Auf Reisen

Ikonen in den Bergen

Von
Arnt Cobbers
Erschienen in der Printausgabe im
Mai 2026
Lesezeit ca.
Minuten
Blick auf die Jöriseen oberhalb von Klosters. Foto: Christian Egelmair
Blick auf die Jöriseen oberhalb von Klosters. Foto: Christian Egelmair

Schneesicher und idyllisch im Tal gelegen, abgelegen vom Trubel der Welt und doch dank der Bahnlinie ins benachbarte Davos gut zu erreichen – kein Wunder, dass wohlhabende Skifahrer das Bergdorf Klosters Ende des 19. Jahrhunderts als Wintersportort entdeckten. Es waren vor allem Engländer, und die Beziehung zwischen dem kleinen Graubündner Bergdorf und den englischen Feriengästen lebt bis heute fort. Viele Gäste kamen immer wieder, kauften oder bauten sich Häuser oder eine Wohnung und reisten schließlich – die Unterkunft stand ja bereit – auch im Sommer für ein paar Tage oder Wochen an. Folgerichtig war es auch ein Engländer, der auf die Idee kam, vor allem für die Teilzeitdörfler etwas klassische Musik zu organisieren. Zunächst ein Konzert zu Weihnachten, dann auch ein Festival im Sommer. David Whelton heißt der Festivalgründer, er ist studierter Pianist und Organist, war 29 Jahre lang Manager des Philharmonia Orchestra in London und ist entsprechend gut vernetzt in der Musikszene. Die Gemeinde ließ sich überzeugen, man baute eine Struktur mit einer Stiftung und einem Förderverein auf, holte die Kulturmanagerin Franziska von Arb als Geschäftsführerin ins Boot und legte 2019 los mit „Klosters Music“. Dann kam Corona, und so geht man 2026 zwar schon ins achte Jahr, sieht sich aber immer noch als relativ junges Festival, das noch längst nicht so bekannt ist, wie es sein könnte – und auch verdient hätte.

Das Programm bietet ausgewählte Highlights zwischen Barock und 20. Jahrhundert, die Musiker sind hochkarätig und die Spielstätten angenehm: Das sind die alte Dorfkirche mit ihren Chorfenstern von Augusto Giacometti, das Atelier des Künstlers Christian Bolt, von dem aus man einen wunderbaren Blick in die Alpenlandschaft hat, und vor allem die Arena, ein Saal, der einen gewissen Mehrzweckhallen-Charme versprüht und tatsächlich in eine Tennishalle verwandelt werden kann – der aber dank der Holzverkleidung und der hoch aufragenden Decke erstaunlich gut klingt. In der Pause werden die Tore der großen Glasfront geöffnet, und man steht mit einem Schaumwein in der Hand – der regionale Grauburgunder ist sehr gut – an der Landquart, einem vorbeirauschenden, eisblauen Gletscherbach, und blickt hinüber zu den sattgrünen Berghängen mit ihren malerisch hingestreuten alten Heuschobern.

Überhaupt die Umgebung: Direkt am Bahnhof liegt die Talstation der Gotschnabahn, mit der man auf über 2000 Meter Höhe hinauffahren kann in ein ausgedehntes Wandergebiet. In zwanzig Minuten mit der Eisenbahn erreicht man Davos, einst legendär als Ort von Thomas Manns „Zauberberg“, heute eher bekannt als Tagungsort des alljährlichen Weltwirtschaftsforums, städtisch geprägt durch überraschend interessante Architektur der klassischen Moderne und schon deshalb einen Ausflug wert. Oder man wandert von Klosters aus eine Stunde durch ein idyllisches Nebental hinauf nach Schlappin, einer alten Siedlung der Walser. Die brachen im späten Mittelalter aus dem oberen Wallis in verschiedene Richtungen auf, um nicht oder kaum besiedelte Täler urbar zu machen. In Schlappin blieben sie nur zweihundert Jahre, dann zogen sie runter ins Haupttal. Das Dorf mit seinen alten, meist nur noch sporadisch bewohnten Holzhäusern aber gehört immer noch einer Genossenschaft von zwanzig Walserfamilien, die ihre Traditionen pflegen: ein altes Deutsch, ihre Sagen und Mythen – das war das Motto von Klosters Music 2025 – und kulinarisches Know-how, das vor allem Schinken und Käse betrifft.

Als beste Küche von Klosters gilt die der „Chesa Grischuna“ – ein findiger Gastwirt gab dem „Alpenhof“ einst den exotisch klingenden rätoromanischen Namen. Das Haus im Zentrum von Klosters ist im Inneren eine Sehenswürdigkeit, eine aparte Mischung aus alpenländischer Architektur und klassischer Moderne mit einer legendären Bar im Keller, wo sich einst Hollywoodstars zum Après-Ski trafen. In den 1950er und 1960er Jahren zog es tatsächlich Größen vom Kaliber Greta Garbo und Audrey Hepburn, David Niven und Lex Barker nach Klosters, um nur ein paar zu nennen. Das ist längst vorbei. In den Achtzigern und Neunzigern waren wohl Prinz Charles und Prinzessin Diana mehrfach in Klosters, William und Harry sollen hier Skifahren gelernt haben. Doch ein Promitreff ist Klosters längst nicht mehr.

Dafür nun ein Festivalort. Mit Ambitionen und Potenzial. Und was die klassische Musik angeht, dann doch wieder ein Treff von Promis, die gerne wiederkommen. „Ikonen“ lautet das Festivalmotto in diesem Sommer – gemeint sind „ikonische“ Komponisten und Werke –, und zu erleben sind unter anderem András Schiff und Maurice Steger, die Camerata Salzburg unter Antonello Manacorda, Bryn Terfel sowie die Deutsche Kammerakademie Bremen mit Boris Giltburg und Veronika Eberle; die Programme bewegen sich zwischen Bach und Bernstein. Im nächsten Jahr wird Klosters Music sicherlich wieder etwas anders aussehen, im Herbst übernimmt der erfahrene Kulturmanager Christoph Müller die künstlerische Leitung von Klosters Music.

Schneesicher und idyllisch im Tal gelegen, abgelegen vom Trubel der Welt und doch dank der Bahnlinie ins benachbarte Davos gut zu erreichen – kein Wunder, dass wohlhabende Skifahrer das Bergdorf Klosters Ende des 19. Jahrhunderts als Wintersportort entdeckten. Es waren vor allem Engländer, und die Beziehung zwischen dem kleinen Graubündner Bergdorf und den englischen Feriengästen lebt bis heute fort. Viele Gäste kamen immer wieder, kauften oder bauten sich Häuser oder eine Wohnung und reisten schließlich – die Unterkunft stand ja bereit – auch im Sommer für ein paar Tage oder Wochen an. Folgerichtig war es auch ein Engländer, der auf die Idee kam, vor allem für die Teilzeitdörfler etwas klassische Musik zu organisieren. Zunächst ein Konzert zu Weihnachten, dann auch ein Festival im Sommer. David Whelton heißt der Festivalgründer, er ist studierter Pianist und Organist, war 29 Jahre lang Manager des Philharmonia Orchestra in London und ist entsprechend gut vernetzt in der Musikszene. Die Gemeinde ließ sich überzeugen, man baute eine Struktur mit einer Stiftung und einem Förderverein auf, holte die Kulturmanagerin Franziska von Arb als Geschäftsführerin ins Boot und legte 2019 los mit „Klosters Music“. Dann kam Corona, und so geht man 2026 zwar schon ins achte Jahr, sieht sich aber immer noch als relativ junges Festival, das noch längst nicht so bekannt ist, wie es sein könnte – und auch verdient hätte.

Das Programm bietet ausgewählte Highlights zwischen Barock und 20. Jahrhundert, die Musiker sind hochkarätig und die Spielstätten angenehm: Das sind die alte Dorfkirche mit ihren Chorfenstern von Augusto Giacometti, das Atelier des Künstlers Christian Bolt, von dem aus man einen wunderbaren Blick in die Alpenlandschaft hat, und vor allem die Arena, ein Saal, der einen gewissen Mehrzweckhallen-Charme versprüht und tatsächlich in eine Tennishalle verwandelt werden kann – der aber dank der Holzverkleidung und der hoch aufragenden Decke erstaunlich gut klingt. In der Pause werden die Tore der großen Glasfront geöffnet, und man steht mit einem Schaumwein in der Hand – der regionale Grauburgunder ist sehr gut – an der Landquart, einem vorbeirauschenden, eisblauen Gletscherbach, und blickt hinüber zu den sattgrünen Berghängen mit ihren malerisch hingestreuten alten Heuschobern.

Überhaupt die Umgebung: Direkt am Bahnhof liegt die Talstation der Gotschnabahn, mit der man auf über 2000 Meter Höhe hinauffahren kann in ein ausgedehntes Wandergebiet. In zwanzig Minuten mit der Eisenbahn erreicht man Davos, einst legendär als Ort von Thomas Manns „Zauberberg“, heute eher bekannt als Tagungsort des alljährlichen Weltwirtschaftsforums, städtisch geprägt durch überraschend interessante Architektur der klassischen Moderne und schon deshalb einen Ausflug wert. Oder man wandert von Klosters aus eine Stunde durch ein idyllisches Nebental hinauf nach Schlappin, einer alten Siedlung der Walser. Die brachen im späten Mittelalter aus dem oberen Wallis in verschiedene Richtungen auf, um nicht oder kaum besiedelte Täler urbar zu machen. In Schlappin blieben sie nur zweihundert Jahre, dann zogen sie runter ins Haupttal. Das Dorf mit seinen alten, meist nur noch sporadisch bewohnten Holzhäusern aber gehört immer noch einer Genossenschaft von zwanzig Walserfamilien, die ihre Traditionen pflegen: ein altes Deutsch, ihre Sagen und Mythen – das war das Motto von Klosters Music 2025 – und kulinarisches Know-how, das vor allem Schinken und Käse betrifft.

Als beste Küche von Klosters gilt die der „Chesa Grischuna“ – ein findiger Gastwirt gab dem „Alpenhof“ einst den exotisch klingenden rätoromanischen Namen. Das Haus im Zentrum von Klosters ist im Inneren eine Sehenswürdigkeit, eine aparte Mischung aus alpenländischer Architektur und klassischer Moderne mit einer legendären Bar im Keller, wo sich einst Hollywoodstars zum Après-Ski trafen. In den 1950er und 1960er Jahren zog es tatsächlich Größen vom Kaliber Greta Garbo und Audrey Hepburn, David Niven und Lex Barker nach Klosters, um nur ein paar zu nennen. Das ist längst vorbei. In den Achtzigern und Neunzigern waren wohl Prinz Charles und Prinzessin Diana mehrfach in Klosters, William und Harry sollen hier Skifahren gelernt haben. Doch ein Promitreff ist Klosters längst nicht mehr.

Dafür nun ein Festivalort. Mit Ambitionen und Potenzial. Und was die klassische Musik angeht, dann doch wieder ein Treff von Promis, die gerne wiederkommen. „Ikonen“ lautet das Festivalmotto in diesem Sommer – gemeint sind „ikonische“ Komponisten und Werke –, und zu erleben sind unter anderem András Schiff und Maurice Steger, die Camerata Salzburg unter Antonello Manacorda, Bryn Terfel sowie die Deutsche Kammerakademie Bremen mit Boris Giltburg und Veronika Eberle; die Programme bewegen sich zwischen Bach und Bernstein. Im nächsten Jahr wird Klosters Music sicherlich wieder etwas anders aussehen, im Herbst übernimmt der erfahrene Kulturmanager Christoph Müller die künstlerische Leitung von Klosters Music.