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Porträt: Melitta Muszey

Von
Friedrich Roemer
Erschienen in der Printausgabe im
September 1959
Lesezeit ca.
Minuten

Melitta Muszely, die als junges Mädchen in ihrer Vaterstadt Wien ihren Stehplatz in der Oper bezog, so oft sie sich das nur leisten konnte, hatte nur einen Wunsch: einmal zu jenen Sängern da unten auf der Bühne zu gehören, denen sie so hingerissen lauschte, von deren Können und Künstlertum sie bezaubert wurde. Schon damals hatte sich der Backfisch vorgenommen, alles daranzusetzen, um es diesen Künstlern einmal gleichzutun. Von jenen Mädchentagen bis heute ist es für die Wienerin ungarischer Abstammung ein weiter Weg gewesen, ein Weg voller Arbeit und Geduld, voll unbeirrbaren Strebens auf das große Ziel hin, zugleich aber ein Weg, der besonders in den letzten Jahren steil aufwärts geführt hat.

Alles war dazu angetan, der jungen Melitta eines vorauszusagen: eine große Laufbahn. Sie wuchs in einer Stadt auf, deren Tradition und Geist ausgesprochen musikalisch sind, in der lebendige Musikübung gang und gäbe ist, und dies war im engeren Kreis ihrer Familie nicht anders. Doch alle diese Voraussetzungen, solche Gunst des Milieus — sie bereiteten nur den Boden für das Eigentliche: für die ungehemmte Entfaltung von Frau Muszelys musikalisch-sängerischer Begabung, der Ausbildung ihrer herrlichen Stimme — Dinge, die wiederum nur wirklich werden konnten, weil Melitta Muszely noch eines mitbrachte — eine hohe Geduld mit sich selbst und der Sache gegenüber, der Kunst, um die es ihr ging. Um ihretwillen arbeitete sie zwölf Jahre lang in systematischem Studium mit niemals nachlassender Energie — zunächst als Pianistin, dann als Sängerin.

So konnte es auf die Dauer gar nicht an dem großen Erfolg fehlen. Er trat bei der Hochbegabten nur allzu bald ein, er öffnete ihr den Weg zu jener Höhe, auf der sie heute angekommen ist. Seit Jahresfrist schon ist sie einer der hellsten Sterne am Himmel der internationalen Sängerprominenz, zumal seit Felsensteins glorreicher Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen", in der sie die vier weiblichen Hauptpartien übernommen hat. Zu diesem rund fünf Jahre währenden Aufstieg zum Ruhm hat übrigens ein Mann beigetragen, der bescheiden im Schatten bleibt: Fred Filippi, ihr Gatte und Kollege, Operettentenor, der selbst nur noch selten zum Singen kommt. Er ist ihr unermüdlicher und erfolgreicher Manager. Er nimmt ihr alles ab, er macht der Vielbeschäftigten das Leben so leicht wie möglich.

Im Herbst 1954 war es, als wir Frau Muszely kennenlernten und erstmals ihre aparte Schönheit bewundern konnten, die ihr als Schauspielerin besonders zugute kommt. Bescheiden, liebenswürdig und liebenswert, von bezaubernder, zierlicher Gestalt, so trat sie uns entgegen, als sie gerade von Kiel nach Hamburg gekommen war. So liebenswürdig und bescheidenen Wesens, wie sie damals war, ist Frau Muszely bis heute, bei allem Ruhm und Erfolg, geblieben. Günther Rennen, der damalige Intendant der Hamburger Staatsoper, hatte sie gerade auf der Kieler Opernbühne entdeckt und sich sofort für sein Haus gesichert. Und ihr Hamburger Debüt — mit der Madame Butterfly — wurde gleich ein sensationeller Erfolg und der Beginn ihres großen Aufstiegs. Sie hatte diese umfangreiche Partie in drei Tagen einstudiert, ohne sie je vorher gesungen zu haben! Damit hatte sie sich den Grund zu ihrem kommenden Ruhm gelegt, zugleich aber Beliebtheit und Volkstümlichkeit errungen.

In der Kunst wird niemand etwas geschenkt, aller Erfolg ist schwer verdient. So steht auch hinter Frau Muszelys Ruhm die außerordentliche, ja fast beispiellose Leistung, die die große Begabung erst zur Wirkung bringt. Wer tut es Melitta Muszely heute dann gleich, sämtliche Sopranpartien — von der Koloratur und dem lyrischen Fadi bis zum dramatischen Repertoire zu beherrschen! In Strauß' „Rosenkavalier" singt sie ebenso die Sophie wie in seiner „Arabella" die Titelrolle. Und dann die unvorstellbare Beanspruchung in „Hoffmanns Erzählungen": sie singt, und nicht genug damit: sie spielt die vier weiblichen Hauptrollen, die fast mehr noch die Schauspielerin als die Sängerin fordern, allein. Schon diese bewundernswerte Leistung sichert ihr den Rang des Außerordentlichen.

Man könnte im einzelnen aufzählen, in welchen Partien die gefeierte Kammersängerin schon erfolgreich war — sei es in Hamburg, Berlin, Köln, Zürich, Florenz, Lissabon, Paris; auf den Edinburgher Festspielen — mit den großen Opernhäusern hat sie heute Gastverträge, man hört sie im Funk verschiedener Länder, in Konzerten des In- und Auslandes, und es gibt die schönsten Schallplatten von ihr. Weit über 50 Fachpartien umfasst ihr Repertoire — von der Violetta in „La Traviata" über die Susanna, die Adele bis zur Straußschen Arabella — man müsste umgekehrt fragen, was sie noch nicht gesungen hat.

Kammersängerin Melitta Muszely gehört zu jenen bedeutenden Künstlern, von denen man sagen kann: sie sind frei von jedem Prominentensnobismus. Sie ist von liebenswürdigster Natürlichkeit, und sicher weiß sie es längst: sie kann sich auf den ihr angeborenen Charme verlassen. Und der entzückt besonders ihre Gäste, die sie als Hausfrau in ihrem Heim an der Bellevue in Hamburg umsorgt. Sie bedauert, dass das nur selten der Fall sein kann.

Melitta Muszely, die als junges Mädchen in ihrer Vaterstadt Wien ihren Stehplatz in der Oper bezog, so oft sie sich das nur leisten konnte, hatte nur einen Wunsch: einmal zu jenen Sängern da unten auf der Bühne zu gehören, denen sie so hingerissen lauschte, von deren Können und Künstlertum sie bezaubert wurde. Schon damals hatte sich der Backfisch vorgenommen, alles daranzusetzen, um es diesen Künstlern einmal gleichzutun. Von jenen Mädchentagen bis heute ist es für die Wienerin ungarischer Abstammung ein weiter Weg gewesen, ein Weg voller Arbeit und Geduld, voll unbeirrbaren Strebens auf das große Ziel hin, zugleich aber ein Weg, der besonders in den letzten Jahren steil aufwärts geführt hat.

Alles war dazu angetan, der jungen Melitta eines vorauszusagen: eine große Laufbahn. Sie wuchs in einer Stadt auf, deren Tradition und Geist ausgesprochen musikalisch sind, in der lebendige Musikübung gang und gäbe ist, und dies war im engeren Kreis ihrer Familie nicht anders. Doch alle diese Voraussetzungen, solche Gunst des Milieus — sie bereiteten nur den Boden für das Eigentliche: für die ungehemmte Entfaltung von Frau Muszelys musikalisch-sängerischer Begabung, der Ausbildung ihrer herrlichen Stimme — Dinge, die wiederum nur wirklich werden konnten, weil Melitta Muszely noch eines mitbrachte — eine hohe Geduld mit sich selbst und der Sache gegenüber, der Kunst, um die es ihr ging. Um ihretwillen arbeitete sie zwölf Jahre lang in systematischem Studium mit niemals nachlassender Energie — zunächst als Pianistin, dann als Sängerin.

So konnte es auf die Dauer gar nicht an dem großen Erfolg fehlen. Er trat bei der Hochbegabten nur allzu bald ein, er öffnete ihr den Weg zu jener Höhe, auf der sie heute angekommen ist. Seit Jahresfrist schon ist sie einer der hellsten Sterne am Himmel der internationalen Sängerprominenz, zumal seit Felsensteins glorreicher Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen", in der sie die vier weiblichen Hauptpartien übernommen hat. Zu diesem rund fünf Jahre währenden Aufstieg zum Ruhm hat übrigens ein Mann beigetragen, der bescheiden im Schatten bleibt: Fred Filippi, ihr Gatte und Kollege, Operettentenor, der selbst nur noch selten zum Singen kommt. Er ist ihr unermüdlicher und erfolgreicher Manager. Er nimmt ihr alles ab, er macht der Vielbeschäftigten das Leben so leicht wie möglich.

Im Herbst 1954 war es, als wir Frau Muszely kennenlernten und erstmals ihre aparte Schönheit bewundern konnten, die ihr als Schauspielerin besonders zugute kommt. Bescheiden, liebenswürdig und liebenswert, von bezaubernder, zierlicher Gestalt, so trat sie uns entgegen, als sie gerade von Kiel nach Hamburg gekommen war. So liebenswürdig und bescheidenen Wesens, wie sie damals war, ist Frau Muszely bis heute, bei allem Ruhm und Erfolg, geblieben. Günther Rennen, der damalige Intendant der Hamburger Staatsoper, hatte sie gerade auf der Kieler Opernbühne entdeckt und sich sofort für sein Haus gesichert. Und ihr Hamburger Debüt — mit der Madame Butterfly — wurde gleich ein sensationeller Erfolg und der Beginn ihres großen Aufstiegs. Sie hatte diese umfangreiche Partie in drei Tagen einstudiert, ohne sie je vorher gesungen zu haben! Damit hatte sie sich den Grund zu ihrem kommenden Ruhm gelegt, zugleich aber Beliebtheit und Volkstümlichkeit errungen.

In der Kunst wird niemand etwas geschenkt, aller Erfolg ist schwer verdient. So steht auch hinter Frau Muszelys Ruhm die außerordentliche, ja fast beispiellose Leistung, die die große Begabung erst zur Wirkung bringt. Wer tut es Melitta Muszely heute dann gleich, sämtliche Sopranpartien — von der Koloratur und dem lyrischen Fadi bis zum dramatischen Repertoire zu beherrschen! In Strauß' „Rosenkavalier" singt sie ebenso die Sophie wie in seiner „Arabella" die Titelrolle. Und dann die unvorstellbare Beanspruchung in „Hoffmanns Erzählungen": sie singt, und nicht genug damit: sie spielt die vier weiblichen Hauptrollen, die fast mehr noch die Schauspielerin als die Sängerin fordern, allein. Schon diese bewundernswerte Leistung sichert ihr den Rang des Außerordentlichen.

Man könnte im einzelnen aufzählen, in welchen Partien die gefeierte Kammersängerin schon erfolgreich war — sei es in Hamburg, Berlin, Köln, Zürich, Florenz, Lissabon, Paris; auf den Edinburgher Festspielen — mit den großen Opernhäusern hat sie heute Gastverträge, man hört sie im Funk verschiedener Länder, in Konzerten des In- und Auslandes, und es gibt die schönsten Schallplatten von ihr. Weit über 50 Fachpartien umfasst ihr Repertoire — von der Violetta in „La Traviata" über die Susanna, die Adele bis zur Straußschen Arabella — man müsste umgekehrt fragen, was sie noch nicht gesungen hat.

Kammersängerin Melitta Muszely gehört zu jenen bedeutenden Künstlern, von denen man sagen kann: sie sind frei von jedem Prominentensnobismus. Sie ist von liebenswürdigster Natürlichkeit, und sicher weiß sie es längst: sie kann sich auf den ihr angeborenen Charme verlassen. Und der entzückt besonders ihre Gäste, die sie als Hausfrau in ihrem Heim an der Bellevue in Hamburg umsorgt. Sie bedauert, dass das nur selten der Fall sein kann.