Bruno Walter
„Bruno Walter, einer der letzten Altmeister des Taktstocks, nimmt Abschied vom öffentlichen Musikleben ..."

So berichteten die Zeitungen vor knapp zwei Jahren, um schon wenig später die Meldung hinzuzufügen, dass der damals 80jährige Dirigent noch einmal an die wichtigsten Stätten seines Wirkens zurückkehren und sich von seinen Freunden und Verehrern persönlich verabschieden wolle.
Zunächst lagen ihm München, wo er nach seinen eigenen Worten die fruchtbarste Zeit seines Lebens verbracht hat, und die Mozart-Stadt Salzburg besonders am Herzen. In München hat Bruno Walter genau ein Jahrzehnt — von 1912 bis 1922 — als Opern- und Konzertdirigent gewirkt und mit seinen mustergültigen Wagner- und Richard-Strauss-Aufführungen die bayerische Hauptstadt erobert. Außerdem begeisterte er die etwas einseitig in „ihren" Wagner und „ihren" Strauss verliebten Isarstädter für Mozart.
Sein besonders inniges Verhältnis zu der Musik Mozarts ist auch der Grund dafür, dass sein Name aufs engste mit den Salzburger Festspielen verknüpft ist und es ihn besonders nach dort zog, als es galt, Abschied vom Dirigentenpodium zu nehmen. Noch nach dem letzten Kriege hatte er die Festspielstadt durch seinen Besuch geehrt. Das Konzert, in dem Mozarts g-moll-Symphonie und anschließend das von ähnlich grüblerischem Weltschmerz erfüllte Lied von der Erde erklang, wird allen ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Das ergreifende Werk, mit dem Walters großer Lehrer und väterlicher Freund Gustav Mahler gleichsam seinen eigenen Abschied von der Erde genommen hat, wurde auf zwei Decca-Langspielplatten festgehalten und ist neben dem bei Philips erschienenen Requiem von Mozart als bedeutendstes künstlerisches Vermächtnis dieses großen Dirigenten anzusehen.
Wie in München und Salzburg, so hatte man sich 1957 natürlich auch in Wien auf ein Wiedersehen mit Bruno Walter gefreut. Schon 1901 hatte ihn der damalige Hofoperndirektor Gustav Mahler an sein Theater berufen. Sechs Jahre währte die fruchtbare Zusammenarbeit dieser beiden starken Dirigentenpersönlichkeiten, bis Mahler 1907 der Donaustadt Lebewohl sagte und in den USA ein reiches Betätigungsfeld fand. 32 Jahre später sollte auch Walter von Wien aus nach Amerika ziehen, nachdem er von 1936 bis 1938 dasselbe ehrenvolle Amt wie einst Mahler bekleidet hatte. Bruno Walters Wirken als Direktor der Wiener Staatsoper und des Philharmonischen Orchesters ist an der Donau unvergessen. Eine von Electrola herausgegebene Langspielplatte zeugt noch heute von jenen glanzvollen Zeiten, als Bruno Walter, Dirigent und Klaviervirtuose in einer Person, mit „seinen" Philharmonikern Mozart interpretierte. Das von Beethoven hochgeschätzte d-moll-Konzert rückt Walters pianistische Fähigkeiten ins rechte Licht, und da der „Perfektionismus" damals noch nicht geboren war, wirkt diese aus dem Jahre 1937 stammende Einspielung erfreulich frisch und lebendig. (Übrigens ist die akustische Qualität gemessen an dem Alter der Aufnahme erstaunlich gut!)
Aber auch nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten ist Bruno Walter nichts so fremd geblieben wie jene kühle, eigentlich wesenlose intellektuelle Effekthascherei der „Perfektionisten". Sein Musizieren kommt stets aus einem erfüllten Herzen. Man lese sein neues Buch „Von der Musik und vom Musizieren" und höre, was er den jungen Dirigenten mit auf den Weg gibt: „. .. dass die eigene Seele aus dem Werk tönt, das er in Treue wiedergibt." Der Maestro liest aus diesem Buche auf einer Langspielplatte der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Noch unmittelbarer lernt man sein künstlerisches Wollen und seine kongeniale Interpretationskunst in dem einzigartigen Dokument kennen, dass Philips zum achtzigsten Geburtstag des Dirigenten veröffentlichte — eine vollständige Orchesterprobe der „Linzer" Symphonie mit dem Columbia-Symphonieorchester — die Geburt einer Aufnahme.
Bruno Walter ist — im Gegensatz zu Toscanini — kein Tyrann des Orchesters. So beglückend warmherzig wie sein Musizieren, ist auch sein Umgang mit den Musikern. Und darum verdankt dieser wahrhafte Künstler es nicht nur seinem künstlerischen Ruf, sondern ebenso seinem noblen Wesen, dass sein angekündigter Abschiedsbesuch überall sehnsüchtig erwartet wurde —, nicht zuletzt auch in seiner Vaterstadt Berlin, wo er das Stern'sche Konservatorium besucht und schon als Dreizehnjähriger mit der Interpretation des Es-dur-Klavierkonzerts von Moscheies in der Philharmonie erste pianistische Lorbeeren errungen hatte. 1899 war er dort königlich preußischer Kapellmeister. Dreißig Jahre später wurden die berühmt gewordenen „Bruno-Walter-Konzerte" ins Leben gerufen, die sich bis 1933 größter Beliebtheit erfreuten. Wie gerne hätten die Berliner noch einmal ein solches „Bruno-Walter-Konzert" erlebt! Aber das Schicksal hat es anders gewollt. Wenige Wochen vor der geplanten Abreise nach Europa erkrankte der Dirigent so schwer, dass die Tournee abgesagt werden musste. Seinen enttäuschten Freunden blieb nichts anderes übrig als dem oft verpönten Zeitalter der Technik dank zu wissen, dass es uns die fonografische Aufzeichnung beschert hat. Sie ermöglicht uns, aus der Fülle der von Bruno Walter eingespielten Aufnahmen eigene Hauskonzerte zusammenzustellen. Ob man nun den Zyklus der gesamten Beethoven-Symphonien wählt, die Philips in einer Persönlichkeit des Dirigenten würdigen Luxusausgabe präsentiert, ob man sich den vier herrlichen Symphonien von Brahms widmet, die ebenso wie das Doppelkonzert mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet worden sind, — immer wieder fasziniert und beglückt seine zugleich dienende und gebende, im tiefsten Grunde bescheidene Art des Musizierens.
Inzwischen wieder bei bester Gesundheit, hat Walter den bereits bestehenden Aufnahmen Mahlerscher Musik (Symphonien Nr. 1, 4, 5, Lied von der Erde) die gewaltige Auferstehungssymphonie (Nr. 2) in einer Stereo-Aufnahme hinzugefügt. Die beiden in Deutschland leider noch nicht veröffentlichten Langspielplatten zeugen von einer fast unglaublichen Vitalität des 82jährigen. Man hört sogar, dass er sämtliche Symphonien von Beethoven nochmals in Stereofonischen Aufnahmen dirigieren will. Möge uns seine wiedererlangte Schaffenskraft noch lange erhalten bleiben!
So berichteten die Zeitungen vor knapp zwei Jahren, um schon wenig später die Meldung hinzuzufügen, dass der damals 80jährige Dirigent noch einmal an die wichtigsten Stätten seines Wirkens zurückkehren und sich von seinen Freunden und Verehrern persönlich verabschieden wolle.
Zunächst lagen ihm München, wo er nach seinen eigenen Worten die fruchtbarste Zeit seines Lebens verbracht hat, und die Mozart-Stadt Salzburg besonders am Herzen. In München hat Bruno Walter genau ein Jahrzehnt — von 1912 bis 1922 — als Opern- und Konzertdirigent gewirkt und mit seinen mustergültigen Wagner- und Richard-Strauss-Aufführungen die bayerische Hauptstadt erobert. Außerdem begeisterte er die etwas einseitig in „ihren" Wagner und „ihren" Strauss verliebten Isarstädter für Mozart.
Sein besonders inniges Verhältnis zu der Musik Mozarts ist auch der Grund dafür, dass sein Name aufs engste mit den Salzburger Festspielen verknüpft ist und es ihn besonders nach dort zog, als es galt, Abschied vom Dirigentenpodium zu nehmen. Noch nach dem letzten Kriege hatte er die Festspielstadt durch seinen Besuch geehrt. Das Konzert, in dem Mozarts g-moll-Symphonie und anschließend das von ähnlich grüblerischem Weltschmerz erfüllte Lied von der Erde erklang, wird allen ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Das ergreifende Werk, mit dem Walters großer Lehrer und väterlicher Freund Gustav Mahler gleichsam seinen eigenen Abschied von der Erde genommen hat, wurde auf zwei Decca-Langspielplatten festgehalten und ist neben dem bei Philips erschienenen Requiem von Mozart als bedeutendstes künstlerisches Vermächtnis dieses großen Dirigenten anzusehen.
Wie in München und Salzburg, so hatte man sich 1957 natürlich auch in Wien auf ein Wiedersehen mit Bruno Walter gefreut. Schon 1901 hatte ihn der damalige Hofoperndirektor Gustav Mahler an sein Theater berufen. Sechs Jahre währte die fruchtbare Zusammenarbeit dieser beiden starken Dirigentenpersönlichkeiten, bis Mahler 1907 der Donaustadt Lebewohl sagte und in den USA ein reiches Betätigungsfeld fand. 32 Jahre später sollte auch Walter von Wien aus nach Amerika ziehen, nachdem er von 1936 bis 1938 dasselbe ehrenvolle Amt wie einst Mahler bekleidet hatte. Bruno Walters Wirken als Direktor der Wiener Staatsoper und des Philharmonischen Orchesters ist an der Donau unvergessen. Eine von Electrola herausgegebene Langspielplatte zeugt noch heute von jenen glanzvollen Zeiten, als Bruno Walter, Dirigent und Klaviervirtuose in einer Person, mit „seinen" Philharmonikern Mozart interpretierte. Das von Beethoven hochgeschätzte d-moll-Konzert rückt Walters pianistische Fähigkeiten ins rechte Licht, und da der „Perfektionismus" damals noch nicht geboren war, wirkt diese aus dem Jahre 1937 stammende Einspielung erfreulich frisch und lebendig. (Übrigens ist die akustische Qualität gemessen an dem Alter der Aufnahme erstaunlich gut!)
Aber auch nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten ist Bruno Walter nichts so fremd geblieben wie jene kühle, eigentlich wesenlose intellektuelle Effekthascherei der „Perfektionisten". Sein Musizieren kommt stets aus einem erfüllten Herzen. Man lese sein neues Buch „Von der Musik und vom Musizieren" und höre, was er den jungen Dirigenten mit auf den Weg gibt: „. .. dass die eigene Seele aus dem Werk tönt, das er in Treue wiedergibt." Der Maestro liest aus diesem Buche auf einer Langspielplatte der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Noch unmittelbarer lernt man sein künstlerisches Wollen und seine kongeniale Interpretationskunst in dem einzigartigen Dokument kennen, dass Philips zum achtzigsten Geburtstag des Dirigenten veröffentlichte — eine vollständige Orchesterprobe der „Linzer" Symphonie mit dem Columbia-Symphonieorchester — die Geburt einer Aufnahme.
Bruno Walter ist — im Gegensatz zu Toscanini — kein Tyrann des Orchesters. So beglückend warmherzig wie sein Musizieren, ist auch sein Umgang mit den Musikern. Und darum verdankt dieser wahrhafte Künstler es nicht nur seinem künstlerischen Ruf, sondern ebenso seinem noblen Wesen, dass sein angekündigter Abschiedsbesuch überall sehnsüchtig erwartet wurde —, nicht zuletzt auch in seiner Vaterstadt Berlin, wo er das Stern'sche Konservatorium besucht und schon als Dreizehnjähriger mit der Interpretation des Es-dur-Klavierkonzerts von Moscheies in der Philharmonie erste pianistische Lorbeeren errungen hatte. 1899 war er dort königlich preußischer Kapellmeister. Dreißig Jahre später wurden die berühmt gewordenen „Bruno-Walter-Konzerte" ins Leben gerufen, die sich bis 1933 größter Beliebtheit erfreuten. Wie gerne hätten die Berliner noch einmal ein solches „Bruno-Walter-Konzert" erlebt! Aber das Schicksal hat es anders gewollt. Wenige Wochen vor der geplanten Abreise nach Europa erkrankte der Dirigent so schwer, dass die Tournee abgesagt werden musste. Seinen enttäuschten Freunden blieb nichts anderes übrig als dem oft verpönten Zeitalter der Technik dank zu wissen, dass es uns die fonografische Aufzeichnung beschert hat. Sie ermöglicht uns, aus der Fülle der von Bruno Walter eingespielten Aufnahmen eigene Hauskonzerte zusammenzustellen. Ob man nun den Zyklus der gesamten Beethoven-Symphonien wählt, die Philips in einer Persönlichkeit des Dirigenten würdigen Luxusausgabe präsentiert, ob man sich den vier herrlichen Symphonien von Brahms widmet, die ebenso wie das Doppelkonzert mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet worden sind, — immer wieder fasziniert und beglückt seine zugleich dienende und gebende, im tiefsten Grunde bescheidene Art des Musizierens.
Inzwischen wieder bei bester Gesundheit, hat Walter den bereits bestehenden Aufnahmen Mahlerscher Musik (Symphonien Nr. 1, 4, 5, Lied von der Erde) die gewaltige Auferstehungssymphonie (Nr. 2) in einer Stereo-Aufnahme hinzugefügt. Die beiden in Deutschland leider noch nicht veröffentlichten Langspielplatten zeugen von einer fast unglaublichen Vitalität des 82jährigen. Man hört sogar, dass er sämtliche Symphonien von Beethoven nochmals in Stereofonischen Aufnahmen dirigieren will. Möge uns seine wiedererlangte Schaffenskraft noch lange erhalten bleiben!



