Schönheit kreieren
Konzeptionell durchdacht waren die CD-Programme des Cellisten Edgar Moreau immer. Aber keines bedeutete dem jungen Franzosen so viel wie sein aktuelles Album „Transmission“, denn es berührt den jüdischen Hintergrund seiner Biografie. Eine Herzensangelegenheit.

Die Idee für diese CD reifte mehrere Jahre in mir“. Mit Enthusiasmus spricht Edgar Moreau über sein aktuelles Aufnahmeprojekt, das Musik mit Bezug zur jüdischen Welt und Kultur in den Mittelpunkt stellt. „Weil ich aus einer jüdischen Familie stamme, meine Mutter kommt aus Jerusalem. Sie ist Hebräisch-Übersetzerin und lebte zeitweise in einem Kibbuz. All das hatte großen Einfluss auf meine Mentalität und Sozialisierung, es ist Teil meines Profils. Was ich bin, wo ich hingehöre, wenn auch nicht im religiösen Sinne. Die jüdische Welt ist immer noch sehr präsent in unserer Familie. Das ist etwas sehr Persönliches. Ich war mehrfach in Israel und spielte dort. So erklärt sich auch die Nähe zu diesem Repertoire. Ich dachte sofort an ein Projekt mit der hebräischen Rhapsodie ‚Schelomo‘ von Ernest Bloch und Max Bruchs ‚Kol Nidrei‘.“
Zunächst wusste Moreau noch nicht, wie und mit wem er das Projekt realisieren könnte. Schließlich kamen die Dinge während des ersten Lockdowns in der Covid-Krise auf den Weg. Kurz davor war er mit dem Luzerner Sinfonieorchester aufgetreten, und man war freundschaftlich verbunden. „Wir hatten die Chance, für fünf Tage zusammenzukommen, das ist ziemlich lange, ein Luxus geradezu. Es war möglich, weil Konzerte abgesagt wurden, so waren alle frei. Und wir hatten dazu großartige Sponsoren“. Dass mit dem Chefdirigenten des Orchesters, Michael Sanderling, auch noch ein ausgebildeter Cellist am Pult stand, erwies sich als weiterer Glücksfall. „Es ist nicht immer einfach für einen Dirigenten, an einem solchen Soloprojekt beteiligt zu sein“, meint Edgar Moreau. „Michael Sanderling arbeitete sehr konzentriert und präzise. Er steckte seine ganze Energie in das Album, dafür bin ich sehr dankbar. Denn die sehr schönen und reichen Orchesterparts sind eine echte Aufgabe für den Dirigenten. Sehr glücklich bin ich auch über die Arbeit von Produzent Martin Sauer“.
Der Titel des Albums „Transmission“ steht für jüdische Überlieferung, für Erbe und Vermächtnis. Alle eingespielten Werke schlagen eine Brücke dahin, sie assimilieren jüdische Musik in unterschiedlicher Art und Weise. Blochs dreisätzige Suite „From Jewish Life“ ist das Eröffnungsstück des Programms. Im ersten Satz „Prayer“ übernimmt das Cello die Melodie eines jüdischen Gebetsgesanges, Ausdruck beklemmender Schwermut. „Sehr introvertierte Musik. Traurig, sehr tief, sehr persönlich. Der ganze jüdische Hintergrund spiegelt sich darin“, meint Edgar Moreau.
Mit dem Cellokonzert von Erich Wolfgang Korngold erscheint ein Werk, dem man, im Gegensatz zu seinem Violinkonzert, nur selten im Konzertsaal begegnet. Auch Aufnahmen des nur rund 15 Minuten dauernden Werkes gibt es relativ wenige. „Das Korngold-Konzert habe ich bisher nur einmal im Konzert gespielt, aber ich möchte es gern häufiger aufführen, denn ich mag das Stück sehr. Es ist Filmmusik, lyrisch, virtuos, energetisch. Ein sehr herausforderndes, schwieriges Werk“, sagt Moreau. „Ich versuche in meine Programme stets auch weniger häufi g gespielte Werke aufzunehmen. Es ist ein Teil meiner Mission, etwas Neues auf das Podium zu bringen. Korngolds Violinkonzert ist Standard, das Cellokonzert sollte es ebenso sein. Es ist sehr kurz und deshalb schwer zu programmieren“.
Neben dem g-Moll-Violinkonzert gehört „Kol Nidrei“ zu Max Bruchs populärsten Kompositionen. Namensgebend ist hier das gebetsartige Kol Nidre, das zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gesprochen wird. „Kol Nidrei war eines der ersten Stücke, die ich als Kind spielte – im Alter von sieben Jahren“, erinnert sich Moreau. „Das Werk begleitete mich dann mein ganzes Leben, ich bin damit aufgewachsen. Deshalb war es auch etwas Besonderes für mich, das Stück aufzunehmen. Ich verbinde so viele Erinnerungen damit“. Blochs pathetischer Klagegesang „Schelomo“ ist die Komposition des Programms, der man am häufigsten begegnet. Für Edgar Moreau, und wohl für Cellisten generell, ist sie ein absoluter Favorit. Der Suggestivkraft dieser Musik kann man sich kaum entziehen. „Einfach großartig“, schwärmt der Künstler. „Der Solopart ist grandios, aber genauso die Anlage des Orchesterparts. Ein Highlight an Orchestrierungskunst mit perfekter Balance von Solist und Orchester. Quasi eine Sinfonie. Ich erinnere mich noch genau, wie ich fasziniert die berühmte Aufnahme mit Rostropowitsch und Bernstein und dem Orchestre National de France gehört habe als Kind“.
Neben Max Bruch taucht mit Maurice Ravel ein weiterer nicht-jüdischer Komponist im Programm der CD auf. Seine von jüdisch-liturgischen Gesängen inspirierten „Deux mélodies hébraïques“ als Version mit Orchester runden das Programm ab. Hier schließt sich der Kreis. „Für mich war es wichtig auch einen französischen Komponisten hineinzunehmen, weil ich Franzose bin und auch das Teil meiner Identität ist“, erklärt der Cellist. Mit dem Projekt „Transmission“ zeigt der heute 27-jährige Moreau mit Nachdruck, dass er zu einem reflektierenden Künstler gereift ist, der die „Wunderkind“-Zeiten hinter sich gelassen hat. „Unser Beruf ist es zu versuchen, Schönheit zu kreieren. Wenn Menschen nach dem Konzert kommen und Danke sagen, ist das alles“.
Die Idee für diese CD reifte mehrere Jahre in mir“. Mit Enthusiasmus spricht Edgar Moreau über sein aktuelles Aufnahmeprojekt, das Musik mit Bezug zur jüdischen Welt und Kultur in den Mittelpunkt stellt. „Weil ich aus einer jüdischen Familie stamme, meine Mutter kommt aus Jerusalem. Sie ist Hebräisch-Übersetzerin und lebte zeitweise in einem Kibbuz. All das hatte großen Einfluss auf meine Mentalität und Sozialisierung, es ist Teil meines Profils. Was ich bin, wo ich hingehöre, wenn auch nicht im religiösen Sinne. Die jüdische Welt ist immer noch sehr präsent in unserer Familie. Das ist etwas sehr Persönliches. Ich war mehrfach in Israel und spielte dort. So erklärt sich auch die Nähe zu diesem Repertoire. Ich dachte sofort an ein Projekt mit der hebräischen Rhapsodie ‚Schelomo‘ von Ernest Bloch und Max Bruchs ‚Kol Nidrei‘.“
Zunächst wusste Moreau noch nicht, wie und mit wem er das Projekt realisieren könnte. Schließlich kamen die Dinge während des ersten Lockdowns in der Covid-Krise auf den Weg. Kurz davor war er mit dem Luzerner Sinfonieorchester aufgetreten, und man war freundschaftlich verbunden. „Wir hatten die Chance, für fünf Tage zusammenzukommen, das ist ziemlich lange, ein Luxus geradezu. Es war möglich, weil Konzerte abgesagt wurden, so waren alle frei. Und wir hatten dazu großartige Sponsoren“. Dass mit dem Chefdirigenten des Orchesters, Michael Sanderling, auch noch ein ausgebildeter Cellist am Pult stand, erwies sich als weiterer Glücksfall. „Es ist nicht immer einfach für einen Dirigenten, an einem solchen Soloprojekt beteiligt zu sein“, meint Edgar Moreau. „Michael Sanderling arbeitete sehr konzentriert und präzise. Er steckte seine ganze Energie in das Album, dafür bin ich sehr dankbar. Denn die sehr schönen und reichen Orchesterparts sind eine echte Aufgabe für den Dirigenten. Sehr glücklich bin ich auch über die Arbeit von Produzent Martin Sauer“.
Der Titel des Albums „Transmission“ steht für jüdische Überlieferung, für Erbe und Vermächtnis. Alle eingespielten Werke schlagen eine Brücke dahin, sie assimilieren jüdische Musik in unterschiedlicher Art und Weise. Blochs dreisätzige Suite „From Jewish Life“ ist das Eröffnungsstück des Programms. Im ersten Satz „Prayer“ übernimmt das Cello die Melodie eines jüdischen Gebetsgesanges, Ausdruck beklemmender Schwermut. „Sehr introvertierte Musik. Traurig, sehr tief, sehr persönlich. Der ganze jüdische Hintergrund spiegelt sich darin“, meint Edgar Moreau.
Mit dem Cellokonzert von Erich Wolfgang Korngold erscheint ein Werk, dem man, im Gegensatz zu seinem Violinkonzert, nur selten im Konzertsaal begegnet. Auch Aufnahmen des nur rund 15 Minuten dauernden Werkes gibt es relativ wenige. „Das Korngold-Konzert habe ich bisher nur einmal im Konzert gespielt, aber ich möchte es gern häufiger aufführen, denn ich mag das Stück sehr. Es ist Filmmusik, lyrisch, virtuos, energetisch. Ein sehr herausforderndes, schwieriges Werk“, sagt Moreau. „Ich versuche in meine Programme stets auch weniger häufi g gespielte Werke aufzunehmen. Es ist ein Teil meiner Mission, etwas Neues auf das Podium zu bringen. Korngolds Violinkonzert ist Standard, das Cellokonzert sollte es ebenso sein. Es ist sehr kurz und deshalb schwer zu programmieren“.
Neben dem g-Moll-Violinkonzert gehört „Kol Nidrei“ zu Max Bruchs populärsten Kompositionen. Namensgebend ist hier das gebetsartige Kol Nidre, das zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gesprochen wird. „Kol Nidrei war eines der ersten Stücke, die ich als Kind spielte – im Alter von sieben Jahren“, erinnert sich Moreau. „Das Werk begleitete mich dann mein ganzes Leben, ich bin damit aufgewachsen. Deshalb war es auch etwas Besonderes für mich, das Stück aufzunehmen. Ich verbinde so viele Erinnerungen damit“. Blochs pathetischer Klagegesang „Schelomo“ ist die Komposition des Programms, der man am häufigsten begegnet. Für Edgar Moreau, und wohl für Cellisten generell, ist sie ein absoluter Favorit. Der Suggestivkraft dieser Musik kann man sich kaum entziehen. „Einfach großartig“, schwärmt der Künstler. „Der Solopart ist grandios, aber genauso die Anlage des Orchesterparts. Ein Highlight an Orchestrierungskunst mit perfekter Balance von Solist und Orchester. Quasi eine Sinfonie. Ich erinnere mich noch genau, wie ich fasziniert die berühmte Aufnahme mit Rostropowitsch und Bernstein und dem Orchestre National de France gehört habe als Kind“.
Neben Max Bruch taucht mit Maurice Ravel ein weiterer nicht-jüdischer Komponist im Programm der CD auf. Seine von jüdisch-liturgischen Gesängen inspirierten „Deux mélodies hébraïques“ als Version mit Orchester runden das Programm ab. Hier schließt sich der Kreis. „Für mich war es wichtig auch einen französischen Komponisten hineinzunehmen, weil ich Franzose bin und auch das Teil meiner Identität ist“, erklärt der Cellist. Mit dem Projekt „Transmission“ zeigt der heute 27-jährige Moreau mit Nachdruck, dass er zu einem reflektierenden Künstler gereift ist, der die „Wunderkind“-Zeiten hinter sich gelassen hat. „Unser Beruf ist es zu versuchen, Schönheit zu kreieren. Wenn Menschen nach dem Konzert kommen und Danke sagen, ist das alles“.



