Pomp und Beton
Vom feinen Kammermusiksaal bis zum brutalistischen Riesenbau hält London für Klassikfans gleich mehrere spannende Anlaufstellen bereit. Ein Überblick über die Konzertsäle der britischen Hauptstadt

Simon Rattle ist ein Pechvogel. 2017 lockte man den britischen Stardirigenten nach seiner sechzehnjährigen Amtszeit bei den Berliner Philharmonikern nicht zuletzt mit der Aussicht nach London, dass hier bald ein neues Konzerthaus entstehen würde – als künftige Spielstätte für das London Symphony Orchestra, das Rattle fortan als Chefdirigent leitete. Doch aus dem spektakulären, vom New Yorker Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro für die City of London geplanten Pyramidenbau wurde nichts. Zu teuer, nicht notwendig, hieß es, und so ging Rattle nach nur sechs Jahren zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nach München, wo ebenfalls seit inzwischen zwei Dekaden über ein neues Konzerthaus diskutiert wird. Doch aktuell liegen auch hier die Pläne auf Eis. Und, so viel ist sicher: Selbst wenn das Konzerthaus doch noch realisiert werden sollte, Sir Simon Rattle wird dann aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr Chefdirigent beim Bayerischen Rundfunk sein.
Damit teilen sich München und London ein ähnliches Schicksal. Sie sind zwar die Stadt ihres jeweiligen Landes mit der größten Dichte an Spitzenorchestern, haben aber keinen neuen, repräsentativen Konzertsaal, der diesem Renommee gerecht wird. Tatsächlich ist die Anzahl von Toporchestern in der britischen Hauptstadt bemerkenswert. Hier gibt es, neben dem London Symphony Orchestra mit der größten internationalen Ausstrahlungskraft, etwa das 1945 gegründete Philharmonia Orchestra, das lange Zeit als reines Schallplattenorchester fungierte und in den Anfangsjahren stark von Herbert von Karajan geprägt wurde. Ferner das London Philharmonic Orchestra, das nicht zuletzt für die Einspielung von Soundtracks zu Filmen wie „Der Herr der Ringe“ und Videogames bekannt ist, sowie das BBC Symphony Orchestra, das größte und wichtigste Orchester des britischen Rundfunks. Mit der Academy of St Martin in the Fields, dem English Chamber Orchestra und dem Orchestra of the Age of Enlightenment beherbergt London zudem mehrere exzellente Kammerorchester, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben haben.
Dem gegenüber steht eine mindestens ebenso hohe Anzahl an Konzertstätten. Und wenn auch in Zukunft wohl kein neuer Superbau mehr hinzukommen wird: Für Klassikfans gibt es hier gleich mehrere interessante und traditionsreiche Säle zu entdecken. Anders als die Sprech- und Musicaltheater, die sich im sogenannten West End konzentrieren, sind die Klassiktempel über die ganze Stadt verteilt. Zeit für einen kleinen Rundgang.
Fangen wir mit dem größten und vielleicht bekanntesten Konzerthaus an: der Royal Albert Hall. Der imposante, einem römischen Amphitheater nachempfundene Rundbau im westlich gelegenen Stadtteil Kensington wurde 1871 zu Ehren von Prinz Albert, dem Gatten Königin Victorias, eröffnet und verfügt über mehr als achttausend Plätze. Ein klassischer Konzertsaal ist die
Royal Albert Hall damit zwar nicht, auch ein festes Orchester gibt es hier nicht.
Die Bedeutung für die Klassikbranche speist sich stattdessen aus den seit 1941 hier stattfindenden Proms, bei denen alljährlich im Sommer in mehr als siebzig Konzerten die wichtigsten Orchester aus aller Welt groß aufspielen. Besonders berühmt ist das Abschlusskonzert, die „Last Night of the Proms“, dessen internationale Aufmerksamkeit nur vom Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker übertroffen wird.
Abgesehen von diesem Pomp ist die Royal Albert Hall nicht unbedingt ein Ort, der die Herzen von Klassikliebhabern höherschlagen lässt. Es braucht schon viel Orchesterwumms, um den Klang bis in die oberen Ränge zu tragen. Undenkbar, hier mit kleineren Ensembles aufzutreten oder gar Kammermusik zu spielen. Es sind daher vor allem verstärkte Popkonzerte, die an diesem Ort eine besondere Wirkung entfalten; entsprechend lang ist die Liste der Stars, die hier bereits aufgetreten sind, darunter Bob Dylan, David Bowie und Adele, wovon eine eindrucksvolle Bildergalerie in den Foyers zeugt. Auch als Bühne für den Eurovision Song Contest diente die Royal Albert Hall bereits, ebenso wie für Boxkämpfe und Miss-Wahlen. Das macht sie in gewisser Weise zu einer Mehrzweckhalle – allerdings einer besonders schönen!
Von der größten zur kleinsten, aber vielleicht besten Klassikbühne Londons: der Wigmore Hall. Sehr zentral in der Nähe der Oxford Street befindet sich dieser 1901 von der gleichnamigen Klavierbaufirma als „Bechstein Hall“ erbaute Kammermusiksaal mit 545 Plätzen, der für seine exzellente Akustik international geschätzt wird. Über der Bühne des rechteckigen, im Renaissancestil gehaltenen Saales prangt ein markantes, vom Maler Gerald Moira entworfenes Wandgemälde, dessen zentrale Figur die Seele der Musik verkörpert – vor einem Ball aus ewigem Feuer als Symbol für die überdauernde Kraft der Musik.
Auf der Bühne geht es etwas weniger pathetisch zu, dort finden vor allem Liederabende und Kammermusik statt. Viele bedeutende Persönlichkeiten der Musikgeschichte sind hier bereits aufgetreten. Bei der Einweihung zum Beispiel der italienische Pianist Ferruccio Busoni und der belgische Geiger Eugène Ysaÿe; später pflegte die Wigmore Hall eine enge Beziehung zu Benjamin Britten, dessen zweites Streichquartett hier ebenso uraufgeführt wurde wie die Serenade für Tenor, Horn und Streicher. Mag der Saal auch eher unter Kennern und Liebhabern bekannt sein und weniger Ausstrahlungskraft haben als etwa die Royal Albert Hall – das Londoner Klassikpublikum kann sich glücklich schätzen, ein derartiges Schmuckstück sein Eigen nennen zu können.
Das genaue Gegenteil begegnet uns im Osten der Stadt. In der City of London liegt mit dem Barbican Centre nicht nur das größte Kulturzentrum der Stadt, sondern sogar ganz Europas. Es wurde auf einem im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Gelände im Stile des Brutalismus errichtet und 1982 eröffnet. Als „Stadt in der Stadt“ beherbergt der weitläufige Komplex unter anderem ein Theater, Kinosäle, eine Kunstgalerie, eine Bibliothek und sogar einen botanischen Garten; hinzu kommen ringsherum Wohnungen, eine Schule und eine Kirche. Und eben ein Konzertsaal mit 1943 Plätzen, die Barbican Hall, in der das London Symphony Orchestra beheimatet ist.
Unbestreitbar ist das Barbican Centre eine städtebauliche Ikone, und eine Erkundung des Areals – auf eigene Faust oder bei einer geführten Tour – sei jedem London-Besucher empfohlen. Doch für viele dürfte die Ästhetik des Gebäudes mit seinen leeren Betonwänden und fragwürdigen Farbkonzepten, die den Charme einer Gelsenkirchener Gesamtschule versprühen, vor allem ein architektonischer Albtraum sein. Sie will auch so gar nicht zu den feinen Künsten passen, die darin präsentiert werden. Dass sich Simon Rattle also vehement für einen neuen Konzertsaal einsetzte, kann man ihm kaum verübeln.
Ob ein Neubau angesichts der vielen weiteren Spielstätten, die London darüber hinaus noch zu bieten hat, jedoch wirklich nötig ist, steht auf einem anderen Blatt. Nicht unerwähnt lassen sollte man das nicht ganz so berühmte, optisch und im Aufbau dem Barbican Centre jedoch ähnelnde Southbank Centre südlich der Themse, das gleich drei Konzertsäle beherbergt und abwechselnd vom London Philharmonic Orchestra und dem Philharmonia Orchestra bespielt wird, daneben aber auch ein umfassendes Jazz- und Weltmusikprogramm anbietet.
Von mittlerer Größe ist die Cadogan Hall mit ihren 953 Sitzplätzen. 2004 entstand sie durch den Umbau einer ehemaligen Kirche am Sloane Square am westlichen Rand der Innenstadt; heute hat hier das Royal Philharmonic Orchestra seinen Sitz. Trotz der architektonischen Umstände entstand so ein Saal, der weithin für seine warme und direkte Akustik geschätzt wird.
Äußerlich noch immer eine Kirche, de facto inzwischen jedoch hauptsächlich ein Konzertort ist St Martin-in-the-Fields am Trafalgar Square, wo die bereits erwähnte Academy ihren Sitz hat und zahlreiche Konzerte gibt. Die Ticketpreise sind hier vergleichsweise moderat, oft finden Mittagskonzerte statt, oder man kann mit etwas Glück tagsüber Ohrenzeuge einer Probe werden. Die ehemalige Krypta beherbergt zudem ein Café.

Bleibt noch eine wichtige Bühne Londons übrig: das Royal Opera House, eines der bedeutendsten Opernhäuser Europas. Mit der Royal Opera und dem Royal Ballet beheimatet es zudem zwei der renommiertesten Institutionen der Welt; der hauseigene Klangkörper ist das Orchestra of the Royal Opera House. 2250 Plätze sind in dem prunkvollen Saal in klassischer Hufeisenform vorhanden; auch von außen macht das Haus mit seinen hohen Säulen Eindruck. Es liegt im Stadtviertel Covent Garden, einem der bekanntesten Kultur- und Theaterbezirke Londons, und wird unter Kennern oft selbst synonym so genannt.
Schon seit fast dreihundert Jahren steht an dieser Stelle ein Theaterbau, der jedoch im Laufe der Zeit zweimal abbrannte und schließlich 1858 seine heutige Gestalt erhielt (der moderne Glasbau mit dem Eingangsbereich wurde erst Ende der 1990er Jahre hinzugefügt). Seit 2007 werden im Royal Opera House auch die BAFTA Awards verliehen, die wichtigsten Filmpreise Großbritanniens. Wer sich die teuren Operntickets nicht leisten möchte oder kann, dem sei zumindest die etwas versteckte Dachterrasse empfohlen, von der aus man einen Blick über Covent Garden hat.
Bei dieser Vielfalt an Häusern, Sälen und Ensembles, die diese mit Musik füllen, muss man sich eingestehen: So spannend ein neues Konzerthaus auch wäre, als London-Besucher vermisst man angesichts des kulturellen und auch architektonischen Angebots in der britischen Hauptstadt absolut nichts.
Simon Rattle ist ein Pechvogel. 2017 lockte man den britischen Stardirigenten nach seiner sechzehnjährigen Amtszeit bei den Berliner Philharmonikern nicht zuletzt mit der Aussicht nach London, dass hier bald ein neues Konzerthaus entstehen würde – als künftige Spielstätte für das London Symphony Orchestra, das Rattle fortan als Chefdirigent leitete. Doch aus dem spektakulären, vom New Yorker Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro für die City of London geplanten Pyramidenbau wurde nichts. Zu teuer, nicht notwendig, hieß es, und so ging Rattle nach nur sechs Jahren zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nach München, wo ebenfalls seit inzwischen zwei Dekaden über ein neues Konzerthaus diskutiert wird. Doch aktuell liegen auch hier die Pläne auf Eis. Und, so viel ist sicher: Selbst wenn das Konzerthaus doch noch realisiert werden sollte, Sir Simon Rattle wird dann aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr Chefdirigent beim Bayerischen Rundfunk sein.
Damit teilen sich München und London ein ähnliches Schicksal. Sie sind zwar die Stadt ihres jeweiligen Landes mit der größten Dichte an Spitzenorchestern, haben aber keinen neuen, repräsentativen Konzertsaal, der diesem Renommee gerecht wird. Tatsächlich ist die Anzahl von Toporchestern in der britischen Hauptstadt bemerkenswert. Hier gibt es, neben dem London Symphony Orchestra mit der größten internationalen Ausstrahlungskraft, etwa das 1945 gegründete Philharmonia Orchestra, das lange Zeit als reines Schallplattenorchester fungierte und in den Anfangsjahren stark von Herbert von Karajan geprägt wurde. Ferner das London Philharmonic Orchestra, das nicht zuletzt für die Einspielung von Soundtracks zu Filmen wie „Der Herr der Ringe“ und Videogames bekannt ist, sowie das BBC Symphony Orchestra, das größte und wichtigste Orchester des britischen Rundfunks. Mit der Academy of St Martin in the Fields, dem English Chamber Orchestra und dem Orchestra of the Age of Enlightenment beherbergt London zudem mehrere exzellente Kammerorchester, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben haben.
Dem gegenüber steht eine mindestens ebenso hohe Anzahl an Konzertstätten. Und wenn auch in Zukunft wohl kein neuer Superbau mehr hinzukommen wird: Für Klassikfans gibt es hier gleich mehrere interessante und traditionsreiche Säle zu entdecken. Anders als die Sprech- und Musicaltheater, die sich im sogenannten West End konzentrieren, sind die Klassiktempel über die ganze Stadt verteilt. Zeit für einen kleinen Rundgang.
Fangen wir mit dem größten und vielleicht bekanntesten Konzerthaus an: der Royal Albert Hall. Der imposante, einem römischen Amphitheater nachempfundene Rundbau im westlich gelegenen Stadtteil Kensington wurde 1871 zu Ehren von Prinz Albert, dem Gatten Königin Victorias, eröffnet und verfügt über mehr als achttausend Plätze. Ein klassischer Konzertsaal ist die
Royal Albert Hall damit zwar nicht, auch ein festes Orchester gibt es hier nicht.
Die Bedeutung für die Klassikbranche speist sich stattdessen aus den seit 1941 hier stattfindenden Proms, bei denen alljährlich im Sommer in mehr als siebzig Konzerten die wichtigsten Orchester aus aller Welt groß aufspielen. Besonders berühmt ist das Abschlusskonzert, die „Last Night of the Proms“, dessen internationale Aufmerksamkeit nur vom Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker übertroffen wird.
Abgesehen von diesem Pomp ist die Royal Albert Hall nicht unbedingt ein Ort, der die Herzen von Klassikliebhabern höherschlagen lässt. Es braucht schon viel Orchesterwumms, um den Klang bis in die oberen Ränge zu tragen. Undenkbar, hier mit kleineren Ensembles aufzutreten oder gar Kammermusik zu spielen. Es sind daher vor allem verstärkte Popkonzerte, die an diesem Ort eine besondere Wirkung entfalten; entsprechend lang ist die Liste der Stars, die hier bereits aufgetreten sind, darunter Bob Dylan, David Bowie und Adele, wovon eine eindrucksvolle Bildergalerie in den Foyers zeugt. Auch als Bühne für den Eurovision Song Contest diente die Royal Albert Hall bereits, ebenso wie für Boxkämpfe und Miss-Wahlen. Das macht sie in gewisser Weise zu einer Mehrzweckhalle – allerdings einer besonders schönen!
Von der größten zur kleinsten, aber vielleicht besten Klassikbühne Londons: der Wigmore Hall. Sehr zentral in der Nähe der Oxford Street befindet sich dieser 1901 von der gleichnamigen Klavierbaufirma als „Bechstein Hall“ erbaute Kammermusiksaal mit 545 Plätzen, der für seine exzellente Akustik international geschätzt wird. Über der Bühne des rechteckigen, im Renaissancestil gehaltenen Saales prangt ein markantes, vom Maler Gerald Moira entworfenes Wandgemälde, dessen zentrale Figur die Seele der Musik verkörpert – vor einem Ball aus ewigem Feuer als Symbol für die überdauernde Kraft der Musik.
Auf der Bühne geht es etwas weniger pathetisch zu, dort finden vor allem Liederabende und Kammermusik statt. Viele bedeutende Persönlichkeiten der Musikgeschichte sind hier bereits aufgetreten. Bei der Einweihung zum Beispiel der italienische Pianist Ferruccio Busoni und der belgische Geiger Eugène Ysaÿe; später pflegte die Wigmore Hall eine enge Beziehung zu Benjamin Britten, dessen zweites Streichquartett hier ebenso uraufgeführt wurde wie die Serenade für Tenor, Horn und Streicher. Mag der Saal auch eher unter Kennern und Liebhabern bekannt sein und weniger Ausstrahlungskraft haben als etwa die Royal Albert Hall – das Londoner Klassikpublikum kann sich glücklich schätzen, ein derartiges Schmuckstück sein Eigen nennen zu können.
Das genaue Gegenteil begegnet uns im Osten der Stadt. In der City of London liegt mit dem Barbican Centre nicht nur das größte Kulturzentrum der Stadt, sondern sogar ganz Europas. Es wurde auf einem im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Gelände im Stile des Brutalismus errichtet und 1982 eröffnet. Als „Stadt in der Stadt“ beherbergt der weitläufige Komplex unter anderem ein Theater, Kinosäle, eine Kunstgalerie, eine Bibliothek und sogar einen botanischen Garten; hinzu kommen ringsherum Wohnungen, eine Schule und eine Kirche. Und eben ein Konzertsaal mit 1943 Plätzen, die Barbican Hall, in der das London Symphony Orchestra beheimatet ist.
Unbestreitbar ist das Barbican Centre eine städtebauliche Ikone, und eine Erkundung des Areals – auf eigene Faust oder bei einer geführten Tour – sei jedem London-Besucher empfohlen. Doch für viele dürfte die Ästhetik des Gebäudes mit seinen leeren Betonwänden und fragwürdigen Farbkonzepten, die den Charme einer Gelsenkirchener Gesamtschule versprühen, vor allem ein architektonischer Albtraum sein. Sie will auch so gar nicht zu den feinen Künsten passen, die darin präsentiert werden. Dass sich Simon Rattle also vehement für einen neuen Konzertsaal einsetzte, kann man ihm kaum verübeln.
Ob ein Neubau angesichts der vielen weiteren Spielstätten, die London darüber hinaus noch zu bieten hat, jedoch wirklich nötig ist, steht auf einem anderen Blatt. Nicht unerwähnt lassen sollte man das nicht ganz so berühmte, optisch und im Aufbau dem Barbican Centre jedoch ähnelnde Southbank Centre südlich der Themse, das gleich drei Konzertsäle beherbergt und abwechselnd vom London Philharmonic Orchestra und dem Philharmonia Orchestra bespielt wird, daneben aber auch ein umfassendes Jazz- und Weltmusikprogramm anbietet.
Von mittlerer Größe ist die Cadogan Hall mit ihren 953 Sitzplätzen. 2004 entstand sie durch den Umbau einer ehemaligen Kirche am Sloane Square am westlichen Rand der Innenstadt; heute hat hier das Royal Philharmonic Orchestra seinen Sitz. Trotz der architektonischen Umstände entstand so ein Saal, der weithin für seine warme und direkte Akustik geschätzt wird.
Äußerlich noch immer eine Kirche, de facto inzwischen jedoch hauptsächlich ein Konzertort ist St Martin-in-the-Fields am Trafalgar Square, wo die bereits erwähnte Academy ihren Sitz hat und zahlreiche Konzerte gibt. Die Ticketpreise sind hier vergleichsweise moderat, oft finden Mittagskonzerte statt, oder man kann mit etwas Glück tagsüber Ohrenzeuge einer Probe werden. Die ehemalige Krypta beherbergt zudem ein Café.

Bleibt noch eine wichtige Bühne Londons übrig: das Royal Opera House, eines der bedeutendsten Opernhäuser Europas. Mit der Royal Opera und dem Royal Ballet beheimatet es zudem zwei der renommiertesten Institutionen der Welt; der hauseigene Klangkörper ist das Orchestra of the Royal Opera House. 2250 Plätze sind in dem prunkvollen Saal in klassischer Hufeisenform vorhanden; auch von außen macht das Haus mit seinen hohen Säulen Eindruck. Es liegt im Stadtviertel Covent Garden, einem der bekanntesten Kultur- und Theaterbezirke Londons, und wird unter Kennern oft selbst synonym so genannt.
Schon seit fast dreihundert Jahren steht an dieser Stelle ein Theaterbau, der jedoch im Laufe der Zeit zweimal abbrannte und schließlich 1858 seine heutige Gestalt erhielt (der moderne Glasbau mit dem Eingangsbereich wurde erst Ende der 1990er Jahre hinzugefügt). Seit 2007 werden im Royal Opera House auch die BAFTA Awards verliehen, die wichtigsten Filmpreise Großbritanniens. Wer sich die teuren Operntickets nicht leisten möchte oder kann, dem sei zumindest die etwas versteckte Dachterrasse empfohlen, von der aus man einen Blick über Covent Garden hat.
Bei dieser Vielfalt an Häusern, Sälen und Ensembles, die diese mit Musik füllen, muss man sich eingestehen: So spannend ein neues Konzerthaus auch wäre, als London-Besucher vermisst man angesichts des kulturellen und auch architektonischen Angebots in der britischen Hauptstadt absolut nichts.



