Interview & Porträt

„Ich möchte die Leute aufrütteln“

Von
Andreas Kunz
Erschienen in der Printausgabe im
März 2023
Lesezeit ca.
…
Minuten
Foto: Stephan Aubé
Foto: Stephan Aubé

April dieses Jahres feiert ihr Film „Suites For Nature“ Premiere in Weimar. Wie kommt es dazu?

Von der Stadt Weimar habe ich das „Glenn Gould Bach Fellowship“ verliehen bekommen: eine Art Stipendium für zwei Jahre, mit dem ich ein Projekt realisieren darf, das mit Barockmusik zu tun hat und modernen Medien. Bei der Ausschreibung fielen mir spontan die Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach ein. Die wollte ich in einen Kontext stellen mit dem Klimawandel und hatte die Idee, diese Stücke an Orten zu spielen, wo man den Klimawandel schon sieht und spürt – dieses brandaktuelle Thema beschäftigt mich schon lange. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich eine Chance habe, aber erstaunlicherweise hat es geklappt. Ich hoffe, dass der Film auch in Kinos in Hamburg, Bremen und Berlin laufen wird. Wir sind zudem im Gespräch mit verschiedenen Sendern, und wenn der Film irgendwann auf DVD erscheinen würde, wäre das wunderbar.

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Anders als Beethovens „Pastorale“ haben Bachs Cellosuiten musikalisch keinen direkten Naturbezug.

In ihrer Perfektion und Natürlichkeit, aber auch der Bewegung und Agogik erinnern sie mich schon an die Natur. Und wie immer bei Bach haben diese Stücke einen religiösen Hintergrund, drücken etwas aus, das über die eigene menschliche Befindlichkeit hinausgeht. Es gab einen unglaublichen Moment, wo ich in einem Wald gespielt habe, der zwei Wochen vorher abgebrannt war. Alles war Asche, der Fußboden, die Bäume, nur schwarzer Tod. Die „Sarabande“ aus der c-Moll Suite stand dort für Trauer und pure Einsamkeit. Es war unfassbar niederschmetternd, und gleichzeitig hat es sich sehr sinnvoll angefühlt. Mit diesem Stück habe ich die Natur um Verzeihung gebeten: „Es tut mir leid, dass ich Teil von dem bin, was alles kaputt macht“.

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„Die Natur um Verzeihung bitten“ klingt in meinen Ohren esoterisch.

Es geht nicht soweit, dass ich denke, dass ein toter Baum wieder zum Leben erweckt wird, wenn ich ihm vorspiele. Für mich bedeutet das, der Natur etwas zurückzugeben. Einige Sätze sind im extremen Wind gedreht worden, was sehr gut zu der Bewegung passt, die zugleich in der Musik stattfindet. Ich habe mit Eis-Fingern vorm Gletscher- Tor gespielt bei sieben Grad, in dem erwähnten brütend-heißen abgebrannten Wald und morgens im Nebel an einem ausgetrockneten See. Die Bedingungen waren extrem – auch das meine ich mit Abbitte leisten. Interessanterweise klingt jede Landschaft anders. Wenn man in einem Wald sitzt, hat man ein schönes Echo von dem Holz um einen herum, in einem ausgetrockneten See hingegen null Nachhall. Auch so erfährt man, was man von der Natur zurückbekommt.

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Die Cello-Suiten haben Sie ergänzt durch Musik von Thorsten Encke.

Das Besondere an diesen Stücken ist, dass sie mit Geräuschen von schmelzendem Eis spielen, die vom Tonband kommen – ergänzt durch mein Live-Cellospiel. Sie basieren auf einem Video, wo Menschen auf ganz dünnem Eis Schlittschuh laufen und nur deshalb nicht einbrechen, weil sie auf eine bestimmte Weise in Schwung bleiben. Je mehr Thorsten Encke und ich uns mit diesen Stücken beschäftigten, desto mehr haben wir gedacht, dass es auch im übertragenen Sinne darum geht: Wie schaffen wir es, zu überleben auf der Welt, ohne dass wir einbrechen? Deswegen fand ich es so treffend, die schönen Bach-Sätze mit dieser bedrohlichen Musik zu kontrastieren.

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Hat ihr Engagement damit zu tun, dass Sie aus einem Pfarrhaushalt stammen?

Mein Vater hat nicht nur über Gott geredet, sondern auch gepredigt, was wir Menschen verändern müssen, damit es besser wird für alle. Er ist damit immer sehr angeeckt. Auch ich kenne Leute, die sagen: „Erfreu doch einfach mit schöner Musik und versuche das nicht in einen Zusammenhang zu bringen mit moralischen Aspekten.“ Für mich ist Klimawandel aber keine Modeerscheinung, ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und beschäftige mich schon seit meiner Schulzeit mit dem Thema, mein erstes Solokonzert in der Hamburger Laeiszhalle war ein „Froschkonzert“ zur Rettung von Teichwiesen. Ich glaube, dass wir die Chance haben, von der Bühne aus hinzuweisen auf aktuelle Probleme. Wenn sich die Welt weiter so entwickelt, wie sie das im Moment tut, stellen wir uns in ein paar Jahrzehnten gar nicht mehr die Frage: Gehe ich heute in die Philharmonie oder in die Oper?

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Was halten Sie von den Aktionen der „Letzten Generation“?

Ich kann verstehen, wo das herkommt, aber würde da nicht mitmachen, sondern diesen Leuten sagen: „Macht etwas Konstruktives, denn ihr schürt hauptsächlich Wut“ – was kontraproduktiv ist.

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Was soll ihr Film beim Publikum bewirken?

Ich möchte es nicht belehren, sondern anrühren und aufrütteln. Den Film durchzieht eine Melancholie über die – gefährdete – Schönheit und was wir uns verderben, wenn wir nichts ändern. Bei den Bach-Suiten ist jeder Satz auf die Landschaft zugeschnitten, in der ich mich befinde: etwa die „Courante“ am sprudelnden Bächlein, die „Sarabande“ im toten Wald und das „Prélude“ am erhebenden Gletscher. Es geht also nicht nur um den Klimawandel, sondern auch darum: Wie spiegelt sich die Landschaft in der Sprache der Musik wider?

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Als international gefragte Musikerin reisen sie viel und belasten so die Umwelt.

Ich habe mich dafür entschieden, reisetechnisch besser zu planen und zu agieren. Letzten Herbst zum Beispiel bin ich nacheinander mit Orchestern in Berlin, Bremen, Schwerin und Lübeck aufgetreten, alles wunderbar um die Ecke. In die Schweiz und auch nach Norwegen bin ich mit dem Zug und der Fähre gefahren. Ich besitze kein Auto und versuche, das Fliegen zu minimieren, was aber nicht immer geht. Im März/April absolviere ich eine US-Tournee mit dem Klaviertrio, da werde ich natürlich fliegen müssen, aber dann kompensiere ich den CO2-Fußabdruck durch Spenden: Was man anrichtet, kann man versuchen, woanders wieder gutzumachen. Im Alltag vermeide ich Plastik, versuche Energie zu sparen und kleide mich selten neu ein. Von Menschen auf der Bühne wird dieser Glamour-Faktur erwartet. Es wäre aber großartig, wenn sich die gesamte Branche davon verabschieden würde, diese Äußerlichkeiten so wahnsinnig wichtig zu nehmen.

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Aber eine glanzvoll inszenierte Oper zum Beispiel kann doch erquickend sein.

Natürlich. Klar ziehe ich mich auch gerne schön an, wenn ich ein Konzert spiele. Ich bin ein positiver Mensch, genieße jeden Moment meines Lebens. Es geht um das richtige Maß. Früher bin ich schon mal für nur ein Konzert nach Japan geflogen, heute finde ich so etwas absurd. Auch wenn der Kulturbetrieb extrem klimaschädlich ist – diese riesigen Räume, die geheizt werden müssen, die Anfahrt mit dem Auto –, brauchen wir ihn. In Corona-Zeiten haben wir gemerkt, wie furchtbar es ist, wenn es keine Konzerte, Opernaufführungen und kein Theater gibt. Die Gesellschaft trocknet aus. Deswegen muss man einen Weg finden, das irgendwie zu vereinen.

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Wie gehen andere Künstler mit dem Thema um?

Sehr unterschiedlich. Aber es gibt immer mehr Musiker und Festivals, die sich Gedanken machen. In der Initiative „Orchester des Wandels“ haben sich 34 Orchester in Deutschland zusammengeschlossen, die versuchen, nachhaltiger zu agieren. Ich selbst bin jetzt dort Botschafterin. Mit der Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Dr. Antje Boetius, habe ich ein Konzert gegeben, bei dem ich auf ihre Diagramme von der Klima-Entwicklung improvisiert habe; zwischendurch habe ich Préludes von Sofia Gubaidulina gespielt. Dadurch hat ihr Vortrag die Leute ganz anders erreicht. Antje Boetius sagt: „Wir können alles noch schaffen, aber die Leute müssen aufwachen.“ Diese Hoffnung ist unglaublich wichtig, damit man eben nicht den Kopf in den Sand steckt.

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Wie sind die Reaktionen auf ihr Engagement?

In einer Mail wurde ich mit extremem Hass zugeschüttet – einfach nur deshalb, weil ich in Interviews auf das Thema hingewiesen hatte. Dennoch bleibe ich dabei, meinen eigenen Weg zu gehen. Mir ist es aber wichtig, dies nicht auf eine destruktive Art zu tun, sondern immer auch zu sagen: Es geht darum, die Schönheit zu bewahren. Und natürlich verdienen die Leute es auch, einfach nur zu entspannen, beim Konzert morgen werde ich kein Wort darüber verlieren. Aber ich finde es wunderbar, wenn sich Menschen für eine Veranstaltung entscheiden, wo das Thema Klimaschutz thematisiert wird.

April dieses Jahres feiert ihr Film „Suites For Nature“ Premiere in Weimar. Wie kommt es dazu?

Von der Stadt Weimar habe ich das „Glenn Gould Bach Fellowship“ verliehen bekommen: eine Art Stipendium für zwei Jahre, mit dem ich ein Projekt realisieren darf, das mit Barockmusik zu tun hat und modernen Medien. Bei der Ausschreibung fielen mir spontan die Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach ein. Die wollte ich in einen Kontext stellen mit dem Klimawandel und hatte die Idee, diese Stücke an Orten zu spielen, wo man den Klimawandel schon sieht und spürt – dieses brandaktuelle Thema beschäftigt mich schon lange. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich eine Chance habe, aber erstaunlicherweise hat es geklappt. Ich hoffe, dass der Film auch in Kinos in Hamburg, Bremen und Berlin laufen wird. Wir sind zudem im Gespräch mit verschiedenen Sendern, und wenn der Film irgendwann auf DVD erscheinen würde, wäre das wunderbar.

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Anders als Beethovens „Pastorale“ haben Bachs Cellosuiten musikalisch keinen direkten Naturbezug.

In ihrer Perfektion und Natürlichkeit, aber auch der Bewegung und Agogik erinnern sie mich schon an die Natur. Und wie immer bei Bach haben diese Stücke einen religiösen Hintergrund, drücken etwas aus, das über die eigene menschliche Befindlichkeit hinausgeht. Es gab einen unglaublichen Moment, wo ich in einem Wald gespielt habe, der zwei Wochen vorher abgebrannt war. Alles war Asche, der Fußboden, die Bäume, nur schwarzer Tod. Die „Sarabande“ aus der c-Moll Suite stand dort für Trauer und pure Einsamkeit. Es war unfassbar niederschmetternd, und gleichzeitig hat es sich sehr sinnvoll angefühlt. Mit diesem Stück habe ich die Natur um Verzeihung gebeten: „Es tut mir leid, dass ich Teil von dem bin, was alles kaputt macht“.

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„Die Natur um Verzeihung bitten“ klingt in meinen Ohren esoterisch.

Es geht nicht soweit, dass ich denke, dass ein toter Baum wieder zum Leben erweckt wird, wenn ich ihm vorspiele. Für mich bedeutet das, der Natur etwas zurückzugeben. Einige Sätze sind im extremen Wind gedreht worden, was sehr gut zu der Bewegung passt, die zugleich in der Musik stattfindet. Ich habe mit Eis-Fingern vorm Gletscher- Tor gespielt bei sieben Grad, in dem erwähnten brütend-heißen abgebrannten Wald und morgens im Nebel an einem ausgetrockneten See. Die Bedingungen waren extrem – auch das meine ich mit Abbitte leisten. Interessanterweise klingt jede Landschaft anders. Wenn man in einem Wald sitzt, hat man ein schönes Echo von dem Holz um einen herum, in einem ausgetrockneten See hingegen null Nachhall. Auch so erfährt man, was man von der Natur zurückbekommt.

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Die Cello-Suiten haben Sie ergänzt durch Musik von Thorsten Encke.

Das Besondere an diesen Stücken ist, dass sie mit Geräuschen von schmelzendem Eis spielen, die vom Tonband kommen – ergänzt durch mein Live-Cellospiel. Sie basieren auf einem Video, wo Menschen auf ganz dünnem Eis Schlittschuh laufen und nur deshalb nicht einbrechen, weil sie auf eine bestimmte Weise in Schwung bleiben. Je mehr Thorsten Encke und ich uns mit diesen Stücken beschäftigten, desto mehr haben wir gedacht, dass es auch im übertragenen Sinne darum geht: Wie schaffen wir es, zu überleben auf der Welt, ohne dass wir einbrechen? Deswegen fand ich es so treffend, die schönen Bach-Sätze mit dieser bedrohlichen Musik zu kontrastieren.

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Hat ihr Engagement damit zu tun, dass Sie aus einem Pfarrhaushalt stammen?

Mein Vater hat nicht nur über Gott geredet, sondern auch gepredigt, was wir Menschen verändern müssen, damit es besser wird für alle. Er ist damit immer sehr angeeckt. Auch ich kenne Leute, die sagen: „Erfreu doch einfach mit schöner Musik und versuche das nicht in einen Zusammenhang zu bringen mit moralischen Aspekten.“ Für mich ist Klimawandel aber keine Modeerscheinung, ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und beschäftige mich schon seit meiner Schulzeit mit dem Thema, mein erstes Solokonzert in der Hamburger Laeiszhalle war ein „Froschkonzert“ zur Rettung von Teichwiesen. Ich glaube, dass wir die Chance haben, von der Bühne aus hinzuweisen auf aktuelle Probleme. Wenn sich die Welt weiter so entwickelt, wie sie das im Moment tut, stellen wir uns in ein paar Jahrzehnten gar nicht mehr die Frage: Gehe ich heute in die Philharmonie oder in die Oper?

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Was halten Sie von den Aktionen der „Letzten Generation“?

Ich kann verstehen, wo das herkommt, aber würde da nicht mitmachen, sondern diesen Leuten sagen: „Macht etwas Konstruktives, denn ihr schürt hauptsächlich Wut“ – was kontraproduktiv ist.

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Was soll ihr Film beim Publikum bewirken?

Ich möchte es nicht belehren, sondern anrühren und aufrütteln. Den Film durchzieht eine Melancholie über die – gefährdete – Schönheit und was wir uns verderben, wenn wir nichts ändern. Bei den Bach-Suiten ist jeder Satz auf die Landschaft zugeschnitten, in der ich mich befinde: etwa die „Courante“ am sprudelnden Bächlein, die „Sarabande“ im toten Wald und das „Prélude“ am erhebenden Gletscher. Es geht also nicht nur um den Klimawandel, sondern auch darum: Wie spiegelt sich die Landschaft in der Sprache der Musik wider?

‍

Als international gefragte Musikerin reisen sie viel und belasten so die Umwelt.

Ich habe mich dafür entschieden, reisetechnisch besser zu planen und zu agieren. Letzten Herbst zum Beispiel bin ich nacheinander mit Orchestern in Berlin, Bremen, Schwerin und Lübeck aufgetreten, alles wunderbar um die Ecke. In die Schweiz und auch nach Norwegen bin ich mit dem Zug und der Fähre gefahren. Ich besitze kein Auto und versuche, das Fliegen zu minimieren, was aber nicht immer geht. Im März/April absolviere ich eine US-Tournee mit dem Klaviertrio, da werde ich natürlich fliegen müssen, aber dann kompensiere ich den CO2-Fußabdruck durch Spenden: Was man anrichtet, kann man versuchen, woanders wieder gutzumachen. Im Alltag vermeide ich Plastik, versuche Energie zu sparen und kleide mich selten neu ein. Von Menschen auf der Bühne wird dieser Glamour-Faktur erwartet. Es wäre aber großartig, wenn sich die gesamte Branche davon verabschieden würde, diese Äußerlichkeiten so wahnsinnig wichtig zu nehmen.

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Aber eine glanzvoll inszenierte Oper zum Beispiel kann doch erquickend sein.

Natürlich. Klar ziehe ich mich auch gerne schön an, wenn ich ein Konzert spiele. Ich bin ein positiver Mensch, genieße jeden Moment meines Lebens. Es geht um das richtige Maß. Früher bin ich schon mal für nur ein Konzert nach Japan geflogen, heute finde ich so etwas absurd. Auch wenn der Kulturbetrieb extrem klimaschädlich ist – diese riesigen Räume, die geheizt werden müssen, die Anfahrt mit dem Auto –, brauchen wir ihn. In Corona-Zeiten haben wir gemerkt, wie furchtbar es ist, wenn es keine Konzerte, Opernaufführungen und kein Theater gibt. Die Gesellschaft trocknet aus. Deswegen muss man einen Weg finden, das irgendwie zu vereinen.

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Wie gehen andere Künstler mit dem Thema um?

Sehr unterschiedlich. Aber es gibt immer mehr Musiker und Festivals, die sich Gedanken machen. In der Initiative „Orchester des Wandels“ haben sich 34 Orchester in Deutschland zusammengeschlossen, die versuchen, nachhaltiger zu agieren. Ich selbst bin jetzt dort Botschafterin. Mit der Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Dr. Antje Boetius, habe ich ein Konzert gegeben, bei dem ich auf ihre Diagramme von der Klima-Entwicklung improvisiert habe; zwischendurch habe ich Préludes von Sofia Gubaidulina gespielt. Dadurch hat ihr Vortrag die Leute ganz anders erreicht. Antje Boetius sagt: „Wir können alles noch schaffen, aber die Leute müssen aufwachen.“ Diese Hoffnung ist unglaublich wichtig, damit man eben nicht den Kopf in den Sand steckt.

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Wie sind die Reaktionen auf ihr Engagement?

In einer Mail wurde ich mit extremem Hass zugeschüttet – einfach nur deshalb, weil ich in Interviews auf das Thema hingewiesen hatte. Dennoch bleibe ich dabei, meinen eigenen Weg zu gehen. Mir ist es aber wichtig, dies nicht auf eine destruktive Art zu tun, sondern immer auch zu sagen: Es geht darum, die Schönheit zu bewahren. Und natürlich verdienen die Leute es auch, einfach nur zu entspannen, beim Konzert morgen werde ich kein Wort darüber verlieren. Aber ich finde es wunderbar, wenn sich Menschen für eine Veranstaltung entscheiden, wo das Thema Klimaschutz thematisiert wird.