Von lachenden und weinenden Philosophen
Mit „Weeping Philosophers“ legt der Countertenor Lawrence Zazzo ein in vieler Hinsicht experimentelles Album vor

Philosophen und Musik – da denkt der Laie an Nietzsche und Adorno, an Schopenhauer und vielleicht noch Platon, für den zu einer umfassenden Bildung auch die Musik gehörte. Aber wohl die wenigsten denken an Barockmusik. Und gar „weinende Philosophen“! Lawrence Zazzo, seit vielen Jahren einer der führenden Countertenöre der Welt, hat ein sehr ungewöhnliches Album zusammengestellt: „Weeping Philosophers“ heißt es, wobei aus dem Programm nicht ganz klar wird, warum. Denn es geht nicht nur um Heraklit, den man den „weinenden Philosophen“ nannte, weil er die Torheit des Menschen beklagte, sondern auch um Demokrit, den über ebendiese Torheit „lachenden Philosophen“, um Aristoteles, Seneca und weitere Kollegen. Dass man aus barocken Musikstücken über Philosophen eine ganze CD zusammenstellen könnte, hätte ich vorher nicht gedacht.
„Ich hätte problemlos drei CDs füllen können“, entgegnet Lawrence Zazzo, als wir uns in der Kantine der Frankfurter Oper treffen, wo der Amerikaner im März Händels Giulio Cesare gab, eine seiner Paraderollen. Zazzo ist kein einfacher Gesprächspartner. Aber nicht, weil er unkommunikativ wäre. Im Gegenteil. Zazzo, der sich sofort als Larry vorstellt (als Dr. Larry Zazzo unterschreibt er auch seine musikwissenschaftlichen Artikel – dazu später mehr), wirkt sehr herzlich und zugewandt. Aber er kommt vom Hölzken aufs Stöcksken, stellt (sich und der Welt) viele Fragen und philosophiert – und das in einem ziemlich elaborierten amerikanischen Englisch, das er mit italienischen, französischen und deutschen Wörtern spickt und in dem viele Sätze unvollendet bleiben. Aber eines wird schnell klar: Zazzo begeistert sich noch immer fürs Musikmachen, „Fun“ ist ein Wort, das er oft benutzt. Und dieses Philosophen-Album war ihm ganz offensichtlich ein Herzensanliegen.
Ausgangspunkt war ein Konzert in der Wigmore Hall, in dem er Barbara Strozzis „L’Eraclito amoroso“ singen wollte und dazu die wunderbare Cantate von Francesco Durante über „den in Ohnmacht gefallenen Seneca“, die er gerade entdeckt hatte. Ihm fiel ein, dass Seneca in Monteverdis Oper „L’incoronatione di Poppea“ auftritt, und begann nach weiteren Werken zu suchen, in denen Philosophen eine Hauptrolle spielen. Das Thema erwies sich als ergiebig. Er fand François Couperins Porträt der Philosophen Heraklit, Demokrit und Diogenes und Telemanns Oper „Der geduldige Sokrates“, er fand Richard Leveridges Trinklied über „saufende Philosophen“ und Jean-Baptiste Stucks Vertonung einer ernsthaften Diskussion zwischen Heraklit und Demokrit.
„Ich denke, es war eine Möglichkeit für die Musiker, sich über die Philosophen lustig zu machen“, meint Lawrence Zazzo. „Hey, das sind auch nur Menschen wie wir. Was wäre, wenn Heraklit oder Demokrit sich verlieben würden? Wie würden sie dann die Welt sehen? Würden sie weinen? Würden sie lachen? Würden sie darüber philosophieren?“
Sollen die Sänger wahre Emotionen zeigen – oder nur im Publikum hervorrufen?
Zazzo ist ein neugieriger Geist – mit einer ungewöhnlichen Biografie. Schon als Kind sang er in seiner Heimatstadt Philadelphia im Chor und als Jugendlicher in einem Barbershop-Ensemble, auch noch an der Yale-Universität, wo er Englische Literatur studierte. Mit einem Stipendium kam er ins englische Cambridge, wo er kurzentschlossen, statt den Master zu machen, ein zweites Studium als Chorleiter begann – und im berühmten King’s College Choir
sang. Zwei Jahre später wechselte er, mit 24 Jahren, in ein Gesangsstudium am Royal College of Music in London, debütierte während dieser zwei Jahre als Oberon in Brittens „Midsummer Night’s Dream“ auf der Opernbühne und startete als Arminio in Händels gleichnamiger Oper auf dem Londoner Händel-Festival eine steile Opernkarriere.
Zazzo hat mit allen zusammengearbeitet, die in der Alte-Musik-Szene Rang und Namen haben, und so gut wie alle großen Alt-Rollen gesungen. Aber der bekennende Regietheater-Fan war auch in zahlreichen neuen Werken und Uraufführungen zu erleben wie in Thomas Adès’ „The Tempest“ oder Peter Eötvös’ „Drei Schwestern“. Und fand noch Zeit und Energie, mit einer Arbeit über Händels Oratorien in Musikwissenschaft zu promovieren, da war er 44. „Die Wissenschaft hat mich immer interessiert“, sagt er dazu, „und als Countertenor ist die Karriere kurz. Es gibt nicht viele Countertenöre, die mit 60 noch aktiv sind.“
Seit 2017 ist Zazzo, nachdem er zuvor Gesangsprofessor in London gewesen war, „Senior Lecturer“ an der Universität im nordenglischen Newcastle. Er gibt Kurse in den Bereichen Musikgeschichte und Aufführungspraxis, hat zuletzt im Halleschen Händel-Jahrbuch einen Artikel über „Händel, (den Händel-Wiederentdecker Oskar) Hagen und die Werktreue“ veröffentlicht – und kann im Rahmen seiner Professur auch ungewöhnliche CD-Programme machen.
Auch „Weeping Philosophers“, aufgenommen übrigens 2023 mit dem Ensemble Tercia Realidad in San Lorenzo de El Escorial vor den Toren Madrids, wurde finanziert vom Newcastle Institute for Creative Practice. Und das erklärt nicht nur die ungewöhnliche Programmwahl, sondern auch die Art und Weise, wie Zazzo die Werke präsentiert. „Etwas überkandidelt“ fand es unser Rezensent Reinmar Emans (FF 4/24). Aber das war Absicht, wie Lawrence Zazzo fröhlich erklärt.
Über die Beschäftigung mit den Philosophen kam er auf die Frage, wie es denn eigentlich mit den Emotionen bestellt ist im Konzert. Sollen die Sänger wahre Emotionen zeigen – oder nur im Publikum hervorrufen? Sollen sie stöhnen, sollen sie schluchzen, sollen sie laut atmen – wo es passt? „Wir haben es so gelernt, dass Aufnahmen ‚sauber‘ sein müssen. Der Mensch verschwindet hinter den Tönen. Aber ist das richtig? Es gibt Texte aus der Barockzeit, in denen dieses Geräuschhafte gefordert wird – wobei wir nicht wissen, ob das allgemein anerkannt oder eine Extremposition war. Es geht nicht um schlechte Technik. Aber wir wissen, dass so vieles nicht notiert ist in den Noten. Ich hoffe und denke, ich habe nicht übertrieben. Lassen wir die Hörer entscheiden, ob sie es mögen.“

Ähnlich ist Lawrence Zazzo an die Frage der Ornamentierung herangegangen. „Ich wollte wirklich einmal all diese Ornamente machen, von denen die Lehrbücher sprechen. Das Problem ist, man weiß nicht, wie weit man gehen kann. Alle Lehrschriften sagen: Du kannst dies und das und noch mehr machen. Aber: Es sollte im Rahmen des guten Geschmacks bleiben! Und der ist individuell und kann sich von Tag zu Tag ändern. Und auch wieder nicht, weil man natürlich durch den Zeitgeist, durch das, was man hört und was gerade ankommt, beeinflusst ist. Ich wollte ein mögliches Extrem zeigen, von dem Studenten oder Lehrer oder andere Hörer hoffentlich inspiriert werden. Es ist ein Experiment. Aber mir gefällt das Ergebnis. Jede Aufnahme stellt, wenn sie gut ist, neue Fragen. An der Uni hab ich als Kollegen Popmusiker, Volksmusiker, Jazzmusiker, Elektronik-Musiker. Man bekommt dauernd neue Ideen, was man machen kann – statt nur zu hören, was man nicht machen darf. Ich möchte offen sein und Dinge ausprobieren – auf der Grundlage der Wissenschaft. Ich denke zum Beispiel gerade über Loops nach. Jazzmusiker machen das dauernd, in der Alten Musik hab ich das noch nie gesehen. Dabei ist ein Ostinato-Bass nichts anderes als ein Loop. Vielleicht singe ich dieses Couperin-Trio mal allein mit dem Loop.“
Zuzutrauen wäre es dem Amerikaner, der schließlich auch schon eine CD mit dem Titel „Lunacy. Songs of Madness and the Moon“ gemacht hat und irgendwann in unserem Gespräch den schönen Satz sagt, den ich auf Englisch stehen lassen will: „So part of this CD is making fun of this ability of music to make fun of itself or to make fun of people who take life too seriously or take music too seriously.“
Zum Schluss verrät Lawrence Zazzo, dessen Namen man amerikanisch Sässo mit weichem s oder auch italienisch mit z aussprechen kann, womit er sich als nächstes beschäftigen will. Das klingt auch spannend: „Warum werden Lieder aufgeführt, wie sie aufgeführt werden? Der Sänger oder die Sängerin steht vor einem Klavier und bewegt sich kaum. Im Fokus steht allein die Stimme. Aber war das immer so? Schuberts Lieblingssänger, Vogl, war Opernsänger. Er machte Ausbrüche und schrie, und Schubert liebte das offensichtlich. Es gibt Bilder, da sitzt er neben Schubert. Auf anderen wirkt es, als würden die Sänger gestikulieren. Im Studio machen das viele Sänger heute noch – wenn man sie nicht sieht. Hat man das früher auch vor Publikum gemacht? Das waren ja alles Opernsänger, die die szenische Deklamation gewohnt waren. Haben die beim Lied wirklich ganz auf Gesten verzichtet? Und was würde passieren, wenn man stärker mit dem Publikum kommuniziert? Das will ich in den nächsten Jahren erforschen.“
Lawrence Zazzo stellt Fragen, auf die man so nicht gekommen wäre. Denen nachzugehen sich aber lohnen könnte. „Weeping Philosophers“ ist also eine Art klingende Forschungsarbeit. Über die man trefflich streiten kann. Was will man mehr?!
Philosophen und Musik – da denkt der Laie an Nietzsche und Adorno, an Schopenhauer und vielleicht noch Platon, für den zu einer umfassenden Bildung auch die Musik gehörte. Aber wohl die wenigsten denken an Barockmusik. Und gar „weinende Philosophen“! Lawrence Zazzo, seit vielen Jahren einer der führenden Countertenöre der Welt, hat ein sehr ungewöhnliches Album zusammengestellt: „Weeping Philosophers“ heißt es, wobei aus dem Programm nicht ganz klar wird, warum. Denn es geht nicht nur um Heraklit, den man den „weinenden Philosophen“ nannte, weil er die Torheit des Menschen beklagte, sondern auch um Demokrit, den über ebendiese Torheit „lachenden Philosophen“, um Aristoteles, Seneca und weitere Kollegen. Dass man aus barocken Musikstücken über Philosophen eine ganze CD zusammenstellen könnte, hätte ich vorher nicht gedacht.
„Ich hätte problemlos drei CDs füllen können“, entgegnet Lawrence Zazzo, als wir uns in der Kantine der Frankfurter Oper treffen, wo der Amerikaner im März Händels Giulio Cesare gab, eine seiner Paraderollen. Zazzo ist kein einfacher Gesprächspartner. Aber nicht, weil er unkommunikativ wäre. Im Gegenteil. Zazzo, der sich sofort als Larry vorstellt (als Dr. Larry Zazzo unterschreibt er auch seine musikwissenschaftlichen Artikel – dazu später mehr), wirkt sehr herzlich und zugewandt. Aber er kommt vom Hölzken aufs Stöcksken, stellt (sich und der Welt) viele Fragen und philosophiert – und das in einem ziemlich elaborierten amerikanischen Englisch, das er mit italienischen, französischen und deutschen Wörtern spickt und in dem viele Sätze unvollendet bleiben. Aber eines wird schnell klar: Zazzo begeistert sich noch immer fürs Musikmachen, „Fun“ ist ein Wort, das er oft benutzt. Und dieses Philosophen-Album war ihm ganz offensichtlich ein Herzensanliegen.
Ausgangspunkt war ein Konzert in der Wigmore Hall, in dem er Barbara Strozzis „L’Eraclito amoroso“ singen wollte und dazu die wunderbare Cantate von Francesco Durante über „den in Ohnmacht gefallenen Seneca“, die er gerade entdeckt hatte. Ihm fiel ein, dass Seneca in Monteverdis Oper „L’incoronatione di Poppea“ auftritt, und begann nach weiteren Werken zu suchen, in denen Philosophen eine Hauptrolle spielen. Das Thema erwies sich als ergiebig. Er fand François Couperins Porträt der Philosophen Heraklit, Demokrit und Diogenes und Telemanns Oper „Der geduldige Sokrates“, er fand Richard Leveridges Trinklied über „saufende Philosophen“ und Jean-Baptiste Stucks Vertonung einer ernsthaften Diskussion zwischen Heraklit und Demokrit.
„Ich denke, es war eine Möglichkeit für die Musiker, sich über die Philosophen lustig zu machen“, meint Lawrence Zazzo. „Hey, das sind auch nur Menschen wie wir. Was wäre, wenn Heraklit oder Demokrit sich verlieben würden? Wie würden sie dann die Welt sehen? Würden sie weinen? Würden sie lachen? Würden sie darüber philosophieren?“
Sollen die Sänger wahre Emotionen zeigen – oder nur im Publikum hervorrufen?
Zazzo ist ein neugieriger Geist – mit einer ungewöhnlichen Biografie. Schon als Kind sang er in seiner Heimatstadt Philadelphia im Chor und als Jugendlicher in einem Barbershop-Ensemble, auch noch an der Yale-Universität, wo er Englische Literatur studierte. Mit einem Stipendium kam er ins englische Cambridge, wo er kurzentschlossen, statt den Master zu machen, ein zweites Studium als Chorleiter begann – und im berühmten King’s College Choir
sang. Zwei Jahre später wechselte er, mit 24 Jahren, in ein Gesangsstudium am Royal College of Music in London, debütierte während dieser zwei Jahre als Oberon in Brittens „Midsummer Night’s Dream“ auf der Opernbühne und startete als Arminio in Händels gleichnamiger Oper auf dem Londoner Händel-Festival eine steile Opernkarriere.
Zazzo hat mit allen zusammengearbeitet, die in der Alte-Musik-Szene Rang und Namen haben, und so gut wie alle großen Alt-Rollen gesungen. Aber der bekennende Regietheater-Fan war auch in zahlreichen neuen Werken und Uraufführungen zu erleben wie in Thomas Adès’ „The Tempest“ oder Peter Eötvös’ „Drei Schwestern“. Und fand noch Zeit und Energie, mit einer Arbeit über Händels Oratorien in Musikwissenschaft zu promovieren, da war er 44. „Die Wissenschaft hat mich immer interessiert“, sagt er dazu, „und als Countertenor ist die Karriere kurz. Es gibt nicht viele Countertenöre, die mit 60 noch aktiv sind.“
Seit 2017 ist Zazzo, nachdem er zuvor Gesangsprofessor in London gewesen war, „Senior Lecturer“ an der Universität im nordenglischen Newcastle. Er gibt Kurse in den Bereichen Musikgeschichte und Aufführungspraxis, hat zuletzt im Halleschen Händel-Jahrbuch einen Artikel über „Händel, (den Händel-Wiederentdecker Oskar) Hagen und die Werktreue“ veröffentlicht – und kann im Rahmen seiner Professur auch ungewöhnliche CD-Programme machen.
Auch „Weeping Philosophers“, aufgenommen übrigens 2023 mit dem Ensemble Tercia Realidad in San Lorenzo de El Escorial vor den Toren Madrids, wurde finanziert vom Newcastle Institute for Creative Practice. Und das erklärt nicht nur die ungewöhnliche Programmwahl, sondern auch die Art und Weise, wie Zazzo die Werke präsentiert. „Etwas überkandidelt“ fand es unser Rezensent Reinmar Emans (FF 4/24). Aber das war Absicht, wie Lawrence Zazzo fröhlich erklärt.
Über die Beschäftigung mit den Philosophen kam er auf die Frage, wie es denn eigentlich mit den Emotionen bestellt ist im Konzert. Sollen die Sänger wahre Emotionen zeigen – oder nur im Publikum hervorrufen? Sollen sie stöhnen, sollen sie schluchzen, sollen sie laut atmen – wo es passt? „Wir haben es so gelernt, dass Aufnahmen ‚sauber‘ sein müssen. Der Mensch verschwindet hinter den Tönen. Aber ist das richtig? Es gibt Texte aus der Barockzeit, in denen dieses Geräuschhafte gefordert wird – wobei wir nicht wissen, ob das allgemein anerkannt oder eine Extremposition war. Es geht nicht um schlechte Technik. Aber wir wissen, dass so vieles nicht notiert ist in den Noten. Ich hoffe und denke, ich habe nicht übertrieben. Lassen wir die Hörer entscheiden, ob sie es mögen.“

Ähnlich ist Lawrence Zazzo an die Frage der Ornamentierung herangegangen. „Ich wollte wirklich einmal all diese Ornamente machen, von denen die Lehrbücher sprechen. Das Problem ist, man weiß nicht, wie weit man gehen kann. Alle Lehrschriften sagen: Du kannst dies und das und noch mehr machen. Aber: Es sollte im Rahmen des guten Geschmacks bleiben! Und der ist individuell und kann sich von Tag zu Tag ändern. Und auch wieder nicht, weil man natürlich durch den Zeitgeist, durch das, was man hört und was gerade ankommt, beeinflusst ist. Ich wollte ein mögliches Extrem zeigen, von dem Studenten oder Lehrer oder andere Hörer hoffentlich inspiriert werden. Es ist ein Experiment. Aber mir gefällt das Ergebnis. Jede Aufnahme stellt, wenn sie gut ist, neue Fragen. An der Uni hab ich als Kollegen Popmusiker, Volksmusiker, Jazzmusiker, Elektronik-Musiker. Man bekommt dauernd neue Ideen, was man machen kann – statt nur zu hören, was man nicht machen darf. Ich möchte offen sein und Dinge ausprobieren – auf der Grundlage der Wissenschaft. Ich denke zum Beispiel gerade über Loops nach. Jazzmusiker machen das dauernd, in der Alten Musik hab ich das noch nie gesehen. Dabei ist ein Ostinato-Bass nichts anderes als ein Loop. Vielleicht singe ich dieses Couperin-Trio mal allein mit dem Loop.“
Zuzutrauen wäre es dem Amerikaner, der schließlich auch schon eine CD mit dem Titel „Lunacy. Songs of Madness and the Moon“ gemacht hat und irgendwann in unserem Gespräch den schönen Satz sagt, den ich auf Englisch stehen lassen will: „So part of this CD is making fun of this ability of music to make fun of itself or to make fun of people who take life too seriously or take music too seriously.“
Zum Schluss verrät Lawrence Zazzo, dessen Namen man amerikanisch Sässo mit weichem s oder auch italienisch mit z aussprechen kann, womit er sich als nächstes beschäftigen will. Das klingt auch spannend: „Warum werden Lieder aufgeführt, wie sie aufgeführt werden? Der Sänger oder die Sängerin steht vor einem Klavier und bewegt sich kaum. Im Fokus steht allein die Stimme. Aber war das immer so? Schuberts Lieblingssänger, Vogl, war Opernsänger. Er machte Ausbrüche und schrie, und Schubert liebte das offensichtlich. Es gibt Bilder, da sitzt er neben Schubert. Auf anderen wirkt es, als würden die Sänger gestikulieren. Im Studio machen das viele Sänger heute noch – wenn man sie nicht sieht. Hat man das früher auch vor Publikum gemacht? Das waren ja alles Opernsänger, die die szenische Deklamation gewohnt waren. Haben die beim Lied wirklich ganz auf Gesten verzichtet? Und was würde passieren, wenn man stärker mit dem Publikum kommuniziert? Das will ich in den nächsten Jahren erforschen.“
Lawrence Zazzo stellt Fragen, auf die man so nicht gekommen wäre. Denen nachzugehen sich aber lohnen könnte. „Weeping Philosophers“ ist also eine Art klingende Forschungsarbeit. Über die man trefflich streiten kann. Was will man mehr?!

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