türkisch-russischen Krieg 1877/78 setzte man auf seine Expertise, und seine diversen Lehrbücher zeigen, dass das Mitglied des „mächtigen Häufleins“ nicht nur eine zweite Liebe, sondern vor allem großen Erfolg in seinem Hauptberuf hatte. Musikalisch ist er dagegen heute der am wenigsten Bekannte unter den fünf Komponisten des „mächtigen Häufleins“.
Albert Lortzing begann bereits als Kind eine Karriere als Schauspieler. Denn 1811, als er zehn Jahre alt wurde, machte sein Vater, von Beruf eigentlich Lederhändler, sein Hobby zum Beruf und wurde, gemeinsam mit seiner Frau, Schauspieler. Man tourte u.a. durch Bayern und Sachsen, 1820 bekam dann auch Albert Lortzing sein erstes eigenes Engagement. 1833 zog die Familie mit der Schauspieltruppe nach Leipzig, wo Lortzing 1837 mit „Zar und Zimmermann“ seinen ersten großen musikalischen Erfolg feierte. 1844 wurde er sogar für ein Jahr Kapellmeister, obwohl, wenn man Ferdinand David glaubt, seine Fähigkeiten als Dirigent sehr zu wünschen übrig ließen. Jedenfalls wurde sein Vertrag nicht verlängert, und auch am Theater an der Wien hielt 1846 sein Engagement als Kapellmeister nur zwei Jahre. Lortzing starb 1851 in Berlin – vom Erlös seiner bis heute gespielten Opern, etwa „Der Wildschütz“ oder „Der Waffenschmied“, zu leben, war ihm nicht vergönnt.
Das hatte Carl Zeller nicht nötig; 1842 geboren, war der Schüler Simon Sechters und promovierte Jurist seit 1873 im Wiener Landesgericht und später im Kulturministerium tätig. Sein „Vogelhändler“ wurde 1891 zu einem großen Erfolg, aber als Hofrat machte Zeller auch in seinem Hauptberuf Karriere. 1897 stand er allerdings wegen Meineids vor Gericht – entstanden durch Streitigkeiten um ein Erbe. Durch seinen Tod 1898 kam es nicht mehr zu einem Urteil.
.png)
Der tragischste aller nebenberuflichen Komponisten ist aber E.T.A. Hoffmann. 1776 in Königsberg geboren, studierte er ab 1792 Jura und war seit 1798 an Gerichten in Berlin (wo er sich aber viel lieber der Musik und dem Unterricht bei Johann Friedrich Reichardt widmete), Posen und Warschau tätig. Im Zuge der Napoleonischen Kriege verlor er seine Stelle und versuchte seit 1807, sein Leben als Musiker zu finanzieren. Das gelang ihm nicht wirklich – trotz einer Anstellung als Kapellmeister in Bamberg und seiner Beiträge für die „Allgemeine Musikalische Zeitung“. 1813, als seine heute berühmten literarischen Werke gesammelt veröffentlicht wurden, schrieb er an seinen Verleger, sein Name solle „nicht anders als durch eine gelungene musikalische Komposition der Welt bekannt werden“. Das klappte nicht: Während seine Novellen, Erzählungen und Romane wie „Kapellmeister Kreisler“, die „Elixiere des Teufels“ und seine berühmte Rezension von Beethovens fünfter Sinfonie bis heute viel zitiert und gelesen werden, ist von seiner Musik nur selten etwas zu hören. 1814 kehrte er ans Berliner Kammergericht zurück, wo er bis zu seinem Tod 1822 arbeitete.

Wer kann eigentlich als hauptberuflicher Komponist zählen? Keine ganz einfache Frage. Wollte man nur solche Personen berücksichtigen, die ihren Lebensunterhalt allein mit dem Komponieren bestritten haben, würde die sehr kurze Liste vor allem Film-Komponisten beinhalten. Stattdessen müssen wir all jene einschließen, deren Tätigkeit als Musiker das Komponieren notwendig beinhaltete (wie es etwa bei Bach oder Haydn der Fall war), und auch alle, die ihren Lebensunterhalt auch mit der Aufführung eigener Kompositionen bestritten (wie es Mozart oder Händel taten). Wer bleibt dann übrig als nebenberuflicher Komponist?
1. Die Kleriker
Komponist und Priester – da denkt man wohl zuerst an Vivaldi. Der hat allerdings nie als Priester gearbeitet. Ganz anders Agostino Steffani, der wohl interessanteste Vertreter dieser Zunft. 1686 wurde er Münchner Hofkapellmeister, aber er war auch als Rektor der Universität Heidelberg (1703), Bischof (seit 1706) und Diplomat tätig. Seine 21 Opern kamen zwischen 1681 und 1709 auf diverse deutsche Bühnen. Mehr bemerkenswerte Geistliche finden wir im 15. Jahrhundert, als praktisch alle Komponisten auch als Kleriker tätig waren. Schon allein deswegen, weil es Beschäftigung für Komponisten jenseits der Kirchen nur an den Hofkapellen gab, und auch in denen wurden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur geweihte Priester für die Leitung engagiert. So war Guillaume Du Fay ebenso Kleriker wie John Dunstable und Johannes Ockeghem; Letzterem verlieh der französische König 1459 sogar den besonders einträglichen und renommierten Titel eines Schatzmeisters der Abtei von Tours – allerdings ganz ohne Anwesenheitspflicht. Solche Ämter machten denn auch viele Komponisten dieser Zeit zu wohlhabenden Männern, ganz im Gegensatz zu ihren späteren Kollegen.

2. Die Reichen
Noch wohlhabender waren nur die Komponisten, die sich um ihren Lebensunterhalt gar nicht sorgen mussten, weil sie aus reichem Hause stammten. Unter den zahlreichen komponierenden Fürsten und Königen ist vor allem Carlo Gesualdo (1566-1613), Fürst von Venosa, zu nennen, der Einzige unter ihnen, der zu den großen Komponisten seiner Epoche gezählt wird. Ob seine wilde Chromatik auch darin ihren Ursprung hatte, dass er es sich leisten konnte, ohne jede Rücksicht auf Käufer oder Publikum zu komponieren? Noch interessanter ist nur Benedetto Marcello, der 1686 geborene venezianische Edelmann, der seit 1706 im Magistrat der Serenissima tätig war und trotzdem nachhaltig Einfluss auf das musikalische Geschehen seiner Zeit nehmen konnte: durch seine Psalmkompositionen und seine Sonaten, seine Schülerin Faustina Bordoni und vor allem seine 1720 erschienene satirische Theaterkritik „Il teatro alla moda“. 1728 leistetet er sich den Fehltritt, seine Schülerin Rosanna Scalfi, eine ehemalige Gondel-Sängerin, zu heiraten, 1730 wurde er nach Istrien versetzt, 1739 starb er in Brescia.
3. Die Kapellmeister
Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke war noch stolz darauf gewesen, 1860 als Komponist und eben nicht bloß als Dirigent für sein Amt auserwählt worden zu sein – doch mit ihm endete die Zeit der Kapellmeister, die eigentlich Komponisten waren. Ob Hans von Bülow, Otto Klemperer, Bruno Walter oder Wilhelm Furtwängler – dass sie auch komponiert haben, interessierte schon zu Lebzeiten das Publikum kaum, heute ist es fast vergessen. Obwohl vor allem Furtwängler viel lieber Komponist gewesen wäre als Kapellmeister. Sogar Gustav Mahler muss man in diesem Zusammenhang nennen, denn auch er konnte nur nebenberuflich Komponist sein. Seit er im Sommer 1887 „Die drei Pintos“ abschloss, sind beinahe alle seine Werke bis zu seinem Tod 1911 im Sommer entstanden, denn nur in den Sommerferien fand er Zeit, sich dem Komponieren zu widmen. Im Juni ging es meist los in den Komponier-Urlaub: 1893-96 nach Steinbach, seit 1900 nach Maiernigg, seit 1907/08 nach Toblach.
Einige Komponisten hatten auch eine zweite große Liebe neben der Musik, aus der sie ihren „eigentlichen“ Beruf machten. Die Chemie war es, die Alexander Borodin nicht losließ. 1833 in St. Petersburg als Leibeigener geboren, begann er mit 17 Jahren ein Studium der Medizin, wandte sich aber nach dem Abschluss der Chemie zu – mehr als 40 wissenschaftliche Aufsätze veröffentlichte er in diesem Bereich. 1862 wurde er Assistent, 1864 dann Professor für Chemie. Zwei Jahre zuvor hatte er Balakirew kennengelernt und mit der Arbeit an seiner ersten Sinfonie begonnen, doch ihm fiel es besonders schwer, sich gleichzeitig zwei Berufen zu widmen. 1887 starb er während eines Balls seiner Fakultät an einem Herzinfarkt.

Sir William (Friedrich Wilhelm) Herschel fand eine bessere Lösung, um mit dem Konflikt zweier Berufungen umzugehen: 1738 in Hannover geboren, beendete der Oboist, Organist und Konzertveranstalter, der immerhin 18 Sinfonien komponierte, 1782 kurzerhand seine musikalische Karriere, als ein großzügiges Stipendium des britischen Königs (und hannoverschen Kurfürsten) Georg III. es ihm erlaubte, sich ganz der Astronomie zu widmen. Schließlich hatte Herschel den 1781 von ihm entdeckten Uranus nach Georg nennen wollen. Bis zu seinem Tod 1822 scheint Herschel nichts mehr komponiert zu haben – genau genommen war er also weniger ein nebenberuflicher Komponist als einer, der seine musikalischen Fähigkeiten nur zum Broterwerb eingesetzt hatte, um sich in seiner Freizeit seiner eigentlichen Passion widmen zu können.
Den umgekehrten Weg schlug Hans Sommer ein; 1837 in Braunschweig geboren, studierte er in Göttingen Mathematik, die er zwischen 1859 und 1884 auch an der Hochschule lehrte – um sich dann aber doch ganz der Musik zu widmen: Er zog erst nach Berlin, dann nach Weimar, und 1898 gründete er gemeinsam mit Richard Strauss die Genossenschaft Deutscher Komponisten. Seine Opern von „Der Nachtwächter“ (1865) bis „Der Waldschrat“ (1912) brachte er in Braunschweig auf die Bühne, daneben komponierte er vor allem Lieder. Erhalten ist auch seine umfangreiche Musikbibliothek. 1922 starb der Vorkämpfer für das Urheberrecht von Komponisten.
Bei César Cui erkennen wir seinen Hauptberuf schon auf den ersten Blick: Stets in Uniform ließ sich der Professor für Festungsbau porträtieren, der unter anderem den Thronfolger Nikolaus II. unterrichtete und es in der Armee bis zum Generalleutnant brachte. Im türkisch-russischen Krieg 1877/78 setzte man auf seine Expertise, und seine diversen Lehrbücher zeigen, dass das Mitglied des „mächtigen Häufleins“ nicht nur eine zweite Liebe, sondern vor allem großen Erfolg in seinem Hauptberuf hatte. Musikalisch ist er dagegen heute der am wenigsten Bekannte unter den fünf Komponisten des „mächtigen Häufleins“.
Albert Lortzing begann bereits als Kind eine Karriere als Schauspieler. Denn 1811, als er zehn Jahre alt wurde, machte sein Vater, von Beruf eigentlich Lederhändler, sein Hobby zum Beruf und wurde, gemeinsam mit seiner Frau, Schauspieler. Man tourte u.a. durch Bayern und Sachsen, 1820 bekam dann auch Albert Lortzing sein erstes eigenes Engagement. 1833 zog die Familie mit der Schauspieltruppe nach Leipzig, wo Lortzing 1837 mit „Zar und Zimmermann“ seinen ersten großen musikalischen Erfolg feierte. 1844 wurde er sogar für ein Jahr Kapellmeister, obwohl, wenn man Ferdinand David glaubt, seine Fähigkeiten als Dirigent sehr zu wünschen übrig ließen. Jedenfalls wurde sein Vertrag nicht verlängert, und auch am Theater an der Wien hielt 1846 sein Engagement als Kapellmeister nur zwei Jahre. Lortzing starb 1851 in Berlin – vom Erlös seiner bis heute gespielten Opern, etwa „Der Wildschütz“ oder „Der Waffenschmied“, zu leben, war ihm nicht vergönnt.
Das hatte Carl Zeller nicht nötig; 1842 geboren, war der Schüler Simon Sechters und promovierte Jurist seit 1873 im Wiener Landesgericht und später im Kulturministerium tätig. Sein „Vogelhändler“ wurde 1891 zu einem großen Erfolg, aber als Hofrat machte Zeller auch in seinem Hauptberuf Karriere. 1897 stand er allerdings wegen Meineids vor Gericht – entstanden durch Streitigkeiten um ein Erbe. Durch seinen Tod 1898 kam es nicht mehr zu einem Urteil.
.png)
Der tragischste aller nebenberuflichen Komponisten ist aber E.T.A. Hoffmann. 1776 in Königsberg geboren, studierte er ab 1792 Jura und war seit 1798 an Gerichten in Berlin (wo er sich aber viel lieber der Musik und dem Unterricht bei Johann Friedrich Reichardt widmete), Posen und Warschau tätig. Im Zuge der Napoleonischen Kriege verlor er seine Stelle und versuchte seit 1807, sein Leben als Musiker zu finanzieren. Das gelang ihm nicht wirklich – trotz einer Anstellung als Kapellmeister in Bamberg und seiner Beiträge für die „Allgemeine Musikalische Zeitung“. 1813, als seine heute berühmten literarischen Werke gesammelt veröffentlicht wurden, schrieb er an seinen Verleger, sein Name solle „nicht anders als durch eine gelungene musikalische Komposition der Welt bekannt werden“. Das klappte nicht: Während seine Novellen, Erzählungen und Romane wie „Kapellmeister Kreisler“, die „Elixiere des Teufels“ und seine berühmte Rezension von Beethovens fünfter Sinfonie bis heute viel zitiert und gelesen werden, ist von seiner Musik nur selten etwas zu hören. 1814 kehrte er ans Berliner Kammergericht zurück, wo er bis zu seinem Tod 1822 arbeitete.
