In vielen Sprachen daheim
Albert Bolliger ist nicht nur Konzertorganist sondern auch Verleger und Herausgeber literarischer Texte in exklusiven Editionen.

Er blickt auf einen abwechslungsreichen und von stetiger Kreativität und Leidenschaft geprägten Lebensweg zurück: Albert Bolliger, der im Juli dieses Jahres seinen 85. Geburtstag feierte. So brillierte er nicht nur als Organist, sondern gründete 1990 auch den Sinus-Verlag und nahm damit das Verleger-Fach mit Orgel- und Hörbuchpublikationen in sein reichhaltiges Repertoire auf. Seine Ausbildung absolvierte Bolliger von 1957 bis 1964 zunächst am Konservatorium in Zürich, von wo er innerhalb dieser Zeitspanne nach Paris wechselte und dort unter anderem drei Jahre von André Marchal und Jean Langlais unterrichtet wurde, bis er in Zürich sein Studium abschloss. Bolliger ist ausgiebig in der Orgelwelt herumgekommen und so geben sich seine aufgezählten Stationen weltumspannend: Australien, Neuseeland, China, Hong Kong, USA, Südafrika, Mexiko, Russland, Estland, Lettland, Ukraine, Indien, Israel oder Südafrika – zu dieser immer noch lückenhaft bleibenden Aufstellung seiner bereisten Länder und Kontinente gesellen sich nicht nur viele weitere europäische Staaten, sondern auch ein ganz besonderes Kleinod unter den bekannten Orgeln der Welt: die einzige historische Bambusorgel, die sich in Las Piñas findet und seit 2003 nationaler Kulturschatz der Philippinen ist. Das außergewöhnliche Instrument wurde 1824 von dem spanischen Missionar Diego Cera vollendet. „Ein Glücksfall war auch die Bambusorgel in Las Piñas. Diese Orgel enthält – bis auf die Zungen – nur Bambuspfeifen. Auf dieser Bambusorgel konnte ich dann spanische und portugiesische Komponisten spielen.“ Iberische Orgelmusik hatte Bolliger zuvor schon auf der vom Schweizer Orgelbauer Johannes Kyburz 1810 auf der Baleareninsel Menorca gebauten monumentalen Orgel und später auf der berühmten Orgel in Daroca eingespielt.
Doch diese Silberscheibe bildet nur eine der 37 CDs, die Bolliger auf insgesamt 86 Orgeln aufgenommen hat. Auch wenn der Schweizer die Vielfalt der Orgelwelt auskosten konnte, entwickelte sich dabei eine Vorliebe, die sich im CD-Programm der Orgelmusik des Sinus-Verlags niederschlägt: „Mich haben die historischen Orgeln am meisten interessiert“, erzählt Bolliger mit viel Enthusiasmus und führt weiter aus, „deshalb habe ich historische Orgeln in der Schweiz und in anderen Ländern systematisch auf Tonträger aufgenommen. Denn diese Orgeln klingen wahrscheinlich in 50 Jahren nicht mehr so wie heute. Insofern sind diese CDs gleichzeitig auch klingende Dokumente.“
So finden sich in seinem Verlagsprogramm Orgeln und Orgelkompositionen aus der Schweiz, Öesterreich, Skandinavien, Deutschland, Spanien, Portugal und Frankreich. Wobei Frankreich nicht nur aufgrund der überwältigenden Orgel-Tradition besonders prominent vertreten ist, sondern auch, weil die französischen Orgeln dem Staat gehören und Bolliger von Seiten der dortigen Organisten überall sehr freundschaftlich begegnet wurde. Dies eröffnetet ihm den Zutritt zu den schönsten Orgeln des Landes: „Was ich an französischer alter Musik eingespielt habe, ist schon recht repräsentativ und dies sollte als Dokument erhalten bleiben. Es sind erstklassige Orgeln und die Kompositionen sind sehr wertvoll. Und: man kann auch daran sehen, dass Bach auch von den Franzosen gelernt hat. Natürlich ist er der musikhistorische Höhepunkt, aber es gibt auch den Humus, auf dem die großen Genies gewachsen sind.“
Im Zuge von Bolligers unermüdlichem Schaffensdrang gesellte sich 2005 rein zufällig das Hörbuch ebenfalls noch zum Programm des Sinus-Verlags. Mit einer exklusiven Übersetzung des spanischen Klassikers „Der hinkende Teufel“ von Luis Vélez de Guevara fing alles an. Mittlerweile umfasst seine Reihe „Buch und Hörbuch“ – gelesen von Schauspielern ersten Ranges – bisher 33 Texte der deutschen, englischen, russischen und spanischen Weltliteratur: Von Musil bis Nietzsche über Gottfried Keller oder Conrad Ferdinand Meyer, Pedro de Alarcón, Shakespeare und Dostojewskij. „Die Leidenschaft für Literatur war immer da“, erzählt Bolliger, „und es war klar: Wenn ich mit ‚Der hinkende Teufel‘ ein Hörbuch ins Programm aufnehme, muss ich weitere Hörbücher machen.“
Dies führte den Weltenbürger Bolliger dann noch zu einem weiteren Thema, das ihm mittlerweile sehr am Herzen liegt: „Ich bin auch ein – ausdrücklich unfanatischer und undogmatischer – Verfechter von Tierrechten. Musil hat verschiedene Tier-Texte verfasst, was mich dazu brachte, mich weiter damit auseinanderzusetzen. Der Umgang des Menschen mit den Tieren gehört zu den komplexesten Fragen des homo sapiens. Es ist mir ein großes Anliegen, dass sich da manches ändert.“ Ein Werdegang im Zusammenspiel von Musik und Literatur, Mensch und Tier – der Jubilar Albert Bolliger ist im doppelten Sinne in vielen Sprachen daheim; und so erstaunt es auch nicht, wenn er am Ende von sich sagt: „Überall, wo es eine schöne Orgel hat, geht mir das Herz auf.“
Er blickt auf einen abwechslungsreichen und von stetiger Kreativität und Leidenschaft geprägten Lebensweg zurück: Albert Bolliger, der im Juli dieses Jahres seinen 85. Geburtstag feierte. So brillierte er nicht nur als Organist, sondern gründete 1990 auch den Sinus-Verlag und nahm damit das Verleger-Fach mit Orgel- und Hörbuchpublikationen in sein reichhaltiges Repertoire auf. Seine Ausbildung absolvierte Bolliger von 1957 bis 1964 zunächst am Konservatorium in Zürich, von wo er innerhalb dieser Zeitspanne nach Paris wechselte und dort unter anderem drei Jahre von André Marchal und Jean Langlais unterrichtet wurde, bis er in Zürich sein Studium abschloss. Bolliger ist ausgiebig in der Orgelwelt herumgekommen und so geben sich seine aufgezählten Stationen weltumspannend: Australien, Neuseeland, China, Hong Kong, USA, Südafrika, Mexiko, Russland, Estland, Lettland, Ukraine, Indien, Israel oder Südafrika – zu dieser immer noch lückenhaft bleibenden Aufstellung seiner bereisten Länder und Kontinente gesellen sich nicht nur viele weitere europäische Staaten, sondern auch ein ganz besonderes Kleinod unter den bekannten Orgeln der Welt: die einzige historische Bambusorgel, die sich in Las Piñas findet und seit 2003 nationaler Kulturschatz der Philippinen ist. Das außergewöhnliche Instrument wurde 1824 von dem spanischen Missionar Diego Cera vollendet. „Ein Glücksfall war auch die Bambusorgel in Las Piñas. Diese Orgel enthält – bis auf die Zungen – nur Bambuspfeifen. Auf dieser Bambusorgel konnte ich dann spanische und portugiesische Komponisten spielen.“ Iberische Orgelmusik hatte Bolliger zuvor schon auf der vom Schweizer Orgelbauer Johannes Kyburz 1810 auf der Baleareninsel Menorca gebauten monumentalen Orgel und später auf der berühmten Orgel in Daroca eingespielt.
Doch diese Silberscheibe bildet nur eine der 37 CDs, die Bolliger auf insgesamt 86 Orgeln aufgenommen hat. Auch wenn der Schweizer die Vielfalt der Orgelwelt auskosten konnte, entwickelte sich dabei eine Vorliebe, die sich im CD-Programm der Orgelmusik des Sinus-Verlags niederschlägt: „Mich haben die historischen Orgeln am meisten interessiert“, erzählt Bolliger mit viel Enthusiasmus und führt weiter aus, „deshalb habe ich historische Orgeln in der Schweiz und in anderen Ländern systematisch auf Tonträger aufgenommen. Denn diese Orgeln klingen wahrscheinlich in 50 Jahren nicht mehr so wie heute. Insofern sind diese CDs gleichzeitig auch klingende Dokumente.“
So finden sich in seinem Verlagsprogramm Orgeln und Orgelkompositionen aus der Schweiz, Öesterreich, Skandinavien, Deutschland, Spanien, Portugal und Frankreich. Wobei Frankreich nicht nur aufgrund der überwältigenden Orgel-Tradition besonders prominent vertreten ist, sondern auch, weil die französischen Orgeln dem Staat gehören und Bolliger von Seiten der dortigen Organisten überall sehr freundschaftlich begegnet wurde. Dies eröffnetet ihm den Zutritt zu den schönsten Orgeln des Landes: „Was ich an französischer alter Musik eingespielt habe, ist schon recht repräsentativ und dies sollte als Dokument erhalten bleiben. Es sind erstklassige Orgeln und die Kompositionen sind sehr wertvoll. Und: man kann auch daran sehen, dass Bach auch von den Franzosen gelernt hat. Natürlich ist er der musikhistorische Höhepunkt, aber es gibt auch den Humus, auf dem die großen Genies gewachsen sind.“
Im Zuge von Bolligers unermüdlichem Schaffensdrang gesellte sich 2005 rein zufällig das Hörbuch ebenfalls noch zum Programm des Sinus-Verlags. Mit einer exklusiven Übersetzung des spanischen Klassikers „Der hinkende Teufel“ von Luis Vélez de Guevara fing alles an. Mittlerweile umfasst seine Reihe „Buch und Hörbuch“ – gelesen von Schauspielern ersten Ranges – bisher 33 Texte der deutschen, englischen, russischen und spanischen Weltliteratur: Von Musil bis Nietzsche über Gottfried Keller oder Conrad Ferdinand Meyer, Pedro de Alarcón, Shakespeare und Dostojewskij. „Die Leidenschaft für Literatur war immer da“, erzählt Bolliger, „und es war klar: Wenn ich mit ‚Der hinkende Teufel‘ ein Hörbuch ins Programm aufnehme, muss ich weitere Hörbücher machen.“
Dies führte den Weltenbürger Bolliger dann noch zu einem weiteren Thema, das ihm mittlerweile sehr am Herzen liegt: „Ich bin auch ein – ausdrücklich unfanatischer und undogmatischer – Verfechter von Tierrechten. Musil hat verschiedene Tier-Texte verfasst, was mich dazu brachte, mich weiter damit auseinanderzusetzen. Der Umgang des Menschen mit den Tieren gehört zu den komplexesten Fragen des homo sapiens. Es ist mir ein großes Anliegen, dass sich da manches ändert.“ Ein Werdegang im Zusammenspiel von Musik und Literatur, Mensch und Tier – der Jubilar Albert Bolliger ist im doppelten Sinne in vielen Sprachen daheim; und so erstaunt es auch nicht, wenn er am Ende von sich sagt: „Überall, wo es eine schöne Orgel hat, geht mir das Herz auf.“
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