Blüten der Liebe
Von Manuel brug
Es gibt immer wieder Sängerinnen, die machen ihre Kariere abseits eines Marktes. Die liefern sich nicht aus, die folgen nicht nur aufs Wort, die machen ihr eignes Ding. Und trotzdem, weil sie so besonders sind, werden sie ebenfalls an die ganz großen Häuser engagiert, hinterlassen auch audiovisuelle Spuren, haben erfüllte Karrieren, aber Stars sind sie eben nie geworden. Man muss sie live erleben, um ihres ganzen Zaubers gegenwärtig zu werden. Eine solche Künstlerin ist die deutsche Sopranistin Marlis Petersen. Und auch stimmliche Reife steht ihr, obwohl zunächst ein Koloratur-, dann ein lyrischer Sopran, sehr gut. Besonders als Liedsängerin, denn immer schon will sie ganz besonders stark in den Text eindringen, einer Figur oder einem poetischen Ich auf den Grund gehen. So hat sie es auch in ihrem jüngsten, thematisch eigentlich einfachen Album gehalten – es heißt „Blüten der Liebe“, umfasst drei Zyklen, zwei davon berühmt, Schumanns „Frauenliebe und -leben“, Wagners Wesendonck-Lieder und Alexander Zemlinskys sechsteilige Walzer-Gesänge. Darin geht es, sehr variantenreich und durchaus ambivalent, um amouröse Gefühle, sich einlassen und ineinander aufgehen, bisweilen fast als Selbstaufgabe. Petersen lotet solches in unbedingt harmonischer Übereinkunft mit ihrem durchaus zärtlichen Klavierpartner Stephan Matthias Lademann in natürlichster Diktion und feinen Farben aus. Und dazwischen gestreut hat sie scheinbar einfache, aber natürlich auch doppeldeutige Blumenlieder von Richard Strauss und Schumann. Um mit Zemlinskys „Selige Stunde“ jubelhell zu enden. Ein wirklich wunderfeiner Liederstrauß.