Interview & Porträt

Eine Lanze brechen

Von
Eva Blaskewitz
Erschienen in der Printausgabe im
Februar 2023
Lesezeit ca.
…
Minuten

Sie erwähnten gerade, dass Sie eine Corona-Infektion auskurieren, die Sie trotz Impfung ziemlich außer Gefecht gesetzt hat. Wie haben Sie die Pandemiezeit insgesamt erlebt?

Es war wirklich schrecklich. Ich hatte viele wichtige Debüts und Tourneen, die nicht nur verschoben, sondern abgesagt wurden – es war eine sehr frustrierende Zeit. Zwei CD-Releases sind mehr oder weniger untergegangen: Die CD mit Strauss-Sonaten haben wir im Frühjahr 2020 veröffentlicht, als der erste Lockdown kam und die ganze Tour gestrichen wurde, und dem zweiten Lockdown fiel mein Elbphilharmonie-Debüt und eine Dvořák-Cellokonzert-Tour mit Vladimir Spivakov zum Opfer – Chancen, die nicht wiederkommen, sind natürlich gerade für eine junge Karriere ein schwerer Schlag.

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Immerhin entstand während dieser Zeit auch Ihr aktuelles CD-Projekt, „Femmes“, das Werke von 23 Komponistinnen aus einem Zeitraum von neun Jahrhunderten versammelt. Sind Sie bei der Vorbereitung auf eine Komponistin gestoßen, der sie gern persönlich begegnet wären?

Es sind viele tolle Frauen dabei, die ich sehr gerne kennengelernt hätte! Pauline Viardot-Garcia zum Beispiel: Sie war eine gute Freundin von Clara Schumann, und wenn man den Briefwechsel der beiden liest, bekommt man einen Eindruck davon, wie frisch und temperamentvoll Pauline gewesen sein muss, zwar ein bisschen divenhaft- extrovertiert – aber wie pragmatisch sie umgegangen ist mit den Herausforderungen der Zeit! Es wäre für mich bestimmt sehr erfrischend und inspirierend, ihr zu begegnen. Andere Frauen hatte bedrückende Schicksale, ihnen würde ich gerne sagen: Kämpft weiter, eines Tages wird es anders werden und ihr werdet eine Renaissance erleben! Rebecca Clarke etwa musste gegen so viele Widerstände ankämpfen, sowohl wegen Vorurteilen ihrer männlichen Kollegen und Kritiker als auch gegen das eigene schlechte Selbstwertgefühl. Absurd zum Beispiel, dass ein Werk von ihr, das besonders lobend besprochen wurde – ihre fantastische Viola-Sonate – von Kritikern fälschlicherweise Ernest Bloch zugeschrieben wurde, ein Gerücht, gegen das sie erst im hohen Alter zu kämpfen wagte. Sie war im Gegensatz zu Ethel Smyth, die sich zur gleichen Zeit in England militant für die Frauenrechte einsetzte, zu schüchtern, ihre Stimme zu erheben …

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Sie haben sich offenbar intensiv mit dem biografischen Hintergrund der Komponistinnen beschäftigt …

Wenn man recherchiert, findet man doch einiges. Es gibt etliche Biografien zu Komponistinnen, es gibt eine eigene Reihe namens „Annäherung“ im Furore Verlag, der sich auf Komponistinnen spezialisiert hat, es gibt einen Sammelband mit 2000 Komponistinnen und natürlich auch etliche Einzelbiografien. Ich habe eine große Regalwand freigeräumt für diese Bücher, die ich nicht alle, aber doch großteils gelesen habe, und ich war erschüttert von vielen schweren Lebensgeschichten. Amy Beach zum Beispiel: die erste Frau in den USA, die eine Sinfonie veröffentlicht hat, der aber von ihrem Mann verboten wurde, mehr als ein Konzert im Jahr zu geben, und die nicht unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen durfte. Umso mehr freue ich mich für die Erfolge von Galionsfiguren wie Lili und Nadia Boulanger – überhaupt merkt man an der Vielzahl von französischen Komponistinnen auch schon in der Romantik, dass sich in Frankreich der Feminismus viel früher durchsetzen konnte. Lili Boulanger gewann als erste Frau der Musikgeschichte den wichtigen Rom-Preis und einen Vertrag beim Verlag Ricordi, ihre Schwester Nadia Boulanger ist als enorm einflussreiche Musikpädagogin in die Geschichte eingegangen. Der Kampf ist noch nicht zu Ende gekämpft, aber ich bin froh, jetzt ein Teil davon zu sein.

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Sie sehen sich also in der Rolle, sich selbst für eine angemessene Wahrnehmung von Frauen in der Musik einzusetzen?

Man muss schon staunen, wenn man sieht, was es in diesem Bereich alles gibt – warum habe ich davon noch nie gehört? Mein Studium ist noch nicht so lange her, warum kamen nicht zumindest ein paar dieser Komponistinnen darin vor? Immer noch werden Frauen als Muse oder als Geliebte wahrgenommen und nicht als selbstständige Künstlerpersönlichkeiten. Viele haben Sinfonien geschrieben, Cellokonzerte, fantastische Kammermusik, die entweder komplett ausgeblendet oder viel zu selten aufgeführt werden. Da möchte ich mit Leidenschaft eine Lanze brechen und diese Frauen auch in den Konzertsaal bringen.

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Sie haben sich entschieden, nicht nur Originalwerke für Cello und Klavier beziehungsweise Streichorchester aufzunehmen, sondern auch Bearbeitungen, die Ihr Klavierpartner Julian Riem erstellt hat. Entsprechend hatten Sie die Qual der Wahl. Wie sind Sie der Fülle an Material zu Leibe gerückt?

Wir hatten wertvolle Hilfe vom „Archiv Frau und Musik“. Viele der Werke sind noch gar nicht verlegt, es ist oft sehr schwer, überhaupt an die Noten heranzukommen. Alles, was man bestellen konnte, zum Beispiel über Hildegard Publishing, einen amerikanischen Verlag, der sich den Werken von Komponistinnen widmet, oder den Furore Verlag, habe ich bestellt und hierher liefern lassen. Von vielen Komponistinnen gab es aber einfach nichts, da habe ich dann im „Archiv Frau und Musik“ nachgefragt. Es war eine fantastische Zusammenarbeit, sie haben innerhalb weniger Tage riesige Notenstapel geschickt. Und dann haben Julian Riem und ich gemeinsam hunderte von Werken durchgewälzt. Wir haben uns entschieden, ein möglichst vielfältiges Kaleidoskop zu präsentieren, und haben nach Komponistinnen aus der ganzen Welt und aus allen Jahrhunderten gesucht. Angefangen bei Hildegard von Bingen – das war gar nicht so einfach, denn damals gab es noch nicht die Notenschrift, wie wir sie heute kennen, sondern Neumen. Wir haben einen Hildegard-Experten kontaktiert, der uns auch entscheidende Tipps für die Arrangements gegeben hat. Besonders froh waren wir über den Hinweis auf „Talestri“, eine Barockoper von Maria Antonia Walpurgis von Bayern – unglaublich gute Musik, pulsierend und mitreißend, die auch auf dem Album ihren Platz gefunden hat. In der Romantik wurde es dann natürlich sehr dicht, da mussten wir viele Stücke streichen, um die es uns leidtut. Aber wer weiß, vielleicht kommen noch Volume 2 und 3!

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Auf der CD finden sich drei Bonus- Tracks aus dem nicht-klassischen Bereich. Welche Rolle spielen andere Genres für Sie?

Natürlich höre ich zuhause alle Arten von Musik, vor allem Filmmusik und Tanzmusik, ich tanze auch sehr gerne. In diesem Fall war es eine Hommage an zwei Oscar-Gewinnerinnen, Rachel Portman, die erste Komponistin, die einen Oscar gewonnen hat, und Billie Eilish, die jetzt gerade aktuell Oscar-Gewinnerin ist mit ihrem „No Time To Die“. Zwei Frauen, deren Musik mich sehr berührt. In der Vorbereitung der CD habe ich auch viele Filme geschaut zum Thema Feminismus und Frauenbewegung und bin dabei auf „Die Farbe Lila“ gestoßen. Ich fand das sehr harten Tobak, sehr schockierend, aber gerade der Turning Point, „Sister“, das Stück, wenn sich die beiden Frauen, die immer gegeneinander ausgespielt werden, miteinander verbünden und sich damit gegen die Unterdrückung durchsetzen – diese Melodie ist mir im Kopf geblieben. Ich bin am nächsten Morgen aufgewacht und habe das Lied immer noch gesungen. Und letztlich war dieser Bonus-Track die Inspiration, das Cover mit lilafarbenem Hintergrund zu gestalten.

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Sie sprachen davon, eine Lanze für die Emanzipation der Frauen in der Musik brechen zu wollen. Sozial aktiv waren Sie auch vorher schon, Sie engagieren sich für SOS-Kinderdörfer und für die „José Carreras Leukämie- Stiftung“. Sehen Sie Künstlerinnen und Künstler in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung?

Mir war soziales Engagement schon immer wichtig. Meine Eltern haben für die SOS-Kinderdörfer weltweit und Greenpeace gespendet. Für mich ist es spannend, zusätzlich auch persönlichen Kontakt zu haben, und ich hoffe, vor Ort mit meiner Musik Freude schenken zu können. In diesem Sommer waren wir beispielsweise in Mexiko und Guatemala auf Tournee und haben dort auch in SOS-Kinderdörfern Workshops gegeben. Man kommt mit so viel Energie, Freude und Erfüllung aus so einem Besuch heraus! Einmal hatten die Kinder für uns geschmückt und Lieder einstudiert, da waren Julian Riem und ich völlig überwältigt. Wir haben jetzt ein Klavier dorthin gestiftet, damit sie weiterhin Musik machen können. Es ist für mich ein Geschenk, dass ich diese wunderbare Zusammenarbeit haben darf. Ich bin mir sicher, wenn es nicht das Cello gewesen wäre, hätte ich einen sozialen Beruf ergriffen, denn ich finde Helfen das Schönste am Menschsein, das miteinander und füreinander Da-Sein.

Sie erwähnten gerade, dass Sie eine Corona-Infektion auskurieren, die Sie trotz Impfung ziemlich außer Gefecht gesetzt hat. Wie haben Sie die Pandemiezeit insgesamt erlebt?

Es war wirklich schrecklich. Ich hatte viele wichtige Debüts und Tourneen, die nicht nur verschoben, sondern abgesagt wurden – es war eine sehr frustrierende Zeit. Zwei CD-Releases sind mehr oder weniger untergegangen: Die CD mit Strauss-Sonaten haben wir im Frühjahr 2020 veröffentlicht, als der erste Lockdown kam und die ganze Tour gestrichen wurde, und dem zweiten Lockdown fiel mein Elbphilharmonie-Debüt und eine Dvořák-Cellokonzert-Tour mit Vladimir Spivakov zum Opfer – Chancen, die nicht wiederkommen, sind natürlich gerade für eine junge Karriere ein schwerer Schlag.

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Immerhin entstand während dieser Zeit auch Ihr aktuelles CD-Projekt, „Femmes“, das Werke von 23 Komponistinnen aus einem Zeitraum von neun Jahrhunderten versammelt. Sind Sie bei der Vorbereitung auf eine Komponistin gestoßen, der sie gern persönlich begegnet wären?

Es sind viele tolle Frauen dabei, die ich sehr gerne kennengelernt hätte! Pauline Viardot-Garcia zum Beispiel: Sie war eine gute Freundin von Clara Schumann, und wenn man den Briefwechsel der beiden liest, bekommt man einen Eindruck davon, wie frisch und temperamentvoll Pauline gewesen sein muss, zwar ein bisschen divenhaft- extrovertiert – aber wie pragmatisch sie umgegangen ist mit den Herausforderungen der Zeit! Es wäre für mich bestimmt sehr erfrischend und inspirierend, ihr zu begegnen. Andere Frauen hatte bedrückende Schicksale, ihnen würde ich gerne sagen: Kämpft weiter, eines Tages wird es anders werden und ihr werdet eine Renaissance erleben! Rebecca Clarke etwa musste gegen so viele Widerstände ankämpfen, sowohl wegen Vorurteilen ihrer männlichen Kollegen und Kritiker als auch gegen das eigene schlechte Selbstwertgefühl. Absurd zum Beispiel, dass ein Werk von ihr, das besonders lobend besprochen wurde – ihre fantastische Viola-Sonate – von Kritikern fälschlicherweise Ernest Bloch zugeschrieben wurde, ein Gerücht, gegen das sie erst im hohen Alter zu kämpfen wagte. Sie war im Gegensatz zu Ethel Smyth, die sich zur gleichen Zeit in England militant für die Frauenrechte einsetzte, zu schüchtern, ihre Stimme zu erheben …

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Sie haben sich offenbar intensiv mit dem biografischen Hintergrund der Komponistinnen beschäftigt …

Wenn man recherchiert, findet man doch einiges. Es gibt etliche Biografien zu Komponistinnen, es gibt eine eigene Reihe namens „Annäherung“ im Furore Verlag, der sich auf Komponistinnen spezialisiert hat, es gibt einen Sammelband mit 2000 Komponistinnen und natürlich auch etliche Einzelbiografien. Ich habe eine große Regalwand freigeräumt für diese Bücher, die ich nicht alle, aber doch großteils gelesen habe, und ich war erschüttert von vielen schweren Lebensgeschichten. Amy Beach zum Beispiel: die erste Frau in den USA, die eine Sinfonie veröffentlicht hat, der aber von ihrem Mann verboten wurde, mehr als ein Konzert im Jahr zu geben, und die nicht unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen durfte. Umso mehr freue ich mich für die Erfolge von Galionsfiguren wie Lili und Nadia Boulanger – überhaupt merkt man an der Vielzahl von französischen Komponistinnen auch schon in der Romantik, dass sich in Frankreich der Feminismus viel früher durchsetzen konnte. Lili Boulanger gewann als erste Frau der Musikgeschichte den wichtigen Rom-Preis und einen Vertrag beim Verlag Ricordi, ihre Schwester Nadia Boulanger ist als enorm einflussreiche Musikpädagogin in die Geschichte eingegangen. Der Kampf ist noch nicht zu Ende gekämpft, aber ich bin froh, jetzt ein Teil davon zu sein.

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Sie sehen sich also in der Rolle, sich selbst für eine angemessene Wahrnehmung von Frauen in der Musik einzusetzen?

Man muss schon staunen, wenn man sieht, was es in diesem Bereich alles gibt – warum habe ich davon noch nie gehört? Mein Studium ist noch nicht so lange her, warum kamen nicht zumindest ein paar dieser Komponistinnen darin vor? Immer noch werden Frauen als Muse oder als Geliebte wahrgenommen und nicht als selbstständige Künstlerpersönlichkeiten. Viele haben Sinfonien geschrieben, Cellokonzerte, fantastische Kammermusik, die entweder komplett ausgeblendet oder viel zu selten aufgeführt werden. Da möchte ich mit Leidenschaft eine Lanze brechen und diese Frauen auch in den Konzertsaal bringen.

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Sie haben sich entschieden, nicht nur Originalwerke für Cello und Klavier beziehungsweise Streichorchester aufzunehmen, sondern auch Bearbeitungen, die Ihr Klavierpartner Julian Riem erstellt hat. Entsprechend hatten Sie die Qual der Wahl. Wie sind Sie der Fülle an Material zu Leibe gerückt?

Wir hatten wertvolle Hilfe vom „Archiv Frau und Musik“. Viele der Werke sind noch gar nicht verlegt, es ist oft sehr schwer, überhaupt an die Noten heranzukommen. Alles, was man bestellen konnte, zum Beispiel über Hildegard Publishing, einen amerikanischen Verlag, der sich den Werken von Komponistinnen widmet, oder den Furore Verlag, habe ich bestellt und hierher liefern lassen. Von vielen Komponistinnen gab es aber einfach nichts, da habe ich dann im „Archiv Frau und Musik“ nachgefragt. Es war eine fantastische Zusammenarbeit, sie haben innerhalb weniger Tage riesige Notenstapel geschickt. Und dann haben Julian Riem und ich gemeinsam hunderte von Werken durchgewälzt. Wir haben uns entschieden, ein möglichst vielfältiges Kaleidoskop zu präsentieren, und haben nach Komponistinnen aus der ganzen Welt und aus allen Jahrhunderten gesucht. Angefangen bei Hildegard von Bingen – das war gar nicht so einfach, denn damals gab es noch nicht die Notenschrift, wie wir sie heute kennen, sondern Neumen. Wir haben einen Hildegard-Experten kontaktiert, der uns auch entscheidende Tipps für die Arrangements gegeben hat. Besonders froh waren wir über den Hinweis auf „Talestri“, eine Barockoper von Maria Antonia Walpurgis von Bayern – unglaublich gute Musik, pulsierend und mitreißend, die auch auf dem Album ihren Platz gefunden hat. In der Romantik wurde es dann natürlich sehr dicht, da mussten wir viele Stücke streichen, um die es uns leidtut. Aber wer weiß, vielleicht kommen noch Volume 2 und 3!

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Auf der CD finden sich drei Bonus- Tracks aus dem nicht-klassischen Bereich. Welche Rolle spielen andere Genres für Sie?

Natürlich höre ich zuhause alle Arten von Musik, vor allem Filmmusik und Tanzmusik, ich tanze auch sehr gerne. In diesem Fall war es eine Hommage an zwei Oscar-Gewinnerinnen, Rachel Portman, die erste Komponistin, die einen Oscar gewonnen hat, und Billie Eilish, die jetzt gerade aktuell Oscar-Gewinnerin ist mit ihrem „No Time To Die“. Zwei Frauen, deren Musik mich sehr berührt. In der Vorbereitung der CD habe ich auch viele Filme geschaut zum Thema Feminismus und Frauenbewegung und bin dabei auf „Die Farbe Lila“ gestoßen. Ich fand das sehr harten Tobak, sehr schockierend, aber gerade der Turning Point, „Sister“, das Stück, wenn sich die beiden Frauen, die immer gegeneinander ausgespielt werden, miteinander verbünden und sich damit gegen die Unterdrückung durchsetzen – diese Melodie ist mir im Kopf geblieben. Ich bin am nächsten Morgen aufgewacht und habe das Lied immer noch gesungen. Und letztlich war dieser Bonus-Track die Inspiration, das Cover mit lilafarbenem Hintergrund zu gestalten.

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Sie sprachen davon, eine Lanze für die Emanzipation der Frauen in der Musik brechen zu wollen. Sozial aktiv waren Sie auch vorher schon, Sie engagieren sich für SOS-Kinderdörfer und für die „José Carreras Leukämie- Stiftung“. Sehen Sie Künstlerinnen und Künstler in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung?

Mir war soziales Engagement schon immer wichtig. Meine Eltern haben für die SOS-Kinderdörfer weltweit und Greenpeace gespendet. Für mich ist es spannend, zusätzlich auch persönlichen Kontakt zu haben, und ich hoffe, vor Ort mit meiner Musik Freude schenken zu können. In diesem Sommer waren wir beispielsweise in Mexiko und Guatemala auf Tournee und haben dort auch in SOS-Kinderdörfern Workshops gegeben. Man kommt mit so viel Energie, Freude und Erfüllung aus so einem Besuch heraus! Einmal hatten die Kinder für uns geschmückt und Lieder einstudiert, da waren Julian Riem und ich völlig überwältigt. Wir haben jetzt ein Klavier dorthin gestiftet, damit sie weiterhin Musik machen können. Es ist für mich ein Geschenk, dass ich diese wunderbare Zusammenarbeit haben darf. Ich bin mir sicher, wenn es nicht das Cello gewesen wäre, hätte ich einen sozialen Beruf ergriffen, denn ich finde Helfen das Schönste am Menschsein, das miteinander und füreinander Da-Sein.