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Triumph der Persönlichkeit – Das große Comeback zweier bedeutender Künstlerinnen

Von
Klaus Geite
Erschienen in der Printausgabe im
Juni 1960
Lesezeit ca.
Minuten

In den rund dreißig Jahren, die seit der Uraufführung des „Blauen Engel" verstrichen sind, ist aus der Tingel-Tangeleuse Lola, die von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt war, aus Marlene Dietrich — die Dietrich geworden — ein Begriff, ein Markenartikel für unverwüstlichen Sex, mondänes Flair und gewagte Eleganz. Aus der jugendfrischen, fast naiven Larve mit dem erotischen Hautgout hat sich in dieser Zeit ein schimmernder Schmetterling von faszinierender Pracht entwickelt. Je tiefer die Stimme der Dietrich sank, desto höher stieg ihr Ruhm. Sie hatte sich — gehärtet im Stahlbad des amerikanischen Schaugeschäfts — die Welt unterworfen. London und Paris, verwöhnte Städte, hatten ihr zugejubelt. Man feierte allüberall ihre Kunst — die einer großen Diseuse. — Deutschland allein blieb es vorbehalten, die Gestalt der Dietrich nur noch unter politischen Aspekten zu sehen. Es ging nicht mehr um ihr Können, ihre Kunst, es ging um ihr Tun und Lassen.

Das Band der Ehrenlegion am Kleid stellte sie sich auf einer ersten Pressekonferenz der Meute der Reporter, stellte sich im wahrsten Sinne des Wortes — in die Mitte des Saals, den das Feuerwerk der Blitzlichter pausenlos erhellte. Freier Zutritt für jedermann und für jedermanns Fragen. Erst am nächsten Tage sollte das große Kassieren beginnen; die Eintrittspreise lagen zwischen 10 und 100 Mark. Callas-Preise! Doch zunächst kassierte die Dietrich nur Vorurteile, sie schmolzen hin wie Butter unter der Sonne. Sie sei, sagte sie, nach Berlin gekommen, um zu arbeiten. Danach solle man urteilen. Man würde sehen ...

Und man sah! Man hörte die Schlager von gestern, die durch Film, Funk und Schallplatte vertrauten Chansons, was man aber erlebte, war ein Triumph. Selten hat eine Frau im Alleingang eines fast anderthalbstündigen Mammutauftritts einen Saal so völlig umgedreht wie die Dietrich an jenem ersten Abend ihres dreitägigen Gastspiels im Berliner Titaniapalast. Skeptisch war man gekommen, saß lau auf den Sitzen, erwartete nicht viel, vielleicht einen Riesenskandal — auch er wäre willkommen gewesen.

Eh man sich's noch recht versah, war man besiegt, im Handstreich erobert. Eine auch nur annähernde Präsenz, Überlegenheit, königliche Manier hatte man auf der Bühne der Music-Hall noch nicht erlebt. Die Dietrich stellte alles, was man sonst als großstädtische Abendunterhaltung gewohnt war, in den Schatten. Sie gewann sich aber — und das war schwieriger — fast auf Anhieb die Herzen des Publikums. Schwang zunächst nur Bewunderung in den Ovationen mit, so am Schluss Sympathie und Liebe, Hochachtung vor dem unermesslichen Fleiß, der Sorgfalt in der künstlerischen Durchdringung jedes Details. Die Gescheitheit und der Witz ihres Vortrags fanden offene Ohren, die kleinen, weggewischten Sentimentalitäten ihrer Lieder offene Herzen. Aus der Dietrich war über Nacht — Marlene geworden.

Lange Zeit konnte man sich nur einen akustischen Eindruck von ihrer Show verschaffen — durch die Schallplatte, die ihren Auftritt im „Café de Paris" in London festgehalten, hat. Schön wäre es, wenn auch das Repertoire ihrer Deutschland-Tournee auf der Platte festgehalten würde. Schon ihre Conference, die Geschichte ihres Lebens und ihrer Lieder, ist hörenswert.

Die schönsten ihrer alten Aufnahmen sind inzwischen auf zwei 17-cm-Platten wieder herausgekommen, die eine bei Electrola in der Reihe „Unvergänglich-unvergessen" (Folge 69), die andere bei Polydor. Die Electrola-Platte enthält die beiden berühmtesten Nummern aus dem „Blauen Engel" (auf die „kesse Lola" und „Kinder, heut' abend, da such ich mir was aus" hat man leider verzichtet — eine Platte mit allen vier Chansons des Films gibt es nur bei His Master's Voice in englischer Sprache, die den Nummern viel von ihrer Wirkung nimmt), dazu „Wenn ich mir was wünschen dürfte" und „Leben ohne Liebe kann ich nicht", im ganzen also vier Stücke von zeitloser Attraktivität. Denn über die erste Interpretation von „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" braucht man heute kaum noch ein Wort zu verlieren. Sie machte die Dietrich mit einem Schlage bekannt.

Die Polydor-Platte bringt in der Reihe „Schön war die Zeit" gleichfalls historische Aufnahmen, die sich hören lassen können. Sie enthält Peter Kreuders kesses „Wo ist der Mann" und d'Alba-Gerhardts „Allein in einer großen Stadt", zwei Chansons der Extraklasse.

Die Dietrich hatte, als sie kam, „noch einen Koffer in Berlin" — als sie es verließ, hatte sie neue Freunde, die ihre Allure bewunderten, vor allem aber ihren Mut, sich selbst treu zu bleiben. Denn Mut besitzt sie, Natürlichkeit und Humor! Wie sollten sich da die Berliner nicht in ihr wiedererkennen.

In den rund dreißig Jahren, die seit der Uraufführung des „Blauen Engel" verstrichen sind, ist aus der Tingel-Tangeleuse Lola, die von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt war, aus Marlene Dietrich — die Dietrich geworden — ein Begriff, ein Markenartikel für unverwüstlichen Sex, mondänes Flair und gewagte Eleganz. Aus der jugendfrischen, fast naiven Larve mit dem erotischen Hautgout hat sich in dieser Zeit ein schimmernder Schmetterling von faszinierender Pracht entwickelt. Je tiefer die Stimme der Dietrich sank, desto höher stieg ihr Ruhm. Sie hatte sich — gehärtet im Stahlbad des amerikanischen Schaugeschäfts — die Welt unterworfen. London und Paris, verwöhnte Städte, hatten ihr zugejubelt. Man feierte allüberall ihre Kunst — die einer großen Diseuse. — Deutschland allein blieb es vorbehalten, die Gestalt der Dietrich nur noch unter politischen Aspekten zu sehen. Es ging nicht mehr um ihr Können, ihre Kunst, es ging um ihr Tun und Lassen.

Das Band der Ehrenlegion am Kleid stellte sie sich auf einer ersten Pressekonferenz der Meute der Reporter, stellte sich im wahrsten Sinne des Wortes — in die Mitte des Saals, den das Feuerwerk der Blitzlichter pausenlos erhellte. Freier Zutritt für jedermann und für jedermanns Fragen. Erst am nächsten Tage sollte das große Kassieren beginnen; die Eintrittspreise lagen zwischen 10 und 100 Mark. Callas-Preise! Doch zunächst kassierte die Dietrich nur Vorurteile, sie schmolzen hin wie Butter unter der Sonne. Sie sei, sagte sie, nach Berlin gekommen, um zu arbeiten. Danach solle man urteilen. Man würde sehen ...

Und man sah! Man hörte die Schlager von gestern, die durch Film, Funk und Schallplatte vertrauten Chansons, was man aber erlebte, war ein Triumph. Selten hat eine Frau im Alleingang eines fast anderthalbstündigen Mammutauftritts einen Saal so völlig umgedreht wie die Dietrich an jenem ersten Abend ihres dreitägigen Gastspiels im Berliner Titaniapalast. Skeptisch war man gekommen, saß lau auf den Sitzen, erwartete nicht viel, vielleicht einen Riesenskandal — auch er wäre willkommen gewesen.

Eh man sich's noch recht versah, war man besiegt, im Handstreich erobert. Eine auch nur annähernde Präsenz, Überlegenheit, königliche Manier hatte man auf der Bühne der Music-Hall noch nicht erlebt. Die Dietrich stellte alles, was man sonst als großstädtische Abendunterhaltung gewohnt war, in den Schatten. Sie gewann sich aber — und das war schwieriger — fast auf Anhieb die Herzen des Publikums. Schwang zunächst nur Bewunderung in den Ovationen mit, so am Schluss Sympathie und Liebe, Hochachtung vor dem unermesslichen Fleiß, der Sorgfalt in der künstlerischen Durchdringung jedes Details. Die Gescheitheit und der Witz ihres Vortrags fanden offene Ohren, die kleinen, weggewischten Sentimentalitäten ihrer Lieder offene Herzen. Aus der Dietrich war über Nacht — Marlene geworden.

Lange Zeit konnte man sich nur einen akustischen Eindruck von ihrer Show verschaffen — durch die Schallplatte, die ihren Auftritt im „Café de Paris" in London festgehalten, hat. Schön wäre es, wenn auch das Repertoire ihrer Deutschland-Tournee auf der Platte festgehalten würde. Schon ihre Conference, die Geschichte ihres Lebens und ihrer Lieder, ist hörenswert.

Die schönsten ihrer alten Aufnahmen sind inzwischen auf zwei 17-cm-Platten wieder herausgekommen, die eine bei Electrola in der Reihe „Unvergänglich-unvergessen" (Folge 69), die andere bei Polydor. Die Electrola-Platte enthält die beiden berühmtesten Nummern aus dem „Blauen Engel" (auf die „kesse Lola" und „Kinder, heut' abend, da such ich mir was aus" hat man leider verzichtet — eine Platte mit allen vier Chansons des Films gibt es nur bei His Master's Voice in englischer Sprache, die den Nummern viel von ihrer Wirkung nimmt), dazu „Wenn ich mir was wünschen dürfte" und „Leben ohne Liebe kann ich nicht", im ganzen also vier Stücke von zeitloser Attraktivität. Denn über die erste Interpretation von „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" braucht man heute kaum noch ein Wort zu verlieren. Sie machte die Dietrich mit einem Schlage bekannt.

Die Polydor-Platte bringt in der Reihe „Schön war die Zeit" gleichfalls historische Aufnahmen, die sich hören lassen können. Sie enthält Peter Kreuders kesses „Wo ist der Mann" und d'Alba-Gerhardts „Allein in einer großen Stadt", zwei Chansons der Extraklasse.

Die Dietrich hatte, als sie kam, „noch einen Koffer in Berlin" — als sie es verließ, hatte sie neue Freunde, die ihre Allure bewunderten, vor allem aber ihren Mut, sich selbst treu zu bleiben. Denn Mut besitzt sie, Natürlichkeit und Humor! Wie sollten sich da die Berliner nicht in ihr wiedererkennen.