Spirituelle Verbindung zur Vergangenheit
Das englische Vokalensemble The Gesualdo Six feiert seinen zehnten Geburtstag
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Sechs junge Sänger sitzen bei Kerzenschein an einem dunklen Holztisch. Eine aufgeschlagene Bibel thront auf der Stirnseite, während die Gaben für eine Heilige Messe die Runde machen. In berückender Manier und versunken in tiefer Kontemplation singen sie ein „Kyrie eleison“. Plötzlich ertönt ein bedrohliches, rhythmisches Klopfen an der Tür. Die Teilnehmer der Messe reißen entsetzt die Augen auf. – Suggestiv wird der Zuschauer dieses Szenarios von The Gesualdo Six in ihrem Theaterkonzert „Secret Byrd“ zurückversetzt in die englische Spätrenaissance, genauer: ins Elisabethanische Zeitalter, eine Ära kultureller Hochblüte, die auch eine Zeit des religiösen Umbruchs war. Das Projekt „Secret Byrd“ feiert das vierhundertjährige Erbe von William Byrd, einem der berühmtesten Renaissancekomponisten Englands. Gemeinsam mit dem Gambenconsort Fretwork lassen The Gesualdo Six eine Epoche wieder lebendig werden, in der es William Byrd – als Katholik und Untertan seiner Königin Elisabeth I. – wagen konnte, im protestantischen Umfeld seine katholischen Messen drucken zu lassen, die dann im Privaten heimlich zelebriert wurden. Owain Park, dem Gründer und Leiter von The Gesualdo Six, geht es dabei nicht um die Rekonstruktion eines vermeintlichen Originalsettings und -sounds. „Statt zu fragen, wie eine Messe von Byrd damals geklungen haben könnte, muss man sie in einen Kontext stellen. Damals wurde eine Messe vermutlich im privaten Rahmen gesungen, aus Angst vor ernsten Konsequenzen, wenn man entdeckt wurde. So bekommt man ein Gefühl für die Dringlichkeit, und genau das wollen wir mit dem Theaterkonzert vermitteln.“
Ihr Weg als Vokalensemble begann mit der Aufführung von Madrigalen ihres Namensgebers
Neben Voces8 und The Sixteen (um nur diese Namen zu nennen) zählt The Gesualdo Six zu den renommiertesten Vokalensembles dezidiert englischer Schule. Das sechsköpfige Ensemble – neben Owain Park (Bass) sind das: Guy James und Alasdair Austin (Countertenor), Joseph Wicks und Josh Cooter (Tenor) sowie Michael Craddock (Bariton) – feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bühnenjubiläum, und es hat in dieser Zeit neun Alben für das englische Label Hyperion Records eingespielt, zuletzt „Queen of Hearts“. Den Repertoireschwerpunkt bilden dabei polyfone A-cappella-Werke der englischen, aber auch der franko-flämischen und der südeuropäischen Renaissance wie etwa auf dem 2021 erschienenen Album „Josquin’s Legacy“. Auf jedem Album sind aber auch zeitgenössische Kompositionen zu hören, die zumeist von The Gesualdo Six in Auftrag gegeben wurden oder aus der Feder von Owain Park selbst stammen, der neben Orgel und Trompete auch das Kompositionshandwerk beherrscht.
Das Ensemble begann erst vier Jahre nach seiner Gründung 2014, CDs aufzunehmen. Denn der Fokus lag zunächst auf Live-Konzerten: „Wir sind an der Cambridge University zusammengekommen. Nun ist Cambridge ein Ort, an dem es viele Chöre gibt. Und deren Aufgabe besteht normalerweise darin, bei den Gottesdiensten in den College Chapels zu singen. Wir haben für uns eine Möglichkeit gesucht, Werke auf die Bühne zu bringen, die wir in den Kapellen nicht singen konnten und die eher für Konzerte gedacht sind.“ Die Reduktion auf die kleine Besetzung bedeutet, dass jeder einzelne Sänger die Verantwortung für seine Stimmführung und Melodielinie übernehmen muss. Ein Vorgehen, das Park mit der Arbeit eines Streichquartetts vergleicht: „Von Anfang an haben wir die Werke sorgfältig ausgewählt und zusammengestellt, damit jedes Album seine ganz eigene Geschichte erzählt.“
Und so begann ihr gemeinsamer Weg als Vokalensemble tatsächlich mit der Aufführung von Madrigalen ihres Namensgebers Carlo Gesualdo. Owain Park: „Nachdem wir auf Gesualdo und seine Musik gestoßen waren, wollten wir sie auch ausprobieren, und der beste Weg war, unser eigenes Vokalensemble aus der Taufe zu heben. So kam es zu unserer ersten Aufführung mit Gesualdos ‚Tenebrae-Responsorien‘ zu Gründonnerstag. Und dabei fanden wir auch gleich unseren Ensemblenamen.“ Mittlerweile geben The Gesualdo Six selbst Werke in Auftrag – von „angesagten“ GegenwartskomponistInnen wie Ninfea Cruttwell-Reade (zu hören auf dem Album „Queen of Hearts“), Howard Skempton (auf „Lux Aeterna“), Sarah Rimkus (auf „Fading“) und Judith Bingham (auf „Morning Star“).
Ein in Sachen Alte Musik ungeübter Hörer erkennt vielleicht keinen (großen) Unterschied zwischen den Liedern eines englischen und eines franko-flämischen Meisters. „Tatsächlich“, so Park, „unterscheiden sich die beiden Varianten schon voneinander. Bereits damals gab es englische Komponisten, deren Musik in Kontinentaleuropa aufgeführt und kopiert wurde – und andersherum.“ Doch was ist dann das Besondere an der englischen Entwicklungslinie der Vokalpolyfonie? „Der Hauptunterschied besteht darin, dass durch den religiösen Umbruch die Kirchensprache vom Lateinischen ins Englische wechselte und sich die Musik der Komponisten dadurch erheblich veränderte. Ich glaube, der Hörer kann diesen Prozess auch heutzutage noch ein Stück weit heraushören.“ Park gibt ein Beispiel: „Thomas Tallis hat zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Latein geschrieben und dabei – von der architektonischen Seite der Musik her – erstaunliche Stücke erschaffen, wie sie auch von einem franko-flämischen Meister wie Josquin Desprez stammen könnten. Als es dank der Reformation möglich wurde, geistliche Lieder auch auf Englisch zu singen, veränderte sich die Musik der englischen Komponisten: Ihre Werke wurden viel direkter im Ton, und die langen, komplexen polyfonen Linien wurden durch kürzere und klarere ersetzt.“
„Wir finden unser Repertoire in der Regel in digitalisierten Stimmbüchern.“
Die Alte-Musik-Szene sähe heute buchstäblich älter aus ohne „Trüffelsucher“ wie etwa Paul Van Nevel, der vor mehr als fünfzig Jahren das Huelgas Ensemble gegründet und sein Leben in den Dienst der Erforschung der franko-flämischen Vokalpolyfonie gestellt hat. Seine „Ausgrabungen“ auf diesem Gebiet sind legendär, sie erfolgen mit wissenschaftlicher Akribie und erweitern das Repertoire ständig. Wird Owain Park in seiner Heimat England für die englische Renaissance in ähnlicher Weise fündig? „Was unsere Repertoiresuche betrifft, bin ich Leuten wie Paul Van Nevel unendlich dankbar, der sein Leben überwiegend in Bibliotheken verbringt. Bei uns läuft das anders: Wir finden unser Repertoire in der Regel in digitalisierten Stimmbüchern. Mitunter bearbeiten wir die Lieder und passen sie an unsere Erfordernisse und stimmlichen Möglichkeiten an.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Wir geben im Jahr rund hundert Konzerte, da bleibt keine Zeit für Quellenstudien und Recherche.“
Für andere Aktivitäten außerhalb der Konzerte und Aufnahmen nehmen sich The Gesualdo Six aber sehr wohl Zeit: Das Ensemble ist Mitglied von „REMA – Early Music in Europe“, dem laut Website „einzigen Netzwerk, das auf europäischer Ebene für Alte Musik steht und legitimiert ist, über Aufführungspraxis, Schöpfung, Erbe, Inklusion, Vielfalt und Nachhaltigkeit zu diskutieren“. Zudem engagiert sich The Gesualdo Six stark im Bereich der Musikpädagogik. Den Grund dafür erläutert Park so: „In Großbritannien wird der Musikunterricht in den Schulen immer weiter zurückgefahren. Das ist sehr schmerzlich. Ich selbst bin damals nur zum Singen gekommen, weil jemand meine Schule besuchte und einen Workshop abhielt. Jetzt, wo wir als Ensemble etabliert sind, müssen wir etwas davon zurückgeben.“
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Wie sieht dieses Zurückgeben in der Praxis aus? Park gibt ein Beispiel: „Als wir vor Kurzem in Stuttgart konzertierten, haben wir am nächsten Tag einen Workshop mit einem Universitätschor abgehalten. Wir Musiker sollten versuchen, die Zeit mit zusätzlichen Veranstaltungen zu füllen und Leute zu treffen, und das funktioniert in der Regel wunderbar.“
Über mangelnden Zuspruch, auch und gerade von jungen Menschen, auf YouTube, Facebook oder X können sich The Gesualdo Six nicht beklagen. Wie erklärt sich Owain Park diese Renaissance der Renaissancemusik? „Ich denke, es gibt mehrere Gründe dafür, dass Alte Vokalmusik in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen hat. Die komplexen Texturen und reichen Harmonien der alten Meister bieten ein tiefgründiges und kontemplatives Hörerlebnis, das beim modernen Publikum Anklang findet. Die Vokalpolyfonie der Renaissance stellt auch eine kulturelle und spirituelle Verbindung zur Vergangenheit her, insbesondere durch ihre sakralen und liturgischen Ursprünge. Viele Zuhörer fühlen sich von dieser Spiritualität angezogen. Spezialisierte Ensembles wie die Tallis Scholars oder das Hilliard Ensemble und engagierte Plattenfirmen haben bei dieser Wiederbelebung eine wichtige Rolle gespielt.“
Und was steht als Nächstes an für The Gesualdo Six? Da muss Owain Park nicht lange überlegen: „Unser nächstes Album wird ‚Radiant Dawn‘ heißen und ist eine Zusammenarbeit mit der Trompeterin Matilda Lloyd. Ich freue mich sehr darauf und denke, es wird eines unserer besten Alben werden.“
Sechs junge Sänger sitzen bei Kerzenschein an einem dunklen Holztisch. Eine aufgeschlagene Bibel thront auf der Stirnseite, während die Gaben für eine Heilige Messe die Runde machen. In berückender Manier und versunken in tiefer Kontemplation singen sie ein „Kyrie eleison“. Plötzlich ertönt ein bedrohliches, rhythmisches Klopfen an der Tür. Die Teilnehmer der Messe reißen entsetzt die Augen auf. – Suggestiv wird der Zuschauer dieses Szenarios von The Gesualdo Six in ihrem Theaterkonzert „Secret Byrd“ zurückversetzt in die englische Spätrenaissance, genauer: ins Elisabethanische Zeitalter, eine Ära kultureller Hochblüte, die auch eine Zeit des religiösen Umbruchs war. Das Projekt „Secret Byrd“ feiert das vierhundertjährige Erbe von William Byrd, einem der berühmtesten Renaissancekomponisten Englands. Gemeinsam mit dem Gambenconsort Fretwork lassen The Gesualdo Six eine Epoche wieder lebendig werden, in der es William Byrd – als Katholik und Untertan seiner Königin Elisabeth I. – wagen konnte, im protestantischen Umfeld seine katholischen Messen drucken zu lassen, die dann im Privaten heimlich zelebriert wurden. Owain Park, dem Gründer und Leiter von The Gesualdo Six, geht es dabei nicht um die Rekonstruktion eines vermeintlichen Originalsettings und -sounds. „Statt zu fragen, wie eine Messe von Byrd damals geklungen haben könnte, muss man sie in einen Kontext stellen. Damals wurde eine Messe vermutlich im privaten Rahmen gesungen, aus Angst vor ernsten Konsequenzen, wenn man entdeckt wurde. So bekommt man ein Gefühl für die Dringlichkeit, und genau das wollen wir mit dem Theaterkonzert vermitteln.“
Ihr Weg als Vokalensemble begann mit der Aufführung von Madrigalen ihres Namensgebers
Neben Voces8 und The Sixteen (um nur diese Namen zu nennen) zählt The Gesualdo Six zu den renommiertesten Vokalensembles dezidiert englischer Schule. Das sechsköpfige Ensemble – neben Owain Park (Bass) sind das: Guy James und Alasdair Austin (Countertenor), Joseph Wicks und Josh Cooter (Tenor) sowie Michael Craddock (Bariton) – feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bühnenjubiläum, und es hat in dieser Zeit neun Alben für das englische Label Hyperion Records eingespielt, zuletzt „Queen of Hearts“. Den Repertoireschwerpunkt bilden dabei polyfone A-cappella-Werke der englischen, aber auch der franko-flämischen und der südeuropäischen Renaissance wie etwa auf dem 2021 erschienenen Album „Josquin’s Legacy“. Auf jedem Album sind aber auch zeitgenössische Kompositionen zu hören, die zumeist von The Gesualdo Six in Auftrag gegeben wurden oder aus der Feder von Owain Park selbst stammen, der neben Orgel und Trompete auch das Kompositionshandwerk beherrscht.
Das Ensemble begann erst vier Jahre nach seiner Gründung 2014, CDs aufzunehmen. Denn der Fokus lag zunächst auf Live-Konzerten: „Wir sind an der Cambridge University zusammengekommen. Nun ist Cambridge ein Ort, an dem es viele Chöre gibt. Und deren Aufgabe besteht normalerweise darin, bei den Gottesdiensten in den College Chapels zu singen. Wir haben für uns eine Möglichkeit gesucht, Werke auf die Bühne zu bringen, die wir in den Kapellen nicht singen konnten und die eher für Konzerte gedacht sind.“ Die Reduktion auf die kleine Besetzung bedeutet, dass jeder einzelne Sänger die Verantwortung für seine Stimmführung und Melodielinie übernehmen muss. Ein Vorgehen, das Park mit der Arbeit eines Streichquartetts vergleicht: „Von Anfang an haben wir die Werke sorgfältig ausgewählt und zusammengestellt, damit jedes Album seine ganz eigene Geschichte erzählt.“
Und so begann ihr gemeinsamer Weg als Vokalensemble tatsächlich mit der Aufführung von Madrigalen ihres Namensgebers Carlo Gesualdo. Owain Park: „Nachdem wir auf Gesualdo und seine Musik gestoßen waren, wollten wir sie auch ausprobieren, und der beste Weg war, unser eigenes Vokalensemble aus der Taufe zu heben. So kam es zu unserer ersten Aufführung mit Gesualdos ‚Tenebrae-Responsorien‘ zu Gründonnerstag. Und dabei fanden wir auch gleich unseren Ensemblenamen.“ Mittlerweile geben The Gesualdo Six selbst Werke in Auftrag – von „angesagten“ GegenwartskomponistInnen wie Ninfea Cruttwell-Reade (zu hören auf dem Album „Queen of Hearts“), Howard Skempton (auf „Lux Aeterna“), Sarah Rimkus (auf „Fading“) und Judith Bingham (auf „Morning Star“).
Ein in Sachen Alte Musik ungeübter Hörer erkennt vielleicht keinen (großen) Unterschied zwischen den Liedern eines englischen und eines franko-flämischen Meisters. „Tatsächlich“, so Park, „unterscheiden sich die beiden Varianten schon voneinander. Bereits damals gab es englische Komponisten, deren Musik in Kontinentaleuropa aufgeführt und kopiert wurde – und andersherum.“ Doch was ist dann das Besondere an der englischen Entwicklungslinie der Vokalpolyfonie? „Der Hauptunterschied besteht darin, dass durch den religiösen Umbruch die Kirchensprache vom Lateinischen ins Englische wechselte und sich die Musik der Komponisten dadurch erheblich veränderte. Ich glaube, der Hörer kann diesen Prozess auch heutzutage noch ein Stück weit heraushören.“ Park gibt ein Beispiel: „Thomas Tallis hat zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Latein geschrieben und dabei – von der architektonischen Seite der Musik her – erstaunliche Stücke erschaffen, wie sie auch von einem franko-flämischen Meister wie Josquin Desprez stammen könnten. Als es dank der Reformation möglich wurde, geistliche Lieder auch auf Englisch zu singen, veränderte sich die Musik der englischen Komponisten: Ihre Werke wurden viel direkter im Ton, und die langen, komplexen polyfonen Linien wurden durch kürzere und klarere ersetzt.“
„Wir finden unser Repertoire in der Regel in digitalisierten Stimmbüchern.“
Die Alte-Musik-Szene sähe heute buchstäblich älter aus ohne „Trüffelsucher“ wie etwa Paul Van Nevel, der vor mehr als fünfzig Jahren das Huelgas Ensemble gegründet und sein Leben in den Dienst der Erforschung der franko-flämischen Vokalpolyfonie gestellt hat. Seine „Ausgrabungen“ auf diesem Gebiet sind legendär, sie erfolgen mit wissenschaftlicher Akribie und erweitern das Repertoire ständig. Wird Owain Park in seiner Heimat England für die englische Renaissance in ähnlicher Weise fündig? „Was unsere Repertoiresuche betrifft, bin ich Leuten wie Paul Van Nevel unendlich dankbar, der sein Leben überwiegend in Bibliotheken verbringt. Bei uns läuft das anders: Wir finden unser Repertoire in der Regel in digitalisierten Stimmbüchern. Mitunter bearbeiten wir die Lieder und passen sie an unsere Erfordernisse und stimmlichen Möglichkeiten an.“ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Wir geben im Jahr rund hundert Konzerte, da bleibt keine Zeit für Quellenstudien und Recherche.“
Für andere Aktivitäten außerhalb der Konzerte und Aufnahmen nehmen sich The Gesualdo Six aber sehr wohl Zeit: Das Ensemble ist Mitglied von „REMA – Early Music in Europe“, dem laut Website „einzigen Netzwerk, das auf europäischer Ebene für Alte Musik steht und legitimiert ist, über Aufführungspraxis, Schöpfung, Erbe, Inklusion, Vielfalt und Nachhaltigkeit zu diskutieren“. Zudem engagiert sich The Gesualdo Six stark im Bereich der Musikpädagogik. Den Grund dafür erläutert Park so: „In Großbritannien wird der Musikunterricht in den Schulen immer weiter zurückgefahren. Das ist sehr schmerzlich. Ich selbst bin damals nur zum Singen gekommen, weil jemand meine Schule besuchte und einen Workshop abhielt. Jetzt, wo wir als Ensemble etabliert sind, müssen wir etwas davon zurückgeben.“
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Wie sieht dieses Zurückgeben in der Praxis aus? Park gibt ein Beispiel: „Als wir vor Kurzem in Stuttgart konzertierten, haben wir am nächsten Tag einen Workshop mit einem Universitätschor abgehalten. Wir Musiker sollten versuchen, die Zeit mit zusätzlichen Veranstaltungen zu füllen und Leute zu treffen, und das funktioniert in der Regel wunderbar.“
Über mangelnden Zuspruch, auch und gerade von jungen Menschen, auf YouTube, Facebook oder X können sich The Gesualdo Six nicht beklagen. Wie erklärt sich Owain Park diese Renaissance der Renaissancemusik? „Ich denke, es gibt mehrere Gründe dafür, dass Alte Vokalmusik in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen hat. Die komplexen Texturen und reichen Harmonien der alten Meister bieten ein tiefgründiges und kontemplatives Hörerlebnis, das beim modernen Publikum Anklang findet. Die Vokalpolyfonie der Renaissance stellt auch eine kulturelle und spirituelle Verbindung zur Vergangenheit her, insbesondere durch ihre sakralen und liturgischen Ursprünge. Viele Zuhörer fühlen sich von dieser Spiritualität angezogen. Spezialisierte Ensembles wie die Tallis Scholars oder das Hilliard Ensemble und engagierte Plattenfirmen haben bei dieser Wiederbelebung eine wichtige Rolle gespielt.“
Und was steht als Nächstes an für The Gesualdo Six? Da muss Owain Park nicht lange überlegen: „Unser nächstes Album wird ‚Radiant Dawn‘ heißen und ist eine Zusammenarbeit mit der Trompeterin Matilda Lloyd. Ich freue mich sehr darauf und denke, es wird eines unserer besten Alben werden.“

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