Londons erstes Abo
Die Bach-Abel-Concerts waren die ersten Abonnementkonzerte der Musikgeschichte

Die ersten Abonnementkonzerte im heutigen Sinne wurden in London organisiert. Während die meisten Konzerte in der englischen Hauptstadt zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch in den Häusern der Aristokratie oder des Hofes stattfanden, wuchs das Interesse an Musik in den bürgerlichen Schichten bald derart an, dass die Stadt sich zu einem der wichtigsten Musikzentren Europas entwickelte. Die italienische Sängerin Teresa Cornelys (1723-1797), die ihren Namen von einem holländischen Gentleman angenommen hatte und womöglich eine Geliebte Casanovas war, war 1759 nach London gekommen und hatte im folgenden Jahr das Palais des Earl of Carlisle an der Ostseite des Soho Square erworben, zu dem auch ein großer Garten gehörte. Es gelang ihr, die besten Musiker dazu zu bewegen, in Carlisle House aufzutreten, und die beste Gesellschaft Londons, ihnen dort zuzuhören. Zunächst legte sie das Arrangement und die Leitung der einzelnen Konzerte in die Hände des italienischen Komponisten Gioacchino Cocchi, die Subskriptionskonzerte aber leiteten ab 1765 Carl Friedrich Abel (1723-1787) und Johann Christian Bach (1735-1782).
Abel und Bach kannten einander wohl aus Dresden, wo Abel Gambist der Hofkapelle war, vielleicht sogar schon aus Leipzig. Ob Abel, Sohn eines Gambenvirtuosen aus Köthen, als Schüler der Leipziger Thomasschule auch den Unterricht Johann Sebastian Bachs genossen hat, lässt sich nicht nachweisen. Vom Siebenjährigen Krieg aus Sachsen vertrieben, kam Abel über Mannheim nach Paris, wo er Bekanntschaft mit François-Joseph Gossec machte, der die „Concerts Spirituels“ leitete. 1759 erreichte er London, und hier erregte er bereits in seinem ersten öffentlichen Konzert am 5. April mit seinem Gambenspiel solches Aufsehen, dass ihn die Königin Sophie Charlotte, eine geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz, nicht nur in ihre Hauskapelle aufnahm, sondern auch als ihren Musiklehrer anstellte. Johann Christian Bach, als jüngster der Bach-Söhne zwölf Jahre jünger als Abel, kam 1762 aus Mailand, wo er Domorganist gewesen war, nach London. Für mehrere Jahre teilten sich Abel und Bach ein Wohnhaus, ihr erstes gemeinsames Konzert gaben sie am
29. Februar 1764.

Das erste Bach-Abel-Concert fand am 23. Januar 1765 im Carlisle House statt, neun weitere folgten bis zum Mai. Siebzehn Jahre lang sollte die Reihe nun zu den beliebtesten Veranstaltungen Londons gehören, und sie war neben dem Pariser „Concert Spirituel“ das wichtigste europäische Konzertunternehmen der Zeit. Fünfzehn Konzerte gab man ab 1766 pro Saison, von Januar bis Mai jeden Mittwoch mit Ausnahme der Karwoche. Im Sommer waren Abel und Bach auf Reisen, in Mannheim oder Paris, komponierten und gaben Benefiz- oder Hofkonzerte. Wie im heutigen Abonnement konnte jeder Interessierte im Voraus Karten für eine ganze Spielzeit erwerben. Die hohen Eintrittspreise führten allerdings dazu, dass die Konzerte nur einer ganz exklusiven Schicht vorbehalten blieben. Das Unternehmen war nicht nur wirtschaftlich sinnvoll angelegt, sondern hatte auch einen erzieherischen Wert, förderte es doch die Beständigkeit des Kunstgenusses.
Bald schon war die Nachfrage so groß, dass Bach und Abel 1768 in Almack’s Great Room in der King Street umzogen und sich 1774/75 ein eigenes Konzerthaus bauten: die Hanover Square Rooms, deren Bau sie gemeinsam mit dem Direktor des King’s Theatre, John Gallini, finanzierten. Die Räumlichkeiten entsprachen keineswegs einem modernen Konzerthaus, sondern waren wie ein Salon möbliert und gaben dem Publikum die Möglichkeit, sich, während die Aufführung im Großen Saal stattfand, frei zu bewegen und miteinander zu sprechen. Hier boten Bach und Abel eine zweite Konzertreihe mit elf Oratorien-Abenden an, doch die war in finanzieller Hinsicht kein Erfolg. Insgesamt aber war das Interesse an Konzerten so gestiegen, dass auch das Pantheon, ein Vergnügungspalast in der Oxford Street, und Gallini, inzwischen Alleineigentümer der Hanover Square Rooms, weitere Reihen starteten. Die Konkurrenz machte Bach und Abel zu schaffen, 1781 boten sie nur noch zwölf Konzerte an. Und nachdem Bach am Neujahrstag 1782 gestorben war, veranstalte Abel zwar noch eine Konzertserie gemeinsam mit Bachs Witwe, verließ dann aber London. Drei Jahre später kehrte er zurück, firmierte noch zwei Jahre als „Principal Composer“ und Gambist der „Grand Professional Concerts“, wie seine alte Konzertreihe nun unter neuer Leitung hieß, und starb 1787. Die Konzertreihe ging 1793 ein. Die Hanover Square Rooms wurden im späten 19. Jahrhundert zum noblen Hanover Club umgebaut. Der alte Konzertsaal ist, allerdings in veränderter Form, erhalten, das Haus an der Ostseite des Hanover Square äußerlich stark verändert. Almack’s und das Carlisle House sind nicht erhalten.
Über die Programme der Bach-Abel-Concerts sind uns nur spärliche Informationen überliefert. Beide Musiker nutzten die Konzerte, die sie abwechselnd leiteten, dazu, ihre neuesten Werke, Kammermusik, Sinfonien und Solokonzerte, zur Aufführung zu bringen. Vermutlich hörte hier der achtjährige Mozart 1764 Abels Es-Dur-Sinfonie, von der er so angetan war, dass er sie abschrieb – weshalb man sie lange als Mozarts eigene Sinfonie Nr. 3 KV 18 führte. Als Komponist der bedeutendere von beiden war aber sicherlich Bach, von dem sich Mozart viel abguckte.
Bach, auch als Opernkomponist erfolgreich, kümmerte sich um die Auswahl der Gesangssolisten, Abel, der den Kontakt zu vielen Musikern aus seiner Dresdener Zeit gehalten und auch in Paris bedeutende Musiker kennengelernt hatte, engagierte die Musiker des Orchesters, dem er auch als Konzertmeister vorstand, und lud die Instrumentalsolisten ein, die zumeist von auswärts kamen. Dabei gab er vielen jungen Talenten die Gelegenheit, solistisch aufzutreten oder praktische Erfahrungen im Orchester zu sammeln.
Während in Carlisle House vor allem Sinfonien der Wiener Schule, aber auch Auszüge aus italienischen Opern und sogar geistliche Chorwerke auf dem Programm standen, lag der Schwerpunkt in den Hanover Square Rooms auf englischer und italienischer Musik, später kamen auch wieder sinfonische Werke hinzu. Bach und Abel führten erstmals Werke von Haydn in England auf, und am 2. Juni 1768 spielte Bach in einem Konzert des Oboisten Johann Christian Fischer ein Solo auf dem Pianoforte und stellte dabei das von Johannes Zumpe gebaute Instrument erstmals dem englischen Publikum vor.
Die ersten Abonnementkonzerte im heutigen Sinne wurden in London organisiert. Während die meisten Konzerte in der englischen Hauptstadt zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch in den Häusern der Aristokratie oder des Hofes stattfanden, wuchs das Interesse an Musik in den bürgerlichen Schichten bald derart an, dass die Stadt sich zu einem der wichtigsten Musikzentren Europas entwickelte. Die italienische Sängerin Teresa Cornelys (1723-1797), die ihren Namen von einem holländischen Gentleman angenommen hatte und womöglich eine Geliebte Casanovas war, war 1759 nach London gekommen und hatte im folgenden Jahr das Palais des Earl of Carlisle an der Ostseite des Soho Square erworben, zu dem auch ein großer Garten gehörte. Es gelang ihr, die besten Musiker dazu zu bewegen, in Carlisle House aufzutreten, und die beste Gesellschaft Londons, ihnen dort zuzuhören. Zunächst legte sie das Arrangement und die Leitung der einzelnen Konzerte in die Hände des italienischen Komponisten Gioacchino Cocchi, die Subskriptionskonzerte aber leiteten ab 1765 Carl Friedrich Abel (1723-1787) und Johann Christian Bach (1735-1782).
Abel und Bach kannten einander wohl aus Dresden, wo Abel Gambist der Hofkapelle war, vielleicht sogar schon aus Leipzig. Ob Abel, Sohn eines Gambenvirtuosen aus Köthen, als Schüler der Leipziger Thomasschule auch den Unterricht Johann Sebastian Bachs genossen hat, lässt sich nicht nachweisen. Vom Siebenjährigen Krieg aus Sachsen vertrieben, kam Abel über Mannheim nach Paris, wo er Bekanntschaft mit François-Joseph Gossec machte, der die „Concerts Spirituels“ leitete. 1759 erreichte er London, und hier erregte er bereits in seinem ersten öffentlichen Konzert am 5. April mit seinem Gambenspiel solches Aufsehen, dass ihn die Königin Sophie Charlotte, eine geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz, nicht nur in ihre Hauskapelle aufnahm, sondern auch als ihren Musiklehrer anstellte. Johann Christian Bach, als jüngster der Bach-Söhne zwölf Jahre jünger als Abel, kam 1762 aus Mailand, wo er Domorganist gewesen war, nach London. Für mehrere Jahre teilten sich Abel und Bach ein Wohnhaus, ihr erstes gemeinsames Konzert gaben sie am
29. Februar 1764.

Das erste Bach-Abel-Concert fand am 23. Januar 1765 im Carlisle House statt, neun weitere folgten bis zum Mai. Siebzehn Jahre lang sollte die Reihe nun zu den beliebtesten Veranstaltungen Londons gehören, und sie war neben dem Pariser „Concert Spirituel“ das wichtigste europäische Konzertunternehmen der Zeit. Fünfzehn Konzerte gab man ab 1766 pro Saison, von Januar bis Mai jeden Mittwoch mit Ausnahme der Karwoche. Im Sommer waren Abel und Bach auf Reisen, in Mannheim oder Paris, komponierten und gaben Benefiz- oder Hofkonzerte. Wie im heutigen Abonnement konnte jeder Interessierte im Voraus Karten für eine ganze Spielzeit erwerben. Die hohen Eintrittspreise führten allerdings dazu, dass die Konzerte nur einer ganz exklusiven Schicht vorbehalten blieben. Das Unternehmen war nicht nur wirtschaftlich sinnvoll angelegt, sondern hatte auch einen erzieherischen Wert, förderte es doch die Beständigkeit des Kunstgenusses.
Bald schon war die Nachfrage so groß, dass Bach und Abel 1768 in Almack’s Great Room in der King Street umzogen und sich 1774/75 ein eigenes Konzerthaus bauten: die Hanover Square Rooms, deren Bau sie gemeinsam mit dem Direktor des King’s Theatre, John Gallini, finanzierten. Die Räumlichkeiten entsprachen keineswegs einem modernen Konzerthaus, sondern waren wie ein Salon möbliert und gaben dem Publikum die Möglichkeit, sich, während die Aufführung im Großen Saal stattfand, frei zu bewegen und miteinander zu sprechen. Hier boten Bach und Abel eine zweite Konzertreihe mit elf Oratorien-Abenden an, doch die war in finanzieller Hinsicht kein Erfolg. Insgesamt aber war das Interesse an Konzerten so gestiegen, dass auch das Pantheon, ein Vergnügungspalast in der Oxford Street, und Gallini, inzwischen Alleineigentümer der Hanover Square Rooms, weitere Reihen starteten. Die Konkurrenz machte Bach und Abel zu schaffen, 1781 boten sie nur noch zwölf Konzerte an. Und nachdem Bach am Neujahrstag 1782 gestorben war, veranstalte Abel zwar noch eine Konzertserie gemeinsam mit Bachs Witwe, verließ dann aber London. Drei Jahre später kehrte er zurück, firmierte noch zwei Jahre als „Principal Composer“ und Gambist der „Grand Professional Concerts“, wie seine alte Konzertreihe nun unter neuer Leitung hieß, und starb 1787. Die Konzertreihe ging 1793 ein. Die Hanover Square Rooms wurden im späten 19. Jahrhundert zum noblen Hanover Club umgebaut. Der alte Konzertsaal ist, allerdings in veränderter Form, erhalten, das Haus an der Ostseite des Hanover Square äußerlich stark verändert. Almack’s und das Carlisle House sind nicht erhalten.
Über die Programme der Bach-Abel-Concerts sind uns nur spärliche Informationen überliefert. Beide Musiker nutzten die Konzerte, die sie abwechselnd leiteten, dazu, ihre neuesten Werke, Kammermusik, Sinfonien und Solokonzerte, zur Aufführung zu bringen. Vermutlich hörte hier der achtjährige Mozart 1764 Abels Es-Dur-Sinfonie, von der er so angetan war, dass er sie abschrieb – weshalb man sie lange als Mozarts eigene Sinfonie Nr. 3 KV 18 führte. Als Komponist der bedeutendere von beiden war aber sicherlich Bach, von dem sich Mozart viel abguckte.
Bach, auch als Opernkomponist erfolgreich, kümmerte sich um die Auswahl der Gesangssolisten, Abel, der den Kontakt zu vielen Musikern aus seiner Dresdener Zeit gehalten und auch in Paris bedeutende Musiker kennengelernt hatte, engagierte die Musiker des Orchesters, dem er auch als Konzertmeister vorstand, und lud die Instrumentalsolisten ein, die zumeist von auswärts kamen. Dabei gab er vielen jungen Talenten die Gelegenheit, solistisch aufzutreten oder praktische Erfahrungen im Orchester zu sammeln.
Während in Carlisle House vor allem Sinfonien der Wiener Schule, aber auch Auszüge aus italienischen Opern und sogar geistliche Chorwerke auf dem Programm standen, lag der Schwerpunkt in den Hanover Square Rooms auf englischer und italienischer Musik, später kamen auch wieder sinfonische Werke hinzu. Bach und Abel führten erstmals Werke von Haydn in England auf, und am 2. Juni 1768 spielte Bach in einem Konzert des Oboisten Johann Christian Fischer ein Solo auf dem Pianoforte und stellte dabei das von Johannes Zumpe gebaute Instrument erstmals dem englischen Publikum vor.



