Interview & Porträt

„Nichts ist mehr selbstverständlich“

Von
Georg Rudiger
Erschienen in der Printausgabe im
Juni 2021
Lesezeit ca.
…
Minuten

Sie arbeiten an einer Schubert- Gesamteinspielung, die im nächsten Jahr zum 225. Geburtstag des Komponisten veröffentlicht werden soll. Mit welchem Werk haben Sie sich gerade beschäftigt?

Wir haben die ersten Quartette aufgenommen – sie unterscheiden sich sehr stark von den späteren, die man kennt. Sie klingen ein wenig wie Mozart-Opern, und man hört auch Bach-Choräle heraus. Mozart und Bach waren die entscheidenden musikalischen Einflüsse des jungen Franz Schubert, der mit 13 Jahren seine ersten Streichquartette komponiert hat. Erst in den mittleren und vor allem den späten Quartetten zeigt Schubert seine eigene Handschrift. Wenn man „Der Tod und das Mädchen“ oder das letzte Quartett in G-Dur spielt, dann weiß man manchmal nicht mehr, wie man an den Ausgangspunkt zurückkommt – so groß ist die Form, so weit entfernen sich die Harmonien.

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Es gibt etliche Gesamtaufnahmen der Quartette, darunter vom Emerson String Quartet und dem Auryn Quartett. Was möchten Sie in dieser Musik besonders herausarbeiten?

Die großen Unterschiede zwischen dem Frühwerk und dem Spätwerk muss man auch in der Tongebung hören. Wir spielen bei der Aufnahme auf modernen Instrumenten und modernen Bögen, aber die frühen Quartette sind noch ganz in der Klassik angesiedelt. Wir müssen uns erinnern, wie das damals geklungen haben könnte: luftig, voller Energie, sehr flexibel. Für die späteren Quartette brauchen wir einen größeren romantischen Klang mit mehr Gewicht auf dem Bogen und einem stärkeren Vibrato.

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Das Quatuor Modigliani ist ein rein französisches Ensemble, alle Mitglieder wurden am Conservatoire in Paris ausgebildet. Welche Bedeutung hat Schuberts Kammermusik in Frankreich?

Das Problem mit Schubert ist: Die frühen Werke wie die Violinsonaten sind für Musikstudenten viel zu einfach – und die Spätwerke zu schwierig. In Frankreich entdecken viele Schubert erst später. Man braucht eine gewisse Reife, um seine Musik zu spielen. Die Emotionalität seiner musikalischen Sprache ist einzigartig. In Konzerten hört man seine Musik in Frankreich aber häufig.

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Was macht ein französisches Streichquartett anders als ein österreichisches oder ein deutsches?

Vor 20 oder 30 Jahren waren diese Unterschiede sicherlich noch stärker ausgeprägt. Wir sind viel gereist und haben mit ganz verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern gespielt, so dass man von vielen Seiten musikalisch beeinflusst ist. Aber sicherlich hat die Muttersprache eine große Bedeutung für unser Spiel. So ein explosives, hartes Wort wie „plötzlich“ haben wir in der französischen Sprache nicht. Wenn ich Deutsch spreche, klingt meine Stimme tiefer. Französisch geht nicht in den ganzen Körper, sondern bleibt im Mundraum und wird auch in einer höheren Tonlage gesprochen. Sicherlich ist unser Spiel beeinflusst durch diesen Klang und die eher weiche Artikulation unserer Muttersprache. Im Französischen verbindet man die Wörter auch viel mehr als im Deutschen.

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Bei der Gründung des Ensembles im Jahr 2003 am Pariser Conservatoire waren Sie noch nicht dabei. Philippe Bernhard spielte die erste Violine. Die vier Gründungsmitglieder waren eng miteinander befreundet. Sie kamen erstmals 2016 als Einspringer mit dem Quartett in Berührung. War es nicht schwierig, in einem so eingespielten Ensemble mitzuwirken?

Ich hatte nur zwei Tage Zeit, die drei Streichquartette von Robert Schumann zu lernen – das war schon eine große Herausforderung. Ich konnte natürlich nicht Philippe Bernhard sein. Wir hatten nicht die Zeit, einen besonderen Quartettklang zu finden, sondern es ging in dieser einen Woche darum, dass wir die Konzerte gut über die Bühne brachten. Das hat geklappt.

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Ich stelle es mir für Philippe Bernhard schwierig vor, wenn der Einspringer am Ende die neue Nummer 1 wird, zumal starke freundschaftliche Beziehungen zu den anderen Quartettmitgliedern bestanden. Gab es Streit?

Überhaupt nicht. Der Primarius eines Streichquartetts ist immer besonders gefordert. Philippe Bernhard brauchte damals einfach eine Woche Pause. Dann ist er wieder zum Ensemble zurückgekommen und hat bald gespürt, dass er im Quartett nicht mehr weitermachen möchte. Das Quatuor Modigliani musste also einen neuen Primarius finden. Da wir schon zusammengespielt hatten, wurde ich als Erster gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte – und nach einer kurzen Bedenkzeit habe ich zugesagt.

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Sie waren bis zu dieser Zeit vor allem als Solist tätig und auch schon etliche Jahre Konzertmeister beim Orchestre Philharmonique de Radio France. Was reizte Sie an der Kammermusik?

Im Orchester spielen wir unter vielen verschiedenen Dirigenten. Jede Woche kommt ein neues Programm. Das war häufig unbefriedigend für mich, weil man nur selten gemeinsam das Gleiche will. Wenn es ein Dirigent schafft, alle hinter einer musikalischen Idee zu vereinen, dann ist das ein seltener, einzigartiger Moment. In einem Streichquartett dagegen spielt man ein Programm ein ganzes Jahr lang. Und versucht bei jedem Konzert, noch tiefer in das Werk zu dringen. Das hat mich sehr gereizt. Die Chance, in einem Streichquartett einen gemeinsamen Ausdruck zu entwickeln, ist viel größer als in einem Orchester.

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Sie hatten als Solist und im Orchester eine Führungsrolle. Auch als Dirigent haben Sie gearbeitet. Verstehen Sie sich auch im Quatuor Modigliani als Führungsfigur?

Hoffentlich nicht zu sehr. Es ist natürlich unmöglich, dass jeder das Gleiche empfindet wie man selbst, aber gerade das macht den Reiz der Probenarbeit aus. Jeder kann und soll seine Vorstellungen entwickeln und formulieren. Die gemeinsame Idee am Ende dieses Prozesses ist viel stärker als das, was man sich nur alleine überlegt hat.

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Jedes Quartettmitglied reagiert auf die anderen. Wie hat sich das Quatuor Modigliani verändert, seit Sie dabei sind?

Wir haben nochmals die Partituren in die Hand genommen und sehr eng am Notentext gearbeitet. Das war ein durchaus anstrengender Prozess, vertraute Gewohnheiten zu hinterfragen. Aber man kann sich erst dann frei in einer Komposition bewegen, wenn man genau weiß, was der Komponist aufgeschrieben hat. Diese interpretatorische Sorgfalt hat einen größeren Stellenwert erhalten, seit ich dabei bin – das ist zumindest mein Eindruck.

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Sie spielen vor allem das bekannte Repertoire: Haydn, Mozart, Schumann, Schubert, Ravel, Tschaikowski, bei der letzten Aufnahme auch Bartók. Auf Ihrem Konzertplan 2021 steht mit Mark Anthony Turnages Streichquartett „Split Apart‘‘ nur ein zeitgenössisches Werk. Warum so wenig Unbekanntes? Warum so wenig Neue Musik?

Wir können als Streichquartett nicht jedes Jahr so viele neue Werke erarbeiten – bei einem Solokünstler ist das etwas ganz anderes. Aber wir spielen immer wieder zeitgenössische Musik, deshalb muss ich Ihnen hier widersprechen. Turnages neues Quartett haben wir schon im Dezember in Brüssel und Madrid gespielt. Auch das neue Quartett von Philippe Hersant stand letztes Jahr auf unserem Konzertprogramm. Dieses Jahr werden wir Kompositionen von Peteris Vasks und Bruno Mantovani erarbeiten. Aufgenommen haben wir wenig moderne Musik, da haben sie Recht. Aber wir brauchen einfach ein paar Jahre, um das Standardrepertoire zusammen zu entdecken.

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Wie sind Sie mit dem Ensemble bislang durch die Corona-Pandemie gekommen?

Zuvor waren wir viel unterwegs; dieses Atemholen während des ersten Lockdowns konnten wir mit unseren Familien richtig genießen. Mit der Schubert-Gesamtaufnahme haben wir aber auch ein großes Projekt. Einige Konzerte konnten wir geben. Die ständigen Veränderungen erforderten natürlich einen riesigen Organisationsaufwand, den unsere Agentur leisten musste. Sie haben oft sehr lange an einem Konzert gearbeitet, das am Ende dann gar nicht stattfand.

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Welche Impulse werden Sie aus der Krise mitnehmen?

Wir müssen die Natur stärker schützen. Das weiß man schon lange, aber vielleicht hat der Stillstand in der Corona- Pandemie das Bewusstsein dafür ein wenig geschärft. Schon bisher haben wir versucht, im Konzert unser Bestes zu geben. Aber in Zukunft werden wir das noch bedingungsloser tun, weil wir in dieser Krise unser Publikum so vermisst haben. Nichts ist mehr selbstverständlich.

Sie arbeiten an einer Schubert- Gesamteinspielung, die im nächsten Jahr zum 225. Geburtstag des Komponisten veröffentlicht werden soll. Mit welchem Werk haben Sie sich gerade beschäftigt?

Wir haben die ersten Quartette aufgenommen – sie unterscheiden sich sehr stark von den späteren, die man kennt. Sie klingen ein wenig wie Mozart-Opern, und man hört auch Bach-Choräle heraus. Mozart und Bach waren die entscheidenden musikalischen Einflüsse des jungen Franz Schubert, der mit 13 Jahren seine ersten Streichquartette komponiert hat. Erst in den mittleren und vor allem den späten Quartetten zeigt Schubert seine eigene Handschrift. Wenn man „Der Tod und das Mädchen“ oder das letzte Quartett in G-Dur spielt, dann weiß man manchmal nicht mehr, wie man an den Ausgangspunkt zurückkommt – so groß ist die Form, so weit entfernen sich die Harmonien.

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Es gibt etliche Gesamtaufnahmen der Quartette, darunter vom Emerson String Quartet und dem Auryn Quartett. Was möchten Sie in dieser Musik besonders herausarbeiten?

Die großen Unterschiede zwischen dem Frühwerk und dem Spätwerk muss man auch in der Tongebung hören. Wir spielen bei der Aufnahme auf modernen Instrumenten und modernen Bögen, aber die frühen Quartette sind noch ganz in der Klassik angesiedelt. Wir müssen uns erinnern, wie das damals geklungen haben könnte: luftig, voller Energie, sehr flexibel. Für die späteren Quartette brauchen wir einen größeren romantischen Klang mit mehr Gewicht auf dem Bogen und einem stärkeren Vibrato.

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Das Quatuor Modigliani ist ein rein französisches Ensemble, alle Mitglieder wurden am Conservatoire in Paris ausgebildet. Welche Bedeutung hat Schuberts Kammermusik in Frankreich?

Das Problem mit Schubert ist: Die frühen Werke wie die Violinsonaten sind für Musikstudenten viel zu einfach – und die Spätwerke zu schwierig. In Frankreich entdecken viele Schubert erst später. Man braucht eine gewisse Reife, um seine Musik zu spielen. Die Emotionalität seiner musikalischen Sprache ist einzigartig. In Konzerten hört man seine Musik in Frankreich aber häufig.

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Was macht ein französisches Streichquartett anders als ein österreichisches oder ein deutsches?

Vor 20 oder 30 Jahren waren diese Unterschiede sicherlich noch stärker ausgeprägt. Wir sind viel gereist und haben mit ganz verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern gespielt, so dass man von vielen Seiten musikalisch beeinflusst ist. Aber sicherlich hat die Muttersprache eine große Bedeutung für unser Spiel. So ein explosives, hartes Wort wie „plötzlich“ haben wir in der französischen Sprache nicht. Wenn ich Deutsch spreche, klingt meine Stimme tiefer. Französisch geht nicht in den ganzen Körper, sondern bleibt im Mundraum und wird auch in einer höheren Tonlage gesprochen. Sicherlich ist unser Spiel beeinflusst durch diesen Klang und die eher weiche Artikulation unserer Muttersprache. Im Französischen verbindet man die Wörter auch viel mehr als im Deutschen.

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Bei der Gründung des Ensembles im Jahr 2003 am Pariser Conservatoire waren Sie noch nicht dabei. Philippe Bernhard spielte die erste Violine. Die vier Gründungsmitglieder waren eng miteinander befreundet. Sie kamen erstmals 2016 als Einspringer mit dem Quartett in Berührung. War es nicht schwierig, in einem so eingespielten Ensemble mitzuwirken?

Ich hatte nur zwei Tage Zeit, die drei Streichquartette von Robert Schumann zu lernen – das war schon eine große Herausforderung. Ich konnte natürlich nicht Philippe Bernhard sein. Wir hatten nicht die Zeit, einen besonderen Quartettklang zu finden, sondern es ging in dieser einen Woche darum, dass wir die Konzerte gut über die Bühne brachten. Das hat geklappt.

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Ich stelle es mir für Philippe Bernhard schwierig vor, wenn der Einspringer am Ende die neue Nummer 1 wird, zumal starke freundschaftliche Beziehungen zu den anderen Quartettmitgliedern bestanden. Gab es Streit?

Überhaupt nicht. Der Primarius eines Streichquartetts ist immer besonders gefordert. Philippe Bernhard brauchte damals einfach eine Woche Pause. Dann ist er wieder zum Ensemble zurückgekommen und hat bald gespürt, dass er im Quartett nicht mehr weitermachen möchte. Das Quatuor Modigliani musste also einen neuen Primarius finden. Da wir schon zusammengespielt hatten, wurde ich als Erster gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte – und nach einer kurzen Bedenkzeit habe ich zugesagt.

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Sie waren bis zu dieser Zeit vor allem als Solist tätig und auch schon etliche Jahre Konzertmeister beim Orchestre Philharmonique de Radio France. Was reizte Sie an der Kammermusik?

Im Orchester spielen wir unter vielen verschiedenen Dirigenten. Jede Woche kommt ein neues Programm. Das war häufig unbefriedigend für mich, weil man nur selten gemeinsam das Gleiche will. Wenn es ein Dirigent schafft, alle hinter einer musikalischen Idee zu vereinen, dann ist das ein seltener, einzigartiger Moment. In einem Streichquartett dagegen spielt man ein Programm ein ganzes Jahr lang. Und versucht bei jedem Konzert, noch tiefer in das Werk zu dringen. Das hat mich sehr gereizt. Die Chance, in einem Streichquartett einen gemeinsamen Ausdruck zu entwickeln, ist viel größer als in einem Orchester.

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Sie hatten als Solist und im Orchester eine Führungsrolle. Auch als Dirigent haben Sie gearbeitet. Verstehen Sie sich auch im Quatuor Modigliani als Führungsfigur?

Hoffentlich nicht zu sehr. Es ist natürlich unmöglich, dass jeder das Gleiche empfindet wie man selbst, aber gerade das macht den Reiz der Probenarbeit aus. Jeder kann und soll seine Vorstellungen entwickeln und formulieren. Die gemeinsame Idee am Ende dieses Prozesses ist viel stärker als das, was man sich nur alleine überlegt hat.

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Jedes Quartettmitglied reagiert auf die anderen. Wie hat sich das Quatuor Modigliani verändert, seit Sie dabei sind?

Wir haben nochmals die Partituren in die Hand genommen und sehr eng am Notentext gearbeitet. Das war ein durchaus anstrengender Prozess, vertraute Gewohnheiten zu hinterfragen. Aber man kann sich erst dann frei in einer Komposition bewegen, wenn man genau weiß, was der Komponist aufgeschrieben hat. Diese interpretatorische Sorgfalt hat einen größeren Stellenwert erhalten, seit ich dabei bin – das ist zumindest mein Eindruck.

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Sie spielen vor allem das bekannte Repertoire: Haydn, Mozart, Schumann, Schubert, Ravel, Tschaikowski, bei der letzten Aufnahme auch Bartók. Auf Ihrem Konzertplan 2021 steht mit Mark Anthony Turnages Streichquartett „Split Apart‘‘ nur ein zeitgenössisches Werk. Warum so wenig Unbekanntes? Warum so wenig Neue Musik?

Wir können als Streichquartett nicht jedes Jahr so viele neue Werke erarbeiten – bei einem Solokünstler ist das etwas ganz anderes. Aber wir spielen immer wieder zeitgenössische Musik, deshalb muss ich Ihnen hier widersprechen. Turnages neues Quartett haben wir schon im Dezember in Brüssel und Madrid gespielt. Auch das neue Quartett von Philippe Hersant stand letztes Jahr auf unserem Konzertprogramm. Dieses Jahr werden wir Kompositionen von Peteris Vasks und Bruno Mantovani erarbeiten. Aufgenommen haben wir wenig moderne Musik, da haben sie Recht. Aber wir brauchen einfach ein paar Jahre, um das Standardrepertoire zusammen zu entdecken.

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Wie sind Sie mit dem Ensemble bislang durch die Corona-Pandemie gekommen?

Zuvor waren wir viel unterwegs; dieses Atemholen während des ersten Lockdowns konnten wir mit unseren Familien richtig genießen. Mit der Schubert-Gesamtaufnahme haben wir aber auch ein großes Projekt. Einige Konzerte konnten wir geben. Die ständigen Veränderungen erforderten natürlich einen riesigen Organisationsaufwand, den unsere Agentur leisten musste. Sie haben oft sehr lange an einem Konzert gearbeitet, das am Ende dann gar nicht stattfand.

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Welche Impulse werden Sie aus der Krise mitnehmen?

Wir müssen die Natur stärker schützen. Das weiß man schon lange, aber vielleicht hat der Stillstand in der Corona- Pandemie das Bewusstsein dafür ein wenig geschärft. Schon bisher haben wir versucht, im Konzert unser Bestes zu geben. Aber in Zukunft werden wir das noch bedingungsloser tun, weil wir in dieser Krise unser Publikum so vermisst haben. Nichts ist mehr selbstverständlich.