Interview & Porträt

Music & Crime

Von
Verena Düren
Erschienen in der Printausgabe im
Dezember 2022
Lesezeit ca.
…
Minuten
Foto: Mark Noorman
Foto: Mark Noorman

Fragt man sie, ob sie ein Krimifan sei, dann hört man durch das Telefon ein sehr überzeugtes „Ja!“: „Ich habe immer schon gerne Krimis gelesen und geschaut“, erzählt Katharina Ruckgaber, „und das geht ja nicht nur mir so, sondern auch sehr vielen anderen Menschen.“ Egal ob betuliche Vorabendkrimis, „Tatort“, britische „Cosy Crimes“ oder die düstere Variante aus Skandinavien – die Freude der Menschen an diesem Genre ist ungebrochen. „Eigentlich verwundert das ein wenig angesichts der Realität und der Kriege in der Welt. Aber andererseits bietet dieses Genre eine Dosis an Drama und Spannung, die wir selbst in der Hand haben.“

Ein weiterer Aspekt sei immer die Frage, ob es Situationen im Leben geben kann, die jeden Menschen zum Mörder werden lassen. „Es gibt aktuelle Studien, die bestätigen, dass situationsbedingt jeder von uns töten würde – auch das macht Reiz und Faszination des Themas aus.“ Genau mit dieser Option spielt Ruckgaber bei ihrem Konzeptalbum „Love And Let Die“: „Die Idee ist während der Lockdowns entstanden, als ich viel Zeit hatte, Krimis zu schauen, und auch die Muße, an neuen Programmen zu arbeiten.“

Studiert hat die Sopranistin in ihrer Heimatstadt München, danach war sie Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt und ist zur Zeit Ensemblemitglied am Theater Freiburg. 2019 wurde sie in der Kritikerumfrage der „Opernwelt“ als Nachwuchssängerin des Jahres gewählt. Ihre rege Konzerttätigkeit hat sie unter anderem mit dem MDR-Sinfonieorchester, dem Orchestre National de France und dem Freiburger Barockorchester zusammengeführt; Liederabende in ganz Europa, beispielsweise in der Londoner Wigmore Hall und beim Oxford Lieder Festival, untermauern ihren Erfolg.

Dass auf ihrer Debütaufnahme Lieder (statt Arien) zu hören sind, ist somit kein Zufall: „Die Gattung Lied hat mich schon während des Studiums in München begeistert, was wohl auch daran lag, dass ich die Möglichkeit hatte, mit Helmut Deutsch zu arbeiten“, erzählt sie. „Es ist eine kleinere Gattung und ich liebe daran, dass auch der Rahmen intimer ist. Man kann in wenigen Minuten kleine, ganz eigenständige Geschichten erzählen. Außerdem schätze ich an Liedprogrammen, dass ich meine eigene Dramaturgin sein kann.“

Die Freude an der konzeptionellen Gestaltung hört man dem Album „Love And Let Die“ an: „Die CD beginnt mit einer Liebesgeschichte und endet mit dem Mord an der Kontrahentin.“ Um das Psychogramm der Mörderin darzustellen, greift die Sopranistin auf einen Schatz von 22 Liedern zurück, der nicht nur Bekanntes etwa von Schubert, Brahms, Wolf, Mozart („Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“) oder Liszt („Vergiftet sind meine Lieder“) enthält, sondern auch Neuentdeckungen wie das finale „Vorbei“ des als Dirigent bekannt gewordenen Bruno Walter. Bei der Auswahl ist Katharina Ruckgaber vor allem von den Texten ausgegangen: „Jedes Lied für sich erzählt natürlich seine eigene Geschichte, und diese vielen kleinen Storys, logisch aneinandergereiht, lassen eine völlig neue zusammenhängende Geschichte entstehen – eine zweite Ebene.“

Eingeteilt sind die Lieder in Abschnitte. Während in den ersten „Kapiteln“ der Beginn einer Liebesgeschichte erzählt wird, schleicht sich im Mitteilteil „Von Nöten“ der Verdacht der Untreue ein. „Von ihr“ handelt dann von der Nebenbuhlerin, bevor „Von Sinnen“ in Liedern von Eisler, Herzogenberg und Berio den Wahnsinn nach der Bluttat beschreibt.

Es ist beachtlich, wie die noch junge Sopranistin die Lieder aus den verschiedenen Epochen mit all ihren Facetten gestaltet. Ist bei Mozart und Schubert eine große Wärme in der Stimme gefragt, so äußert sich der Wahn in Berios „Sequenza III“ mehr geräuschhaft denn gesanglich. „Dieses Werk habe ich tatsächlich für die CD neu einstudiert. Eine besonders spannende Herausforderung, gerade, weil Berio seine Vorstellungen sehr genau notiert hat.“ Ihr „Komplize“, wie sie ihn nennt, ist auf dieser Platte der nicht minder brillante und ausgesprochen flexibel agierende Pianist Jan Philip Schulze, den sie bei einem Liederabend in der Schweiz kennengelernt hat.

Das Schlusslied von Bruno Walter, „Vorbei“, birgt noch ein kleines Geheimnis für geduldige Zuhörer: Hier versteckt sich nach einer Pause ein so genannter „Hidden Track“: „Ich kenne so etwas nur aus anderen Musikgenres und fand es reizvoll, das auch mal bei einer Klassik-CD zu machen.“ Während Hörer sich danach die Frage stellen dürfen, ob der Krimi nur einer Wahnvorstellung des „lyrischen Ichs“ entsprungen ist, darf sich Katharina Ruckgaber auf ihre nächsten „Coups“ vorbereiten, unter anderem Liederabende in Madrid, Frankfurt und München. Spannung garantiert.

Fragt man sie, ob sie ein Krimifan sei, dann hört man durch das Telefon ein sehr überzeugtes „Ja!“: „Ich habe immer schon gerne Krimis gelesen und geschaut“, erzählt Katharina Ruckgaber, „und das geht ja nicht nur mir so, sondern auch sehr vielen anderen Menschen.“ Egal ob betuliche Vorabendkrimis, „Tatort“, britische „Cosy Crimes“ oder die düstere Variante aus Skandinavien – die Freude der Menschen an diesem Genre ist ungebrochen. „Eigentlich verwundert das ein wenig angesichts der Realität und der Kriege in der Welt. Aber andererseits bietet dieses Genre eine Dosis an Drama und Spannung, die wir selbst in der Hand haben.“

Ein weiterer Aspekt sei immer die Frage, ob es Situationen im Leben geben kann, die jeden Menschen zum Mörder werden lassen. „Es gibt aktuelle Studien, die bestätigen, dass situationsbedingt jeder von uns töten würde – auch das macht Reiz und Faszination des Themas aus.“ Genau mit dieser Option spielt Ruckgaber bei ihrem Konzeptalbum „Love And Let Die“: „Die Idee ist während der Lockdowns entstanden, als ich viel Zeit hatte, Krimis zu schauen, und auch die Muße, an neuen Programmen zu arbeiten.“

Studiert hat die Sopranistin in ihrer Heimatstadt München, danach war sie Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt und ist zur Zeit Ensemblemitglied am Theater Freiburg. 2019 wurde sie in der Kritikerumfrage der „Opernwelt“ als Nachwuchssängerin des Jahres gewählt. Ihre rege Konzerttätigkeit hat sie unter anderem mit dem MDR-Sinfonieorchester, dem Orchestre National de France und dem Freiburger Barockorchester zusammengeführt; Liederabende in ganz Europa, beispielsweise in der Londoner Wigmore Hall und beim Oxford Lieder Festival, untermauern ihren Erfolg.

Dass auf ihrer Debütaufnahme Lieder (statt Arien) zu hören sind, ist somit kein Zufall: „Die Gattung Lied hat mich schon während des Studiums in München begeistert, was wohl auch daran lag, dass ich die Möglichkeit hatte, mit Helmut Deutsch zu arbeiten“, erzählt sie. „Es ist eine kleinere Gattung und ich liebe daran, dass auch der Rahmen intimer ist. Man kann in wenigen Minuten kleine, ganz eigenständige Geschichten erzählen. Außerdem schätze ich an Liedprogrammen, dass ich meine eigene Dramaturgin sein kann.“

Die Freude an der konzeptionellen Gestaltung hört man dem Album „Love And Let Die“ an: „Die CD beginnt mit einer Liebesgeschichte und endet mit dem Mord an der Kontrahentin.“ Um das Psychogramm der Mörderin darzustellen, greift die Sopranistin auf einen Schatz von 22 Liedern zurück, der nicht nur Bekanntes etwa von Schubert, Brahms, Wolf, Mozart („Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“) oder Liszt („Vergiftet sind meine Lieder“) enthält, sondern auch Neuentdeckungen wie das finale „Vorbei“ des als Dirigent bekannt gewordenen Bruno Walter. Bei der Auswahl ist Katharina Ruckgaber vor allem von den Texten ausgegangen: „Jedes Lied für sich erzählt natürlich seine eigene Geschichte, und diese vielen kleinen Storys, logisch aneinandergereiht, lassen eine völlig neue zusammenhängende Geschichte entstehen – eine zweite Ebene.“

Eingeteilt sind die Lieder in Abschnitte. Während in den ersten „Kapiteln“ der Beginn einer Liebesgeschichte erzählt wird, schleicht sich im Mitteilteil „Von Nöten“ der Verdacht der Untreue ein. „Von ihr“ handelt dann von der Nebenbuhlerin, bevor „Von Sinnen“ in Liedern von Eisler, Herzogenberg und Berio den Wahnsinn nach der Bluttat beschreibt.

Es ist beachtlich, wie die noch junge Sopranistin die Lieder aus den verschiedenen Epochen mit all ihren Facetten gestaltet. Ist bei Mozart und Schubert eine große Wärme in der Stimme gefragt, so äußert sich der Wahn in Berios „Sequenza III“ mehr geräuschhaft denn gesanglich. „Dieses Werk habe ich tatsächlich für die CD neu einstudiert. Eine besonders spannende Herausforderung, gerade, weil Berio seine Vorstellungen sehr genau notiert hat.“ Ihr „Komplize“, wie sie ihn nennt, ist auf dieser Platte der nicht minder brillante und ausgesprochen flexibel agierende Pianist Jan Philip Schulze, den sie bei einem Liederabend in der Schweiz kennengelernt hat.

Das Schlusslied von Bruno Walter, „Vorbei“, birgt noch ein kleines Geheimnis für geduldige Zuhörer: Hier versteckt sich nach einer Pause ein so genannter „Hidden Track“: „Ich kenne so etwas nur aus anderen Musikgenres und fand es reizvoll, das auch mal bei einer Klassik-CD zu machen.“ Während Hörer sich danach die Frage stellen dürfen, ob der Krimi nur einer Wahnvorstellung des „lyrischen Ichs“ entsprungen ist, darf sich Katharina Ruckgaber auf ihre nächsten „Coups“ vorbereiten, unter anderem Liederabende in Madrid, Frankfurt und München. Spannung garantiert.