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Sterne des Monats

Héritage

Von Giselher Schubert

Sebastian Berner, Solotrompeter im hr-Sinfonieorchester, brilliert mit einem Programm hochinteressanter, moderner Werke, die allenfalls in Fassungen für Trompete und Klavier den Liebhabern von Trompetenmusik bekannt waren. Das heißt nicht, dass in diesen konzertanten Werken die gängigen, traditionellen Spielweisen der Trompete vernachlässigt werden. Im Gegenteil stützen sich die Komponisten, wie vor allem Florent Schmitt in seiner Suite für Trompete und Orchester, auf sie, setzen sie aber originell ins Werk. Henri Tomasi etwa nutzt im hoch virtuosen Kopfsatz seines Concertos die signalhaften, von Berner bestechend prägnant ausgespielten Akkordbrechungen, gestaltet das folgende suggestive Nocturne mit ausgedehnten Trompeten-Kantilenen, die Berner dynamisch reich und ausdrucksvoll mit beeindruckender Melodieführung artikuliert, und initiiert im Finalsatz ein abenteuerliches Musikmachen, in das sich Berner mit beherrschter Emphase stürzt. Im Concerto des belgischen Komponisten Léon Stekkel gibt Berner dem das Werk effektvoll beschließenden, stilisierten Foxtrott mühelos die notwendige, rhythmisch lässige Präzision. Aber noch wirkungsmächtiger ist vielleicht Berners Kunst lyrisch-expressiver Melodieführung, wie sie Charles Koechlins sechs Monodien „Les Chants de Kervéléan“ erfordern: sicherlich in dieser von Robert Orledge für Trompete und kleines Orchester eingerichteten Fassung eines der beeindruckendsten Werke des Komponisten. Überhaupt besticht Berners Spiel durch glänzende, dabei klangvolle, unangestrengte rhythmische und melodische Artikulation, durch die er sich auch fugenlos in den Tuttiklang einfügt. Freilich greift Elias Grandy als Dirigent die Impulse, die von Berners Spiel ausgehen, auch wunderbar auf. Man spürt, dass Berner mit Kollegen musiziert, die mit seinem Spielen vertraut sind; auf diese Weise liegen die Werke in Einspielungen vor, die kaum zu übertreffen sein dürften

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Folk Baroque

Von Susanne Benda

Wahrheit oder Fantasie? Man würde gerne etwas lesen über das (laut CD-Rückseite) „mysteriöse Rostock-Manuskript“, dessen sich der Blockflötist Erik Bosgraaf und das dreiköpfige italienische Ensemble filoBarocco (Violine, Cello, Laute) hier annehmen. Ein Booklet gibt es aber nicht, und so muss man bei den polnischen Volkstänzen, die Telemann zu Beginn des 18. Jahrhunderts zusammenstellte (die Sammlung wurde 1986 in Rostock entdeckt), allein seinen Ohren trauen. „Spekulative Musik aus dem Polen des 18. Jahrhunderts“ ist der Untertitel des Albums, und tatsächlich haben die Musiker die Tänze des Manuskripts nicht nur für ihre Besetzung bearbeitet, sondern auch in vier Akte geordnet. So kommt der Barock-Folk hier daher wie ein Theaterstück: Mit viel Temperament, Engagement und teils aberwitziger Virtuosität begeben sich die Instrumentalisten in eine Welt der klangfarblichen Verwandlungen und theatralischen Kontraste, die sich musikalisch zwischen Tanzdiele und Virtuosenmusik bewegt. Es macht ungeheuren Spaß, nur seinen Ohren zu trauen!

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Telemann

Von Matthias Hengelbrock

Sechs Jahre hat es gedauert, bis diese Aufnahme veröffentlicht wurde, aber das Warten hat sich gelohnt: Nun liegen auf CD alle Werke für zwei Hörner, zwei Oboen und Basso continuo vor, die von Telemann stammen oder, wie im Falle der Suiten TWV 44:12 und 44:13, ihm zugeschrieben werden, und zwar in einer hervorragenden Interpretation. Das L’Orfeo Bläserensemble, bestehend aus Solisten des österreichischen L’Orfeo Barockorchesters, setzt auf Klangkultur und Eleganz, etwa in der dezenten Inégalité bei paarigen Achteln oder in seinen ausgesprochen lyrischen Phrasierungen, und meidet den rustikalen Anstrich, der solchen als Freiluftmusik komponierten Stücken oft verliehen wird. Das Sangliche steht stets im Vordergrund, auch in den beiden Triosonaten TWV 42:c4 und 42:d11, mit denen die Spielzeit der dritten und letzten CD dieser Reihe auf eine ganze Stunde aufgefüllt wird. Hier heben Carin van Heerden und ihre Mitstreiter die kammermusikalische Intimität unter anderem dadurch hervor, dass sie den Basso continuo nur von einem Cembalo, also ohne Fagott oder Cello, ausführen lassen. Auch aufnahmetechnisch lässt diese Produktion keine Wünsche offen.

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Händel

Von Elisabeth Richter

Schon mit seinem ersten Album „Passacaglia della Vita“ hat das Ensemble Cembaless bewiesen, dass für viel Musik aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ein Cembalo nicht zwingend nötig ist. Die Formation kommt mit Sopran, zwei Blockflöten, Gambe, Gitarre, Theorbe und persischen Trommeln aus. Und das reicht auch für eine Händel-Oper im Pocket-Format: „Il Floridante“. Dem siegreichen Titelhelden war die Ziehtochter von König Oronte versprochen. Der will sie nun selbst heiraten, ist aber der Mörder von Elmiras Vater und sitzt unrechtmäßig auf dem Thron. Fluchtversuche scheitern, Elmira soll Floridante den Giftbecher reichen und könnte durch die Heirat mit Oronte ihr Leben retten. Aber sie will mit Floridante sterben. Aber Ende kommen die beiden doch zusammen. Cembaless hat ausgewählte Arien fantasievoll für seine Besetzung arrangiert, Klangfarben wechseln sich kurzweilig ab. Mit ihrem hellen Sopran schlüpft Elisabeth von Stritzky gekonnt und wandlungsfähig in verschiedene Rollen. Das Ensemble musiziert technisch souverän, immer mit viel ansteckender Frische und Sensibilität, mit energetischem Puls. Das Album geht auf ein Projekt aus der Corona-Zeit zurück. Hier hat Cembaless „Il Floridante“ bei den Händel-Festspielen Göttingen 2021 als Streaming-Produktion präsentiert, gemeinsam mit dem Poetry Slammer Florian Wintels. Die CD bringt die musikalischen Nummern pur, mit einem QR-Code gelangt man zur vollständigen Fassung mit Poetry Slam. Wintels erzählt die Handlung in gereimten Versen, wechselt eindrücklich die Stimmfarben. Aber dennoch wirkt er im Vergleich mit den espritvollen Musikern ein wenig nüchtern. Seinen Slam serviert er pur. Vielleicht hätte hier eine fantasievolle und durchdachte Kombination mit Musik dieser Form der Präsentation noch ein bisschen mehr Pfiff gegeben.

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