Interview & Porträt

Der Klang der Seele

Von
Elisabeth Richter
Erschienen in der Printausgabe im
März 2022
Lesezeit ca.
…
Minuten

Mit 22 Jahren bereits Solo- Oboistin in einem der renommiertesten und ältesten deutschen Orchester zu sein – der Staatskapelle Berlin –, das noch dazu eine so charismatische Persönlichkeit wie Daniel Barenboim als Chefdirigenten hat, das sagt schon etwas über Qualität aus. Aber Cristina Gómez Godoy ist auch bei anderen Weltklasse-Orchestern gefragt, den Berliner Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem London Symphony Orchestra etwa. Sie hat mit Dirigenten wie Simon Rattle, Riccardo Muti, Zubin Mehta oder Andris Nelsons gearbeitet.

Wahrscheinlich war Cristina Gómez Godoy auch ein Wunderkind, obwohl sie erst relativ spät zu ihrem Instrument kam. Sie war zehn Jahre, als sie die Aufnahmeprüfung für die Musikschule im andalusischen Linares spielend schafft e. „Ich hatte die beste Note von allen Bewerbern und durfte das Instrument wählen. Ich nahm die Klarinette.“ Die kannte die kleine Cristina, von einer Oboe hatte sie noch nie etwas gehört. Aber da die Musikschule gerade einen Oboenlehrer bekommen hatte, empfahlen sie Cristina dieses Instrument. „Sie meinten, die Oboe sei ganz ähnlich, sie sei auch schwarz und habe viele Klappen. Sie haben mich überzeugt, und der Ton klang schön.“ Dann bekam sie von ihrem Vater eine Aufnahme mit zwei Oboenkonzerten: von Mozart und von Strauss. Da war es um Cristina geschehen. „Ich habe mich in den Klang verliebt!“

Es war daher keine Frage, dass die heute 31-jährige Cristina diese beiden Werke für ihre Debüt-CD wählen musste. Man spürt eine große Passion in Cristina Gómez Godoys Spiel in dieser Aufnahme mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Auch galanten Charme, spielerische Leichtigkeit und Lust an Virtuosität bei Mozart. Und dann das Gespür für die nostalgische Melancholie, die das klassizistisch-retrospektive Oboenkonzert des alten Richard Strauss durchzieht. „Bei Mozart muss man alles können. Bei ihm hört man jede Schwäche. Die Musik ist so schlicht und transparent. Man braucht eine gute Technik für die Virtuosität, aber auch einen guten Atem für die langen Linien im zweiten Satz. Strauss kommt stark vom lyrischen Gesang her. Ich höre viel Material aus seinen Opern, zum Beispiel aus dem ‚Rosenkavalier‘“.

Besonders fällt die Wärme in Cristina Gómez Godoys Oboenton auf. „Mich fasziniert an der Oboe, dass man durch ihren Klang mehr oder weniger die Seele hören kann. Eigentlich hat sie einen nasalen und dünnen Klang, aber ich versuche genau das Gegenteil zu erreichen. Ich habe immer viel Zeit und Energie investiert, den Klang zu finden, den ich im Kopf habe. Deshalb baue ich auch meine Rohrblätter selbst.“

Für Cristina Gómez Godoy ist ein großes Glück, dass sie die Konzerte von Mozart und Strauss mit dem West-Eastern Divan Orchestra und Daniel Barenboim aufnehmen konnte. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten beschreibt Cristina Gómez Godoy als sehr einfach: „Er hat mir jede Freiheit gelassen, sodass wir mehr oder weniger meine Version spielen. Natürlich hat er mir den einen oder anderen Ratschlag gegeben. Wir haben uns so gut verstanden. Das ist aber kein Wunder. In der Staatskapelle habe ich viel Mozart und Strauss mit ihm gearbeitet, oder ich habe mit ihm Kammermusik gespielt. Wir kennen uns einfach, da muss man nicht viel reden.“

Cristina Gómez Godoy lernte Daniel Barenboim schon als Jugendliche kennen, als sie Studentin an der „Academia de Estudios Orquestrales Barenboim-Said“ in Sevilla war und im Jugendorchester von Andalusien spielte. Daniel Barenboim dirigierte es mit Tschaikowskis Vierter. „Da gibt es so ein schönes Oboensolo. Es hat ihn ziemlich beeindruckt, wie ich das gespielt habe. Er wollte mich gleich für das West-Eastern Divan Orchestra haben.“ Irgendwie wurden damals Weichen gestellt. Kurz darauf begann sie tatsächlich im West-Eastern Divan Orchestra zu spielen. „Es ist meine Familie geworden!“ Cristina Gómez Godoy war damals schon mit vielen Orchestern in Spanien unterwegs. „Ich habe in Profi-Orchestern ausgeholfen. Weil ich noch minderjährig war, mussten meine Eltern schriftlich zustimmen.“ An der Barenboim-Said-Akademie lernte die junge Solistin auch Gregor Witt kennen, der die Oboisten betreute. Ihm folgte sie mit 18 Jahren an die Musikhochschule in Rostock.

Seitdem lebt Cristina Gómez Godoy in Deutschland. Hier haben für sie die Orchester den Klang, von dem sie träumt. „Es geht immer um Klang bei mir! Die deutschen Orchester klingen rund, kraftvoll, ausdrucksvoll, aber gleichzeitig warm und geschmeidig. Dass deutsche Orchester diese beiden besonderen Eigenschaften haben und nicht nur die eine oder die andere, das hat mich immer, seit ich ein Kind war, beeindruckt.“ Ein Traum also für die junge Künstlerin, in der Staatskapelle Berlin zu spielen.

Gleichzeitig ist sie als Kammermusikerin gefragt. Sie ist zum Beispiel „Echo Rising Star“ – das sind junge herausragende Künstler, die von den großen Konzerthäusern Europas ausgewählt und auf Tournee geschickt werden. Außerdem unterrichtet Cristina Gómez Godoy bereits als Lehrbeauftragte an der Universität der Künste in Berlin. „Es ist großartig, seine Erkenntnisse zu teilen. Unterrichten ist für mich ein Austausch von Ideen. Und wenn man eine Entwicklung bei Studenten sieht, macht es glücklich. Es stärkt auf beiden Seiten das Selbstvertrauen, dass man mit dem Instrument etwas machen kann. Dass ich in diesen drei Feldern arbeiten kann – als Musikerin im Orchester, als Kammermusik- Solistin und als Lehrerin – ist für mich ein Traum. Ich bekomme von jeder Welt das Beste. Das möchte ich gern noch intensivieren.

Mit 22 Jahren bereits Solo- Oboistin in einem der renommiertesten und ältesten deutschen Orchester zu sein – der Staatskapelle Berlin –, das noch dazu eine so charismatische Persönlichkeit wie Daniel Barenboim als Chefdirigenten hat, das sagt schon etwas über Qualität aus. Aber Cristina Gómez Godoy ist auch bei anderen Weltklasse-Orchestern gefragt, den Berliner Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem London Symphony Orchestra etwa. Sie hat mit Dirigenten wie Simon Rattle, Riccardo Muti, Zubin Mehta oder Andris Nelsons gearbeitet.

Wahrscheinlich war Cristina Gómez Godoy auch ein Wunderkind, obwohl sie erst relativ spät zu ihrem Instrument kam. Sie war zehn Jahre, als sie die Aufnahmeprüfung für die Musikschule im andalusischen Linares spielend schafft e. „Ich hatte die beste Note von allen Bewerbern und durfte das Instrument wählen. Ich nahm die Klarinette.“ Die kannte die kleine Cristina, von einer Oboe hatte sie noch nie etwas gehört. Aber da die Musikschule gerade einen Oboenlehrer bekommen hatte, empfahlen sie Cristina dieses Instrument. „Sie meinten, die Oboe sei ganz ähnlich, sie sei auch schwarz und habe viele Klappen. Sie haben mich überzeugt, und der Ton klang schön.“ Dann bekam sie von ihrem Vater eine Aufnahme mit zwei Oboenkonzerten: von Mozart und von Strauss. Da war es um Cristina geschehen. „Ich habe mich in den Klang verliebt!“

Es war daher keine Frage, dass die heute 31-jährige Cristina diese beiden Werke für ihre Debüt-CD wählen musste. Man spürt eine große Passion in Cristina Gómez Godoys Spiel in dieser Aufnahme mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Auch galanten Charme, spielerische Leichtigkeit und Lust an Virtuosität bei Mozart. Und dann das Gespür für die nostalgische Melancholie, die das klassizistisch-retrospektive Oboenkonzert des alten Richard Strauss durchzieht. „Bei Mozart muss man alles können. Bei ihm hört man jede Schwäche. Die Musik ist so schlicht und transparent. Man braucht eine gute Technik für die Virtuosität, aber auch einen guten Atem für die langen Linien im zweiten Satz. Strauss kommt stark vom lyrischen Gesang her. Ich höre viel Material aus seinen Opern, zum Beispiel aus dem ‚Rosenkavalier‘“.

Besonders fällt die Wärme in Cristina Gómez Godoys Oboenton auf. „Mich fasziniert an der Oboe, dass man durch ihren Klang mehr oder weniger die Seele hören kann. Eigentlich hat sie einen nasalen und dünnen Klang, aber ich versuche genau das Gegenteil zu erreichen. Ich habe immer viel Zeit und Energie investiert, den Klang zu finden, den ich im Kopf habe. Deshalb baue ich auch meine Rohrblätter selbst.“

Für Cristina Gómez Godoy ist ein großes Glück, dass sie die Konzerte von Mozart und Strauss mit dem West-Eastern Divan Orchestra und Daniel Barenboim aufnehmen konnte. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten beschreibt Cristina Gómez Godoy als sehr einfach: „Er hat mir jede Freiheit gelassen, sodass wir mehr oder weniger meine Version spielen. Natürlich hat er mir den einen oder anderen Ratschlag gegeben. Wir haben uns so gut verstanden. Das ist aber kein Wunder. In der Staatskapelle habe ich viel Mozart und Strauss mit ihm gearbeitet, oder ich habe mit ihm Kammermusik gespielt. Wir kennen uns einfach, da muss man nicht viel reden.“

Cristina Gómez Godoy lernte Daniel Barenboim schon als Jugendliche kennen, als sie Studentin an der „Academia de Estudios Orquestrales Barenboim-Said“ in Sevilla war und im Jugendorchester von Andalusien spielte. Daniel Barenboim dirigierte es mit Tschaikowskis Vierter. „Da gibt es so ein schönes Oboensolo. Es hat ihn ziemlich beeindruckt, wie ich das gespielt habe. Er wollte mich gleich für das West-Eastern Divan Orchestra haben.“ Irgendwie wurden damals Weichen gestellt. Kurz darauf begann sie tatsächlich im West-Eastern Divan Orchestra zu spielen. „Es ist meine Familie geworden!“ Cristina Gómez Godoy war damals schon mit vielen Orchestern in Spanien unterwegs. „Ich habe in Profi-Orchestern ausgeholfen. Weil ich noch minderjährig war, mussten meine Eltern schriftlich zustimmen.“ An der Barenboim-Said-Akademie lernte die junge Solistin auch Gregor Witt kennen, der die Oboisten betreute. Ihm folgte sie mit 18 Jahren an die Musikhochschule in Rostock.

Seitdem lebt Cristina Gómez Godoy in Deutschland. Hier haben für sie die Orchester den Klang, von dem sie träumt. „Es geht immer um Klang bei mir! Die deutschen Orchester klingen rund, kraftvoll, ausdrucksvoll, aber gleichzeitig warm und geschmeidig. Dass deutsche Orchester diese beiden besonderen Eigenschaften haben und nicht nur die eine oder die andere, das hat mich immer, seit ich ein Kind war, beeindruckt.“ Ein Traum also für die junge Künstlerin, in der Staatskapelle Berlin zu spielen.

Gleichzeitig ist sie als Kammermusikerin gefragt. Sie ist zum Beispiel „Echo Rising Star“ – das sind junge herausragende Künstler, die von den großen Konzerthäusern Europas ausgewählt und auf Tournee geschickt werden. Außerdem unterrichtet Cristina Gómez Godoy bereits als Lehrbeauftragte an der Universität der Künste in Berlin. „Es ist großartig, seine Erkenntnisse zu teilen. Unterrichten ist für mich ein Austausch von Ideen. Und wenn man eine Entwicklung bei Studenten sieht, macht es glücklich. Es stärkt auf beiden Seiten das Selbstvertrauen, dass man mit dem Instrument etwas machen kann. Dass ich in diesen drei Feldern arbeiten kann – als Musikerin im Orchester, als Kammermusik- Solistin und als Lehrerin – ist für mich ein Traum. Ich bekomme von jeder Welt das Beste. Das möchte ich gern noch intensivieren.