Porträt: Roberta Peters
Erschienen im FONO FORUM im August 1964

„Ich gebe sehr gern Interviews", sagt Frau Peters ohne alle Umschweife zu Beginn unseres Gesprächs — ein etwas überraschendes Bekenntnis. Und so sitze ich denn auch einer charmanten und intelligenten Künstlerin gegenüber, und nichts an ihr erinnert in diesem Augenblick auch nur im geringsten an die große Roberta Peters, die sich rühmen darf, als erster Koloratursopran der Metropolitan eine der beneidenswertesten Stellungen innezuhaben, die unser gegenwärtiges Musikleben zu vergeben hat.
Als ich Roberta Peters das erste Mal auf der Schallplatte hörte, war mein erster Eindruck: Diese Frau muss eine steile Karriere gehabt haben, denn ihre Stimme ist mehr als nur große Kunst und schönes Singen. In meinem Vergleich, den ich damals anstellte, nahm ich die Farbigkeit einer Malerpalette zu Hilfe: Da war das samtene Dunkelrot ihrer für einen Koloratursopran erstaunlich vollen Tiefe, ein freundliches, warmleuchtendes Blau der klaren, weichen Mittellage. ein alles überstrahlendes Weiß der hohen und höchsten Töne, die ohne alle Mühe, ohne jedes „Anspringen" erreicht wurden. Dazu die unwahrscheinliche Geläufigkeit, die ihr etwa bei zwei Bravourstücken ihres Faches, der Glöckchenarie oder der Zerlinenarie aus „Fra Diavolo". zu Gebote stand.
Nun, es stimmt: Der schnurgerade und großartige Aufstieg zur Spitzenklasse ließ keine Wünsche offen; aber über ihm steht ein Wort dreifach als Parole: „Arbeit, Arbeit, Arbeit".
Roberta Peters erzählt: Schon mit dreizehn Jahren — zuvor war kein Künstler in der Familie gewesen — erhielt sie Schauspiel-, Tanz- und Gesangsunterricht; sie war unermüdlich im Lernen und konnte daher als Zwanzigjährige an der Met für ein erkranktes Mitglied einspringen. Der Erfolg ließ nicht mehr lange auf sich warten. Man bot ihr weitere Partien an, und bald war der Name Roberta Peters in der Fachwelt bekannt. Sie unternahm eine Welttournee, wirkte in mehreren Filmen mit, sang im „Festival of Britain" unter Thomas Beecham in Balfes „Bohemian Girl" und bekam aus allen Ecken der Erde glänzende Angebote. Salzburg, Wien — woran sie sich übrigens besonders gern erinnert — München, Berlin: Die Tore der großen Musikstädte öffneten sich weit für Roberta Peters.
Mozart ist ihre große Liebe. An der Rolle der Königin der Nacht in der „Zauberflöte" reizt sie die musikalische Gestaltung der hasserfüllten Frau und lässt sie jene manchmal zu vernehmende kindlich-naive Tönung der Koloratur vermeiden. Eine Stimme, die über viele Register verfügt, dazu eine hervorragende Schauspielerin deutet die Susanne in „Figaros Hochzeit" als eine echte, ebenbürtige Gegenspielerin, die über eben so viel List wie Mut verfügt.
Roberta Peters jedoch nur als Mozartsängerin zu preisen, das hieße nur einen kleinen Teil ihrer Kunst anerkennen.
Wir haben uns an die Lieder- und Oratoriensängerin zu erinnern, die hierzulande besonders gern Bach und Strauss singt, wir sollten auch den Operettenstar nicht übersehen, dessen Lieblingsrolle die Adele der „Fledermaus" ist — und nicht zuletzt den gefeierten Musical-Singer, der oft am Broadway auftrat und im Fernsehen gerade damit große Erfolge ernten konnte.
„Am liebsten habe ich jedoch die Oper", sagt Roberta Peters. „Das ist mein Fach, wenn ich auch 50 bis 60 Liederabende im Jahr gebe und in vielen Oratorien-Aufführungen mitwirke. Auch Schallplatten-Aufnahmen mache ich gern. Ich glaube nicht, dass die Platte den Opernbesuch einschränken kann — ganz im Gegenteil, die Leute werden dadurch nur noch lieber in die Oper gehen. Meine große Leidenschaft freilich gehört der Bühne, denn der Kontakt zum Publikum ist für mich wesentlich. Außerdem muss jeder Ton sitzen. Da kann nichts wiederholt werden wie im Studio."
Die letzten Aufnahmen? „Gerade ist mit mir eine Fernseh-Show beendet worden, in München, und bei der Deutschen Grammophon die ..Zauberflöte" auf Schallplatten aufgenommen, mit Professor Böhm und Fischer- Dieskau, die ich beide besonders gut kenne. — übrigens singe ich am liebsten in der Originalsprache, wenn auch manchmal das Publikum dagegen ist."
„Gern würde ich einmal in „I Puritani", „Dinorah", „Hamlet" oder „Lakme" singen; aber leider werden diese Opern all zu selten aufgeführt."
Die kommende Saison bringt für Roberta Peters insbesondere an der Met wieder große Aufgaben: Zwanzig Vorstellungen mit „Rigoletto". „Lucia di Lammerrnoor", Menottis „The Last Savage" — der letztes Jahr sowohl vom Publikum als auch von der Kritik bei seiner Uraufführung großartig aufgenommen wurde — ferner „Don Pasquale" und „Cosi fan tutte", letztere wieder unter Karl Böhm. Weiter gibt sie sechs Arien- Abende im Fernsehen und unternimmt eine Liedertournee durch die Staaten. „Und hoffentlich bald wieder Deutschland."
Frau Peters spricht, nebenbei gesagt, ein ausgezeichnetes Deutsch.
Lampenfieber hat sie fast immer. „Aber nur. solange ich noch nicht auf der Bühne stehe; dann ist alles vorbei und ich konzentriere mich ganz auf das Singen."
Das Privatleben gehört ganz der Familie. Mr. Fields, Hotelier seines Zeichens, begleitet seine berühmte Frau auf allen Gastspielreisen. Ihre zwei Buben kommen dieses Jahr auch herüber nach Europa, nach Salzburg nämlich, der Urlaubsstation und zugleich der Wirkungsstätte von Roberta Peters während der Festspiele.
„Zu Hause können wir dann keine Opern mehr hören, nur wenn die Amelita Galli-Curci singt. Ich verehre sie sehr und besitze viele Platten von ihr. Sonst gibt es bei uns sehr viel Bach oder auch leichtere Musik. Freie Zeit bleibt mir ohnehin wenig, ich muss viele Stunden am Tag üben."
„Ich gebe sehr gern Interviews", sagt Frau Peters ohne alle Umschweife zu Beginn unseres Gesprächs — ein etwas überraschendes Bekenntnis. Und so sitze ich denn auch einer charmanten und intelligenten Künstlerin gegenüber, und nichts an ihr erinnert in diesem Augenblick auch nur im geringsten an die große Roberta Peters, die sich rühmen darf, als erster Koloratursopran der Metropolitan eine der beneidenswertesten Stellungen innezuhaben, die unser gegenwärtiges Musikleben zu vergeben hat.
Als ich Roberta Peters das erste Mal auf der Schallplatte hörte, war mein erster Eindruck: Diese Frau muss eine steile Karriere gehabt haben, denn ihre Stimme ist mehr als nur große Kunst und schönes Singen. In meinem Vergleich, den ich damals anstellte, nahm ich die Farbigkeit einer Malerpalette zu Hilfe: Da war das samtene Dunkelrot ihrer für einen Koloratursopran erstaunlich vollen Tiefe, ein freundliches, warmleuchtendes Blau der klaren, weichen Mittellage. ein alles überstrahlendes Weiß der hohen und höchsten Töne, die ohne alle Mühe, ohne jedes „Anspringen" erreicht wurden. Dazu die unwahrscheinliche Geläufigkeit, die ihr etwa bei zwei Bravourstücken ihres Faches, der Glöckchenarie oder der Zerlinenarie aus „Fra Diavolo". zu Gebote stand.
Nun, es stimmt: Der schnurgerade und großartige Aufstieg zur Spitzenklasse ließ keine Wünsche offen; aber über ihm steht ein Wort dreifach als Parole: „Arbeit, Arbeit, Arbeit".
Roberta Peters erzählt: Schon mit dreizehn Jahren — zuvor war kein Künstler in der Familie gewesen — erhielt sie Schauspiel-, Tanz- und Gesangsunterricht; sie war unermüdlich im Lernen und konnte daher als Zwanzigjährige an der Met für ein erkranktes Mitglied einspringen. Der Erfolg ließ nicht mehr lange auf sich warten. Man bot ihr weitere Partien an, und bald war der Name Roberta Peters in der Fachwelt bekannt. Sie unternahm eine Welttournee, wirkte in mehreren Filmen mit, sang im „Festival of Britain" unter Thomas Beecham in Balfes „Bohemian Girl" und bekam aus allen Ecken der Erde glänzende Angebote. Salzburg, Wien — woran sie sich übrigens besonders gern erinnert — München, Berlin: Die Tore der großen Musikstädte öffneten sich weit für Roberta Peters.
Mozart ist ihre große Liebe. An der Rolle der Königin der Nacht in der „Zauberflöte" reizt sie die musikalische Gestaltung der hasserfüllten Frau und lässt sie jene manchmal zu vernehmende kindlich-naive Tönung der Koloratur vermeiden. Eine Stimme, die über viele Register verfügt, dazu eine hervorragende Schauspielerin deutet die Susanne in „Figaros Hochzeit" als eine echte, ebenbürtige Gegenspielerin, die über eben so viel List wie Mut verfügt.
Roberta Peters jedoch nur als Mozartsängerin zu preisen, das hieße nur einen kleinen Teil ihrer Kunst anerkennen.
Wir haben uns an die Lieder- und Oratoriensängerin zu erinnern, die hierzulande besonders gern Bach und Strauss singt, wir sollten auch den Operettenstar nicht übersehen, dessen Lieblingsrolle die Adele der „Fledermaus" ist — und nicht zuletzt den gefeierten Musical-Singer, der oft am Broadway auftrat und im Fernsehen gerade damit große Erfolge ernten konnte.
„Am liebsten habe ich jedoch die Oper", sagt Roberta Peters. „Das ist mein Fach, wenn ich auch 50 bis 60 Liederabende im Jahr gebe und in vielen Oratorien-Aufführungen mitwirke. Auch Schallplatten-Aufnahmen mache ich gern. Ich glaube nicht, dass die Platte den Opernbesuch einschränken kann — ganz im Gegenteil, die Leute werden dadurch nur noch lieber in die Oper gehen. Meine große Leidenschaft freilich gehört der Bühne, denn der Kontakt zum Publikum ist für mich wesentlich. Außerdem muss jeder Ton sitzen. Da kann nichts wiederholt werden wie im Studio."
Die letzten Aufnahmen? „Gerade ist mit mir eine Fernseh-Show beendet worden, in München, und bei der Deutschen Grammophon die ..Zauberflöte" auf Schallplatten aufgenommen, mit Professor Böhm und Fischer- Dieskau, die ich beide besonders gut kenne. — übrigens singe ich am liebsten in der Originalsprache, wenn auch manchmal das Publikum dagegen ist."
„Gern würde ich einmal in „I Puritani", „Dinorah", „Hamlet" oder „Lakme" singen; aber leider werden diese Opern all zu selten aufgeführt."
Die kommende Saison bringt für Roberta Peters insbesondere an der Met wieder große Aufgaben: Zwanzig Vorstellungen mit „Rigoletto". „Lucia di Lammerrnoor", Menottis „The Last Savage" — der letztes Jahr sowohl vom Publikum als auch von der Kritik bei seiner Uraufführung großartig aufgenommen wurde — ferner „Don Pasquale" und „Cosi fan tutte", letztere wieder unter Karl Böhm. Weiter gibt sie sechs Arien- Abende im Fernsehen und unternimmt eine Liedertournee durch die Staaten. „Und hoffentlich bald wieder Deutschland."
Frau Peters spricht, nebenbei gesagt, ein ausgezeichnetes Deutsch.
Lampenfieber hat sie fast immer. „Aber nur. solange ich noch nicht auf der Bühne stehe; dann ist alles vorbei und ich konzentriere mich ganz auf das Singen."
Das Privatleben gehört ganz der Familie. Mr. Fields, Hotelier seines Zeichens, begleitet seine berühmte Frau auf allen Gastspielreisen. Ihre zwei Buben kommen dieses Jahr auch herüber nach Europa, nach Salzburg nämlich, der Urlaubsstation und zugleich der Wirkungsstätte von Roberta Peters während der Festspiele.
„Zu Hause können wir dann keine Opern mehr hören, nur wenn die Amelita Galli-Curci singt. Ich verehre sie sehr und besitze viele Platten von ihr. Sonst gibt es bei uns sehr viel Bach oder auch leichtere Musik. Freie Zeit bleibt mir ohnehin wenig, ich muss viele Stunden am Tag üben."



