Interview & Porträt

Immer Wagner im Gepäck

Von
Clemens Haustein
Erschienen in der Printausgabe im
August 2023
Lesezeit ca.
…
Minuten
Foto: Andreas Zihler
Foto: Andreas Zihler

Pietari Inkinen und Bayreuth: Das ist eine längere Geschichte. 2020 hätte er den neuen „Ring“ dirigieren sollen, Corona machte einen Strich durch die Rechnung. 2021 dirigierte er im Festspielhaus die Walküre konzertant, mehr wollte man wegen Corona nicht wagen Im vergangenen Jahr fand die gesamte „Ring“-Premiere statt in der Regie von Valentin Schwarz, doch Inkinen musste wegen einer Corona-Erkrankung absagen. In diesem Jahr soll es endlich klappen. Eine Woche vor Beginn der Proben erholt sich Inkinen zu Hause in Basel und in Zermatt von einem anstrengenden Frühjahr.

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Im April und Mai haben Sie jeweils elf Konzerte dirigiert, im Schnitt jeden dritten Tag ein Auftritt, dazu Proben und Reisen. Wie schaffen Sie dieses Pensum?

(lacht) Das war wieder wie zu Zeiten vor Corona. Volle Säle, begeistertes Publikum: Das habe ich sehr vermisst in den vergangenen Jahren, und man sollte es genießen, dass alles wieder so ist, wie es sein soll. Aber natürlich: Man wird nicht jünger. Rein körperlich ist mein Kalender anspruchsvoll, aber es ist mir erst einmal lieber als der Zwangsurlaub zu Corona-Zeiten.

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Wenn Sie müde sind, woher kommt die Kraft?

Aus der Musik. Ich kann schlecht geschlafen haben, aber wenn die Musik beginnt und klingt, dann ist die Kraft wieder da. Und natürlich hilft auch das Adrenalin.

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Letztes Jahr mussten Sie wegen einer Corona-Erkrankung ihre Bayreuth- Premieren mit dem „Ring“ absagen. Cornelius Meister sprang ein. Jetzt beginnen die Bayreuth-Proben für dieses Jahren, bekommen Sie ein paar Extra-Proben?

Nein. Aber es wird in jedem Fall eine besondere Herausforderung, weil einige neue Sänger dazukommen.

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Sie beherrschen die „Ring“-Partitur seit vielen Jahren, und dennoch werden Sie in der Vorbereitung die Erinnerung an die Werke oder an bestimmte Stellen auffrischen müssen.

Wie gehen Sie vor? Da passiert zunächst einmal vieles im Unterbewusstsein. Man wächst ja weiter, indem man neue Stücke erarbeitet und neue Erfahrungen sammelt. Wenn ich mir ein bekanntes Werk wieder vornehme, fließt das alles mit ein. Die Perspektive verändert sich. Natürlich kenne ich die problematischen Stellen und gehe sie in den Monaten zuvor immer wieder durch.

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Machen Sie das im Kopf oder mit der Partitur?

Beides. Ich hatte auf den Reisen während dieser Saison immer eine Partitur der fünf Wagner- Opern dabei, die ich dieses Jahr dirigiere. Also „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“, „Götterdämmerung“ und „Tannhäuser“, den ich im November und Dezember an der Deutschen Oper Berlin dirigieren werde.

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Woher kommt eigentlich ihre Faszination für Wagner?

Meiner Beobachtung nach gibt es eigentlich nur zwei Reaktionen auf Wagners Musik: Entweder es ist einem zu viel oder man ist infiziert. Bei mir war es eine Infektion. Ich war gefesselt von dieser Klangwelt, es ging nicht mehr ohne.

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Wann fand diese Infektion statt?

Da war ich wohl elf Jahre alt und hörte den „Tristan“.

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Gab es Aufnahmen, die Sie geprägt haben?

Carlos Kleiber ist immer besonders. Wie er den „Tristan“ gleichsam zum Fliegen bringt und immer wieder zur klanglichen Ekstase führt, das hat mich sehr berührt. Aber ich mochte auch immer wieder James Levine, wenn er so luxuriös im Klang badet, wozu Karl Böhm mit seiner Klarheit und Akkuratesse wieder das krasse Gegenteil ist. Es gibt so viele unterschiedliche Ansätze, die bei Wagner funktionieren!

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Seit 2017 sind Sie Chefdirigent bei der Deutschen Radio Philharmonie in Saarbrücken und haben in der vergangenen Saison ein neues Projekt gestartet: Jede Saison mit einer Sinfonie von Anton Bruckner zu beginnen. Sie bleiben also noch acht weitere Jahre in Saarbrücken?

(lacht) So ein Projekt kann man natürlich auch ohne Chefdirigenten-Titel zum Ende bringen. Aber klar: Wir haben in Saarbrücken etwas Tolles aufgebaut. Es ist mir immer wichtig, im Umgang mit einem Orchester gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Deswegen mag ich feste Jobs auch lieber als das Herumreisen als Gastdirigent.

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Sie haben in Saarbrücken einen Vertrag bis 2025, wird schon über eine Verlängerung gesprochen?

Wir sind gerade dabei. Das größte Problem für mich ist der fehlende Konzertsaal. Die Situation derzeit mit Congresshalle, Sendesaaal und E-Werk als Konzertorte in Saarbrücken ist sehr unbefriedigend. Mit dem Oberbürgermeister wurde bereits eine Lösung gefunden, eine Konzertsaalhülle ins E-Werk in Saarbrücken zu bauen ähnlich wie in Zürich die Tonhalle MAAG. Das wäre auch recht günstig gewesen. Aber die Idee wurde von der Stadt nicht weiterverfolgt. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo die ungelöste Konzertsaalfrage wie eine angezogene Handbreme wirkt auf die Entwicklung des Orchesters. Es wird einfach vergessen, was für ein Magnet ein Konzertsaal für die ganze Gegend sein könnte. Die Menschen im Saarland gehen nach Luxemburg und Frankfurt ins Konzert. Wenn es in Saarbrücken einen neuen Konzertsaal gäbe, dann würden mehr Menschen von außerhalb ins Konzert kommen. Und das hätte auch wirtschaftlich positive Auswirkungen für die Stadt.

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Die Gesamtaufnahme der Dvořák-Sinfonien mit der Deutschen Radio Philharmonie haben Sie mittlerweile abgeschlossen.

Das Projekt wurde von meinem Vorgänger Karel Mark Chichon begonnen, ich habe es gerne weitergeführt, weil ich dabei auch meine Erfahrungen als Chef der Prager Symphoniker einbringen konnte. Dieses Orchester hat Dvořáks Musik ja im Blut, und was ich dort gelernt habe, nahm ich sozusagen mit nach Saarbrücken. Neues Projekt ist jetzt die Gesamtaufnahme der Sinfonien von Sergej Prokofjew. Die Sinfonien Nr. 3 und Nr. 6 sind bereits erschienen, wegen Corona hat sich aber der Zeitplan verschoben. Wir haben zwischenzeitlich CDs mit kleiner besetzten Werken von Bartók und Schostakowitsch veröffentlicht, aber die nächsten Prokofjew-Sinfonien werden kommen.

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Sie betreuen zwei weitere Orchester in Asien, das KBS Symphony Orchestra in Seoul und das Japan Philharmonic, wo nun ihr Vertrag endete. In den USA sind sie hingegen kaum präsent. Wie kam es zu dieser Ausrichtung. Empfinden Sie eine besondere Sympathie für Ost-Asien?

Ich genieße meine Aufenthalte dort tatsächlich immer sehr und freue mich darauf, nach meinem Ausscheiden beim Japan Philharmonic auch die anderen Orchester in Tokio zu dirigieren. In Amerika war ich früher aktiver, gut möglich, dass ich in Zukunft dort wieder präsenter bin. Im November bin ich beim Cleveland Orchestra zu Gast, darüber freue ich mich sehr. Eine längerfristige Erfahrung in den USA fehlt mir aber noch.

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Wie sieht es mit Oper aus? Abseits von Wagner treten Sie bislang kaum als Operndirigent in Erscheinung.

Auch das gehört zu meinen Überlegungen. Wer ein Opernhaus leitet, zumal mit einem Orchester, das auch Konzerttourneen bestreitet, hat allerdings kaum mehr Zeit für andere Dinge. Man muss sich diesen Schritt gut überlegen.

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Was planen Sie beim KBS Orchestra in Seoul?

Ich suche immer gerne Werke aus, die das Orchester noch nicht kennt. Gerade hatten wir die koreanische Premiere von Sibelius’ „Kullervo“, im Oktober machen wir die 1. Sinfonie von William Walton. Die eigentliche Stärke des Orchesters ist aber das russische Repertoire. Diese Musik spielen sie fabelhaft . Wir hatten im März unsere erste gemeinsame Studioaufnahme mit der 5. Sinfonie von Tschaikowski. Gerade habe ich die letzte Schnittfassung gehört und ich bin sehr stolz und froh über das Resultat. Oder kürzlich Rachmaninows 2. Sinfonie im Konzert: Sie spielen das fein und hochromantisch und zugleich äußerst diszipliniert. Kein Rubato, das dieses Orchester nicht gemeinsam empfinden würde.

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Woher kommen diese Fähigkeiten?

Das hat bestimmt mit den früheren Chefs zu tun: Dimitri Kitajenko zum Beispiel war fünf Jahre beim Orchester. Die besondere Ensembledisziplin kommt aber auch aus der koreanischen Kultur. Zugleich sind die koreanischen Musiker sehr extrovertiert, sie wollen ihre Emotionen zeigen. Sie tun das im offenen Klang und bewahren dabei doch die Geschlossenheit des Ensembles. Das ist wirklich außergewöhnlich.

Pietari Inkinen und Bayreuth: Das ist eine längere Geschichte. 2020 hätte er den neuen „Ring“ dirigieren sollen, Corona machte einen Strich durch die Rechnung. 2021 dirigierte er im Festspielhaus die Walküre konzertant, mehr wollte man wegen Corona nicht wagen Im vergangenen Jahr fand die gesamte „Ring“-Premiere statt in der Regie von Valentin Schwarz, doch Inkinen musste wegen einer Corona-Erkrankung absagen. In diesem Jahr soll es endlich klappen. Eine Woche vor Beginn der Proben erholt sich Inkinen zu Hause in Basel und in Zermatt von einem anstrengenden Frühjahr.

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Im April und Mai haben Sie jeweils elf Konzerte dirigiert, im Schnitt jeden dritten Tag ein Auftritt, dazu Proben und Reisen. Wie schaffen Sie dieses Pensum?

(lacht) Das war wieder wie zu Zeiten vor Corona. Volle Säle, begeistertes Publikum: Das habe ich sehr vermisst in den vergangenen Jahren, und man sollte es genießen, dass alles wieder so ist, wie es sein soll. Aber natürlich: Man wird nicht jünger. Rein körperlich ist mein Kalender anspruchsvoll, aber es ist mir erst einmal lieber als der Zwangsurlaub zu Corona-Zeiten.

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Wenn Sie müde sind, woher kommt die Kraft?

Aus der Musik. Ich kann schlecht geschlafen haben, aber wenn die Musik beginnt und klingt, dann ist die Kraft wieder da. Und natürlich hilft auch das Adrenalin.

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Letztes Jahr mussten Sie wegen einer Corona-Erkrankung ihre Bayreuth- Premieren mit dem „Ring“ absagen. Cornelius Meister sprang ein. Jetzt beginnen die Bayreuth-Proben für dieses Jahren, bekommen Sie ein paar Extra-Proben?

Nein. Aber es wird in jedem Fall eine besondere Herausforderung, weil einige neue Sänger dazukommen.

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Sie beherrschen die „Ring“-Partitur seit vielen Jahren, und dennoch werden Sie in der Vorbereitung die Erinnerung an die Werke oder an bestimmte Stellen auffrischen müssen.

Wie gehen Sie vor? Da passiert zunächst einmal vieles im Unterbewusstsein. Man wächst ja weiter, indem man neue Stücke erarbeitet und neue Erfahrungen sammelt. Wenn ich mir ein bekanntes Werk wieder vornehme, fließt das alles mit ein. Die Perspektive verändert sich. Natürlich kenne ich die problematischen Stellen und gehe sie in den Monaten zuvor immer wieder durch.

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Machen Sie das im Kopf oder mit der Partitur?

Beides. Ich hatte auf den Reisen während dieser Saison immer eine Partitur der fünf Wagner- Opern dabei, die ich dieses Jahr dirigiere. Also „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“, „Götterdämmerung“ und „Tannhäuser“, den ich im November und Dezember an der Deutschen Oper Berlin dirigieren werde.

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Woher kommt eigentlich ihre Faszination für Wagner?

Meiner Beobachtung nach gibt es eigentlich nur zwei Reaktionen auf Wagners Musik: Entweder es ist einem zu viel oder man ist infiziert. Bei mir war es eine Infektion. Ich war gefesselt von dieser Klangwelt, es ging nicht mehr ohne.

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Wann fand diese Infektion statt?

Da war ich wohl elf Jahre alt und hörte den „Tristan“.

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Gab es Aufnahmen, die Sie geprägt haben?

Carlos Kleiber ist immer besonders. Wie er den „Tristan“ gleichsam zum Fliegen bringt und immer wieder zur klanglichen Ekstase führt, das hat mich sehr berührt. Aber ich mochte auch immer wieder James Levine, wenn er so luxuriös im Klang badet, wozu Karl Böhm mit seiner Klarheit und Akkuratesse wieder das krasse Gegenteil ist. Es gibt so viele unterschiedliche Ansätze, die bei Wagner funktionieren!

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Seit 2017 sind Sie Chefdirigent bei der Deutschen Radio Philharmonie in Saarbrücken und haben in der vergangenen Saison ein neues Projekt gestartet: Jede Saison mit einer Sinfonie von Anton Bruckner zu beginnen. Sie bleiben also noch acht weitere Jahre in Saarbrücken?

(lacht) So ein Projekt kann man natürlich auch ohne Chefdirigenten-Titel zum Ende bringen. Aber klar: Wir haben in Saarbrücken etwas Tolles aufgebaut. Es ist mir immer wichtig, im Umgang mit einem Orchester gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Deswegen mag ich feste Jobs auch lieber als das Herumreisen als Gastdirigent.

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Sie haben in Saarbrücken einen Vertrag bis 2025, wird schon über eine Verlängerung gesprochen?

Wir sind gerade dabei. Das größte Problem für mich ist der fehlende Konzertsaal. Die Situation derzeit mit Congresshalle, Sendesaaal und E-Werk als Konzertorte in Saarbrücken ist sehr unbefriedigend. Mit dem Oberbürgermeister wurde bereits eine Lösung gefunden, eine Konzertsaalhülle ins E-Werk in Saarbrücken zu bauen ähnlich wie in Zürich die Tonhalle MAAG. Das wäre auch recht günstig gewesen. Aber die Idee wurde von der Stadt nicht weiterverfolgt. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo die ungelöste Konzertsaalfrage wie eine angezogene Handbreme wirkt auf die Entwicklung des Orchesters. Es wird einfach vergessen, was für ein Magnet ein Konzertsaal für die ganze Gegend sein könnte. Die Menschen im Saarland gehen nach Luxemburg und Frankfurt ins Konzert. Wenn es in Saarbrücken einen neuen Konzertsaal gäbe, dann würden mehr Menschen von außerhalb ins Konzert kommen. Und das hätte auch wirtschaftlich positive Auswirkungen für die Stadt.

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Die Gesamtaufnahme der Dvořák-Sinfonien mit der Deutschen Radio Philharmonie haben Sie mittlerweile abgeschlossen.

Das Projekt wurde von meinem Vorgänger Karel Mark Chichon begonnen, ich habe es gerne weitergeführt, weil ich dabei auch meine Erfahrungen als Chef der Prager Symphoniker einbringen konnte. Dieses Orchester hat Dvořáks Musik ja im Blut, und was ich dort gelernt habe, nahm ich sozusagen mit nach Saarbrücken. Neues Projekt ist jetzt die Gesamtaufnahme der Sinfonien von Sergej Prokofjew. Die Sinfonien Nr. 3 und Nr. 6 sind bereits erschienen, wegen Corona hat sich aber der Zeitplan verschoben. Wir haben zwischenzeitlich CDs mit kleiner besetzten Werken von Bartók und Schostakowitsch veröffentlicht, aber die nächsten Prokofjew-Sinfonien werden kommen.

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Sie betreuen zwei weitere Orchester in Asien, das KBS Symphony Orchestra in Seoul und das Japan Philharmonic, wo nun ihr Vertrag endete. In den USA sind sie hingegen kaum präsent. Wie kam es zu dieser Ausrichtung. Empfinden Sie eine besondere Sympathie für Ost-Asien?

Ich genieße meine Aufenthalte dort tatsächlich immer sehr und freue mich darauf, nach meinem Ausscheiden beim Japan Philharmonic auch die anderen Orchester in Tokio zu dirigieren. In Amerika war ich früher aktiver, gut möglich, dass ich in Zukunft dort wieder präsenter bin. Im November bin ich beim Cleveland Orchestra zu Gast, darüber freue ich mich sehr. Eine längerfristige Erfahrung in den USA fehlt mir aber noch.

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Wie sieht es mit Oper aus? Abseits von Wagner treten Sie bislang kaum als Operndirigent in Erscheinung.

Auch das gehört zu meinen Überlegungen. Wer ein Opernhaus leitet, zumal mit einem Orchester, das auch Konzerttourneen bestreitet, hat allerdings kaum mehr Zeit für andere Dinge. Man muss sich diesen Schritt gut überlegen.

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Was planen Sie beim KBS Orchestra in Seoul?

Ich suche immer gerne Werke aus, die das Orchester noch nicht kennt. Gerade hatten wir die koreanische Premiere von Sibelius’ „Kullervo“, im Oktober machen wir die 1. Sinfonie von William Walton. Die eigentliche Stärke des Orchesters ist aber das russische Repertoire. Diese Musik spielen sie fabelhaft . Wir hatten im März unsere erste gemeinsame Studioaufnahme mit der 5. Sinfonie von Tschaikowski. Gerade habe ich die letzte Schnittfassung gehört und ich bin sehr stolz und froh über das Resultat. Oder kürzlich Rachmaninows 2. Sinfonie im Konzert: Sie spielen das fein und hochromantisch und zugleich äußerst diszipliniert. Kein Rubato, das dieses Orchester nicht gemeinsam empfinden würde.

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Woher kommen diese Fähigkeiten?

Das hat bestimmt mit den früheren Chefs zu tun: Dimitri Kitajenko zum Beispiel war fünf Jahre beim Orchester. Die besondere Ensembledisziplin kommt aber auch aus der koreanischen Kultur. Zugleich sind die koreanischen Musiker sehr extrovertiert, sie wollen ihre Emotionen zeigen. Sie tun das im offenen Klang und bewahren dabei doch die Geschlossenheit des Ensembles. Das ist wirklich außergewöhnlich.