Neugier und Demut
Wie die Geigerin Lea Birringer neue Welten entdeckt.

Mendelssohn und Sinding, Bach und Auerbach, von Knorr. Dass es erfrischend ist, bekannte und weniger bekannte Musik miteinander zu kombinieren, sollte eigentlich eine Binsenweisheit sein. Doch erstaunlich wenige Musiker begeben sich konsequent auf diese Spur und setzen stattdessen auf die sicheren Pfade des Mainstreams. Die Geigerin Lea Birringer hat sich anders entschieden: „Unsere Gesellschaft ist so darauf gepolt zu bewerten. Ich muss nicht Sinding mit Mendelssohn vergleichen oder Auerbach und Knorr mit Bach. Ich kann doch einfach die beiden Werke nebeneinander existieren lassen und Eindrücke unvoreingenommen sammeln!“ Neugier und Faszination, etwas zu entdecken, diese beiden Eigenschaft en fallen sofort auf bei Lea Birringer. Ihre Augen strahlen! Gerade hat die aus dem saarländischen Quierschied stammende Künstlerin ihr Album mit dem unbekannten Violinkonzert des Norwegers Christian Sinding und dem bekannten e-Moll-Konzert von Mendelssohn veröffentlicht. Vor ein paar Monaten stellte sie auf ihrem Album „Transformation“ Solowerke von Johann Sebastian Bach, Ernst-Lothar von Knorr, Lera Auerbach und anderen vor.
Anscheinend liebt es die begeisterungsfähige junge Frau, eingefahrene Grenzen zu überschreiten. Es mag Wortspielerei sein, aber irgendwie scheint der Name ihres CD-Labels für sie auch Programm zu sein: „Rubicon“. Eine Entscheidung, die steht, so wie einst Cäsar mit dem Überschreiten des italienischen Flusses Rubikon (und dem Ausspruch: „Die Würfel sind gefallen“) Linien festschrieb. „Ich kannte Sinding gar nicht, der Chef meines Labels Rubicon Classics, Matthew Cosgrove, hat den Namen in den Raum geworfen.“ Damit stieß Cosgrove offene Türen ein. „Es gibt so viel, was nicht zum Standard-Repertoire gehört oder was man gänzlich vergessen hat. Das aus einer Schatzkiste herauszukramen, finde ich einfach spannend. Aber man soll immer auf eine Mischung achten. Die Zuhörer dürfen nicht erschlagen werden, entweder nur mit moderner Musik oder nur mit Unbekanntem. Es muss auch ansprechen.“
Zeitensprung. Neugierig war Lea Birringer schon ganz früh. Sei es, dass sie sich, noch keine drei Jahre, mit einem Finger Töne auf dem Klavier suchte, die sie von ihrer älteren Schwester gehört hatte, sei es, dass sie die Geigen ihrer ersten Lehrerin interessant fand. „Sie hatte ganz viele Geigenkoffer unter ihrer Couch. Das war natürlich eine kindliche Faszination, aber ich bin dabeigeblieben und froh darüber. Definitiv: Die Geige, dieses sangliche Instrument, passt zu mir. Auch von meiner Statur her, würde ich sagen!“
Schon mit neun Jahren ist Lea Birringer Jungstudentin an der Hochschule für Musik Saar, mit vierzehn debütiert sie bei den Berliner Symphonikern. Zu diesem Zeitpunkt war ihr eigentlich schon klar, dass sie Musikerin werden würde. „Alle zwei Wochen bin ich nach Bern zu Igor Ozim gefahren, dem großen Geigenpädagogen. Vier Stunden hin, zwei Stunden Unterricht und zurück. Das an einem normalen Wochentag – nicht ganz ohne!“ Später, noch zu Schulzeiten, ging es sogar noch weiter vom Saarland bis ans Mozarteum nach Salzburg, wo Igor Ozim inzwischen unterrichtete. Bei ihm machte Lea Birringer auch ihren Bachelor, den Master dann in Wien bei Pavel Vernikov.
Aber es gibt noch einige andere Kolleginnen und Kollegen, von denen die junge Künstlerin lernte: Stephan Picard oder Vadim Gluzman etwa. Eine Geigerin schätzt Lea Birringer bis heute ganz besonders: Anne Sophie Mutter. „Sie hat mich schon als Kind sehr fasziniert. Sie ist einfach unglaublich. Ich habe sie auch persönlich getroffen, das war sehr nett. Ihre Karriere finde ich beeindruckend. So viele Künstler, die als Kinder oder als Jugendliche schon Stars waren, stürzen dann ab. Das war bei ihr nie der Fall, im Gegenteil! Und dann engagiert sie sich ja auf so vielen Ebenen, das finde ich ganz toll. Ich verehre sie, auch wenn wir interpretatorisch vielleicht nicht ganz auf einer Wellenlänge sind.“ Lea Birringer geht selbstbewusst ihren Weg. Schon lange hat sie sich als Kammermusikerin – etwa im Duo mit ihrer Schwester, der Pianistin Esther Birringer – einen Namen gemacht. Als Solistin spielte sie in der Berliner Philharmonie, im Wiener Musikverein oder bei den Salzburger Festspielen. Sie möchte gern die unterschiedlichsten Facetten ihres Könnens zeigen. Auf Ihrem Album „Di tanti palpiti“, betitelt nach einer koloraturengespikten Arie aus Rossinis Oper „Tancredi“ und den halsbrecherischen Variationen von Paganini darüber, geht es um Virtuosität. „Ich wollte hier einmal zeigen, dass ich auch ‚auf den Putz hauen‘ kann!“ Und wie! Bei Wieniawskis „Polonaise de concert“ oder Waxmanns „Carmen Fantasie“ hält man den Atem an.
Doch Virtuosität geht bei Lea Birringer niemals auf Kosten des Klangs oder der Genauigkeit. Es überzeugt gerade, wie kontrolliert, aber durchaus lustvoll sie rasende Tempi im Zaum hält. Ihr ausdrucksvoller Ton bleibt immer warm und gestützt, selbst in den höchsten Lagen. Zurschaustellung hat die uneitle Geigerin nicht nötig. „Für mich ist die Musikalität ganz oben. Dazu gehören eben viele Aspekte. Einer davon ist die Virtuosität.“
Mindestens genauso wichtig wie das Konzertieren ist für Lea Birringer das Unterrichten. Seit Kurzem ist sie an der Hochschule Franz Liszt in Weimar. „Ich war noch nie schlecht gelaunt beim Unterrichten. Es gibt für jedes Problem eine Lösung. Wenn man sieht, wie sich mit einem kleinen Hinweis das Rädchen weiterdreht, dann gibt einem das so viel Freude und Zuversicht. Und für das eigene Spiel ist der Unterricht auch wie ein Spiegel, der einem vorgehalten wird.“
Ein Leben für die Musik? Aber ja! Doch es gibt auch immer ein paar Wochen im Jahr, wo Lea Birringer ihre Geige nicht anrührt. Wenn sie im Urlaub mit ihrem Mann fremde Länder und Kulturen entdeckt. Und das passt wiederum zu Ihrer Neugier. Mexiko und Namibia haben sie am stärksten beeindruckt. „Die Landschaften und Farben in Namibia sind unglaublich. Wenn man diese Weite sieht, denkt man sich, wer ist man eigentlich? Unsere Mini-Existenz und diese Weite, das macht einen demütig.“
Mendelssohn und Sinding, Bach und Auerbach, von Knorr. Dass es erfrischend ist, bekannte und weniger bekannte Musik miteinander zu kombinieren, sollte eigentlich eine Binsenweisheit sein. Doch erstaunlich wenige Musiker begeben sich konsequent auf diese Spur und setzen stattdessen auf die sicheren Pfade des Mainstreams. Die Geigerin Lea Birringer hat sich anders entschieden: „Unsere Gesellschaft ist so darauf gepolt zu bewerten. Ich muss nicht Sinding mit Mendelssohn vergleichen oder Auerbach und Knorr mit Bach. Ich kann doch einfach die beiden Werke nebeneinander existieren lassen und Eindrücke unvoreingenommen sammeln!“ Neugier und Faszination, etwas zu entdecken, diese beiden Eigenschaft en fallen sofort auf bei Lea Birringer. Ihre Augen strahlen! Gerade hat die aus dem saarländischen Quierschied stammende Künstlerin ihr Album mit dem unbekannten Violinkonzert des Norwegers Christian Sinding und dem bekannten e-Moll-Konzert von Mendelssohn veröffentlicht. Vor ein paar Monaten stellte sie auf ihrem Album „Transformation“ Solowerke von Johann Sebastian Bach, Ernst-Lothar von Knorr, Lera Auerbach und anderen vor.
Anscheinend liebt es die begeisterungsfähige junge Frau, eingefahrene Grenzen zu überschreiten. Es mag Wortspielerei sein, aber irgendwie scheint der Name ihres CD-Labels für sie auch Programm zu sein: „Rubicon“. Eine Entscheidung, die steht, so wie einst Cäsar mit dem Überschreiten des italienischen Flusses Rubikon (und dem Ausspruch: „Die Würfel sind gefallen“) Linien festschrieb. „Ich kannte Sinding gar nicht, der Chef meines Labels Rubicon Classics, Matthew Cosgrove, hat den Namen in den Raum geworfen.“ Damit stieß Cosgrove offene Türen ein. „Es gibt so viel, was nicht zum Standard-Repertoire gehört oder was man gänzlich vergessen hat. Das aus einer Schatzkiste herauszukramen, finde ich einfach spannend. Aber man soll immer auf eine Mischung achten. Die Zuhörer dürfen nicht erschlagen werden, entweder nur mit moderner Musik oder nur mit Unbekanntem. Es muss auch ansprechen.“
Zeitensprung. Neugierig war Lea Birringer schon ganz früh. Sei es, dass sie sich, noch keine drei Jahre, mit einem Finger Töne auf dem Klavier suchte, die sie von ihrer älteren Schwester gehört hatte, sei es, dass sie die Geigen ihrer ersten Lehrerin interessant fand. „Sie hatte ganz viele Geigenkoffer unter ihrer Couch. Das war natürlich eine kindliche Faszination, aber ich bin dabeigeblieben und froh darüber. Definitiv: Die Geige, dieses sangliche Instrument, passt zu mir. Auch von meiner Statur her, würde ich sagen!“
Schon mit neun Jahren ist Lea Birringer Jungstudentin an der Hochschule für Musik Saar, mit vierzehn debütiert sie bei den Berliner Symphonikern. Zu diesem Zeitpunkt war ihr eigentlich schon klar, dass sie Musikerin werden würde. „Alle zwei Wochen bin ich nach Bern zu Igor Ozim gefahren, dem großen Geigenpädagogen. Vier Stunden hin, zwei Stunden Unterricht und zurück. Das an einem normalen Wochentag – nicht ganz ohne!“ Später, noch zu Schulzeiten, ging es sogar noch weiter vom Saarland bis ans Mozarteum nach Salzburg, wo Igor Ozim inzwischen unterrichtete. Bei ihm machte Lea Birringer auch ihren Bachelor, den Master dann in Wien bei Pavel Vernikov.
Aber es gibt noch einige andere Kolleginnen und Kollegen, von denen die junge Künstlerin lernte: Stephan Picard oder Vadim Gluzman etwa. Eine Geigerin schätzt Lea Birringer bis heute ganz besonders: Anne Sophie Mutter. „Sie hat mich schon als Kind sehr fasziniert. Sie ist einfach unglaublich. Ich habe sie auch persönlich getroffen, das war sehr nett. Ihre Karriere finde ich beeindruckend. So viele Künstler, die als Kinder oder als Jugendliche schon Stars waren, stürzen dann ab. Das war bei ihr nie der Fall, im Gegenteil! Und dann engagiert sie sich ja auf so vielen Ebenen, das finde ich ganz toll. Ich verehre sie, auch wenn wir interpretatorisch vielleicht nicht ganz auf einer Wellenlänge sind.“ Lea Birringer geht selbstbewusst ihren Weg. Schon lange hat sie sich als Kammermusikerin – etwa im Duo mit ihrer Schwester, der Pianistin Esther Birringer – einen Namen gemacht. Als Solistin spielte sie in der Berliner Philharmonie, im Wiener Musikverein oder bei den Salzburger Festspielen. Sie möchte gern die unterschiedlichsten Facetten ihres Könnens zeigen. Auf Ihrem Album „Di tanti palpiti“, betitelt nach einer koloraturengespikten Arie aus Rossinis Oper „Tancredi“ und den halsbrecherischen Variationen von Paganini darüber, geht es um Virtuosität. „Ich wollte hier einmal zeigen, dass ich auch ‚auf den Putz hauen‘ kann!“ Und wie! Bei Wieniawskis „Polonaise de concert“ oder Waxmanns „Carmen Fantasie“ hält man den Atem an.
Doch Virtuosität geht bei Lea Birringer niemals auf Kosten des Klangs oder der Genauigkeit. Es überzeugt gerade, wie kontrolliert, aber durchaus lustvoll sie rasende Tempi im Zaum hält. Ihr ausdrucksvoller Ton bleibt immer warm und gestützt, selbst in den höchsten Lagen. Zurschaustellung hat die uneitle Geigerin nicht nötig. „Für mich ist die Musikalität ganz oben. Dazu gehören eben viele Aspekte. Einer davon ist die Virtuosität.“
Mindestens genauso wichtig wie das Konzertieren ist für Lea Birringer das Unterrichten. Seit Kurzem ist sie an der Hochschule Franz Liszt in Weimar. „Ich war noch nie schlecht gelaunt beim Unterrichten. Es gibt für jedes Problem eine Lösung. Wenn man sieht, wie sich mit einem kleinen Hinweis das Rädchen weiterdreht, dann gibt einem das so viel Freude und Zuversicht. Und für das eigene Spiel ist der Unterricht auch wie ein Spiegel, der einem vorgehalten wird.“
Ein Leben für die Musik? Aber ja! Doch es gibt auch immer ein paar Wochen im Jahr, wo Lea Birringer ihre Geige nicht anrührt. Wenn sie im Urlaub mit ihrem Mann fremde Länder und Kulturen entdeckt. Und das passt wiederum zu Ihrer Neugier. Mexiko und Namibia haben sie am stärksten beeindruckt. „Die Landschaften und Farben in Namibia sind unglaublich. Wenn man diese Weite sieht, denkt man sich, wer ist man eigentlich? Unsere Mini-Existenz und diese Weite, das macht einen demütig.“
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