Interview & Porträt

„Ich habe so viele wilde Ideen“

Von
Elisabeth Richter
Erschienen in der Printausgabe im
Mai 2022
Lesezeit ca.
…
Minuten
Foto: Jonas Holthaus
Foto: Jonas Holthaus

Ganz zart und leise, wie eine tanzende Feder oder ein Laubblatt, schwingt sich die Melodie auf. Nur drei Töne, eine kleine Terz. Langsam. Wieder zurück zum Ausgangston, und dann ein Sprung nach oben, eine kleine, klagende Sexte. Erst nach knapp 20 Sekunden tupft der Kontrabass subtil ein paar stützende Harmonietöne zur Klarinetten-Melodie. Der Anfang von Domenico Scarlattis Klaviersonate d-Moll K. 32, arrangiert für Klarinette und Kontrabass. Der Anfang von Martin Frösts „Night Passages“, sein neues Album. Der schwedische Klarinettist begibt sich musikalisch auf die Spuren der Nacht. 19 Titel führen in feinfühlig abwechslungsreich choreografierter Dramaturgie in das Grenzreich von Traum und Wirklichkeit, zu verborgenen Fantasien, Erlebnissen und Wünschen.

„Nacht war für mich immer etwas, das sich ständig verändert. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war Nacht etwas Schreckliches, ich hatte Angst, schlafen zu gehen. Jetzt ist es eigentlich das Gegenteil. Nacht ist so unglaublich „Ich habe so viele wilde Ideen“ vielseitig. Ich genieße das regelrecht.“ In seinen „Night Passages“ spürt Martin Fröst frühen musikalischen Erinnerungen nach. In einem Text zu dem Album erzählt er Geschichten zu einzelnen Stücken. Er ist sich etwa sicher, dass er seine Mutter die Melodie von Scarlattis d-Moll-Sonate hat singen hören, bevor er geboren wurde. Genauso Henry Purcells „Music For A While“.

Andere Stücke führen zu großen Künstlern oder Persönlichkeiten. Deshalb gibt es „It Never Entered My Mind“ von Richard Rodgers, das der große Miles Davis spielte, den Martin Fröst im Konzert hörte. Einst war der junge Klarinettist von dem 92-jährigen Mäzen Paul Sacher eingeladen worden, ein Gedenkkonzert für die Pianisten- Legende Géza Anda zu geben. Fröst spielte damals auch Rameau und Händel, weshalb er sie in die „Night Passages“ aufnahm. „Dieses Album kreiert weniger eine Geschichte, es wird eher von einem transzendentalen Feeling durchzogen. Mir gefällt das. Es ist nicht: ‚Passt mal auf, ich erzähle jetzt etwas!‘. Auch mein Booklet-Text soll keine chronologische Geschichte sein. Die ‚Passages‘ gehören nicht stringent zusammen. Man kann sie wie ein surrealistisches Chagall-Gemälde verstehen. Da gibt es kein logisches Gefühl.“ Die musikalische Reise durch die Nacht führt von Scarlatti auch zu Chick Corea, zu Bach und Händel, zu schwedischer Volksmusik, Jazz und Improvisation. Darunter sind „Hits“ wie Bachs „Jesu bleibet meine Freude“, Coreas „Armando᾽s Rhumba“ oder Gordon Jenkins᾽ „Good Bye“, mit dem sich der legendäre Benny Goodman bei jedem Konzert von seinem Publikum verabschiedete. „Als ich das erste Mal in der Carnegie Hall spielte, fand dort eine Ausstellung zu Benny Goodman statt. Es gibt noch seine fantastischen Instrumente aus den 1980er-Jahren. Ich durfte auf ihnen Copland und ‚Good Bye‘ als Zugabe spielen. Es ist auch der letzte Titel auf dem Album.“

Die Erinnerungen an prägende Musikerlebnisse sind die eine Facette der „Night Passages“. Es berührt, mit welcher Intensität Martin Fröst spielt, man spürt in jeder Sekunde, wie sehr ihm jedes Stück am Herzen liegt. Die andere, mindestens genauso wichtige Facette aber ist das Arrangement beziehungsweise der ungewöhnliche „Sound“ – Klarinette, Kontrabass und Klavier –, in dem Bach oder Purcell daherkommen, denn es handelt sich nicht um Originalkompositionen für Klarinette. „In den ersten 20, 30 Jahren meiner Karriere habe ich eigentlich nur Originalkompositionen für Klarinette gespielt. Ich habe mich sehr sorgfältig dem Kernrepertoire gewidmet. Dabei spürte ich aber immer die Notwendigkeit, etwas an der Herangehensweise zu verändern. Ein neuer Wind musste her. Ich denke, nach all den Jahren, wo ich mein Bestes gegeben habe, um Komponisten wie Mozart oder Weber gerecht zu werden, ist es verständlich, wenn man sich ein bisschen erlaubt, neue Wege zu gehen. Ich bin einfach noch neugieriger als vorher.“

Die „Night Passages“-Arrangements haben die drei Musiker des Albums gemeinsam entwickelt. Der Pianist Roland Pöntinen – ein Studienkollege – ist immer dabei, wenn es gilt, Neuland zu entdecken. Er interessiert sich auch für Klavierrepertoire abseits des Mainstream und ist gern gesehener Gast beim Festival „Raritäten der Klaviermusik“ in Husum. Er habe, sagt Fröst, auch ein gutes Jazz-Feeling. Und der kanadische Kontrabassist Sébastien Dubé pendelt ohnehin zwischen den musikalischen Welten. „Sébastien ist jetzt in meinem Orchester, dem ‚Schwedischen Kammerorchester‘, aber er spielt sehr viel Solo- und Folkmusik, Jazz und alles. Ich habe Strawinskis Pulcinella-Suite mit ihm aufgeführt. Wie er das Bass-Solo daraus gespielt hat, mein Gott, das war das Beste, was ich je gehört habe. So kam ich auf die Idee, mit ihm dieses Album zwischen Klassik, Jazz und Volksmusik aufzunehmen.“ Wichtig sei die Balance, betont Martin Fröst. „Ich mache nicht nur ‚verrückte Sachen‘, sondern ich kümmere mich auch um das ‚normale‘ Repertoire. Das ist mir genauso wichtig. Von den Projekten lerne ich eine Menge. Wenn ich dann zu Mozart zurückkomme, habe ich mich verändert. Das wirkt sich positiv aus.“

Stichwort „Projekte“. Schon lange versucht Martin Fröst zur Routine des traditionellen Konzertrituals Alternativen zu bieten. „Ich mag durchaus ‚normale Konzerte‘, wo man stillsitzt, den Mund hält und Ouvertüre, Solokonzert und Sinfonie hört. Aber andererseits provoziert mich das. Wie Musik präsentiert wurde und wird, war und ist auf jeden Fall ein Problem.“ Seit fast zehn Jahren stellt Martin Fröst Programme unter einem Motto zusammen, die ein weites stilistisches Spektrum haben. Er moderiert die Konzerte ungeheuer sympathisch und charismatisch. Er spielt Klarinette, er dirigiert, er bezieht andere Kunstformen ein, es gibt Choreografien. Nach Projekten wie „Genesis“ und „Retrotopia“ kommt im Mai „Xodus“ heraus, in Stockholm. „In ‚Genesis‘ ging es darum, wo die Musik herkommt, in ‚Retrotopia‘, wo wir von dort hingehen, und ‚Xodus‘ ist heute, glaube ich, relevanter denn je. Es geht um einen Weg hinaus. Wo könnte er sein? Der Untertitel ist: Der Ausweg liegt im Innern. Das könnte ein Konzerthaus sein, es könnte etwas ganz Neues sein, es könnte der Ausweg von Alkoholproblemen sein, von einer Heirat und vielem mehr. Da gibt es viele Metaphern in der Musik. Wir haben ein Programm erfunden mit einem ‚non stop flow‘. Es beginnt und endet mit Bach. Zwischendrin ist jedes Stück mit jedem verbunden. Alles hat eine Linie.“

Mit dabei sind das Königliche Philharmonische Orchester Stockholm und der Eric Ericsons Kammerchor. Mehr will Martin Fröst nicht verraten. Seine bisherigen Projekte kamen sehr gut an, er ist überzeugt von dem Konzept. „Mich fasziniert die Begrenzung, die man sich selbst mit solchen Projekten setzt. Ich habe so viele wilde Ideen. Da ist es gut, einen Rahmen zu haben. Auch ganz große Künstler wie Charlie Chaplin, Strawinski oder Picasso lebten mit Begrenzung und haben sie auf brillante Weise genutzt. Begrenzung ist also per se nichts Schlechtes“.

Martin Fröst sprüht geradezu vor Begeisterung und Energie, von der er, wie er selbst zugibt, ein bisschen zu viel habe. „Meine Mutter sagte immer, dass ich wie eine Kerze an beiden Enden brenne. Es ist zu viel Adrenalin im Spiel. Vielleicht mache ich deshalb all diese Projekte?“ Dabei ist das Erproben neuer Konzertformen nur eine der vielen Aktivitäten von Martin Fröst. Er scheint rastlos. Beispielsweise hat er eine Stiftung gegründet, die Kindern hilft, einen Zugang zur Musik zu bekommen. Und mit Klarinetten-Kollegen sowie der französischen Instrumentenbau- Firma Buffet Crampon hat er eine neue Klarinette entwickelt, die sich besonders für Barockmusik eignet. Auf dem neuen Album „Night Passages“ hört man sie bei Scarlatti, Purcell, Bach und Händel.

Schon seit ein paar Jahren dirigiert Martin Fröst. „Mich interessiert es nicht, eine Karriere als Dirigent zu machen, oder alle großen Sinfonien zu dirigieren. Wichtiger ist mir die Erfahrung, wenn ich ein Orchester leite. Man geht von seinem Ego weg. Man beginnt, dem zweiten Horn oder einem anderen Instrument zuzuhören. Alles ist miteinander verbunden, man kann nicht mehr an sich selbst denken. Wenn man ausschließlich Solo-Repertoire spielt, wird man irgendwie ‚krank‘, denn das bedeutet auch viel Einsamkeit.“

Ganz zart und leise, wie eine tanzende Feder oder ein Laubblatt, schwingt sich die Melodie auf. Nur drei Töne, eine kleine Terz. Langsam. Wieder zurück zum Ausgangston, und dann ein Sprung nach oben, eine kleine, klagende Sexte. Erst nach knapp 20 Sekunden tupft der Kontrabass subtil ein paar stützende Harmonietöne zur Klarinetten-Melodie. Der Anfang von Domenico Scarlattis Klaviersonate d-Moll K. 32, arrangiert für Klarinette und Kontrabass. Der Anfang von Martin Frösts „Night Passages“, sein neues Album. Der schwedische Klarinettist begibt sich musikalisch auf die Spuren der Nacht. 19 Titel führen in feinfühlig abwechslungsreich choreografierter Dramaturgie in das Grenzreich von Traum und Wirklichkeit, zu verborgenen Fantasien, Erlebnissen und Wünschen.

„Nacht war für mich immer etwas, das sich ständig verändert. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war Nacht etwas Schreckliches, ich hatte Angst, schlafen zu gehen. Jetzt ist es eigentlich das Gegenteil. Nacht ist so unglaublich „Ich habe so viele wilde Ideen“ vielseitig. Ich genieße das regelrecht.“ In seinen „Night Passages“ spürt Martin Fröst frühen musikalischen Erinnerungen nach. In einem Text zu dem Album erzählt er Geschichten zu einzelnen Stücken. Er ist sich etwa sicher, dass er seine Mutter die Melodie von Scarlattis d-Moll-Sonate hat singen hören, bevor er geboren wurde. Genauso Henry Purcells „Music For A While“.

Andere Stücke führen zu großen Künstlern oder Persönlichkeiten. Deshalb gibt es „It Never Entered My Mind“ von Richard Rodgers, das der große Miles Davis spielte, den Martin Fröst im Konzert hörte. Einst war der junge Klarinettist von dem 92-jährigen Mäzen Paul Sacher eingeladen worden, ein Gedenkkonzert für die Pianisten- Legende Géza Anda zu geben. Fröst spielte damals auch Rameau und Händel, weshalb er sie in die „Night Passages“ aufnahm. „Dieses Album kreiert weniger eine Geschichte, es wird eher von einem transzendentalen Feeling durchzogen. Mir gefällt das. Es ist nicht: ‚Passt mal auf, ich erzähle jetzt etwas!‘. Auch mein Booklet-Text soll keine chronologische Geschichte sein. Die ‚Passages‘ gehören nicht stringent zusammen. Man kann sie wie ein surrealistisches Chagall-Gemälde verstehen. Da gibt es kein logisches Gefühl.“ Die musikalische Reise durch die Nacht führt von Scarlatti auch zu Chick Corea, zu Bach und Händel, zu schwedischer Volksmusik, Jazz und Improvisation. Darunter sind „Hits“ wie Bachs „Jesu bleibet meine Freude“, Coreas „Armando᾽s Rhumba“ oder Gordon Jenkins᾽ „Good Bye“, mit dem sich der legendäre Benny Goodman bei jedem Konzert von seinem Publikum verabschiedete. „Als ich das erste Mal in der Carnegie Hall spielte, fand dort eine Ausstellung zu Benny Goodman statt. Es gibt noch seine fantastischen Instrumente aus den 1980er-Jahren. Ich durfte auf ihnen Copland und ‚Good Bye‘ als Zugabe spielen. Es ist auch der letzte Titel auf dem Album.“

Die Erinnerungen an prägende Musikerlebnisse sind die eine Facette der „Night Passages“. Es berührt, mit welcher Intensität Martin Fröst spielt, man spürt in jeder Sekunde, wie sehr ihm jedes Stück am Herzen liegt. Die andere, mindestens genauso wichtige Facette aber ist das Arrangement beziehungsweise der ungewöhnliche „Sound“ – Klarinette, Kontrabass und Klavier –, in dem Bach oder Purcell daherkommen, denn es handelt sich nicht um Originalkompositionen für Klarinette. „In den ersten 20, 30 Jahren meiner Karriere habe ich eigentlich nur Originalkompositionen für Klarinette gespielt. Ich habe mich sehr sorgfältig dem Kernrepertoire gewidmet. Dabei spürte ich aber immer die Notwendigkeit, etwas an der Herangehensweise zu verändern. Ein neuer Wind musste her. Ich denke, nach all den Jahren, wo ich mein Bestes gegeben habe, um Komponisten wie Mozart oder Weber gerecht zu werden, ist es verständlich, wenn man sich ein bisschen erlaubt, neue Wege zu gehen. Ich bin einfach noch neugieriger als vorher.“

Die „Night Passages“-Arrangements haben die drei Musiker des Albums gemeinsam entwickelt. Der Pianist Roland Pöntinen – ein Studienkollege – ist immer dabei, wenn es gilt, Neuland zu entdecken. Er interessiert sich auch für Klavierrepertoire abseits des Mainstream und ist gern gesehener Gast beim Festival „Raritäten der Klaviermusik“ in Husum. Er habe, sagt Fröst, auch ein gutes Jazz-Feeling. Und der kanadische Kontrabassist Sébastien Dubé pendelt ohnehin zwischen den musikalischen Welten. „Sébastien ist jetzt in meinem Orchester, dem ‚Schwedischen Kammerorchester‘, aber er spielt sehr viel Solo- und Folkmusik, Jazz und alles. Ich habe Strawinskis Pulcinella-Suite mit ihm aufgeführt. Wie er das Bass-Solo daraus gespielt hat, mein Gott, das war das Beste, was ich je gehört habe. So kam ich auf die Idee, mit ihm dieses Album zwischen Klassik, Jazz und Volksmusik aufzunehmen.“ Wichtig sei die Balance, betont Martin Fröst. „Ich mache nicht nur ‚verrückte Sachen‘, sondern ich kümmere mich auch um das ‚normale‘ Repertoire. Das ist mir genauso wichtig. Von den Projekten lerne ich eine Menge. Wenn ich dann zu Mozart zurückkomme, habe ich mich verändert. Das wirkt sich positiv aus.“

Stichwort „Projekte“. Schon lange versucht Martin Fröst zur Routine des traditionellen Konzertrituals Alternativen zu bieten. „Ich mag durchaus ‚normale Konzerte‘, wo man stillsitzt, den Mund hält und Ouvertüre, Solokonzert und Sinfonie hört. Aber andererseits provoziert mich das. Wie Musik präsentiert wurde und wird, war und ist auf jeden Fall ein Problem.“ Seit fast zehn Jahren stellt Martin Fröst Programme unter einem Motto zusammen, die ein weites stilistisches Spektrum haben. Er moderiert die Konzerte ungeheuer sympathisch und charismatisch. Er spielt Klarinette, er dirigiert, er bezieht andere Kunstformen ein, es gibt Choreografien. Nach Projekten wie „Genesis“ und „Retrotopia“ kommt im Mai „Xodus“ heraus, in Stockholm. „In ‚Genesis‘ ging es darum, wo die Musik herkommt, in ‚Retrotopia‘, wo wir von dort hingehen, und ‚Xodus‘ ist heute, glaube ich, relevanter denn je. Es geht um einen Weg hinaus. Wo könnte er sein? Der Untertitel ist: Der Ausweg liegt im Innern. Das könnte ein Konzerthaus sein, es könnte etwas ganz Neues sein, es könnte der Ausweg von Alkoholproblemen sein, von einer Heirat und vielem mehr. Da gibt es viele Metaphern in der Musik. Wir haben ein Programm erfunden mit einem ‚non stop flow‘. Es beginnt und endet mit Bach. Zwischendrin ist jedes Stück mit jedem verbunden. Alles hat eine Linie.“

Mit dabei sind das Königliche Philharmonische Orchester Stockholm und der Eric Ericsons Kammerchor. Mehr will Martin Fröst nicht verraten. Seine bisherigen Projekte kamen sehr gut an, er ist überzeugt von dem Konzept. „Mich fasziniert die Begrenzung, die man sich selbst mit solchen Projekten setzt. Ich habe so viele wilde Ideen. Da ist es gut, einen Rahmen zu haben. Auch ganz große Künstler wie Charlie Chaplin, Strawinski oder Picasso lebten mit Begrenzung und haben sie auf brillante Weise genutzt. Begrenzung ist also per se nichts Schlechtes“.

Martin Fröst sprüht geradezu vor Begeisterung und Energie, von der er, wie er selbst zugibt, ein bisschen zu viel habe. „Meine Mutter sagte immer, dass ich wie eine Kerze an beiden Enden brenne. Es ist zu viel Adrenalin im Spiel. Vielleicht mache ich deshalb all diese Projekte?“ Dabei ist das Erproben neuer Konzertformen nur eine der vielen Aktivitäten von Martin Fröst. Er scheint rastlos. Beispielsweise hat er eine Stiftung gegründet, die Kindern hilft, einen Zugang zur Musik zu bekommen. Und mit Klarinetten-Kollegen sowie der französischen Instrumentenbau- Firma Buffet Crampon hat er eine neue Klarinette entwickelt, die sich besonders für Barockmusik eignet. Auf dem neuen Album „Night Passages“ hört man sie bei Scarlatti, Purcell, Bach und Händel.

Schon seit ein paar Jahren dirigiert Martin Fröst. „Mich interessiert es nicht, eine Karriere als Dirigent zu machen, oder alle großen Sinfonien zu dirigieren. Wichtiger ist mir die Erfahrung, wenn ich ein Orchester leite. Man geht von seinem Ego weg. Man beginnt, dem zweiten Horn oder einem anderen Instrument zuzuhören. Alles ist miteinander verbunden, man kann nicht mehr an sich selbst denken. Wenn man ausschließlich Solo-Repertoire spielt, wird man irgendwie ‚krank‘, denn das bedeutet auch viel Einsamkeit.“