In Memoriam: Alfred Cortot
Erschienen in der Printausgabe im März 1963

Dass die Musik keine Grenzen kennt, dass sie (um es mir einem eingeführten Schallplatten-Begriff zu sagen) „Sprache der Welt" ist — dies recht banale und abgegriffene Wortklischee gewinnt im Falle Cortots wieder einen fester umrissenen Inhalt. Freilich noch nicht eigentlich, wenn man es nur mit dem Pianisten Cortot, dem „Poeten am Klavier", in Beziehung setzt, der der musikalischen Welt, wie man weiß, einen neuen Chopin, einen neuen Schumann schenkte und dessen Schallplatten- Aufnahmen und instruktive Noten-Ausgaben Geschichte gemacht haben.
Natürlich ist es richtig, wenn man zunächst an diese wesentlichste und einflussreichste künstlerische Tätigkeit denkt: Der achtjährige Cortot spielt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit; in seinen zwanziger Jahren gelangt er schnell als Solist und Kammermusiker (seit 1904 als Partner von Thibaud und Casals) zu weltweitem Ruhm und überwältigt bis ins hohe Alter, in seinen späten Jahren nach dem 2. Weltkrieg, durch die reife, immer einfacher werdende Kunst des Klavierspiels — auch dann, wenn die technische Präzision ihren Tribut an die Zeit hat entrichten müssen.
Aber in solchem ohnehin nur skizzierten Bild fehlt eine Reihe nicht minder wichtiger und kräftiger Farben; denn der am 25. September 1877 im schweizerischen Nyon in der Nähe Genfs Geborene, Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin, dessen ungewöhnliche musikalische Begabung sich früh äußert und der sich am Pariser Conservatoire bei Diemer das Rüstzeug für seine pianistische Karriere holt, gerät als Zwanzigjähriger in den Bannkreis Bayreuths, wo er, durch Edouard Risler eingeführt, ein halbes Jahrzehnt als Korrepetitor der Festspiele wirkt. Die Liebe des aufstrebenden Pianisten Cortot gehört eben so sehr dem Dirigieren, und der Fünfundzwanzigjährige, Begründer der Pariser „Sociéte des Festivals Lyriques", dirigierte den „Tristan" und machte wenig später die Musikwelt der Seine-Metropole nah der „Götterdämmerung" bekannt.
Der scharfblickende und bisweilen auch ein wenig boshafte Debussy, der sich in jenen Jahren ein Teil seines Einkommens als Kritiker verdient, schreibt ein paar Jahre später über den Dirigenten der neu herausgekommenen „Parsifal"-Aufführung:
„Keiner der französischen Dirigenten hat wie Cortot den deutschen Kollegen die bei ihnen übliche Art des Auftretens abgeguckt ... Er hat die Locke von Nikisch (der übrigens Ungar ist), und diese Locke fesselt einen ungemein, weil sie schon auf die winzigste Nuance leidenschaftlich reagiert ... So fällt sie bei den sanftesten Stellen melancholisch und müde herunter, so dass Cortot das Orchester gar nicht mehr sehen kann, ... aber bei den kriegerischen Stellen richtet sich die Locke stolz in die Höhe, ... Cortot geht dann auf das Orchester zu und kommt ihm mit dem Taktstock bedrohlich nah wie die Torcros, wenn sie den Stier reizen wollen ... Wie Weingartner neigt er sich zärtlich zu den ersten Violinen und flüstert ihnen allerlei Vertraulichkeiten zu, dann wendet er sich zu den Posaunen und rügt sie mit einer beredten Geste, die etwa auszudrücken scheint: ,Los, Kinder, mehr Kraft! Versucht jetzt mal, nur noch Posaunen zu sein!' Und die Posaunen tun brav und folgsam, wie ihnen geheißen . . . " Und dann folgt die Bemerkung, die den Vergleich zu Nikisch und Weingartner als ernst gemeint zeigt: „Gerechterweise muss man allerdings sagen, dass Cortot Wagner durch und durch kennt und ein großartiger Musiker ist. Er ist noch jung und hat eine ganz selbstlose Liebe zur Musik; darum darf man ihm seine mehr dekorativen als sinnvollen Gesten nicht so ankreiden."
Dekorativ oder nur temperamentvoll — einerlei: Tatsache ist, dass Cortot mehrere Jahrzehnte hindurch als Dirigent großen Einfluss ausgeübt hat. Gemeinsam u. a. mit Ansermet gründete er in Paris das „Orchestre Symphonique", das „Orchestre Philharmonique" mit Monteux und noch einmal mit Charles Münch. In Lille leitet er mehrere Jahre hindurch die für das nordfranzösische Musikleben wichtigen „Concerts Populaires"; und mitten in den zweiten Weltkrieg, 1943, fällt die Gründung der „Société de Musique de chambre de la Société des Concerts du Conservatoire" durch den Fünfundsechzigjährigen. Der „Meister der klavieristischen Romantik" erweist sich anhand der von ihm im Laufe der Jahre geleiteten Erstaufführungen von Beethovens Missa solemnis, der „Heiligen Elisabeth" Liszts und dem Deutschen Requiem von Brahms bis zu den Neuheiten Chaussons, Roussels und anderer auch vom Dingenten pult her als ein Vorkämpfer des Modernen, das er übrigens als Vortragender, in den „Lecturcs publiques", einige Zeit hindurch seinen Hörern nahezubringen suchte.
Bekannter ist Cortot als Pädagoge geworden, seit der Dreißigjährige 1907 an das Pariser Conservatoire berufen wurde, und noch mehr als Mitbegründer und Leiter der 1918 entstandenen „Ecole normale de musique", aus der eine unübersehbare Zahl von Schülern hervorgegangen ist. Womöglich noch stärker hat der brillante Schriftsteller Alfred Cortot bis in unsere Zeit gewirkt, aus dessen Feder neben dem dreibändigen Meisterwerk über die französische Klaviermusik die „Editions du travail" stammen, instruktive Unterrichts-Ausgaben Schumannscher, Lisztscher und Chopinscher Klavierwerke, von denen die Chopin-Etüden wohl die größte Verbreitung erlebt haben.
Das Bild des großen Künstlers, Pädagogen und Schriftstellers rundet sich, wenn man weiß, dass Cortot etwa ab 1914 in mancherlei Funktionen im französischen Kultusministerium tätig gewesen ist — immer anregend, organisierend, bildend. Und schließlich war er zeit seines Lebens ein begeisterter Sammler von Autographen und anderen musikhistorischen Dokumenten; seine Bibliothek gehört — wie der erste Katalogband der Societe Internationale de Musicologie von 1936 ausweist — zu den bedeutendsten der neueren Zeit überhaupt. Die mit Cortot vorliegenden Schallplatten-Einspielungen — jedenfalls die hier herangezogenen Aufnahmen — fallen in das Jahrzehnt zwischen 1927, dem Jahr des Schumannschen Klavierkonzerts, und 1937, Schumanns Davidsbündlertänzen. Es ist gut daran zu denken, dass sie im sechsten Lebensjahrzehnt des Künstlers entstanden sind! „Poetisch" — in der Tat: Um diesen Begriff kreist jede Deutung seines Stils, und gewiss sind es Farbe, Ausdruck, Plastik des Anschlags und der Spielgebärde im Verein mit hohem Geschmack, die insgesamt seine Schallplatten auszeichnen.
In Schumanns a-moll-Konzert ist es die Frische und Leidenschaftlichkeit der Wiedergabe, die über die aufnahmetechnischen Mängel triumphiert. Es gibt zudem den Blick frei auf mancherlei Mittel des Vortrags, über die Cortot als ein Kind des virtuosen 19. Jahrhunderts noch verfügte und die er mit dem Geschmack des unsrigen anwandte: das Tempo rubato, von beiden Händen unabhängig gespielt, oder das freie Arpeggio zur Akzentuierung der melodischen Linie, die im übrigen Takt und Tempo regiert. Überhaupt Schumann: Es ist ein gleichsam akzentfreier, deutscher Schumann, der hier gesprochen wird. „Einfach", „innig", „zart und singend" — dort wo sie in den Kreisleriana und den Davidsbündlern als Vortragsbezeichnungen erscheinen, sind sie wörtlich verstanden und von stärkster Wirkung.
„Poetisch" ist sein Chopin-Spiel; es ist bei aller Klarheit immer voll Atmosphäre und vielleicht weicher, etwas verschwommener oder besser: weniger direkt, als es heute von berufenen Interpreten gehandhabt wird. Lehrreich sind besonders die Préludes, etwa das balladeske 24. in d-moll in der Behandlung des ostinaten Basses. Der Walzer ist nach Cortot für Chopin offenbar nur ein Vorwand für ein Salonstück, freilich von hoher Kultur. Der „Valse brillante" atmet — und die melodische Faktur gibt ihm darin nur allzu deutlich recht — den Duft der vornehmen Pariser Welt. Sind Cortots Chopin-Walzer darum weniger „poetisch"?
Eine Platte schließlich, die „Geschichte" gemacht hat, ist die Aufnahme des Beethovenschen großen B-dur-Trios op. 97. Warum? Schon die ersten so einfach erscheinenden Takte zeigen drei Individualitäten, drei Persönlichkeiten, deren Zusammenspiel dennoch fugenlos, „kammermusikalisch" bleibt; die Gewichte freilich verschieben sich, fast unmerklich, von Takt zu Takt: Führer und Begleiter wechseln nach dem Willen der Partitur.
„Er hat die Locke von Nikisch (der übrigens Ungar ist)", sagte Debussy; und er fügte am Ende hinzu, „er ist noch jung und hat eine ganz selbstlose Liebe zur Musik." — Jung und selbstlos — und „poetisch". Alfred Cortot ist am 15. Juni 1962 im Alter von 85 Jahren gestorben.
Dass die Musik keine Grenzen kennt, dass sie (um es mir einem eingeführten Schallplatten-Begriff zu sagen) „Sprache der Welt" ist — dies recht banale und abgegriffene Wortklischee gewinnt im Falle Cortots wieder einen fester umrissenen Inhalt. Freilich noch nicht eigentlich, wenn man es nur mit dem Pianisten Cortot, dem „Poeten am Klavier", in Beziehung setzt, der der musikalischen Welt, wie man weiß, einen neuen Chopin, einen neuen Schumann schenkte und dessen Schallplatten- Aufnahmen und instruktive Noten-Ausgaben Geschichte gemacht haben.
Natürlich ist es richtig, wenn man zunächst an diese wesentlichste und einflussreichste künstlerische Tätigkeit denkt: Der achtjährige Cortot spielt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit; in seinen zwanziger Jahren gelangt er schnell als Solist und Kammermusiker (seit 1904 als Partner von Thibaud und Casals) zu weltweitem Ruhm und überwältigt bis ins hohe Alter, in seinen späten Jahren nach dem 2. Weltkrieg, durch die reife, immer einfacher werdende Kunst des Klavierspiels — auch dann, wenn die technische Präzision ihren Tribut an die Zeit hat entrichten müssen.
Aber in solchem ohnehin nur skizzierten Bild fehlt eine Reihe nicht minder wichtiger und kräftiger Farben; denn der am 25. September 1877 im schweizerischen Nyon in der Nähe Genfs Geborene, Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin, dessen ungewöhnliche musikalische Begabung sich früh äußert und der sich am Pariser Conservatoire bei Diemer das Rüstzeug für seine pianistische Karriere holt, gerät als Zwanzigjähriger in den Bannkreis Bayreuths, wo er, durch Edouard Risler eingeführt, ein halbes Jahrzehnt als Korrepetitor der Festspiele wirkt. Die Liebe des aufstrebenden Pianisten Cortot gehört eben so sehr dem Dirigieren, und der Fünfundzwanzigjährige, Begründer der Pariser „Sociéte des Festivals Lyriques", dirigierte den „Tristan" und machte wenig später die Musikwelt der Seine-Metropole nah der „Götterdämmerung" bekannt.
Der scharfblickende und bisweilen auch ein wenig boshafte Debussy, der sich in jenen Jahren ein Teil seines Einkommens als Kritiker verdient, schreibt ein paar Jahre später über den Dirigenten der neu herausgekommenen „Parsifal"-Aufführung:
„Keiner der französischen Dirigenten hat wie Cortot den deutschen Kollegen die bei ihnen übliche Art des Auftretens abgeguckt ... Er hat die Locke von Nikisch (der übrigens Ungar ist), und diese Locke fesselt einen ungemein, weil sie schon auf die winzigste Nuance leidenschaftlich reagiert ... So fällt sie bei den sanftesten Stellen melancholisch und müde herunter, so dass Cortot das Orchester gar nicht mehr sehen kann, ... aber bei den kriegerischen Stellen richtet sich die Locke stolz in die Höhe, ... Cortot geht dann auf das Orchester zu und kommt ihm mit dem Taktstock bedrohlich nah wie die Torcros, wenn sie den Stier reizen wollen ... Wie Weingartner neigt er sich zärtlich zu den ersten Violinen und flüstert ihnen allerlei Vertraulichkeiten zu, dann wendet er sich zu den Posaunen und rügt sie mit einer beredten Geste, die etwa auszudrücken scheint: ,Los, Kinder, mehr Kraft! Versucht jetzt mal, nur noch Posaunen zu sein!' Und die Posaunen tun brav und folgsam, wie ihnen geheißen . . . " Und dann folgt die Bemerkung, die den Vergleich zu Nikisch und Weingartner als ernst gemeint zeigt: „Gerechterweise muss man allerdings sagen, dass Cortot Wagner durch und durch kennt und ein großartiger Musiker ist. Er ist noch jung und hat eine ganz selbstlose Liebe zur Musik; darum darf man ihm seine mehr dekorativen als sinnvollen Gesten nicht so ankreiden."
Dekorativ oder nur temperamentvoll — einerlei: Tatsache ist, dass Cortot mehrere Jahrzehnte hindurch als Dirigent großen Einfluss ausgeübt hat. Gemeinsam u. a. mit Ansermet gründete er in Paris das „Orchestre Symphonique", das „Orchestre Philharmonique" mit Monteux und noch einmal mit Charles Münch. In Lille leitet er mehrere Jahre hindurch die für das nordfranzösische Musikleben wichtigen „Concerts Populaires"; und mitten in den zweiten Weltkrieg, 1943, fällt die Gründung der „Société de Musique de chambre de la Société des Concerts du Conservatoire" durch den Fünfundsechzigjährigen. Der „Meister der klavieristischen Romantik" erweist sich anhand der von ihm im Laufe der Jahre geleiteten Erstaufführungen von Beethovens Missa solemnis, der „Heiligen Elisabeth" Liszts und dem Deutschen Requiem von Brahms bis zu den Neuheiten Chaussons, Roussels und anderer auch vom Dingenten pult her als ein Vorkämpfer des Modernen, das er übrigens als Vortragender, in den „Lecturcs publiques", einige Zeit hindurch seinen Hörern nahezubringen suchte.
Bekannter ist Cortot als Pädagoge geworden, seit der Dreißigjährige 1907 an das Pariser Conservatoire berufen wurde, und noch mehr als Mitbegründer und Leiter der 1918 entstandenen „Ecole normale de musique", aus der eine unübersehbare Zahl von Schülern hervorgegangen ist. Womöglich noch stärker hat der brillante Schriftsteller Alfred Cortot bis in unsere Zeit gewirkt, aus dessen Feder neben dem dreibändigen Meisterwerk über die französische Klaviermusik die „Editions du travail" stammen, instruktive Unterrichts-Ausgaben Schumannscher, Lisztscher und Chopinscher Klavierwerke, von denen die Chopin-Etüden wohl die größte Verbreitung erlebt haben.
Das Bild des großen Künstlers, Pädagogen und Schriftstellers rundet sich, wenn man weiß, dass Cortot etwa ab 1914 in mancherlei Funktionen im französischen Kultusministerium tätig gewesen ist — immer anregend, organisierend, bildend. Und schließlich war er zeit seines Lebens ein begeisterter Sammler von Autographen und anderen musikhistorischen Dokumenten; seine Bibliothek gehört — wie der erste Katalogband der Societe Internationale de Musicologie von 1936 ausweist — zu den bedeutendsten der neueren Zeit überhaupt. Die mit Cortot vorliegenden Schallplatten-Einspielungen — jedenfalls die hier herangezogenen Aufnahmen — fallen in das Jahrzehnt zwischen 1927, dem Jahr des Schumannschen Klavierkonzerts, und 1937, Schumanns Davidsbündlertänzen. Es ist gut daran zu denken, dass sie im sechsten Lebensjahrzehnt des Künstlers entstanden sind! „Poetisch" — in der Tat: Um diesen Begriff kreist jede Deutung seines Stils, und gewiss sind es Farbe, Ausdruck, Plastik des Anschlags und der Spielgebärde im Verein mit hohem Geschmack, die insgesamt seine Schallplatten auszeichnen.
In Schumanns a-moll-Konzert ist es die Frische und Leidenschaftlichkeit der Wiedergabe, die über die aufnahmetechnischen Mängel triumphiert. Es gibt zudem den Blick frei auf mancherlei Mittel des Vortrags, über die Cortot als ein Kind des virtuosen 19. Jahrhunderts noch verfügte und die er mit dem Geschmack des unsrigen anwandte: das Tempo rubato, von beiden Händen unabhängig gespielt, oder das freie Arpeggio zur Akzentuierung der melodischen Linie, die im übrigen Takt und Tempo regiert. Überhaupt Schumann: Es ist ein gleichsam akzentfreier, deutscher Schumann, der hier gesprochen wird. „Einfach", „innig", „zart und singend" — dort wo sie in den Kreisleriana und den Davidsbündlern als Vortragsbezeichnungen erscheinen, sind sie wörtlich verstanden und von stärkster Wirkung.
„Poetisch" ist sein Chopin-Spiel; es ist bei aller Klarheit immer voll Atmosphäre und vielleicht weicher, etwas verschwommener oder besser: weniger direkt, als es heute von berufenen Interpreten gehandhabt wird. Lehrreich sind besonders die Préludes, etwa das balladeske 24. in d-moll in der Behandlung des ostinaten Basses. Der Walzer ist nach Cortot für Chopin offenbar nur ein Vorwand für ein Salonstück, freilich von hoher Kultur. Der „Valse brillante" atmet — und die melodische Faktur gibt ihm darin nur allzu deutlich recht — den Duft der vornehmen Pariser Welt. Sind Cortots Chopin-Walzer darum weniger „poetisch"?
Eine Platte schließlich, die „Geschichte" gemacht hat, ist die Aufnahme des Beethovenschen großen B-dur-Trios op. 97. Warum? Schon die ersten so einfach erscheinenden Takte zeigen drei Individualitäten, drei Persönlichkeiten, deren Zusammenspiel dennoch fugenlos, „kammermusikalisch" bleibt; die Gewichte freilich verschieben sich, fast unmerklich, von Takt zu Takt: Führer und Begleiter wechseln nach dem Willen der Partitur.
„Er hat die Locke von Nikisch (der übrigens Ungar ist)", sagte Debussy; und er fügte am Ende hinzu, „er ist noch jung und hat eine ganz selbstlose Liebe zur Musik." — Jung und selbstlos — und „poetisch". Alfred Cortot ist am 15. Juni 1962 im Alter von 85 Jahren gestorben.



