Mit sechzig eine zweite Karriere …
Zum Geburtstag des sowjetischen Geigers und Dirigenten David Oistrach am 17. September Von Gottfried Kraus

Selten hat der Große Saal des Wiener Musikvereins, seit Brahms’, Bruckners und Mahlers Zeiten Ort der großen Wiener Konzertereignisse, in den vergangenen Jahren solche Begeisterung erlebt wie nach den vier Konzerten des Brahms-Zyklus. den David Oistrach im Rahmen der Festwochen 1968 im vergangenen Mai dirigierte. Das Publikum reagierte schon nach dem grandios gesteigerten Finale der ersten Sinfonie mit Enthusiasmus, der Großteil der Wiener Kritik brauchte etwas länger, um ganz zu begreifen, dass hier nicht ein berühmter Virtuose seinem Hobby frönt, sondern ein bedeutender Musiker einen neuen und ihm gemäßen Bereich seiner künstlerischen Arbeit gefunden hat. Oistrach selbst gab bei einem Gespräch im kleineren Kreis dafür eine bildhaft prägnante Formulierung: „Es ist für mich, als wenn man auf einem schönen Fluss plötzlich ans Meer kommt. Die Ufer treten zurück, der Ausblick ist nach allen Seiten offen, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt." Es ist nicht die Müdigkeit eines langen Virtuosenlebens, der David Oistrach durch seine vielseitige Tätigkeit als Solist, Kammermusiker und Lehrer stets erfolgreich begegnen konnte, es ist auch nicht die bei älteren Instrumentalisten oft beobachtete Sehnsucht, die Grenzen des längst ausgeschrittenen Repertoires zu sprengen. Oistrachs Wunsch zu dirigieren hat wohl tiefere Ursachen, sein Gestaltungswillen geht, etwa im Bereich des Klanglichen, über die Geige hinaus. „Es hat mich immer gekränkt", meint er augenzwinkernd, …dass mein Instrument mit dem g zu Ende ist. Ich habe immer eine große Vorliebe für die Bässe gehabt."
Die Vorliebe für die Bässe ergibt die Basis „seines" Orchesterklangs. Vom ersten Ton der c-moll-Sinfonie von Brahms spürte man, dass hier die ganze Tiefe des Orchesters bewusst gestaltet ist. Die Bässe klangen, wie ich sie seit Furtwänglers Zeiten kaum mehr klingen gehört hatte, und über diesem Fundament baute sich ein Orchester klang von einer Intensität und Leidenschaftlichkeit, wie man ihn heute vielleicht noch von Barbirolli, bisweilen auch von Bernstein hören Kann. „Oistrach ist nicht nur der beste aller dirigierenden Geiger", schrieb Stuckenschmidt in der FAZ, „er ist der beste Dirigent, den Russland je in den Westen geschickt hat."
Die naturgemäß häufigste Frage nach dem handwerklichen Können des Dirigenten Oistrach beantwortete am besten das Orchester der Wiener Symphoniker, das unter seiner Leitung so präzise und intensiv spielte, wie ich es selten gehört habe. „Das ist Interpretation", meinte ein altes Orchestermitglied und gab damit wieder, was die Musiker angesichts dieses kollegialen, dabei aber absolut konzessionslosen, jeder Äußerlichkeit baren, allein auf das Wesentliche konzentrierten Dirigierens empfanden. Oistrach bestätigt das schöne Wort, das Jörg Demus in seiner Charakteristik Fischer-Dieskaus verwendete, dass nämlich „Technik den kürzesten Weg zum Ziel" bedeute. Seine Souveränität gegenüber dem Orchester, die auf jede große Geste verzichten kann, verlieh ihm auch optisch große Überzeugungskraft. Dass Oistrach bei der Interpretation des „Deutschen Requiems" ein wenig die Routine in der Behandlung des großen Apparates mangelte, sei nicht verschwiegen. Es minderte aber selbst dort nicht die außerordentliche Intensität seiner Darstellung.
Wie ist es möglich, dass einer erst mit beinahe 60 Jahren eine solche Begabung zum Dirigieren entdeckt? Noch dazu, nachdem er über 30 Jahre in der vordersten Reihe der internationalen Geigerprominenz gestanden ist? Oistrach bekennt, dass sein Wunsch zum Dirigieren schon seit frühester Jugend mächtig war, dass aber die bewusste und notwendige Konzentration auf sein Instrument Gedanken in dieser Richtung durchaus in den Hintergrund gedrängt habe — bis eines Tages, bei Aufnahmen in London, kein Dirigent für Mozarts G-dur-Konzert vorhanden war und David Oistrach auf Walter Legges Wunsch, zögernd zwar. aber doch mit Freude, die Leitung des Orchesters vom Instrument her übernahm. Der entscheidende Impuls zu Oistrachs zweiter Karriere aber ging dann von der Zusammenarbeit mit seinem Sohn und Schüler Igor aus. Für eine Neuaufnahme des Violinkonzerts von Brahms. in der Igor Oistrach den Solopart spielen sollte, griff der Vater zum Taktstock, und nun ergaben sich die Gelegenheiten ganz von selbst. Konzerte, Plattenaufnahmen, erste große Erfolge mit rein sinfonischen Werken, sogar mit Mahler und Schostakowitsch, und immer wieder Brahms. zu dem Oistrach ohne Zweifel eine besondere Affinität hat. Heute vermag sich der Geiger vor Angeboten als Dirigent kaum mehr zu retten.
Dennoch lässt David Oistrach keinen Zweifel daran, dass er in erster Linie Geiger bleiben möchte. Als der greise Otto Klemperer. der zur gleichen Zeit wie Oistrach in Wien einen Zyklus der Festwochen leitete, ihn im Musikverein mit den Worten begrüßte: „Ich freue mich, dass wir jetzt Kollegen sind", soll Oistrach schlagfertig geantwortet haben: „Ich wusste gar nicht, dass Sie wieder Geige spielen."
Das ist gewiss mehr als ein Bonmot des Augenblicks. Wer David Oistrach zwischen zwei Konzerten des Brahms-Zyklus bei seinem Soloabend im Großen Musikvereinssaal hören konnte, weiß, dass der 60jährige noch immer der große, für mich der größte aller Geiger ist. Und zwar vor allem deshalb, weil in seinem Spiel das Musikalische, das Künstlerische so dominiert, dass das rein Technische, das Geigerische völlig nebensächlich wird. Man denkt nicht mehr an Schwierigkeiten und berühmte Prüfsteine perfekten Virtuosentums, man denkt nicht einmal an andere, ebenso berühmte Interpretationen des einen oder des anderen Werks — wenn Oistrach spielt, hat man das Gefühl, so und nicht anders sei dieses Werk beschaffen. Sogar derart primär geigerische Werke wie Tartinis Sonate ..mit dem Teufelstriller“ mit der wahrhaft teuflisch schweren Kadenz von Fritz Kreisler ist bei David Oistrach reine Musik, reiner Klang, und sein Ton hat eine solche Fülle der Farben und Nuancen, dass der Hörer kaum je in die Lage kommt, zu bedauern, dass die Geige „beim g zu Ende ist“.
Die Schallplatte verdankt David Oistrach unzählige Aufnahmen, unter ihnen Dokumente von zeitloser Bedeutung. Dazu möchte ich vor allem die Aufnahme des Beethoven-Konzerts unter Cluytens, die des Brahms-Konzerts mit Klemperer, des Mendelssohn-Konzerts unter Eugene Ormandy und natürlich die Aufnahmen der großen russischen Konzerte von Tschaikowsky, Schostakowitsch, Prokofieff und Khatchaturian rechnen. Sie sind zum Großteil in den letzten Jahren im Rahmen des Melodia-Programms der Eurodisc herausgekommen. Daneben aber sind es Aufnahmen gerade der weniger exponiert virtuosen Literatur, die mir für die Bedeutung und das Wesen David Oistrachs charakteristisch scheinen: etwa die erste Platte des Bach-Zyklus der Sonaten mit Cembalo in f-moll und G-dur bei der Deutschen Grammophon, auf der die barocke Kraft und Vielfalt von Bachs Musik so lebendig gestaltet ist wie kaum je sonst; die wunderbare Aufnahme der „Sinfonia concertante“ von Mozart, bei der David Oistrach mit unnachahmlichem Ton Bratsche spielt, und vor allem die Platten des Kammermusikers Oistrachs, seines Trios mit dem leider verstorbenen Cellisten Sergej Koussewitzkij und seinem langjährigen Partner Lev Oborin. des Oistrach-Quartetts oder gar die herrlichen Aufnahmen des Schubert-Oktetts und des Klarinettenquintetts von Brahms, die aber im Westen nicht zu kaufen sind. (In Wien war von den Verantwortlichen der Eurodisc allerdings zu hören, dass eine Fülle solcher Aufnahmen, die zum Großteil noch monaural gemacht wurden, nach sorgfältiger technischer Überarbeitung der Originalbänder auch in Deutschland auf den Markt kommen soll.)
Gerade nämlich in diesen Aufnahmen des Kammermusikers kommt heraus, was David Oistrach von der Mehrzahl seiner prominenten Geigerkollegen in West und Ost unterscheidet. Es ist der Mut. trotz seines Ruhms als Virtuose und trotz gewiss großer Verlockungen des internationalen Starbetriebs, stets in erster Linie Musiker zu sein. Dieser Mut hat David Oistrach auf seinem Instrument in einer Weise Erfüllung gebracht, wie sie nur wenigen zuteil wird, diesem Mut verdankt der nun 60jährige seine glanzvolle „zweite Karriere" als Dirigent. Wer David Oistrach privat und im Kreise seiner musikalischen Familie kennengelernt hat, wer seinen Ernst und seinen freundlichen Humor, seine Konzessionslosigkeit in Dingen der Kunst und seine Bescheidenheit vor der Musik erlebt hat, weiß um die menschliche Größe, welche diesen Künstler auszeichnet — und die das Geheimnis aller wahrhaft Großen ist.
Selten hat der Große Saal des Wiener Musikvereins, seit Brahms’, Bruckners und Mahlers Zeiten Ort der großen Wiener Konzertereignisse, in den vergangenen Jahren solche Begeisterung erlebt wie nach den vier Konzerten des Brahms-Zyklus. den David Oistrach im Rahmen der Festwochen 1968 im vergangenen Mai dirigierte. Das Publikum reagierte schon nach dem grandios gesteigerten Finale der ersten Sinfonie mit Enthusiasmus, der Großteil der Wiener Kritik brauchte etwas länger, um ganz zu begreifen, dass hier nicht ein berühmter Virtuose seinem Hobby frönt, sondern ein bedeutender Musiker einen neuen und ihm gemäßen Bereich seiner künstlerischen Arbeit gefunden hat. Oistrach selbst gab bei einem Gespräch im kleineren Kreis dafür eine bildhaft prägnante Formulierung: „Es ist für mich, als wenn man auf einem schönen Fluss plötzlich ans Meer kommt. Die Ufer treten zurück, der Ausblick ist nach allen Seiten offen, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt." Es ist nicht die Müdigkeit eines langen Virtuosenlebens, der David Oistrach durch seine vielseitige Tätigkeit als Solist, Kammermusiker und Lehrer stets erfolgreich begegnen konnte, es ist auch nicht die bei älteren Instrumentalisten oft beobachtete Sehnsucht, die Grenzen des längst ausgeschrittenen Repertoires zu sprengen. Oistrachs Wunsch zu dirigieren hat wohl tiefere Ursachen, sein Gestaltungswillen geht, etwa im Bereich des Klanglichen, über die Geige hinaus. „Es hat mich immer gekränkt", meint er augenzwinkernd, …dass mein Instrument mit dem g zu Ende ist. Ich habe immer eine große Vorliebe für die Bässe gehabt."
Die Vorliebe für die Bässe ergibt die Basis „seines" Orchesterklangs. Vom ersten Ton der c-moll-Sinfonie von Brahms spürte man, dass hier die ganze Tiefe des Orchesters bewusst gestaltet ist. Die Bässe klangen, wie ich sie seit Furtwänglers Zeiten kaum mehr klingen gehört hatte, und über diesem Fundament baute sich ein Orchester klang von einer Intensität und Leidenschaftlichkeit, wie man ihn heute vielleicht noch von Barbirolli, bisweilen auch von Bernstein hören Kann. „Oistrach ist nicht nur der beste aller dirigierenden Geiger", schrieb Stuckenschmidt in der FAZ, „er ist der beste Dirigent, den Russland je in den Westen geschickt hat."
Die naturgemäß häufigste Frage nach dem handwerklichen Können des Dirigenten Oistrach beantwortete am besten das Orchester der Wiener Symphoniker, das unter seiner Leitung so präzise und intensiv spielte, wie ich es selten gehört habe. „Das ist Interpretation", meinte ein altes Orchestermitglied und gab damit wieder, was die Musiker angesichts dieses kollegialen, dabei aber absolut konzessionslosen, jeder Äußerlichkeit baren, allein auf das Wesentliche konzentrierten Dirigierens empfanden. Oistrach bestätigt das schöne Wort, das Jörg Demus in seiner Charakteristik Fischer-Dieskaus verwendete, dass nämlich „Technik den kürzesten Weg zum Ziel" bedeute. Seine Souveränität gegenüber dem Orchester, die auf jede große Geste verzichten kann, verlieh ihm auch optisch große Überzeugungskraft. Dass Oistrach bei der Interpretation des „Deutschen Requiems" ein wenig die Routine in der Behandlung des großen Apparates mangelte, sei nicht verschwiegen. Es minderte aber selbst dort nicht die außerordentliche Intensität seiner Darstellung.
Wie ist es möglich, dass einer erst mit beinahe 60 Jahren eine solche Begabung zum Dirigieren entdeckt? Noch dazu, nachdem er über 30 Jahre in der vordersten Reihe der internationalen Geigerprominenz gestanden ist? Oistrach bekennt, dass sein Wunsch zum Dirigieren schon seit frühester Jugend mächtig war, dass aber die bewusste und notwendige Konzentration auf sein Instrument Gedanken in dieser Richtung durchaus in den Hintergrund gedrängt habe — bis eines Tages, bei Aufnahmen in London, kein Dirigent für Mozarts G-dur-Konzert vorhanden war und David Oistrach auf Walter Legges Wunsch, zögernd zwar. aber doch mit Freude, die Leitung des Orchesters vom Instrument her übernahm. Der entscheidende Impuls zu Oistrachs zweiter Karriere aber ging dann von der Zusammenarbeit mit seinem Sohn und Schüler Igor aus. Für eine Neuaufnahme des Violinkonzerts von Brahms. in der Igor Oistrach den Solopart spielen sollte, griff der Vater zum Taktstock, und nun ergaben sich die Gelegenheiten ganz von selbst. Konzerte, Plattenaufnahmen, erste große Erfolge mit rein sinfonischen Werken, sogar mit Mahler und Schostakowitsch, und immer wieder Brahms. zu dem Oistrach ohne Zweifel eine besondere Affinität hat. Heute vermag sich der Geiger vor Angeboten als Dirigent kaum mehr zu retten.
Dennoch lässt David Oistrach keinen Zweifel daran, dass er in erster Linie Geiger bleiben möchte. Als der greise Otto Klemperer. der zur gleichen Zeit wie Oistrach in Wien einen Zyklus der Festwochen leitete, ihn im Musikverein mit den Worten begrüßte: „Ich freue mich, dass wir jetzt Kollegen sind", soll Oistrach schlagfertig geantwortet haben: „Ich wusste gar nicht, dass Sie wieder Geige spielen."
Das ist gewiss mehr als ein Bonmot des Augenblicks. Wer David Oistrach zwischen zwei Konzerten des Brahms-Zyklus bei seinem Soloabend im Großen Musikvereinssaal hören konnte, weiß, dass der 60jährige noch immer der große, für mich der größte aller Geiger ist. Und zwar vor allem deshalb, weil in seinem Spiel das Musikalische, das Künstlerische so dominiert, dass das rein Technische, das Geigerische völlig nebensächlich wird. Man denkt nicht mehr an Schwierigkeiten und berühmte Prüfsteine perfekten Virtuosentums, man denkt nicht einmal an andere, ebenso berühmte Interpretationen des einen oder des anderen Werks — wenn Oistrach spielt, hat man das Gefühl, so und nicht anders sei dieses Werk beschaffen. Sogar derart primär geigerische Werke wie Tartinis Sonate ..mit dem Teufelstriller“ mit der wahrhaft teuflisch schweren Kadenz von Fritz Kreisler ist bei David Oistrach reine Musik, reiner Klang, und sein Ton hat eine solche Fülle der Farben und Nuancen, dass der Hörer kaum je in die Lage kommt, zu bedauern, dass die Geige „beim g zu Ende ist“.
Die Schallplatte verdankt David Oistrach unzählige Aufnahmen, unter ihnen Dokumente von zeitloser Bedeutung. Dazu möchte ich vor allem die Aufnahme des Beethoven-Konzerts unter Cluytens, die des Brahms-Konzerts mit Klemperer, des Mendelssohn-Konzerts unter Eugene Ormandy und natürlich die Aufnahmen der großen russischen Konzerte von Tschaikowsky, Schostakowitsch, Prokofieff und Khatchaturian rechnen. Sie sind zum Großteil in den letzten Jahren im Rahmen des Melodia-Programms der Eurodisc herausgekommen. Daneben aber sind es Aufnahmen gerade der weniger exponiert virtuosen Literatur, die mir für die Bedeutung und das Wesen David Oistrachs charakteristisch scheinen: etwa die erste Platte des Bach-Zyklus der Sonaten mit Cembalo in f-moll und G-dur bei der Deutschen Grammophon, auf der die barocke Kraft und Vielfalt von Bachs Musik so lebendig gestaltet ist wie kaum je sonst; die wunderbare Aufnahme der „Sinfonia concertante“ von Mozart, bei der David Oistrach mit unnachahmlichem Ton Bratsche spielt, und vor allem die Platten des Kammermusikers Oistrachs, seines Trios mit dem leider verstorbenen Cellisten Sergej Koussewitzkij und seinem langjährigen Partner Lev Oborin. des Oistrach-Quartetts oder gar die herrlichen Aufnahmen des Schubert-Oktetts und des Klarinettenquintetts von Brahms, die aber im Westen nicht zu kaufen sind. (In Wien war von den Verantwortlichen der Eurodisc allerdings zu hören, dass eine Fülle solcher Aufnahmen, die zum Großteil noch monaural gemacht wurden, nach sorgfältiger technischer Überarbeitung der Originalbänder auch in Deutschland auf den Markt kommen soll.)
Gerade nämlich in diesen Aufnahmen des Kammermusikers kommt heraus, was David Oistrach von der Mehrzahl seiner prominenten Geigerkollegen in West und Ost unterscheidet. Es ist der Mut. trotz seines Ruhms als Virtuose und trotz gewiss großer Verlockungen des internationalen Starbetriebs, stets in erster Linie Musiker zu sein. Dieser Mut hat David Oistrach auf seinem Instrument in einer Weise Erfüllung gebracht, wie sie nur wenigen zuteil wird, diesem Mut verdankt der nun 60jährige seine glanzvolle „zweite Karriere" als Dirigent. Wer David Oistrach privat und im Kreise seiner musikalischen Familie kennengelernt hat, wer seinen Ernst und seinen freundlichen Humor, seine Konzessionslosigkeit in Dingen der Kunst und seine Bescheidenheit vor der Musik erlebt hat, weiß um die menschliche Größe, welche diesen Künstler auszeichnet — und die das Geheimnis aller wahrhaft Großen ist.



