Interview & Porträt

Hören, Sehen und Riechen

Von
Burkhard Schäfer
Erschienen in der Printausgabe im
April 2022
Lesezeit ca.
…
Minuten
 An der Orgel von Notre-Dame versucht Olivier Latry eine lange Tradition am Leben zu erhalten.
An der Orgel von Notre-Dame versucht Olivier Latry eine lange Tradition am Leben zu erhalten.

Sie bekleiden an einer der berühmtesten Orgeln der Welt ein ehrenvolles Amt. Hat Ihr Spiel auf der Großen „Cavaillé-Coll“ dazu beigetragen, der Orgel ein besseres Standing in der Musiklandschaft zu verschaffen?

Die Orgelwelt ist eine fantastische Welt. Doch leider hat die Orgel das Problem, dass sie nicht richtig zur restlichen Welt der Musik dazugehört, was wirklich schade ist. Ich arbeite deshalb stetig daran, dass sich dies ändert. Denn die Orgel ist zuerst einmal ein Instrument für sich selbst, das eben nicht von vornherein im Zusammenspiel mit einem Orchester oder einem Ensemble gesehen wird. Doch für mich ist es genauso wichtig, dass ich als Organist mit meiner Orgel im Zusammenhang anderer Instrumente wahrgenommen werde und die Orgel zur übrigen Musikwelt dazugezählt wird.

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Was ist für Sie das Charakteristische der Orgel?

Der entscheidende Punkt, der die Orgel so interessant macht, ist: Jedes Mal, wenn du als Organist eine neues Instrument spielst, betrittst du eine neue Welt. Es ist damit vergleichbar, als wenn du in einer neuen Landschaft ankommen würdest: Du wirst dort innerlich angesprochen von dem charakteristischen Licht oder dem Duft. Bei einer Orgel stellt sich genau der gleiche Effekt ein. Wenn sich die Orgel an einem ganz speziellen Platz befindet, dann kannst du nicht nur etwas Charakteristisches hören und sehen, sondern auch riechen: die Umgebung, also etwa das Holz, den Weihrauch oder die Blumen. Alle diese Sinneswahrnehmungen verschmelzen sich für mich mit der Ausstrahlung der Orgel.

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Ein Kollege von Ihnen, Cameron Carpenter, hat einmal gesagt, das Instrument an sich sei unwichtig. Es zähle allein der Organist, der den Klang erschafft. Stimmen Sie dem zu?

Es stimmt insofern, dass ein Organist auf einer Orgel seinen eigenen Sound erschaffen kann. Wir hören also einen Unterschied, wenn zwei gute Organisten mit derselben Registratur spielen. So, dass wir als Hörer den Eindruck bekommen, es würde sich nicht um dasselbe Instrument handeln. Somit ist die Orgel kein On-/Off-Instrument. Vielmehr ist der Charakter der Orgel und all das Drumherum von eminenter Bedeutung. Und dazu kommt noch die hohe Sensibilität dieses Instrumentes: Ich habe zum Beispiel eine Aufnahme mit Werken von Couperin an der Orgel in Versailles gemacht. Und diese Versailler Orgel reagiert so sensibel, dass man sogar in dem Moment, wo man als Organist den Fingersatz ändert, einen anderen Klang bekommt. Das Orgelspiel ist nicht so leicht zu bewerkstelligen wie etwa das Klavierspiel.

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Wie sind Sie überhaupt zur Orgel gekommen?

Mit zwölf wurde ich von meinem älteren Bruder gefragt, ob ich die Orgel für die Hochzeit eines guten Freundes spielen könnte. Ich hatte daheim lediglich ein elektronisches Keyboard mit einer begrenzten Menge an Möglichkeiten. Aber ich sagte trotzdem zu. Als ich dann in der Kirche ankam und vor diesem riesigen Instrument saß – von dem ich teilweise nicht mal wusste, welche Funktionen da vor mir lagen (lacht) – war ich so überwältigt, dass ich beschloss, es näher zu erforschen. Und so ging ich ein paar Monate später zu meiner ersten Sommerakademie für junge Organisten. Damit fing alles an. Meine erste richtige Orgelstunde bekam ich mit 13 Jahren. Dabei war entscheidend, dass mein damaliger Orgellehrer eine wahre Leidenschaft für dieses Instrument besaß und mir diese Passion weitergab. Die Liebe für das Instrument hatte ich zwar schon mitgebracht, aber es ist noch einmal etwas ganz anderes und Wunderbares, eine solche Liebe zu teilen.

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Was bedeutet der Titel „Titularorganist“? In Deutschland ist er (noch) nicht gebräuchlich…

Soweit ich weiß, gibt es diesen Titel überhaupt nur in Frankreich und sonst nirgends auf der Welt. Deshalb ist es auch sehr schwierig, die genaue Definition zu umschreiben. Es bedeutet, dass man „der“ Verantwortliche für die Orgel in einer Kirche ist. Das heißt auch, dass man sowohl in den Gottesdiensten als auch bei anderen Gelegenheiten spielen muss. Und so gibt der Priester quasi die Verantwortlichkeit für die Orgel an den Titularorganisten weiter und muss dabei hoffen, dass dieser alles rund um das Instrument auf dem richtigen Weg ausübt (lacht). Natürlich tritt man dann, wenn man so wie Philippe Lefebvre, Jean-Pierre Leguay, Yves Devernay und ich 1985 gemeinsam zum Titularorganisten der berühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris berufen wird, ein großes Erbe aufgrund all seiner berühmten Vorgänger an.

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Was bedeutet solch ein Erbe für Ihre Berufsausübung im Einzelnen?

Als Titularorganisten versuchen wir, diese lange Tradition, die von den Vorgängern begründet wurde, am Leben zu erhalten. Dieses gilt zum Beispiel für das musikalische Feld der Improvisation, denn Frankreich besitzt darin eine lange Tradition. Deshalb muss man sagen, dass das ganze Gewicht der bedeutenden Vorgänger auf den Schultern eines Titularorganisten lastet. Trotzdem ist es ein Fakt, dass Titularorganisten – selbst in den berühmten Kirchen – nicht gut bezahlt werden, obwohl sie ein sehr hohes Ansehen auf der ganzen Welt genießen. Sie können diesen Umstand entweder akzeptieren oder ihren Platz räumen, denn die Kirchengemeinde wird schnell einen Ersatz finden (lacht). Im Alltag bedeutet dies für mich, dass ich, wie meine Kollegen, meinen Lebensunterhalt nicht alleine als Organist bestreiten kann, sondern dazu etwa noch Lehrtätigkeiten ausübe und CD-Aufnahmen mache.

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Wie haben Sie den Brand in der Kathedrale von Notre-Dame erlebt?

Für mich war es, wie für alle anderen auf der Welt, ein Desaster, das Feuer in Notre-Dame zu sehen. Da ich zur Zeit der Katastrophe gerade nicht in Paris gewesen bin, konnte ich mir zuerst auch gar kein Bild vor Ort machen, sondern war auf die Berichte von dort angewiesen – eine furchtbare Situation. Als ich dann am nächsten Tag davon erfahren habe, dass die Orgel in Sicherheit und nicht beschädigt war, war ich überrascht und glücklich. Tatsächlich ist nichts passiert, außer, dass sie an zwei oder drei Pfeifen von Wasser getroffen worden ist. Auch wenn die Orgel bereits vor acht Jahren restauriert worden war, muss momentan aufgrund des Brandes alles nochmals gereinigt werden, da die Pfeifen und die Kirchenwände von all dem Ruß und Staub beschmutzt worden sind. Das heißt, dass wir die Orgel zurzeit leider noch nicht spielen können.

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Wann wird dieses Instrument wieder bespielbar sein?

Wir hoffen darauf, dass dies im Jahr 2024 möglich sein wird, aber wir können es natürlich nicht ganz genau vorhersagen. Auch wenn die Beteiligten sehr hart und konzentriert darauf hinarbeiten, alles so schnell wie möglich wieder zu restaurieren. Es arbeiten unglaublich viele Menschen jeden Tag an diesem Ziel, sodass es in der Kathedrale so geschäftig zugeht wie in einer kleinen Stadt.

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Die Brandkatastrophe war 2019, ein Jahr später folgte eine andere Katastrophe: die Pandemie. Was haben Sie in dieser „stillen Zeit“ gemacht?

Tatsächlich musste ich aufgrund von Corona auch noch meine etwa 120 Konzerte canceln, die ich bis dahin geplant hatte. Es ging mir nicht anders als all den anderen Künstlern auf der Welt. Natürlich ist dies eine schwierige Situation, aber ich bin nicht die Person, die in Klagen verfällt, sondern richte mein Augenmerk auf die Dinge, die ich dann tun kann. Ich bin seither also mit CD-Aufnahmen, musikalischen Recherchen und anderen Projekten beschäftigt. Meine Frau und ich haben die Zwangspause im Übrigen auch genießen können, da so viel gemeinsame Zeit am Stück für uns nicht selbstverständlich ist.

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Lassen Sie uns zum Schluss auf den Anfang des Gesprächs zurückkommen: Was können Sie tun, um das Standing der Orgel zu verbessern, vor allem bei jungen Menschen?

Es ist tatsächlich ein generelles Problem der klassischen Musik, nicht nur der Orgel, junge Leute für dieses Musikgenre zu begeistern. Und doch gibt es Orte, an denen das Publikum im Schnitt viel jünger ist als anderswo. Zum Beispiel bin ich ja auch „Maître de Palais“ bzw. „Palastorganist“ am Kulturpalast in Dresden. Und jedes Mal, wenn ich dort spiele, erlebe ich unter den Zuhörern einen bunten Mix aus allen Generationen. Das finde ich wundervoll.

Sie bekleiden an einer der berühmtesten Orgeln der Welt ein ehrenvolles Amt. Hat Ihr Spiel auf der Großen „Cavaillé-Coll“ dazu beigetragen, der Orgel ein besseres Standing in der Musiklandschaft zu verschaffen?

Die Orgelwelt ist eine fantastische Welt. Doch leider hat die Orgel das Problem, dass sie nicht richtig zur restlichen Welt der Musik dazugehört, was wirklich schade ist. Ich arbeite deshalb stetig daran, dass sich dies ändert. Denn die Orgel ist zuerst einmal ein Instrument für sich selbst, das eben nicht von vornherein im Zusammenspiel mit einem Orchester oder einem Ensemble gesehen wird. Doch für mich ist es genauso wichtig, dass ich als Organist mit meiner Orgel im Zusammenhang anderer Instrumente wahrgenommen werde und die Orgel zur übrigen Musikwelt dazugezählt wird.

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Was ist für Sie das Charakteristische der Orgel?

Der entscheidende Punkt, der die Orgel so interessant macht, ist: Jedes Mal, wenn du als Organist eine neues Instrument spielst, betrittst du eine neue Welt. Es ist damit vergleichbar, als wenn du in einer neuen Landschaft ankommen würdest: Du wirst dort innerlich angesprochen von dem charakteristischen Licht oder dem Duft. Bei einer Orgel stellt sich genau der gleiche Effekt ein. Wenn sich die Orgel an einem ganz speziellen Platz befindet, dann kannst du nicht nur etwas Charakteristisches hören und sehen, sondern auch riechen: die Umgebung, also etwa das Holz, den Weihrauch oder die Blumen. Alle diese Sinneswahrnehmungen verschmelzen sich für mich mit der Ausstrahlung der Orgel.

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Ein Kollege von Ihnen, Cameron Carpenter, hat einmal gesagt, das Instrument an sich sei unwichtig. Es zähle allein der Organist, der den Klang erschafft. Stimmen Sie dem zu?

Es stimmt insofern, dass ein Organist auf einer Orgel seinen eigenen Sound erschaffen kann. Wir hören also einen Unterschied, wenn zwei gute Organisten mit derselben Registratur spielen. So, dass wir als Hörer den Eindruck bekommen, es würde sich nicht um dasselbe Instrument handeln. Somit ist die Orgel kein On-/Off-Instrument. Vielmehr ist der Charakter der Orgel und all das Drumherum von eminenter Bedeutung. Und dazu kommt noch die hohe Sensibilität dieses Instrumentes: Ich habe zum Beispiel eine Aufnahme mit Werken von Couperin an der Orgel in Versailles gemacht. Und diese Versailler Orgel reagiert so sensibel, dass man sogar in dem Moment, wo man als Organist den Fingersatz ändert, einen anderen Klang bekommt. Das Orgelspiel ist nicht so leicht zu bewerkstelligen wie etwa das Klavierspiel.

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Wie sind Sie überhaupt zur Orgel gekommen?

Mit zwölf wurde ich von meinem älteren Bruder gefragt, ob ich die Orgel für die Hochzeit eines guten Freundes spielen könnte. Ich hatte daheim lediglich ein elektronisches Keyboard mit einer begrenzten Menge an Möglichkeiten. Aber ich sagte trotzdem zu. Als ich dann in der Kirche ankam und vor diesem riesigen Instrument saß – von dem ich teilweise nicht mal wusste, welche Funktionen da vor mir lagen (lacht) – war ich so überwältigt, dass ich beschloss, es näher zu erforschen. Und so ging ich ein paar Monate später zu meiner ersten Sommerakademie für junge Organisten. Damit fing alles an. Meine erste richtige Orgelstunde bekam ich mit 13 Jahren. Dabei war entscheidend, dass mein damaliger Orgellehrer eine wahre Leidenschaft für dieses Instrument besaß und mir diese Passion weitergab. Die Liebe für das Instrument hatte ich zwar schon mitgebracht, aber es ist noch einmal etwas ganz anderes und Wunderbares, eine solche Liebe zu teilen.

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Was bedeutet der Titel „Titularorganist“? In Deutschland ist er (noch) nicht gebräuchlich…

Soweit ich weiß, gibt es diesen Titel überhaupt nur in Frankreich und sonst nirgends auf der Welt. Deshalb ist es auch sehr schwierig, die genaue Definition zu umschreiben. Es bedeutet, dass man „der“ Verantwortliche für die Orgel in einer Kirche ist. Das heißt auch, dass man sowohl in den Gottesdiensten als auch bei anderen Gelegenheiten spielen muss. Und so gibt der Priester quasi die Verantwortlichkeit für die Orgel an den Titularorganisten weiter und muss dabei hoffen, dass dieser alles rund um das Instrument auf dem richtigen Weg ausübt (lacht). Natürlich tritt man dann, wenn man so wie Philippe Lefebvre, Jean-Pierre Leguay, Yves Devernay und ich 1985 gemeinsam zum Titularorganisten der berühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris berufen wird, ein großes Erbe aufgrund all seiner berühmten Vorgänger an.

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Was bedeutet solch ein Erbe für Ihre Berufsausübung im Einzelnen?

Als Titularorganisten versuchen wir, diese lange Tradition, die von den Vorgängern begründet wurde, am Leben zu erhalten. Dieses gilt zum Beispiel für das musikalische Feld der Improvisation, denn Frankreich besitzt darin eine lange Tradition. Deshalb muss man sagen, dass das ganze Gewicht der bedeutenden Vorgänger auf den Schultern eines Titularorganisten lastet. Trotzdem ist es ein Fakt, dass Titularorganisten – selbst in den berühmten Kirchen – nicht gut bezahlt werden, obwohl sie ein sehr hohes Ansehen auf der ganzen Welt genießen. Sie können diesen Umstand entweder akzeptieren oder ihren Platz räumen, denn die Kirchengemeinde wird schnell einen Ersatz finden (lacht). Im Alltag bedeutet dies für mich, dass ich, wie meine Kollegen, meinen Lebensunterhalt nicht alleine als Organist bestreiten kann, sondern dazu etwa noch Lehrtätigkeiten ausübe und CD-Aufnahmen mache.

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Wie haben Sie den Brand in der Kathedrale von Notre-Dame erlebt?

Für mich war es, wie für alle anderen auf der Welt, ein Desaster, das Feuer in Notre-Dame zu sehen. Da ich zur Zeit der Katastrophe gerade nicht in Paris gewesen bin, konnte ich mir zuerst auch gar kein Bild vor Ort machen, sondern war auf die Berichte von dort angewiesen – eine furchtbare Situation. Als ich dann am nächsten Tag davon erfahren habe, dass die Orgel in Sicherheit und nicht beschädigt war, war ich überrascht und glücklich. Tatsächlich ist nichts passiert, außer, dass sie an zwei oder drei Pfeifen von Wasser getroffen worden ist. Auch wenn die Orgel bereits vor acht Jahren restauriert worden war, muss momentan aufgrund des Brandes alles nochmals gereinigt werden, da die Pfeifen und die Kirchenwände von all dem Ruß und Staub beschmutzt worden sind. Das heißt, dass wir die Orgel zurzeit leider noch nicht spielen können.

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Wann wird dieses Instrument wieder bespielbar sein?

Wir hoffen darauf, dass dies im Jahr 2024 möglich sein wird, aber wir können es natürlich nicht ganz genau vorhersagen. Auch wenn die Beteiligten sehr hart und konzentriert darauf hinarbeiten, alles so schnell wie möglich wieder zu restaurieren. Es arbeiten unglaublich viele Menschen jeden Tag an diesem Ziel, sodass es in der Kathedrale so geschäftig zugeht wie in einer kleinen Stadt.

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Die Brandkatastrophe war 2019, ein Jahr später folgte eine andere Katastrophe: die Pandemie. Was haben Sie in dieser „stillen Zeit“ gemacht?

Tatsächlich musste ich aufgrund von Corona auch noch meine etwa 120 Konzerte canceln, die ich bis dahin geplant hatte. Es ging mir nicht anders als all den anderen Künstlern auf der Welt. Natürlich ist dies eine schwierige Situation, aber ich bin nicht die Person, die in Klagen verfällt, sondern richte mein Augenmerk auf die Dinge, die ich dann tun kann. Ich bin seither also mit CD-Aufnahmen, musikalischen Recherchen und anderen Projekten beschäftigt. Meine Frau und ich haben die Zwangspause im Übrigen auch genießen können, da so viel gemeinsame Zeit am Stück für uns nicht selbstverständlich ist.

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Lassen Sie uns zum Schluss auf den Anfang des Gesprächs zurückkommen: Was können Sie tun, um das Standing der Orgel zu verbessern, vor allem bei jungen Menschen?

Es ist tatsächlich ein generelles Problem der klassischen Musik, nicht nur der Orgel, junge Leute für dieses Musikgenre zu begeistern. Und doch gibt es Orte, an denen das Publikum im Schnitt viel jünger ist als anderswo. Zum Beispiel bin ich ja auch „Maître de Palais“ bzw. „Palastorganist“ am Kulturpalast in Dresden. Und jedes Mal, wenn ich dort spiele, erlebe ich unter den Zuhörern einen bunten Mix aus allen Generationen. Das finde ich wundervoll.