Musikgeschichte

Streitbar und sanft

Von
Johannes Schmitz
Erschienen in der Printausgabe im
November 2024
Lesezeit ca.
Minuten
Foto: Sony Classical
Foto: Sony Classical

Auf Fotos überragt er fast immer alle anderen. Und es gibt viele Fotos mit ihm in dem dicken Buch „Voice of Freedom“, dessen fester Einband 14 CDs birgt: seine sämtlichen Aufnahmen für die Firmen Columbia, RCA, HMV und Victor. Ein lohnendes Projekt und zugleich eines, das den Klassikmarkt nur am Rand tangiert. Denn Lied, Oratorium und Oper hatte Paul Robeson so gut wie gar nicht im Repertoire. Und nicht nur das unterscheidet ihn von klassischen Sängern.
Dass Juristen, Ingenieure, Instrumentalisten, Lehrer und Menschen anderer Berufe in den des Sängers oder der Sängerin wechseln, ist nichts Ungewöhnliches. Die Ballung der verschiedenen Lebensrollen, die Robeson neben seiner Arbeit auf der Bühne eingenommen hat, ist hingegen singulär.
Stimmfans werden vielleicht sein „Trees“ (von Oscar Rasbach) im Ohr haben oder sein „Ol’ Man River“, das Glanzstück aus Jerome Kerns „Show Boat“, das er mit der ihm eigenen Natürlichkeit zu Liedern von unter die Haut gehender schlichter Größe formt. Hier laufen denn auch zwei Lebenslinien Robesons zusammen, die eng miteinander verwoben sind: die des Sängers und die des Filmschauspielers. Das Buch gibt einen Überblick über die gut ein Dutzend Filme, in denen Robeson mitgewirkt hat.
In „The Song of Freedom“ von 1936 spielt Robeson eine Figur, die das Schicksal vieler afroamerikanischer Menschen widerspiegelt, zwischen dreckiger und schlecht bezahlter Arbeit einerseits (was Robeson selbst erspart blieb) und der Würde ihrer Herkunft andererseits, einer natürlichen Würde, die keines Ruhms nach den Vorstellungen der „weißen“, sogenannten zivilisierten Welt bedurfte.

Lawrence Brown und Paul Robeson 1941 in  einer Kirche in Harlem. Foto: Sony Classical


Dass Robeson dieses Selbstwert-Bewusstsein hatte und nicht nur das eigene Fortkommen betrieb, sondern spätestens mit seiner klaren Haltung gegen die spanischen Faschisten auch zum politischen Akteur wurde, sorgte für eine weitere enge Verknüpfung seiner Lebenslinien. Er setzte sich nicht nur auf der Bühne gegen Rassismus und Unterdrückung ein. Er führte den Kampf auch kraft seiner Bedeutung als Künstler auf dem politischen Parkett. Im Jahr 1946 ermahnte er Präsident Truman bei einem Treffen, mehr gegen die Lynchmorde weißer Rassisten zu unternehmen.
Ein wichtiges, in der Kompilation von Sony leider vernachlässigtes Thema ist die für uns Heutige wunde Stelle in Robesons Biografie: seine Ignoranz gegenüber dem Terror des sowjetischen Kommunismus und des DDR-Regimes.
1934 folgte er einer Einladung des Regisseurs Sergei Eisenstein zur Teilnahme an einem unvollendet gebliebenen Filmprojekt über die Revolution auf Hawaii. In Moskau habe er sich zum ersten Mal als Mensch gefühlt, ohne Vorurteilen wegen seiner Hautfarbe ausgesetzt zu sein, sagte Robeson. Den stalinistischen Terror verklärte er zur notwendigen Ausschaltung von Konterrevolutionären. Es ist tragisch, wie sein Antifaschismus und Antirassismus ihn zu einem Realitätsverweigerer in Bezug auf die vielen Millionen Opfer von Kommunismus und Sozialismus machten, obwohl es in seinem direkten Moskauer Umfeld Opfer von Stalins Terror gab. Diese Zusammenhänge stellt der Historiker Mario Keßler in einem Essay für die Rosa-Luxemburg-Stiftung detailliert dar. Auch in den USA agitierte Robeson für Stalin und den sowjetischen Kommunismus. Stalin und später auch die SED dankten es Robeson mit verschiedenen Auszeichnungen. 

Robesons Stimme war geprägt durch den sonoren, druckfreien Grundklang und resonierende Konsonanten

Während seines letzten Moskau-Aufenthaltes 1961 versuchte Robeson sich das Leben zu nehmen. Wohlmeinende Biografen wollten darin einen Akt der Verzweiflung infolge eines Erkenntnis-Eingeständnisses über das wahre Gesicht des Kommunismus sehen. Eine andere Deutung des Suizidversuchs gibt Robesons Biograf Martin Duberman, der darin den Auswuchs einer bipolaren Störung vermutet. Ein zweiter Selbstmordversuch folgte 1965 in San Francisco. 1976 starb Robeson 77-jährig in Philadelphia.
Seit 1978 gibt es in Berlin-Prenzlauer Berg die Paul-Robeson-Straße. Und Spuren dieses bewegten und bewegenden Lebens finden sich auch an vielen anderen Orten. Auch bei YouTube, wo Robeson in Interviews zu erleben ist, in denen er Einblicke in seine Selbstwahrnehmung und die Motivation für seine politische Haltung gibt.
Mit den Aufnahmen, die in den Jahren 1925 bis 1958 entstanden sind, beschränken wir uns angesichts des wirkmächtigen Lebens von Robeson also nur auf einen Aspekt. Dass Robeson die Stimme als Wesensmerkmal früh wichtig wurde, zeigt seine Beschreibung seines Vaters, eines aus der Sklaverei entkommenen späteren Reverends. Der habe „the greatest speaking voice I have ever heard“ gehabt. Vom Sprechen zum Singen war es dann kein weiter Weg, in Chören und zunehmend als Solist – neben einer kurzen professionellen Football-Karriere und einem Jurastudium an der Columbia University in New York, das er 1923 abschloss. Zwei Jahre später gab er in Manhattan ein Konzert mit „Negro spirituals“, das nach der Beobachtung eines Zeitzeugen dieses Repertoire erstmals dem Konzertsaal erschloss.
Im selben Jahr nahm er mit seinem Freund und Klavierbegleiter Lawrence Brown erste Spirituals („Traditionals“) auf. Die Arrangements stammten von Brown, der sich intensiv mit der afroamerikanischen Musikgeschichte befasste und dessen Einfluss auf die Zusammensetzung von Robesons Repertoire kaum zu überschätzen sein dürfte. Die beiden arbeiteten mehr als vierzig Jahre lang zusammen. Als Robeson seine Karriere beendete, tat Brown es ihm gleich.
Auffallend ist die Sensibilität, mit der Brown und Robeson zu Werke gingen, die Stücke erhalten dadurch, und natürlich durch die samtene Stimme des Sängers, mitunter den Charakter von Kunstliedern, selbst „Nobody Knows de Trouble I’ve Seen“ oder „Swing Low, Sweet Chariot“.

Die Innigkeit seines Vortrags nimmt für sich ein, auf Stimm-Posing verzichtet Robeson


Die Charakteristik von Robesons Stimme ist hier bereits vollständig entfaltet: der sonore, druckfreie Grundklang, die resonierenden Konsonanten, der schlichte Erzählton bei gleichzeitiger künstlerischer Ausfeilung. Die Innigkeit seines Vortrags nimmt für sich ein, auf äußerliches Stimm-Posing verzichtet er. Auch „Ol’ Man River“ (mit dem Paul-White­man-Orchester) ist in einer recht schnell genommenen Version auf der ersten CD vertreten, einige weitere Versionen folgen. Viele Aufnahmen entstanden mit dem Orchester von Ray Noble, darunter einige Lieder von Stephen Foster. Beeindruckend ist auch das von der Orgel begleitete „Nearer, My God, to Thee“, noch stärker aber sind die kunstliedhaft zurückhaltenden Lieder wie „Were You There?“. Einige Medleys von Spirituals mit beschwingten Unterhaltungsorchestern dokumentieren, wie populär Robeson in den 1930er Jahren in den USA war. Was auch auf seine Filmsongs zutreffen mag, die der Bassbariton in jener Zeit aufnahm. Mit Ausschnitten aus Gershwins „Porgy and Bess“ kommt dann eine neue Farbe in Robesons Repertoire (mit dem Orchester von Carroll Gibbons), jedoch wie bei den „Wolga­schiffern“ oder Liedern von Mussorgsky, Gre­tschaninow, Dvořák, Quilter oder Ireland immer abgemischt mit der unverwechselbar warmen Stimmfarbe und dem eher gemäßigten Temperament und erfüllt von einer natürlich wirkenden Frömmigkeit.
Das vielleicht schönste Dokument der Edition ist die Live-Aufnahme eines Konzerts von Robeson und Brown 1958 in New York, auch wenn der Sänger mitunter „kratzig“ klingt. Das Repertoire reicht von Bach über Beethoven (die „Ode an die Freude“ als Solo!!) und Mussorgsky bis hin zu zahlreichen Traditionals und vielen direkten Ansprachen an das Publikum mit diversen Erklärungen zur Musik. Gut zwei Monate später trat Robeson in der Royal Albert Hall in London auf. Auch hier sang er viele Traditionals, musste, auch wenn er stimmlich nicht mehr ganz der alte war, die „Wolgaschiffer“ wegen des starken Applauses wiederholen und rezitierte zum Abschluss ein Gedicht von Pablo Neruda. Die letzten beiden CDs bieten dann Shakespeares „Othello“, als der Robeson in den USA und in London große Erfolge feierte – als reine Sprechaufnahme.
Insgesamt ist „Voice of Freedom“ ein Kompendium, das viele Songs der (afro-)amerikanischen Musikgeschichte präsentiert, mit dem Schwerpunkt auf Spirituals. Schade, dass es weder Liedtexte noch Erläuterungen zu den Kompositionen oder den Begleitumständen der Aufnahmen gibt. So bleibt das dicke, englischsprachige Buch vor allem ein Bilderband mit viel Musik dazu. Statt fünfzig Seiten Recording-Sessions-Erbsenzählerei inklusive Matrix-Nummern hätte man sich eine tiefergehende und auch kritische Auseinandersetzung mit der großen Persönlichkeit von Paul
Robeson vorstellen können. So bleibt es beim Starkult. Aber eben auch bei der großartigen Stimme.

Auf Fotos überragt er fast immer alle anderen. Und es gibt viele Fotos mit ihm in dem dicken Buch „Voice of Freedom“, dessen fester Einband 14 CDs birgt: seine sämtlichen Aufnahmen für die Firmen Columbia, RCA, HMV und Victor. Ein lohnendes Projekt und zugleich eines, das den Klassikmarkt nur am Rand tangiert. Denn Lied, Oratorium und Oper hatte Paul Robeson so gut wie gar nicht im Repertoire. Und nicht nur das unterscheidet ihn von klassischen Sängern.
Dass Juristen, Ingenieure, Instrumentalisten, Lehrer und Menschen anderer Berufe in den des Sängers oder der Sängerin wechseln, ist nichts Ungewöhnliches. Die Ballung der verschiedenen Lebensrollen, die Robeson neben seiner Arbeit auf der Bühne eingenommen hat, ist hingegen singulär.
Stimmfans werden vielleicht sein „Trees“ (von Oscar Rasbach) im Ohr haben oder sein „Ol’ Man River“, das Glanzstück aus Jerome Kerns „Show Boat“, das er mit der ihm eigenen Natürlichkeit zu Liedern von unter die Haut gehender schlichter Größe formt. Hier laufen denn auch zwei Lebenslinien Robesons zusammen, die eng miteinander verwoben sind: die des Sängers und die des Filmschauspielers. Das Buch gibt einen Überblick über die gut ein Dutzend Filme, in denen Robeson mitgewirkt hat.
In „The Song of Freedom“ von 1936 spielt Robeson eine Figur, die das Schicksal vieler afroamerikanischer Menschen widerspiegelt, zwischen dreckiger und schlecht bezahlter Arbeit einerseits (was Robeson selbst erspart blieb) und der Würde ihrer Herkunft andererseits, einer natürlichen Würde, die keines Ruhms nach den Vorstellungen der „weißen“, sogenannten zivilisierten Welt bedurfte.

Lawrence Brown und Paul Robeson 1941 in  einer Kirche in Harlem. Foto: Sony Classical


Dass Robeson dieses Selbstwert-Bewusstsein hatte und nicht nur das eigene Fortkommen betrieb, sondern spätestens mit seiner klaren Haltung gegen die spanischen Faschisten auch zum politischen Akteur wurde, sorgte für eine weitere enge Verknüpfung seiner Lebenslinien. Er setzte sich nicht nur auf der Bühne gegen Rassismus und Unterdrückung ein. Er führte den Kampf auch kraft seiner Bedeutung als Künstler auf dem politischen Parkett. Im Jahr 1946 ermahnte er Präsident Truman bei einem Treffen, mehr gegen die Lynchmorde weißer Rassisten zu unternehmen.
Ein wichtiges, in der Kompilation von Sony leider vernachlässigtes Thema ist die für uns Heutige wunde Stelle in Robesons Biografie: seine Ignoranz gegenüber dem Terror des sowjetischen Kommunismus und des DDR-Regimes.
1934 folgte er einer Einladung des Regisseurs Sergei Eisenstein zur Teilnahme an einem unvollendet gebliebenen Filmprojekt über die Revolution auf Hawaii. In Moskau habe er sich zum ersten Mal als Mensch gefühlt, ohne Vorurteilen wegen seiner Hautfarbe ausgesetzt zu sein, sagte Robeson. Den stalinistischen Terror verklärte er zur notwendigen Ausschaltung von Konterrevolutionären. Es ist tragisch, wie sein Antifaschismus und Antirassismus ihn zu einem Realitätsverweigerer in Bezug auf die vielen Millionen Opfer von Kommunismus und Sozialismus machten, obwohl es in seinem direkten Moskauer Umfeld Opfer von Stalins Terror gab. Diese Zusammenhänge stellt der Historiker Mario Keßler in einem Essay für die Rosa-Luxemburg-Stiftung detailliert dar. Auch in den USA agitierte Robeson für Stalin und den sowjetischen Kommunismus. Stalin und später auch die SED dankten es Robeson mit verschiedenen Auszeichnungen. 

Robesons Stimme war geprägt durch den sonoren, druckfreien Grundklang und resonierende Konsonanten

Während seines letzten Moskau-Aufenthaltes 1961 versuchte Robeson sich das Leben zu nehmen. Wohlmeinende Biografen wollten darin einen Akt der Verzweiflung infolge eines Erkenntnis-Eingeständnisses über das wahre Gesicht des Kommunismus sehen. Eine andere Deutung des Suizidversuchs gibt Robesons Biograf Martin Duberman, der darin den Auswuchs einer bipolaren Störung vermutet. Ein zweiter Selbstmordversuch folgte 1965 in San Francisco. 1976 starb Robeson 77-jährig in Philadelphia.
Seit 1978 gibt es in Berlin-Prenzlauer Berg die Paul-Robeson-Straße. Und Spuren dieses bewegten und bewegenden Lebens finden sich auch an vielen anderen Orten. Auch bei YouTube, wo Robeson in Interviews zu erleben ist, in denen er Einblicke in seine Selbstwahrnehmung und die Motivation für seine politische Haltung gibt.
Mit den Aufnahmen, die in den Jahren 1925 bis 1958 entstanden sind, beschränken wir uns angesichts des wirkmächtigen Lebens von Robeson also nur auf einen Aspekt. Dass Robeson die Stimme als Wesensmerkmal früh wichtig wurde, zeigt seine Beschreibung seines Vaters, eines aus der Sklaverei entkommenen späteren Reverends. Der habe „the greatest speaking voice I have ever heard“ gehabt. Vom Sprechen zum Singen war es dann kein weiter Weg, in Chören und zunehmend als Solist – neben einer kurzen professionellen Football-Karriere und einem Jurastudium an der Columbia University in New York, das er 1923 abschloss. Zwei Jahre später gab er in Manhattan ein Konzert mit „Negro spirituals“, das nach der Beobachtung eines Zeitzeugen dieses Repertoire erstmals dem Konzertsaal erschloss.
Im selben Jahr nahm er mit seinem Freund und Klavierbegleiter Lawrence Brown erste Spirituals („Traditionals“) auf. Die Arrangements stammten von Brown, der sich intensiv mit der afroamerikanischen Musikgeschichte befasste und dessen Einfluss auf die Zusammensetzung von Robesons Repertoire kaum zu überschätzen sein dürfte. Die beiden arbeiteten mehr als vierzig Jahre lang zusammen. Als Robeson seine Karriere beendete, tat Brown es ihm gleich.
Auffallend ist die Sensibilität, mit der Brown und Robeson zu Werke gingen, die Stücke erhalten dadurch, und natürlich durch die samtene Stimme des Sängers, mitunter den Charakter von Kunstliedern, selbst „Nobody Knows de Trouble I’ve Seen“ oder „Swing Low, Sweet Chariot“.

Die Innigkeit seines Vortrags nimmt für sich ein, auf Stimm-Posing verzichtet Robeson


Die Charakteristik von Robesons Stimme ist hier bereits vollständig entfaltet: der sonore, druckfreie Grundklang, die resonierenden Konsonanten, der schlichte Erzählton bei gleichzeitiger künstlerischer Ausfeilung. Die Innigkeit seines Vortrags nimmt für sich ein, auf äußerliches Stimm-Posing verzichtet er. Auch „Ol’ Man River“ (mit dem Paul-White­man-Orchester) ist in einer recht schnell genommenen Version auf der ersten CD vertreten, einige weitere Versionen folgen. Viele Aufnahmen entstanden mit dem Orchester von Ray Noble, darunter einige Lieder von Stephen Foster. Beeindruckend ist auch das von der Orgel begleitete „Nearer, My God, to Thee“, noch stärker aber sind die kunstliedhaft zurückhaltenden Lieder wie „Were You There?“. Einige Medleys von Spirituals mit beschwingten Unterhaltungsorchestern dokumentieren, wie populär Robeson in den 1930er Jahren in den USA war. Was auch auf seine Filmsongs zutreffen mag, die der Bassbariton in jener Zeit aufnahm. Mit Ausschnitten aus Gershwins „Porgy and Bess“ kommt dann eine neue Farbe in Robesons Repertoire (mit dem Orchester von Carroll Gibbons), jedoch wie bei den „Wolga­schiffern“ oder Liedern von Mussorgsky, Gre­tschaninow, Dvořák, Quilter oder Ireland immer abgemischt mit der unverwechselbar warmen Stimmfarbe und dem eher gemäßigten Temperament und erfüllt von einer natürlich wirkenden Frömmigkeit.
Das vielleicht schönste Dokument der Edition ist die Live-Aufnahme eines Konzerts von Robeson und Brown 1958 in New York, auch wenn der Sänger mitunter „kratzig“ klingt. Das Repertoire reicht von Bach über Beethoven (die „Ode an die Freude“ als Solo!!) und Mussorgsky bis hin zu zahlreichen Traditionals und vielen direkten Ansprachen an das Publikum mit diversen Erklärungen zur Musik. Gut zwei Monate später trat Robeson in der Royal Albert Hall in London auf. Auch hier sang er viele Traditionals, musste, auch wenn er stimmlich nicht mehr ganz der alte war, die „Wolgaschiffer“ wegen des starken Applauses wiederholen und rezitierte zum Abschluss ein Gedicht von Pablo Neruda. Die letzten beiden CDs bieten dann Shakespeares „Othello“, als der Robeson in den USA und in London große Erfolge feierte – als reine Sprechaufnahme.
Insgesamt ist „Voice of Freedom“ ein Kompendium, das viele Songs der (afro-)amerikanischen Musikgeschichte präsentiert, mit dem Schwerpunkt auf Spirituals. Schade, dass es weder Liedtexte noch Erläuterungen zu den Kompositionen oder den Begleitumständen der Aufnahmen gibt. So bleibt das dicke, englischsprachige Buch vor allem ein Bilderband mit viel Musik dazu. Statt fünfzig Seiten Recording-Sessions-Erbsenzählerei inklusive Matrix-Nummern hätte man sich eine tiefergehende und auch kritische Auseinandersetzung mit der großen Persönlichkeit von Paul
Robeson vorstellen können. So bleibt es beim Starkult. Aber eben auch bei der großartigen Stimme.