Virtuoser Entdecker
Der Pianist Marc-André Hamelin hat zahllose Werke entdeckt und aufgenommen. Und ist noch immer neugierig

Dieser Mann ist ein Phänomen: Er gilt als der Super-Virtuose schlechthin auf dem Klavier, ist aber auch ein exzellenter Musiker. Er entdeckt immer neue Werke, die er auf CD dem Publikum präsentiert, komponiert selbst mit Witz und Fantasie – und ist zudem ein sehr angenehmer, freundlicher Gesprächspartner. Nach dem Interview sagt er noch, er habe vor kurzem wieder mal Busonis Klavierkonzert gespielt und sei froh, dass er das mit 62 Jahren noch spielen könne. Als ich sage, es gäbe doch wohl nichts, was er nicht spielen könne, antwortet er, er merke doch langsam das Alter. Beim Konzert beim Berliner Klavierfestival waren beim abschließenden, höllisch virtuosen „Gaspard de la nuit“ jedenfalls keine Verfallserscheinungen zu bemerken. Hamelin, der aus Montreal stammt und seit langem in Boston wohnt, wurde vom euphorischen Publikum zu vier Zugaben genötigt.
Herzlichen Glückwunsch, Mr. Hamelin, zu 30 Jahren beim Label Hyperion und Ihrer 60. CD dort.
Danke, aber es sind sogar 64 CDs. Und drei weitere sind schon aufgenommen. Sie können sich also auf noch mehr freuen. (lacht)
Und insgesamt haben Sie ungefähr 130 CDs aufgenommen.
Ich gucke mir tatsächlich immer mal wieder die Zahlen an. Es sind 64 für Hyperion und 24 für andere Labels. Die Kompilationen, bei denen mehrere Pianisten vertreten sind, zähle ich nicht mit.
Warum machen Sie so viele CDs?
Das Klavierrepertoire ist ein weites Feld für Entdeckungen, das fasziniert mich. Natürlich sind viele Stücke nicht wirklich gut, über vieles ist auch die Zeit hinweg gegangen. Aber es gibt immer noch so vieles, was gut ist und Freude bereiten kann. Solche Stücke möchte ich gern dem Publikum präsentieren – und den Pianisten, damit sie mehr Repertoire kennenlernen.
Es ist also sowohl Pflicht als auch Vergnügen?
Es bereitet mir Vergnügen. Aber ich empfinde es auch als Pflicht, meine Entdeckungen mit der Öffentlichkeit zu teilen.
Sie nehmen aber auch mehr und mehr „Standardrepertoire“ auf.
Ich habe immer Standardrepertoire gespielt. Allerdings weniger aufgenommen, das stimmt. Ich habe ohne Anleitung angefangen zu spielen und aufzunehmen, was das Programm angeht. Ich hab einfach gespielt, worauf ich Lust hatte. Ich habe als Teenager Charles Ives‘ Concord Sonata entdeckt und etwas später Boulez und Stockhausen und Cage und Xenakis. Ich habe mir die Noten gekauft und Aufnahmen gehört, weil ich davon so fasziniert war. Meine Lehrer fanden das nicht so toll, aber ich wollte Neues kennenlernen. Ich hatte das Glück, dass ich einen großen Teil des Standardrepertoires sehr früh über meinen Vater kennengelernt habe, der ein sehr guter Amateurpianist war. Er hat viel Romantik gespielt, aber auch Wiener Klassik. Und ich war schon immer neugierig. Und ich mochte schon immer das Schräge und Abgelegene.
Und es gab immer eine Plattenfirma, die das aufnehmen und herausbringen wollte?
Ich erzähle Ihnen, wie es angefangen hat: Meine erste Aufnahme war Teil eines Preises, den ich bei der Carnegie Hall International American Music Competition 1985 gewonnen hatte. Das Label hieß New World Records und hatte nur amerikanische Musik im Programm. Ich habe dann William Bolcom und Stefan Wolpe gewählt. Dann bekam ich ein Angebot von CBC Records, dem Label des kanadischen Rundfunks. Die wollten kein Standard-Repertoire, und deshalb hab ich für sie Godowsky eingespielt. Und dann lud mich New World Records ein, die Concord Sonata aufzunehmen. Selbst wenn ich also Standard-Repertoire hätte aufnehmen wollen – ich hatte gar keine Chance. Die ersten drei Aufnahmen haben mich in die Spur gesetzt, und es hat tatsächlich viele Jahre gedauert, bis ich begonnen habe, Standardrepertoire aufzunehmen. Aber im Konzert hab ich das immer gespielt.
Warum haben Sie sich dann exklusiv an ein Label gebunden?
Ich fand die Vorstellung schön, für ein Label konstant aufnehmen zu können. Und dann kam Hyperion auf mich zu. Mike Spring, einer der größten Klavierexperten, die ich kenne, kam zu einem meiner Konzerte. Er hatte meine Godowsky-CD gehört und fragte mich, ob ich für ihre Reihe der romantischen Klavierkonzerte eine Aufnahme machen wolle. Ich wollte. So ging es los.
Und die sagen Hurra zu all Ihren Ideen?
Zu den meisten. (grinst)
Wenn Hamelin auf dem Cover steht, finden sich genug Käufer?
Das weiß ich nicht. Aber wenn die Label-Leute nicht zufrieden wären, würden sie nicht immer weiter Aufnahmen mit mir machen.
Haben Sie einen langfristigen Masterplan?
(mit verstellter Stimme und finsterer Miene) Ja, ich habe einen Masterplan, die Musikwelt zu dominieren. – Nein, ich mache die Dinge, wie sie mir unterkommen. Es gibt da ein Dilemma: Idealerweise sollte man ein Stück aufnehmen, wenn man es schon eine Weile gespielt hat. Aber die Plattenfirmen wünschen sich, dass man erst die CD aufnimmt und sie dann mit Konzerten bewirbt. Ich bin nicht gut darin, solche Dinge zu planen.
Sagt denn Hyperion nicht: Spiel doch bitte mehr Standardrepertoire, davon könnten wir noch mehr verkaufen?
Nein. Standardrepertoire spiele ich nur ein, wenn ich das Gefühl habe, etwas Wichtiges beitragen zu können. Eine Sache, die ich auf ihren Wunsch hin gemacht habe, war die Aufnahme der späten Busoni-Werke. Ich mag Busoni sehr, und aus der Beschäftigung mit diesen späten Werken ist dann schließlich dieses 3-CD-Album geworden. Und da ist noch nicht einmal die Fantasia contrappuntistica dabei. Da war noch viel zu entdecken, einige kleinere Werke waren sogar noch nie aufgenommen worden. Da hatte ich das Gefühl, es ist sinnvoll, dieses Repertoire der Öffentlichkeit neu zu präsentieren.
Sind Sie immer noch neugierig auf neue Musik?
Absolut! Aber ich bin sehr kritisch.
Wie entscheiden Sie, was Sie spielen?
Ein Stück muss mich überzeugen. Und zum Glück lerne ich ziemlich schnell.
Sie haben mir beim letzten Mal erzählt, dass Sie rund hundert große Kisten mit Noten haben. Sitzen Sie an Ihren freien Abenden zu Hause und gehen die Noten durch und gucken, was Sie interessiert und was nicht?
Ich hab auch tausende Noten als pdf. Ich lese das, manchmal setze ich mich ans Klavier und spiele es an. Man weiß nie, was einen da plötzlich anspringt. Vor kurzem hab ich Mieczyslaw Weinberg entdeckt, der hat eine ganz eigene Stimme, mit dem will ich mich mal intensiver beschäftigen.
Und wenn es Sie packt, dann nehmen Sie das Stück auf?
Wenn mich ein Stück packt, dann möchte ich meine Entdeckung mit anderen Menschen teilen. Allerdings weiß ich inzwischen, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung Angst vor neuen Dingen hat, egal wie zugänglich sie sein mögen. Sie wollen immer wieder nur das hören, was sie kennen. Und realisieren nicht, dass sie das, was sie kennen, irgendwann zum ersten Mal gehört haben. Das ganze Leben ist eine Entdeckungsreise. Warum also nicht immer weiter auch Musik entdecken?
Aber was Musik von heute angeht, die schreiben Sie sich lieber selbst, oder?
Ich komponiere, weil ich den Drang verspüre. In den letzten Jahren habe ich immer mehr Kompositionsaufträge bekommen, das ist natürlich eine Verlockung. Aber ich mache nicht viel Werbung für meine eigene Musik.
Aber generell steht neue Musik nicht im Zentrum Ihres Interesse.
Ich verfolge die Entwicklungen nicht so, wie ich es eigentlich tun sollte, das stimmt. Aber ich freue mich, dass es immer wieder Werke gibt, die mir gefallen. Zum Glück gibt es nach wie vor Komponisten, die neue Gebiete erforschen und unsere Hörgewohnheiten herausfordern.
Sie haben so viel Musik im Kopf. Ist da immer noch Raum für Ihre eigenen neuen Ideen und Melodien?
Naja, ich habe viel Repertoire aufgenommen. Aber viele Stücke hab ich wirklich für die Aufnahme gelernt und dann wieder vergessen. Das finde ich auch nicht schlimm.
Warum komponieren Sie?
Aus dem Wunsch heraus, etwas Neues zu schaffen. Dieser kreative Fluss ist etwas ganz natürliches.
Naja, die meisten klassischen Musiker komponieren nicht selbst.
Und das ist mir ein Rätsel. Denn ein Komponist zu sein – in meinem begrenzten Rahmen – hilft mir sehr, die Werke anderer Komponisten zu verstehen. Das klingt prätentiös, aber es hilft mir, mich ihnen näher zu fühlen im Moment des Erschaffens. Zu erspüren, was der Komponist gedacht haben mag, als er das Werk schrieb, das ich spielen will. Es hilft, wenn ich den Kompositionsprozess nachvollziehen kann. Richtig spannend wird es, wenn es auch nach der Analyse ein Mysterium bleibt. Bei Schubert zum Beispiel: Es wird mir ein ewiges Wunder bleiben, wie er so viel ausdrücken konnte mit so wenigen Noten. Sie merken nach den ersten Tönen: Das ist Schubert!
Haben Sie Kompositionsphasen?
Nein, ich komponiere, wenn mir eine Idee kommt. Es dauert eine Weile, bis sich eine Idee geformt hat, aber wenn ich einmal angefangen habe zu komponieren, dann bleibe ich dran. Aber selbst dann: Ich übe jeden Tag – außer an Reisetagen, wenn ich keinen Zugang zu einem Klavier habe. Das gehört für mich zusammen, ich kann Komponieren und Spielen nicht trennen.
Dieser Mann ist ein Phänomen: Er gilt als der Super-Virtuose schlechthin auf dem Klavier, ist aber auch ein exzellenter Musiker. Er entdeckt immer neue Werke, die er auf CD dem Publikum präsentiert, komponiert selbst mit Witz und Fantasie – und ist zudem ein sehr angenehmer, freundlicher Gesprächspartner. Nach dem Interview sagt er noch, er habe vor kurzem wieder mal Busonis Klavierkonzert gespielt und sei froh, dass er das mit 62 Jahren noch spielen könne. Als ich sage, es gäbe doch wohl nichts, was er nicht spielen könne, antwortet er, er merke doch langsam das Alter. Beim Konzert beim Berliner Klavierfestival waren beim abschließenden, höllisch virtuosen „Gaspard de la nuit“ jedenfalls keine Verfallserscheinungen zu bemerken. Hamelin, der aus Montreal stammt und seit langem in Boston wohnt, wurde vom euphorischen Publikum zu vier Zugaben genötigt.
Herzlichen Glückwunsch, Mr. Hamelin, zu 30 Jahren beim Label Hyperion und Ihrer 60. CD dort.
Danke, aber es sind sogar 64 CDs. Und drei weitere sind schon aufgenommen. Sie können sich also auf noch mehr freuen. (lacht)
Und insgesamt haben Sie ungefähr 130 CDs aufgenommen.
Ich gucke mir tatsächlich immer mal wieder die Zahlen an. Es sind 64 für Hyperion und 24 für andere Labels. Die Kompilationen, bei denen mehrere Pianisten vertreten sind, zähle ich nicht mit.
Warum machen Sie so viele CDs?
Das Klavierrepertoire ist ein weites Feld für Entdeckungen, das fasziniert mich. Natürlich sind viele Stücke nicht wirklich gut, über vieles ist auch die Zeit hinweg gegangen. Aber es gibt immer noch so vieles, was gut ist und Freude bereiten kann. Solche Stücke möchte ich gern dem Publikum präsentieren – und den Pianisten, damit sie mehr Repertoire kennenlernen.
Es ist also sowohl Pflicht als auch Vergnügen?
Es bereitet mir Vergnügen. Aber ich empfinde es auch als Pflicht, meine Entdeckungen mit der Öffentlichkeit zu teilen.
Sie nehmen aber auch mehr und mehr „Standardrepertoire“ auf.
Ich habe immer Standardrepertoire gespielt. Allerdings weniger aufgenommen, das stimmt. Ich habe ohne Anleitung angefangen zu spielen und aufzunehmen, was das Programm angeht. Ich hab einfach gespielt, worauf ich Lust hatte. Ich habe als Teenager Charles Ives‘ Concord Sonata entdeckt und etwas später Boulez und Stockhausen und Cage und Xenakis. Ich habe mir die Noten gekauft und Aufnahmen gehört, weil ich davon so fasziniert war. Meine Lehrer fanden das nicht so toll, aber ich wollte Neues kennenlernen. Ich hatte das Glück, dass ich einen großen Teil des Standardrepertoires sehr früh über meinen Vater kennengelernt habe, der ein sehr guter Amateurpianist war. Er hat viel Romantik gespielt, aber auch Wiener Klassik. Und ich war schon immer neugierig. Und ich mochte schon immer das Schräge und Abgelegene.
Und es gab immer eine Plattenfirma, die das aufnehmen und herausbringen wollte?
Ich erzähle Ihnen, wie es angefangen hat: Meine erste Aufnahme war Teil eines Preises, den ich bei der Carnegie Hall International American Music Competition 1985 gewonnen hatte. Das Label hieß New World Records und hatte nur amerikanische Musik im Programm. Ich habe dann William Bolcom und Stefan Wolpe gewählt. Dann bekam ich ein Angebot von CBC Records, dem Label des kanadischen Rundfunks. Die wollten kein Standard-Repertoire, und deshalb hab ich für sie Godowsky eingespielt. Und dann lud mich New World Records ein, die Concord Sonata aufzunehmen. Selbst wenn ich also Standard-Repertoire hätte aufnehmen wollen – ich hatte gar keine Chance. Die ersten drei Aufnahmen haben mich in die Spur gesetzt, und es hat tatsächlich viele Jahre gedauert, bis ich begonnen habe, Standardrepertoire aufzunehmen. Aber im Konzert hab ich das immer gespielt.
Warum haben Sie sich dann exklusiv an ein Label gebunden?
Ich fand die Vorstellung schön, für ein Label konstant aufnehmen zu können. Und dann kam Hyperion auf mich zu. Mike Spring, einer der größten Klavierexperten, die ich kenne, kam zu einem meiner Konzerte. Er hatte meine Godowsky-CD gehört und fragte mich, ob ich für ihre Reihe der romantischen Klavierkonzerte eine Aufnahme machen wolle. Ich wollte. So ging es los.
Und die sagen Hurra zu all Ihren Ideen?
Zu den meisten. (grinst)
Wenn Hamelin auf dem Cover steht, finden sich genug Käufer?
Das weiß ich nicht. Aber wenn die Label-Leute nicht zufrieden wären, würden sie nicht immer weiter Aufnahmen mit mir machen.
Haben Sie einen langfristigen Masterplan?
(mit verstellter Stimme und finsterer Miene) Ja, ich habe einen Masterplan, die Musikwelt zu dominieren. – Nein, ich mache die Dinge, wie sie mir unterkommen. Es gibt da ein Dilemma: Idealerweise sollte man ein Stück aufnehmen, wenn man es schon eine Weile gespielt hat. Aber die Plattenfirmen wünschen sich, dass man erst die CD aufnimmt und sie dann mit Konzerten bewirbt. Ich bin nicht gut darin, solche Dinge zu planen.
Sagt denn Hyperion nicht: Spiel doch bitte mehr Standardrepertoire, davon könnten wir noch mehr verkaufen?
Nein. Standardrepertoire spiele ich nur ein, wenn ich das Gefühl habe, etwas Wichtiges beitragen zu können. Eine Sache, die ich auf ihren Wunsch hin gemacht habe, war die Aufnahme der späten Busoni-Werke. Ich mag Busoni sehr, und aus der Beschäftigung mit diesen späten Werken ist dann schließlich dieses 3-CD-Album geworden. Und da ist noch nicht einmal die Fantasia contrappuntistica dabei. Da war noch viel zu entdecken, einige kleinere Werke waren sogar noch nie aufgenommen worden. Da hatte ich das Gefühl, es ist sinnvoll, dieses Repertoire der Öffentlichkeit neu zu präsentieren.
Sind Sie immer noch neugierig auf neue Musik?
Absolut! Aber ich bin sehr kritisch.
Wie entscheiden Sie, was Sie spielen?
Ein Stück muss mich überzeugen. Und zum Glück lerne ich ziemlich schnell.
Sie haben mir beim letzten Mal erzählt, dass Sie rund hundert große Kisten mit Noten haben. Sitzen Sie an Ihren freien Abenden zu Hause und gehen die Noten durch und gucken, was Sie interessiert und was nicht?
Ich hab auch tausende Noten als pdf. Ich lese das, manchmal setze ich mich ans Klavier und spiele es an. Man weiß nie, was einen da plötzlich anspringt. Vor kurzem hab ich Mieczyslaw Weinberg entdeckt, der hat eine ganz eigene Stimme, mit dem will ich mich mal intensiver beschäftigen.
Und wenn es Sie packt, dann nehmen Sie das Stück auf?
Wenn mich ein Stück packt, dann möchte ich meine Entdeckung mit anderen Menschen teilen. Allerdings weiß ich inzwischen, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung Angst vor neuen Dingen hat, egal wie zugänglich sie sein mögen. Sie wollen immer wieder nur das hören, was sie kennen. Und realisieren nicht, dass sie das, was sie kennen, irgendwann zum ersten Mal gehört haben. Das ganze Leben ist eine Entdeckungsreise. Warum also nicht immer weiter auch Musik entdecken?
Aber was Musik von heute angeht, die schreiben Sie sich lieber selbst, oder?
Ich komponiere, weil ich den Drang verspüre. In den letzten Jahren habe ich immer mehr Kompositionsaufträge bekommen, das ist natürlich eine Verlockung. Aber ich mache nicht viel Werbung für meine eigene Musik.
Aber generell steht neue Musik nicht im Zentrum Ihres Interesse.
Ich verfolge die Entwicklungen nicht so, wie ich es eigentlich tun sollte, das stimmt. Aber ich freue mich, dass es immer wieder Werke gibt, die mir gefallen. Zum Glück gibt es nach wie vor Komponisten, die neue Gebiete erforschen und unsere Hörgewohnheiten herausfordern.
Sie haben so viel Musik im Kopf. Ist da immer noch Raum für Ihre eigenen neuen Ideen und Melodien?
Naja, ich habe viel Repertoire aufgenommen. Aber viele Stücke hab ich wirklich für die Aufnahme gelernt und dann wieder vergessen. Das finde ich auch nicht schlimm.
Warum komponieren Sie?
Aus dem Wunsch heraus, etwas Neues zu schaffen. Dieser kreative Fluss ist etwas ganz natürliches.
Naja, die meisten klassischen Musiker komponieren nicht selbst.
Und das ist mir ein Rätsel. Denn ein Komponist zu sein – in meinem begrenzten Rahmen – hilft mir sehr, die Werke anderer Komponisten zu verstehen. Das klingt prätentiös, aber es hilft mir, mich ihnen näher zu fühlen im Moment des Erschaffens. Zu erspüren, was der Komponist gedacht haben mag, als er das Werk schrieb, das ich spielen will. Es hilft, wenn ich den Kompositionsprozess nachvollziehen kann. Richtig spannend wird es, wenn es auch nach der Analyse ein Mysterium bleibt. Bei Schubert zum Beispiel: Es wird mir ein ewiges Wunder bleiben, wie er so viel ausdrücken konnte mit so wenigen Noten. Sie merken nach den ersten Tönen: Das ist Schubert!
Haben Sie Kompositionsphasen?
Nein, ich komponiere, wenn mir eine Idee kommt. Es dauert eine Weile, bis sich eine Idee geformt hat, aber wenn ich einmal angefangen habe zu komponieren, dann bleibe ich dran. Aber selbst dann: Ich übe jeden Tag – außer an Reisetagen, wenn ich keinen Zugang zu einem Klavier habe. Das gehört für mich zusammen, ich kann Komponieren und Spielen nicht trennen.

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