Musikgeschichte

Der Unbeugsame

Von
Eva Blaskewitz
Erschienen in der Printausgabe im
Januar 2022
Lesezeit ca.
…
Minuten

Er verschwindet im Winter 1889 spurlos von der Bildfläche: der berühmte Komponist Camille Saint-Saëns, 53 Jahre alt. Wilde Spekulationen machen die Runde: Er sei bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen; man habe ihn wegen einer Erbschaft entführt; er habe den Verstand verloren und sei in eine Irrenanstalt eingeliefert worden sei. Nichts dergleichen ist geschehen. Saint-Saëns hat sich einfach abgesetzt. Erschüttert vom Tod seiner Mutter, mit der er nach dem Scheitern seiner Ehe zusammengelebt hat, und zermürbt von den Kabalen des Pariser Musiklebens, ist er, ohne irgendjemandem ein Sterbenswörtchen zu sagen, über Südspanien auf die Kanaren gereist. In den folgenden 15 Jahren führt er ein Leben ohne festen Wohnsitz, unterwegs zwischen Ländern und Kontinenten. Frankreich. Ceylon. Italien. Malta. Schweiz. Spanien. Ägypten. Schweden. England. Argentinien. Und immer wieder Algerien, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist.

Das Reisen, so scheint es, liegt Saint-Saëns im Blut. „Bestimmt wird man wieder behaupten, ich könne einfach nicht ruhig sitzen“, schreibt der 80-Jährige an einen Freund. „Dabei würde ich viel lieber zuhause bleiben und in aller Ruhe arbeiten, doch das Schicksal will es nicht“. Seine zeitlebens angegriffene Gesundheit treibt ihn im Winter aus dem feucht-kalten Paris in mediterrane Gefilde, Tourneen führen ihn als gefeierten Pianisten und Dirigenten um die halbe Welt. Und auch seine vielfältigen Interessen stacheln seine Reiselust an. Er studiert in Pompeji römische Fresken, beschäftigt sich mit Flora und Fauna in Indochina, eilt 1892 von Genf nach Neapel, um einen Ausbruch des Vesuv zu erleben, und 1905 nach Spanien, wo er eine totale Sonnenfinsternis beobachtet.

Dass ihn fremde Kulturen faszinieren, ist in seiner Musik nicht zu überhören. Die arabischen Skalen und synkopischen Rhythmen in der „Suite algérienne“ oder „Africa“ für Klavier und Orchester; im Fünft en Klavierkonzert, „L’Egypte“, eine Melodie, die er dem Gesang eines Nilschiffers abgelauscht hat; spanisches Kolorit in „Jota aragonese“; Ganztonleitern und Pentatonik nach der grassierenden Japan-Mode im Operneinakter „La Princesse jaune“: Schillernde Facetten eines riesigen OEuvres, das sich über die Jahrzehnte hinweg kaum verändert hat. Und doch voller funkelnder Überraschungen steckt.

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Camille Saint-Saëns war ein beliebtes Sujet für Karikaturisten.

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Camille Saint-Saëns wird am 9. Oktober 1835 in Paris geboren. Der Vater stirbt wenige Monate nach seiner Geburt, er wächst bei seiner Mutter und einer musikalisch gebildeten Großtante auf. Sie ist es, die den Zweieinhalbjährigen ans Klavier setzt. Und schon wenig später stolz das Datum seiner ersten Komposition vermerkt: 22. März 1839. Der Junge ist gerade einmal drei Jahre und fünf Monate alt.

Mit zehn Jahren tritt Camille in der renommierten Salle Pleyel zum ersten Mal öffentlich auf. Zwei Jahre später beginnt er sein Studium am Pariser Conservatoire, zunächst in der Orgelklasse, dann auch im Fach Komposition. Als seine erste Sinfonie uraufgeführt wird, ist er gerade 18 Jahre alt. Ein stürmischer Erfolg. Und der Beginn einer Jahrzehnte währenden Laufbahn voller Licht und Schatten.

Binnen weniger Jahre wird Saint- Saëns zu einer prägenden Persönlichkeit des französischen Musiklebens. Mehr als 20 Jahre lang hat er an der Eglise de la Madeleine den prestigeträchtigsten Organistenposten von Paris inne. Als Pianist und Dirigent setzt er sich für die Werke Beethovens, Wagners und Schumanns ein und als Begründer der Société Nationale de Musique für eine eigenständige französische Musik. Er betreut die ersten Gesamtausgaben der Werke Jean-Philippe Rameaus und Christoph Willibald Glucks und provoziert als Musikschriftsteller mit scharfzüngigen Polemiken.

Als Komponist geht er zeitlebens seinen eigenen Weg. Und sieht sich mit einem Wirbel von Bewunderung und Ablehnung konfrontiert. Als er sich in jungen Jahren der in Frankreich verpönten Sinfonik und Kammermusik widmet, wird er als Revolutionär gebrandmarkt. Der greise Saint-Saëns, der unbeirrt an einer Ästhetik im Geiste der Klassik und Romantik festhält, während Schönberg die Tonalität über Bord wirft und Strawinsky mit aggressiven Rhythmen das Publikum verstört, findet sich als Reaktionär abgestempelt. Ein Etikett, das ihm bis heute anhaftet. Ihm, der die erste Filmmusik der Geschichte schrieb, den mutmaßlich ersten Tango in der westlichen Kunstmusik und mit der Kantate „Le feu céleste“ eine Ode an die Elektrizität, die anlässlich der Weltausstellung von 1900 uraufgeführt wurde.

Mehr als 600 Werke nahezu aller Gattungen flossen aus Saint-Saëns’ Feder; nur eine Handvoll sind regelmäßig im Konzertsaal zu erleben. Einen guten Einblick in sein OEuvre jenseits von „Karneval der Tiere“, Orgelsinfonie, Havanaise und Erstem Cellokonzert bietet eine 34-CD-Box aus dem Hause Warner Classics: Bekanntes und Raritäten, historische und neue Einspielungen von durchweg guter bis hervorragender Qualität.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Instrumentalwerk: die fünf Sinfonien in der ikonischen Einspielung des Orchestre National de l’O.R.T.F. unter der Leitung von Jean Martinon (1974), farbenreich und präzise, wenngleich mit etwas Patina im Klang. Die fünf Klavierkonzerte, drei Violinkonzerte, vier Sinfonischen Dichtungen. Konzertstücke für die verschiedensten Instrumente, darunter das kitschig-eindrucksvolle „Cyprès et lauriers“ für Orgel und Orchester, das 1919 zur Feier des Sieges der Alliierten im Ersten Weltkrieg entstanden und dem französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré gewidmet ist.

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Zudem das gesamte Orgelwerk auf zwei CDs. Klavierstücke zu zwei und vier Händen. Ein breiter Querschnitt durch die Kammermusik, die Saint- Saëns sein ganzes Leben lang begleitet hat: vom Klavierquintett des Neunzehnjährigen bis zu den drei Bläsersonaten, die er im Jahr seines Todes komponierte und die mit ihrem neoklassizistischen Tonfall den Werken der jungen Komponistengeneration jener Zeit erstaunlich nahestehen. Natürlich der „Carnaval des animaux“, dessen Aufführung Saint-Saëns zu Lebzeiten verboten hat, ahnte er doch, dass dieser musikalische Scherz alle anderen Werke überschatten würde. Das Septett für Trompete, Streicher und Klavier mit seiner augenzwinkernden Reverenz an die Musik des Barock. Die beiden Klaviertrios. Und die beiden Streichquartette – eine Gattung, an die sich der sonst wenig von Selbstzweifeln geplagte Komponist erst im Alter von 64 Jahren heranwagte: eigenwillige, originelle Werke, die einen festen Platz im Repertoire verdient hätten.

Vergebens sucht man allerdings einige Meilensteine des vokalen OEuvres: etwa das lyrisch-intime Weihnachtsoratorium mit seinem Prélude „dans le style de Séb. Bach“. Das opulent besetzte Requiem, das der Biograf Jacques Bonnaure für Saint-Saëns᾽ einfallsreichstes und vollkommenstes Werk hält. Oder Opern jenseits des Erfolgswerkes „Samson et Dalila“: 13 hat Saint-Saëns geschrieben, nur diese eine konnte sich bis heute auf den Spielplänen behaupten. In der Warner-Box findet sie sich in zwei Versionen, eine davon die legendäre Aufnahme mit Rita Gorr und Jon Vickers unter Georges Prêtre (1962). Eine zusätzliche Facette beleuchtet die Abteilung „Saint-Saëns plays Saint- Saëns“: Durch das Rauschen der alten Grammophon-Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1904 und 1919 schimmert sein auch im Alter noch rhythmisch exaktes, ausdrucksstarkes und dabei völlig allürenfreies Klavierspiel. Man ahnt, wie der Pianist Saint-Saëns jahrzehntelang das Publikum in seinen Bann schlagen konnte.

Neben der umfangreichen Warner- Edition bieten zwei weitere Neuerscheinungen Repertoire abseits der gewohnten Pfade: Die Stiftung Palazzetto Bru Zane hat die Oper „La Princesse jaune“ in einer hörenswerten Produktion herausgebracht. Und das junge Trio Zadig verbindet in einer klangschönen „Hommage à Saint-Saëns“ dessen zweites Klaviertrio mit seinen Bearbeitungen einiger Klavierstücke Rameaus und der Sinfonischen Dichtung „Orpheus“ von Liszt.

83 Jahre liegen zwischen Saint- Saëns᾽ ersten musikalischen Versuchen und dem Ende seiner Karriere. „Es ist 75 Jahre her, dass ich zum ersten Mal öffentlich gespielt habe, und heute war es das letzte Mal“ beschied er nach einem Auftritt in Dieppe, der Heimatstadt seines Vaters, am 6. August 1921. Zwei Wochen später nahm er seinen Abschied vom Dirigentenpult. Wohnte noch der Wiederaufnahme seiner Oper „Ascanio“ in Paris bei. Und starb am 16. Dezember 1921 in seiner Wahlheimat Algerien.

Er verschwindet im Winter 1889 spurlos von der Bildfläche: der berühmte Komponist Camille Saint-Saëns, 53 Jahre alt. Wilde Spekulationen machen die Runde: Er sei bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen; man habe ihn wegen einer Erbschaft entführt; er habe den Verstand verloren und sei in eine Irrenanstalt eingeliefert worden sei. Nichts dergleichen ist geschehen. Saint-Saëns hat sich einfach abgesetzt. Erschüttert vom Tod seiner Mutter, mit der er nach dem Scheitern seiner Ehe zusammengelebt hat, und zermürbt von den Kabalen des Pariser Musiklebens, ist er, ohne irgendjemandem ein Sterbenswörtchen zu sagen, über Südspanien auf die Kanaren gereist. In den folgenden 15 Jahren führt er ein Leben ohne festen Wohnsitz, unterwegs zwischen Ländern und Kontinenten. Frankreich. Ceylon. Italien. Malta. Schweiz. Spanien. Ägypten. Schweden. England. Argentinien. Und immer wieder Algerien, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist.

Das Reisen, so scheint es, liegt Saint-Saëns im Blut. „Bestimmt wird man wieder behaupten, ich könne einfach nicht ruhig sitzen“, schreibt der 80-Jährige an einen Freund. „Dabei würde ich viel lieber zuhause bleiben und in aller Ruhe arbeiten, doch das Schicksal will es nicht“. Seine zeitlebens angegriffene Gesundheit treibt ihn im Winter aus dem feucht-kalten Paris in mediterrane Gefilde, Tourneen führen ihn als gefeierten Pianisten und Dirigenten um die halbe Welt. Und auch seine vielfältigen Interessen stacheln seine Reiselust an. Er studiert in Pompeji römische Fresken, beschäftigt sich mit Flora und Fauna in Indochina, eilt 1892 von Genf nach Neapel, um einen Ausbruch des Vesuv zu erleben, und 1905 nach Spanien, wo er eine totale Sonnenfinsternis beobachtet.

Dass ihn fremde Kulturen faszinieren, ist in seiner Musik nicht zu überhören. Die arabischen Skalen und synkopischen Rhythmen in der „Suite algérienne“ oder „Africa“ für Klavier und Orchester; im Fünft en Klavierkonzert, „L’Egypte“, eine Melodie, die er dem Gesang eines Nilschiffers abgelauscht hat; spanisches Kolorit in „Jota aragonese“; Ganztonleitern und Pentatonik nach der grassierenden Japan-Mode im Operneinakter „La Princesse jaune“: Schillernde Facetten eines riesigen OEuvres, das sich über die Jahrzehnte hinweg kaum verändert hat. Und doch voller funkelnder Überraschungen steckt.

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Camille Saint-Saëns war ein beliebtes Sujet für Karikaturisten.

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Camille Saint-Saëns wird am 9. Oktober 1835 in Paris geboren. Der Vater stirbt wenige Monate nach seiner Geburt, er wächst bei seiner Mutter und einer musikalisch gebildeten Großtante auf. Sie ist es, die den Zweieinhalbjährigen ans Klavier setzt. Und schon wenig später stolz das Datum seiner ersten Komposition vermerkt: 22. März 1839. Der Junge ist gerade einmal drei Jahre und fünf Monate alt.

Mit zehn Jahren tritt Camille in der renommierten Salle Pleyel zum ersten Mal öffentlich auf. Zwei Jahre später beginnt er sein Studium am Pariser Conservatoire, zunächst in der Orgelklasse, dann auch im Fach Komposition. Als seine erste Sinfonie uraufgeführt wird, ist er gerade 18 Jahre alt. Ein stürmischer Erfolg. Und der Beginn einer Jahrzehnte währenden Laufbahn voller Licht und Schatten.

Binnen weniger Jahre wird Saint- Saëns zu einer prägenden Persönlichkeit des französischen Musiklebens. Mehr als 20 Jahre lang hat er an der Eglise de la Madeleine den prestigeträchtigsten Organistenposten von Paris inne. Als Pianist und Dirigent setzt er sich für die Werke Beethovens, Wagners und Schumanns ein und als Begründer der Société Nationale de Musique für eine eigenständige französische Musik. Er betreut die ersten Gesamtausgaben der Werke Jean-Philippe Rameaus und Christoph Willibald Glucks und provoziert als Musikschriftsteller mit scharfzüngigen Polemiken.

Als Komponist geht er zeitlebens seinen eigenen Weg. Und sieht sich mit einem Wirbel von Bewunderung und Ablehnung konfrontiert. Als er sich in jungen Jahren der in Frankreich verpönten Sinfonik und Kammermusik widmet, wird er als Revolutionär gebrandmarkt. Der greise Saint-Saëns, der unbeirrt an einer Ästhetik im Geiste der Klassik und Romantik festhält, während Schönberg die Tonalität über Bord wirft und Strawinsky mit aggressiven Rhythmen das Publikum verstört, findet sich als Reaktionär abgestempelt. Ein Etikett, das ihm bis heute anhaftet. Ihm, der die erste Filmmusik der Geschichte schrieb, den mutmaßlich ersten Tango in der westlichen Kunstmusik und mit der Kantate „Le feu céleste“ eine Ode an die Elektrizität, die anlässlich der Weltausstellung von 1900 uraufgeführt wurde.

Mehr als 600 Werke nahezu aller Gattungen flossen aus Saint-Saëns’ Feder; nur eine Handvoll sind regelmäßig im Konzertsaal zu erleben. Einen guten Einblick in sein OEuvre jenseits von „Karneval der Tiere“, Orgelsinfonie, Havanaise und Erstem Cellokonzert bietet eine 34-CD-Box aus dem Hause Warner Classics: Bekanntes und Raritäten, historische und neue Einspielungen von durchweg guter bis hervorragender Qualität.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Instrumentalwerk: die fünf Sinfonien in der ikonischen Einspielung des Orchestre National de l’O.R.T.F. unter der Leitung von Jean Martinon (1974), farbenreich und präzise, wenngleich mit etwas Patina im Klang. Die fünf Klavierkonzerte, drei Violinkonzerte, vier Sinfonischen Dichtungen. Konzertstücke für die verschiedensten Instrumente, darunter das kitschig-eindrucksvolle „Cyprès et lauriers“ für Orgel und Orchester, das 1919 zur Feier des Sieges der Alliierten im Ersten Weltkrieg entstanden und dem französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré gewidmet ist.

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Zudem das gesamte Orgelwerk auf zwei CDs. Klavierstücke zu zwei und vier Händen. Ein breiter Querschnitt durch die Kammermusik, die Saint- Saëns sein ganzes Leben lang begleitet hat: vom Klavierquintett des Neunzehnjährigen bis zu den drei Bläsersonaten, die er im Jahr seines Todes komponierte und die mit ihrem neoklassizistischen Tonfall den Werken der jungen Komponistengeneration jener Zeit erstaunlich nahestehen. Natürlich der „Carnaval des animaux“, dessen Aufführung Saint-Saëns zu Lebzeiten verboten hat, ahnte er doch, dass dieser musikalische Scherz alle anderen Werke überschatten würde. Das Septett für Trompete, Streicher und Klavier mit seiner augenzwinkernden Reverenz an die Musik des Barock. Die beiden Klaviertrios. Und die beiden Streichquartette – eine Gattung, an die sich der sonst wenig von Selbstzweifeln geplagte Komponist erst im Alter von 64 Jahren heranwagte: eigenwillige, originelle Werke, die einen festen Platz im Repertoire verdient hätten.

Vergebens sucht man allerdings einige Meilensteine des vokalen OEuvres: etwa das lyrisch-intime Weihnachtsoratorium mit seinem Prélude „dans le style de Séb. Bach“. Das opulent besetzte Requiem, das der Biograf Jacques Bonnaure für Saint-Saëns᾽ einfallsreichstes und vollkommenstes Werk hält. Oder Opern jenseits des Erfolgswerkes „Samson et Dalila“: 13 hat Saint-Saëns geschrieben, nur diese eine konnte sich bis heute auf den Spielplänen behaupten. In der Warner-Box findet sie sich in zwei Versionen, eine davon die legendäre Aufnahme mit Rita Gorr und Jon Vickers unter Georges Prêtre (1962). Eine zusätzliche Facette beleuchtet die Abteilung „Saint-Saëns plays Saint- Saëns“: Durch das Rauschen der alten Grammophon-Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1904 und 1919 schimmert sein auch im Alter noch rhythmisch exaktes, ausdrucksstarkes und dabei völlig allürenfreies Klavierspiel. Man ahnt, wie der Pianist Saint-Saëns jahrzehntelang das Publikum in seinen Bann schlagen konnte.

Neben der umfangreichen Warner- Edition bieten zwei weitere Neuerscheinungen Repertoire abseits der gewohnten Pfade: Die Stiftung Palazzetto Bru Zane hat die Oper „La Princesse jaune“ in einer hörenswerten Produktion herausgebracht. Und das junge Trio Zadig verbindet in einer klangschönen „Hommage à Saint-Saëns“ dessen zweites Klaviertrio mit seinen Bearbeitungen einiger Klavierstücke Rameaus und der Sinfonischen Dichtung „Orpheus“ von Liszt.

83 Jahre liegen zwischen Saint- Saëns᾽ ersten musikalischen Versuchen und dem Ende seiner Karriere. „Es ist 75 Jahre her, dass ich zum ersten Mal öffentlich gespielt habe, und heute war es das letzte Mal“ beschied er nach einem Auftritt in Dieppe, der Heimatstadt seines Vaters, am 6. August 1921. Zwei Wochen später nahm er seinen Abschied vom Dirigentenpult. Wohnte noch der Wiederaufnahme seiner Oper „Ascanio“ in Paris bei. Und starb am 16. Dezember 1921 in seiner Wahlheimat Algerien.