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Ana Silja

Von
Günter Schneider
Erschienen in der Printausgabe im
August 1962
Lesezeit ca.
Minuten
Als Senta in „Der fliegende Holländer“
Als Senta in „Der fliegende Holländer“

Erst 22 Jahre ist Anja Silja alt, und schon hat sie eine erstaunliche Entwicklung als Sängerin hinter sich. Im frühen Alter von 7 Jahren begann ihre musikalische Ausbildung, und bereits drei Jahre später debütierte sie in Berlin mit Arien aus großen italienischen Opern.

Dan einzigen Unterricht erhielt die urmusikalische Anja bei ihrem Großvater, Egon Friedrich Maria Aders-van Rijn, der sie auch heute noch künstlerisch und gesangspädagogisch betreut. Die phänomenale Naturbegabung der jungen Künstlerin offenbarte sich zunächst im Koloraturfach, das sie schon mit 15 Jahren als Zerbinetta vollendet beherrschte. Ihre Intonationssicherheit ist so groß, dass sie deren Arie „Großmächtige Prinzessin" mit ihren schwierigen Modulationen, zahlreichen Ornamenten und virtuosen Passagen ohne Begleitung von Anfang bis Ende zu singen vermag, ohne dabei in der Tonhöhe auch nur geringfügig zu schwanken.

Ihr erstes Engagement erhielt Anja Silja 1955 am Staatstheater Braunschweig, wo sie in Rossinis „Barbier" debütierte. Aber nicht nur die Koloraturpartien der Rosina, später der Königin der Nacht, der Fiordiligi und der Leanore (aus „Troubadour") gehörten zu ihrem spielend erlernten Repertoire, sondern auch Lieder und die lyrischen Rollen der Micaela und Butterfly.

Doch die Entwicklung der frühreifen Künstlerin drängte zu einem anderen Fach, das sie international berühmt machen sollte: dem des hochdramatischen Soprans. Eigentlich verdankt Anja Silja ihre Entdeckung und ihren Durchbruch zur großen Bühnengestalterin dem Wagner-Enkel Wieland, der sie 1960 erstmals nach Bayreuth holte, nach dem sie 1958 am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart und 1959 am Großen Haus in Frankfurt beachtliche Erfolge errungen hatte. In Bayreuth verkörperte die Sängerin in einer dramatisch neu gesehenen, ungemein intensivierten Version die Senta im „Fliegenden Holländer", dessen Wiederholungsaufführung aus dem Jahre 1961 von Philips mitgeschnitten und in einer repräsentativen, das neue Bayreuth dokumentierenden Gesamtaufnähme veröffentlicht wurde.

Was Wieland Wagner an dieser ungewöhnlichen Künstlerin faszinierte, war die ungeschminkte, mädchenhafte Natürlichkeit ihres Temperaments, die spontane Ergriffenheit der Sängerin von ihrer Rolle und die völlige Hingabe an die ihr gestellte künstlerische Aufgabe. Wie sie die gelöst hat, ist von der Weltpresse einstimmig bewundert worden. Zusammen mit dem jungen Franz Crass, der dem Holländer schicksalhaft vertiefte, menschlich ergreifende Züge verlieh, und unter Leitung des mit den Intentionen Wieland Wagners seit Jahren vertrauten Wolf gang Sawallisch gestaltete Anja Silja eine neue Senta, deren herbe Jugendlichkeit zu ihrer mystischen Erlösungsbereitschaft in einem echten dramatischen Spannungsverhältnis stand.

Neue Aufgaben warten nun auf die Sängerin. Wenn sie die Partie der Elsa in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel gesungen hat, will Wieland Wagner weitere sieben Rollen mit ihr einstudieren, u. a, die Elisabeth, die Isolde und Strauss1 Salome, die Anja Silja an den Bühnen der Musikmetropolen Europas darstellen soll. Auf diese Weise wird die Künstlerin wie bisher ständig unterwegs und nur eineinhalb Monate während der Spielzeit an ihrer Stammbühne in Frankfurt sein. So singt sie im September dieses Jahres die Leonore aus Beethovens „Fidelio" in Kopenhagen, im Oktober Strauss1 Ariadne in Frankfurt. Bis Mai 1963 sind Gastspiele in Genf, Brüssel, Neapel, Berlin, Köln und Paris geplant.

Die Sängerin reist am liebsten am Steuer ihres Fiat-Sportwagens, den großen Bernhardiner als ständigen Begleiter auf dem Rücksitz. Die temperamentvolle, lebensfrohe und gesellige Künstlerin treibt außerdem fleißig Sport, vor allem Fechten und Schwimmen. Eine besondere Schwäche hat sie für Lederbekleidung aller Art.

Anja Silja ist eine aufgeschlossene, moderne Frau, die gar nicht primadonnenhaft wirkt, sondern mit einer frischen, unbekümmerten Natürlichkeit sagt, was sie denkt. Dem Starkult hat sie nie gehuldigt. Sie sieht gerne fern und kann das Kino nur schwer entbehren, so dass es ihr durchaus einfallen kann, vor der abendlichen Opernaufführung noch einen Film anzusehen. Lampenfieber kennt sie nicht.

Wer in dem Verhalten Anja Siljas einen inneren Widerspruch entdecken will, der kennt die Generation der modernen jungen Künstler nicht, deren Habitus ungeniert, deren Haltung aber darum nicht weniger erlebnisfähig und einsatzfreudig ist. Ja, es zeugt von künstlerischer Wahrhaftigkeit, wenn die Sängerin, nach ihren Lieblingskomponisten befragt, antwortet: „Wagner und Puccini. Wagner singe ich aus Leidenschaft, Puccini aus Bequemlichkeit."

Eine zukunftsträchtige Karriere liegt vor dieser Künstlerin, die auf Grund ihrer Intelligenz und singschauspielerischen Begabung zu den größten Hoffnungen berechtigt.

Erst 22 Jahre ist Anja Silja alt, und schon hat sie eine erstaunliche Entwicklung als Sängerin hinter sich. Im frühen Alter von 7 Jahren begann ihre musikalische Ausbildung, und bereits drei Jahre später debütierte sie in Berlin mit Arien aus großen italienischen Opern.

Dan einzigen Unterricht erhielt die urmusikalische Anja bei ihrem Großvater, Egon Friedrich Maria Aders-van Rijn, der sie auch heute noch künstlerisch und gesangspädagogisch betreut. Die phänomenale Naturbegabung der jungen Künstlerin offenbarte sich zunächst im Koloraturfach, das sie schon mit 15 Jahren als Zerbinetta vollendet beherrschte. Ihre Intonationssicherheit ist so groß, dass sie deren Arie „Großmächtige Prinzessin" mit ihren schwierigen Modulationen, zahlreichen Ornamenten und virtuosen Passagen ohne Begleitung von Anfang bis Ende zu singen vermag, ohne dabei in der Tonhöhe auch nur geringfügig zu schwanken.

Ihr erstes Engagement erhielt Anja Silja 1955 am Staatstheater Braunschweig, wo sie in Rossinis „Barbier" debütierte. Aber nicht nur die Koloraturpartien der Rosina, später der Königin der Nacht, der Fiordiligi und der Leanore (aus „Troubadour") gehörten zu ihrem spielend erlernten Repertoire, sondern auch Lieder und die lyrischen Rollen der Micaela und Butterfly.

Doch die Entwicklung der frühreifen Künstlerin drängte zu einem anderen Fach, das sie international berühmt machen sollte: dem des hochdramatischen Soprans. Eigentlich verdankt Anja Silja ihre Entdeckung und ihren Durchbruch zur großen Bühnengestalterin dem Wagner-Enkel Wieland, der sie 1960 erstmals nach Bayreuth holte, nach dem sie 1958 am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart und 1959 am Großen Haus in Frankfurt beachtliche Erfolge errungen hatte. In Bayreuth verkörperte die Sängerin in einer dramatisch neu gesehenen, ungemein intensivierten Version die Senta im „Fliegenden Holländer", dessen Wiederholungsaufführung aus dem Jahre 1961 von Philips mitgeschnitten und in einer repräsentativen, das neue Bayreuth dokumentierenden Gesamtaufnähme veröffentlicht wurde.

Was Wieland Wagner an dieser ungewöhnlichen Künstlerin faszinierte, war die ungeschminkte, mädchenhafte Natürlichkeit ihres Temperaments, die spontane Ergriffenheit der Sängerin von ihrer Rolle und die völlige Hingabe an die ihr gestellte künstlerische Aufgabe. Wie sie die gelöst hat, ist von der Weltpresse einstimmig bewundert worden. Zusammen mit dem jungen Franz Crass, der dem Holländer schicksalhaft vertiefte, menschlich ergreifende Züge verlieh, und unter Leitung des mit den Intentionen Wieland Wagners seit Jahren vertrauten Wolf gang Sawallisch gestaltete Anja Silja eine neue Senta, deren herbe Jugendlichkeit zu ihrer mystischen Erlösungsbereitschaft in einem echten dramatischen Spannungsverhältnis stand.

Neue Aufgaben warten nun auf die Sängerin. Wenn sie die Partie der Elsa in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel gesungen hat, will Wieland Wagner weitere sieben Rollen mit ihr einstudieren, u. a, die Elisabeth, die Isolde und Strauss1 Salome, die Anja Silja an den Bühnen der Musikmetropolen Europas darstellen soll. Auf diese Weise wird die Künstlerin wie bisher ständig unterwegs und nur eineinhalb Monate während der Spielzeit an ihrer Stammbühne in Frankfurt sein. So singt sie im September dieses Jahres die Leonore aus Beethovens „Fidelio" in Kopenhagen, im Oktober Strauss1 Ariadne in Frankfurt. Bis Mai 1963 sind Gastspiele in Genf, Brüssel, Neapel, Berlin, Köln und Paris geplant.

Die Sängerin reist am liebsten am Steuer ihres Fiat-Sportwagens, den großen Bernhardiner als ständigen Begleiter auf dem Rücksitz. Die temperamentvolle, lebensfrohe und gesellige Künstlerin treibt außerdem fleißig Sport, vor allem Fechten und Schwimmen. Eine besondere Schwäche hat sie für Lederbekleidung aller Art.

Anja Silja ist eine aufgeschlossene, moderne Frau, die gar nicht primadonnenhaft wirkt, sondern mit einer frischen, unbekümmerten Natürlichkeit sagt, was sie denkt. Dem Starkult hat sie nie gehuldigt. Sie sieht gerne fern und kann das Kino nur schwer entbehren, so dass es ihr durchaus einfallen kann, vor der abendlichen Opernaufführung noch einen Film anzusehen. Lampenfieber kennt sie nicht.

Wer in dem Verhalten Anja Siljas einen inneren Widerspruch entdecken will, der kennt die Generation der modernen jungen Künstler nicht, deren Habitus ungeniert, deren Haltung aber darum nicht weniger erlebnisfähig und einsatzfreudig ist. Ja, es zeugt von künstlerischer Wahrhaftigkeit, wenn die Sängerin, nach ihren Lieblingskomponisten befragt, antwortet: „Wagner und Puccini. Wagner singe ich aus Leidenschaft, Puccini aus Bequemlichkeit."

Eine zukunftsträchtige Karriere liegt vor dieser Künstlerin, die auf Grund ihrer Intelligenz und singschauspielerischen Begabung zu den größten Hoffnungen berechtigt.