Interview & Porträt

„Russland ist meine Heimat“

Von
Georg Rudiger
Erschienen in der Printausgabe im
März 2022
Lesezeit ca.
…
Minuten

Die Münchner Spielzeit haben Sie mit Dmitri Schostakowitschs Oper „Die Nase“ begonnen, die gerade durch die Inszenierung von Kirill Serebrennikow sehr politisch wurde und sich mit Polizeigewalt und staatlicher Repression im gegenwärtigen Russland auseinandersetzte. Wie haben Sie die Arbeit empfunden?

Politische Kunst hat es schon immer gegeben – das empfinde ich nicht als etwas Besonderes, sondern als etwas völlig Normales. Ich bin ja in Russland auch in dieser Tradition groß geworden, dass sich die Kunst auflehnt gegenüber einem repressiven Staat. Jedes Buch, das wir gelesen, jedes Theaterstück, das wir gesehen und jede Oper, die wir gehört haben, versuchten wir, aus der Perspektive des Widerstands gegen das herrschende System zu verstehen. Serebrennikows Inszenierung von „Die Nase“ war so spezifisch russisch, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie das Publikum zu 100 Prozent erfasst hat. Aber auch wenn man nicht jede Anspielung auf die aktuelle Politik verstehen konnte, kam die Botschaft und die große Theatralik dieser Inszenierung bei jedem an.

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Muss Oper für Sie immer einen starken Gegenwartsbezug haben?

Nein, muss sie nicht. Aber sie muss einen starken Bezug zum menschlichen Leben haben im Gegensatz zur Malerei oder zur Instrumentalmusik, die auch ihren Sinn in sich selbst haben können.

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Sie sind 1990 im Alter von 18 Jahren nach Deutschland gekommen. Welches Verhältnis haben Sie heute zu Russland?

Ein sehr kompliziertes. Russland ist nach wie vor meine Heimat – das wird immer so bleiben. Im Herzen bin ich ein Sohn dieses Landes, aber ich bin ethnisch kein reiner Russe, weil meine beiden Eltern jüdisch sind und meine Mutter in Kiew geboren ist. Damals war das aber noch ein Land. Auch wenn es in der Geschichte schon früher Konflikte zwischen der Ukraine und Russland gegeben hat, fühlten wir uns in der Sowjetunion immer noch wie eine Familie. Im Gegensatz zu meinen Eltern wollte ich 1990 nicht emigrieren, weil ich mich in meinem Land wohl fühlte und mir das Leben außerhalb meiner Heimat nicht vorstellen konnte.

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Warum kamen Sie trotzdem mit?

Weil ich sonst zur Armee eingezogen worden wäre. Das Land, das ich verließ, gibt es aber nicht mehr. Im neuen Russland ist nicht alles schlecht, wie es im Westen oft dargestellt wird, aber ich könnte dort nicht leben. Ich gehöre schon in den Westen, hier habe ich jetzt 31 Jahre meines Lebens verbracht. Inzwischen fühle ich mich auch eher als Weltbürger. Ich glaube, der Mensch kann sich an vielen Orten zu Hause fühlen, aber Heimat gibt es nur eine: Für mich ist das Russland. Ohne Russland und dessen Kultur, dessen Sprache, dessen Musik wäre ich nicht der, der ich bin. Man kann aber dieses Thema auch philosophischer betrachten: Wir sind alle nur zu Gast auf Erden. Und das nur für kurze Zeit.

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Befürchten Sie Schwierigkeiten, weil Sie mit Kirill Serebrennikow, einem erklärten Regimegegner, zusammengearbeitet haben, wenn Sie wieder in Moskau dirigieren?

Ich sehe da überhaupt kein Problem. Sie müssen wissen, dass Kirill Serebrennikow zwar ein Opfer des Systems ist, aber kein erklärter Regimegegner wie beispielsweise Alexey Nawalny. Er hat sich nie politisch engagiert. Serebrennikow ist ein sehr erfolgreicher Künstler mit einer denkwürdigen Karriere in Russland, die auch staatlich ermöglicht wurde. Irgendwann kam er dem Staat in die Quere – seither erlitt er viele Schikanen. Seine Filme werden in Russland aber immer noch gezeigt. Er darf arbeiten und steht auch schon länger nicht mehr unter Hausarrest. Nur ausreisen darf er nicht, solange die öffentlichen Gelder, die er laut Anklage unterschlagen haben soll, noch nicht zurückbezahlt sind. Für mich erwarte ich keine Komplikationen. Ich treffe mich auch mit ihm, wenn ich in Moskau bin.

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Auch Ihre zweite Münchner Premiere am 27. Juni 2022, „Die Teufel von Loudun“ von Krystzof Penderecki aus dem Jahr 1969 nach einer wahren Geschichte, ist kein einfacher Stoff und auch keine leicht zu hörende Musik. Hier wird ein Priester von einer Nonne aus gekränkter Eitelkeit auf den Scheiterhaufen getrieben. Warum dieses düstere Werk?

Diese Oper kenne und liebe ich schon seit 20 Jahren. Ich habe sie 2002 an der Semperoper Dresden mit Harry Kupfer gemacht. Sie gehört zu meinen Lieblingsstücken des 20. Jahrhunderts, ich finde, es ist ein fabelhaftes Musiktheaterstück. Leicht zu hören ist diese Oper nicht, das stimmt. Aber das ist die „Nase“ von Schostakowitsch auch nicht. „Die Teufel von Loudun“ muss man im Opernhaus erleben. Diese tragische Geschichte ist ein echter Thriller und hat sehr viel Bezug zu unserer Gegenwart. In den 1960er-Jahren war es schon sehr politisch gedacht. Polarisierung der Gesellschaft, erhöhter Druck der Staatsgewalt auf die Bürger und die sich ausbreitende Cancel Culture, wenn Menschen für ihre realen oder vermeintlichen Sünden ausgelöscht werden – das erleben wir heute auch.

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Was steckt noch in dieser Oper?

Für mich ist diese Geschichte von dem Priester Grandier, dem ein sexuelles Verhältnis mit einer Nonne vorgeworfen wird, ein Me-Too-Prozess des 17. Jahrhunderts. Grandier ist auch kein Engel, sondern ein klassischer Antiheld wie Don Giovanni, Wozzeck oder Wotan. Im Laufe des Abends erkennen wir in ihm aber auch zutiefst menschliche, sympathische Züge. Der Priester engagiert sich gegen die Pläne von Kardinal Richelieu und verhindert die Schleifung der Stadtmauern – darum wird er zur persona non grata. Natürlich ist er ein Schürzenjäger, aber deshalb muss er nicht sterben. Die Rache der Äbtistin Jeanne wird von den Machthabern ausgenutzt. Sie hätten ihr auch keinen Glauben schenken müssen. Alle Nonnen der Stadt steigern sich hinein in eine Massenhysterie. Diese irrationale Panik kommt den Machthabern sehr gelegen, um Grandier loszuwerden. Ich bin mir sicher, dass diese aktuellen Themen in der Inszenierung von Simon Stone eine wichtige Rolle spielen werden.

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Es gibt in der Corona-Pandemie eine Diskussion darüber, wie systemrelevant die Kultur ist. Viele dachten, dass das Publikum zu Saisonbeginn bei niedrigen Infektionszahlen wieder in die Konzertsäle und Opernhäuser strömen würde, weil der Hunger nach Live-Musik so groß sei. Viele blieben aber zu Hause. Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung?

Für mich erklärt sich das aus einer ganz natürlichen menschlichen Angst, die man akzeptieren muss. Ein sicheres Mittel gegen dieses schreckliche Virus gibt es noch nicht. Die Impfung schützt nur teilweise. Ich weiß von vielen, dass ihnen die Kultur so wichtig ist wie die Luft zum Atmen, aber das eigene Leben ist einem doch kostbarer. Wenn wir Konzerte so organisieren können, dass sie infektionstechnisch so ungefährlich sind wie ein Spaziergang im Park, dann kommen die Menschen auch.

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Welche Veränderungen wird es im langfristigen Musikbetrieb geben?

Ich spüre, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist. Corona ist wie ein neuer Krieg, der ausgebrochen ist. Als die großen Weltkriege angefangen hatten, dachten die Menschen auch, dass es nach ein paar Monaten vorbei ist. Beide Kriege haben sich über viele Jahre hingezogen – mit unzähligen Toten.

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Aber ein Krieg ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Staaten.

Man kann die Situation nicht komplett mit einem Krieg vergleichen, weil der Feind in uns selbst ist. Ich bin mir aber sicher: Irgendwann ist die Pandemie vorbei. Dann wird es wie nach einem Krieg einen echten Wiederaufbau geben müssen: die Wirtschaft, das kulturelle und soziale Leben, das Miteinander. Selbst die Geimpften wissen im Augenblick nicht, ob sie sich umarmen dürfen oder lieber nicht. Es kann sein, dass sich hier auch gesellschaftliche Normen verändern werden. Vielleicht werden sich auch in Opernhäusern und bei Festivals die Abläufe ändern, wie man Tickets bestellt oder sich im Konzert verhält. Das Wichtigste ist, dass die Menschen den Drang verspüren, sich mit einem Kunstwerk auseinanderzusetzen und diese Liebe für die Kunst mit anderen Menschen zu teilen.

Die Münchner Spielzeit haben Sie mit Dmitri Schostakowitschs Oper „Die Nase“ begonnen, die gerade durch die Inszenierung von Kirill Serebrennikow sehr politisch wurde und sich mit Polizeigewalt und staatlicher Repression im gegenwärtigen Russland auseinandersetzte. Wie haben Sie die Arbeit empfunden?

Politische Kunst hat es schon immer gegeben – das empfinde ich nicht als etwas Besonderes, sondern als etwas völlig Normales. Ich bin ja in Russland auch in dieser Tradition groß geworden, dass sich die Kunst auflehnt gegenüber einem repressiven Staat. Jedes Buch, das wir gelesen, jedes Theaterstück, das wir gesehen und jede Oper, die wir gehört haben, versuchten wir, aus der Perspektive des Widerstands gegen das herrschende System zu verstehen. Serebrennikows Inszenierung von „Die Nase“ war so spezifisch russisch, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie das Publikum zu 100 Prozent erfasst hat. Aber auch wenn man nicht jede Anspielung auf die aktuelle Politik verstehen konnte, kam die Botschaft und die große Theatralik dieser Inszenierung bei jedem an.

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Muss Oper für Sie immer einen starken Gegenwartsbezug haben?

Nein, muss sie nicht. Aber sie muss einen starken Bezug zum menschlichen Leben haben im Gegensatz zur Malerei oder zur Instrumentalmusik, die auch ihren Sinn in sich selbst haben können.

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Sie sind 1990 im Alter von 18 Jahren nach Deutschland gekommen. Welches Verhältnis haben Sie heute zu Russland?

Ein sehr kompliziertes. Russland ist nach wie vor meine Heimat – das wird immer so bleiben. Im Herzen bin ich ein Sohn dieses Landes, aber ich bin ethnisch kein reiner Russe, weil meine beiden Eltern jüdisch sind und meine Mutter in Kiew geboren ist. Damals war das aber noch ein Land. Auch wenn es in der Geschichte schon früher Konflikte zwischen der Ukraine und Russland gegeben hat, fühlten wir uns in der Sowjetunion immer noch wie eine Familie. Im Gegensatz zu meinen Eltern wollte ich 1990 nicht emigrieren, weil ich mich in meinem Land wohl fühlte und mir das Leben außerhalb meiner Heimat nicht vorstellen konnte.

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Warum kamen Sie trotzdem mit?

Weil ich sonst zur Armee eingezogen worden wäre. Das Land, das ich verließ, gibt es aber nicht mehr. Im neuen Russland ist nicht alles schlecht, wie es im Westen oft dargestellt wird, aber ich könnte dort nicht leben. Ich gehöre schon in den Westen, hier habe ich jetzt 31 Jahre meines Lebens verbracht. Inzwischen fühle ich mich auch eher als Weltbürger. Ich glaube, der Mensch kann sich an vielen Orten zu Hause fühlen, aber Heimat gibt es nur eine: Für mich ist das Russland. Ohne Russland und dessen Kultur, dessen Sprache, dessen Musik wäre ich nicht der, der ich bin. Man kann aber dieses Thema auch philosophischer betrachten: Wir sind alle nur zu Gast auf Erden. Und das nur für kurze Zeit.

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Befürchten Sie Schwierigkeiten, weil Sie mit Kirill Serebrennikow, einem erklärten Regimegegner, zusammengearbeitet haben, wenn Sie wieder in Moskau dirigieren?

Ich sehe da überhaupt kein Problem. Sie müssen wissen, dass Kirill Serebrennikow zwar ein Opfer des Systems ist, aber kein erklärter Regimegegner wie beispielsweise Alexey Nawalny. Er hat sich nie politisch engagiert. Serebrennikow ist ein sehr erfolgreicher Künstler mit einer denkwürdigen Karriere in Russland, die auch staatlich ermöglicht wurde. Irgendwann kam er dem Staat in die Quere – seither erlitt er viele Schikanen. Seine Filme werden in Russland aber immer noch gezeigt. Er darf arbeiten und steht auch schon länger nicht mehr unter Hausarrest. Nur ausreisen darf er nicht, solange die öffentlichen Gelder, die er laut Anklage unterschlagen haben soll, noch nicht zurückbezahlt sind. Für mich erwarte ich keine Komplikationen. Ich treffe mich auch mit ihm, wenn ich in Moskau bin.

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Auch Ihre zweite Münchner Premiere am 27. Juni 2022, „Die Teufel von Loudun“ von Krystzof Penderecki aus dem Jahr 1969 nach einer wahren Geschichte, ist kein einfacher Stoff und auch keine leicht zu hörende Musik. Hier wird ein Priester von einer Nonne aus gekränkter Eitelkeit auf den Scheiterhaufen getrieben. Warum dieses düstere Werk?

Diese Oper kenne und liebe ich schon seit 20 Jahren. Ich habe sie 2002 an der Semperoper Dresden mit Harry Kupfer gemacht. Sie gehört zu meinen Lieblingsstücken des 20. Jahrhunderts, ich finde, es ist ein fabelhaftes Musiktheaterstück. Leicht zu hören ist diese Oper nicht, das stimmt. Aber das ist die „Nase“ von Schostakowitsch auch nicht. „Die Teufel von Loudun“ muss man im Opernhaus erleben. Diese tragische Geschichte ist ein echter Thriller und hat sehr viel Bezug zu unserer Gegenwart. In den 1960er-Jahren war es schon sehr politisch gedacht. Polarisierung der Gesellschaft, erhöhter Druck der Staatsgewalt auf die Bürger und die sich ausbreitende Cancel Culture, wenn Menschen für ihre realen oder vermeintlichen Sünden ausgelöscht werden – das erleben wir heute auch.

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Was steckt noch in dieser Oper?

Für mich ist diese Geschichte von dem Priester Grandier, dem ein sexuelles Verhältnis mit einer Nonne vorgeworfen wird, ein Me-Too-Prozess des 17. Jahrhunderts. Grandier ist auch kein Engel, sondern ein klassischer Antiheld wie Don Giovanni, Wozzeck oder Wotan. Im Laufe des Abends erkennen wir in ihm aber auch zutiefst menschliche, sympathische Züge. Der Priester engagiert sich gegen die Pläne von Kardinal Richelieu und verhindert die Schleifung der Stadtmauern – darum wird er zur persona non grata. Natürlich ist er ein Schürzenjäger, aber deshalb muss er nicht sterben. Die Rache der Äbtistin Jeanne wird von den Machthabern ausgenutzt. Sie hätten ihr auch keinen Glauben schenken müssen. Alle Nonnen der Stadt steigern sich hinein in eine Massenhysterie. Diese irrationale Panik kommt den Machthabern sehr gelegen, um Grandier loszuwerden. Ich bin mir sicher, dass diese aktuellen Themen in der Inszenierung von Simon Stone eine wichtige Rolle spielen werden.

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Es gibt in der Corona-Pandemie eine Diskussion darüber, wie systemrelevant die Kultur ist. Viele dachten, dass das Publikum zu Saisonbeginn bei niedrigen Infektionszahlen wieder in die Konzertsäle und Opernhäuser strömen würde, weil der Hunger nach Live-Musik so groß sei. Viele blieben aber zu Hause. Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung?

Für mich erklärt sich das aus einer ganz natürlichen menschlichen Angst, die man akzeptieren muss. Ein sicheres Mittel gegen dieses schreckliche Virus gibt es noch nicht. Die Impfung schützt nur teilweise. Ich weiß von vielen, dass ihnen die Kultur so wichtig ist wie die Luft zum Atmen, aber das eigene Leben ist einem doch kostbarer. Wenn wir Konzerte so organisieren können, dass sie infektionstechnisch so ungefährlich sind wie ein Spaziergang im Park, dann kommen die Menschen auch.

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Welche Veränderungen wird es im langfristigen Musikbetrieb geben?

Ich spüre, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist. Corona ist wie ein neuer Krieg, der ausgebrochen ist. Als die großen Weltkriege angefangen hatten, dachten die Menschen auch, dass es nach ein paar Monaten vorbei ist. Beide Kriege haben sich über viele Jahre hingezogen – mit unzähligen Toten.

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Aber ein Krieg ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Staaten.

Man kann die Situation nicht komplett mit einem Krieg vergleichen, weil der Feind in uns selbst ist. Ich bin mir aber sicher: Irgendwann ist die Pandemie vorbei. Dann wird es wie nach einem Krieg einen echten Wiederaufbau geben müssen: die Wirtschaft, das kulturelle und soziale Leben, das Miteinander. Selbst die Geimpften wissen im Augenblick nicht, ob sie sich umarmen dürfen oder lieber nicht. Es kann sein, dass sich hier auch gesellschaftliche Normen verändern werden. Vielleicht werden sich auch in Opernhäusern und bei Festivals die Abläufe ändern, wie man Tickets bestellt oder sich im Konzert verhält. Das Wichtigste ist, dass die Menschen den Drang verspüren, sich mit einem Kunstwerk auseinanderzusetzen und diese Liebe für die Kunst mit anderen Menschen zu teilen.