Interview & Porträt

Auf Entdeckungstour

Von
Eva Blaskewitz
Erschienen in der Printausgabe im
Oktober 2023
Lesezeit ca.
…
Minuten
Paris inspirierte Gautier Capuçon zu einer musikalischen Erkundungstour.
Paris inspirierte Gautier Capuçon zu einer musikalischen Erkundungstour.

"Destination Paris" heißt Ihr neues Album. Welches Bild haben Sie von Paris?

Paris ist eine zeitlose Stadt, eine magische Stadt – die Stadt der Liebe! Man muss sich nur die Maler anzuschauen, die Paris inspiriert hat, die Dichter, die Literatur, die Musik, natürlich auch die Filme. Es ist eine unglaublich reichhaltige Stadt, und so hat es mich gereizt, die Erkundungstour durch verschiedene Genres fortzusetzen, die ich mit Jérôme Ducros bei meinen drei letzten CDs „Intuition“, „Emotions“ und „Sensations“ unternommen habe. Dieses Mal eben mit Paris im Mittelpunkt, oder, weiter gefasst, Frankreich. Paris war eine Inspirationsquelle für die Oper ebenso wie für das französische Chanson oder den Film.

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Das Reservoir, aus dem Sie sich bedienen konnten, ist nahezu unerschöpflich. Wonach haben Sie die Stücke ausgewählt?

(lacht) Das ist immer schwierig. Zunächst einmal war es eine rein gefühlsmäßige, emotionale Auswahl von Werken, die mich berühren. Und dann ist es so, dass bestimmte Stücke auf dem Cello besonders gut funktionieren. Darüber habe ich viel mit Jérôme gesprochen, der die Stücke für mich arrangiert hat und mit dem mich eine enge persönliche und musikalische Freundschaft verbindet. Denn die Auswahl muss natürlich musikalisch und künstlerisch sinnvoll sein.

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Gibt es unter den Stücken eins, mit dem Sie etwas Besonderes verbinden?

Nein, sie haben alle ihre eigene Bedeutung. Einige stammen aus Filmmusiken oder Opern, das ist ein Repertoire, das auf dem Cello sehr gut funktioniert. Das Cello ist das Gesangsinstrument par excellence, es singt von Liebe, es singt von Melancholie, es ist dem Herzen so nah wie kein anderes Instrument. Das Einzige, worauf ich geachtet habe, ist, eine Balance zwischen den verschiedenen Genres und einen guten Rhythmus für die CD zu finden. Eine CD ist wie ein Konzert, es braucht einen roten Faden. Die Werke müssen abwechslungsreich sein, sie müssen sich gegenseitig beleuchten, keins darf das Stück davor oder danach totschlagen. Und es war wirklich eine Entdeckungsreise. Ich hatte schon immer eine abenteuerlustige Seite, ich liebe es, Neues zu entdecken und auszuprobieren.

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Es ist Ihr viertes Album in Folge mit einem unkonventionellen Programm. Haben Sie genug vom klassischen Repertoire?

Überhaupt nicht! Ich habe das Glück, und das empfinde ich wirklich als unglaublichen Luxus, die großen Konzerte, Dvořák, Schumann, Schostakowitsch, mit großen Musikern, großen Dirigenten, großen Orchestern spielen zu dürfen. Zugleich habe ich die Möglichkeit, Projekte mit weniger konventionellem Repertoire zu gestalten. Im Sommer mache ich immer eine Frankreich-Tournee, „Un été en France“, mit Programmen, die völlig anders sind als bei klassischen Konzerten. Dabei geht es mir auch darum, die Musik zu demokratisieren, Leuten, die vielleicht Vorbehalte gegen klassische Musik haben oder meinen, das sei nichts für sie, neue Werke anzubieten. Ich finde es großartig, dass ich unterschiedliche Projekte realisieren kann, die sich gegenseitig befruchten. Ich spiele auch viel zeitgenössische Musik. Letztes Jahr habe ich drei Konzerte uraufgeführt, von Thierry Escaich, Lera Auerbach und Danny Elfman. Und ich mache Programme, in denen ich verschiedene musikalische Genres erkunde. Aber alles ist Musik, mit großem „M“!

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Das klassische Musikleben ist eher konservativ. Die meisten Veranstalter werden nicht begeistert sein, wenn Sie vorschlagen, Escaich statt Dvořák zu spielen, oder?

Das hat zwei Aspekte. Das eine ist der professionelle Blickwinkel des Veranstalters, der sich mehr davon verspricht, einen verkaufsträchtigen Namen wie Mozart, Brahms oder Dvořák aufs Plakat zu setzen als einen unbekannten. Das ist die ökonomische Seite, bei der es darum geht, den Saal zu füllen. Auf der anderen Seite steht das Publikum. Wenn das Publikum einem Künstler vertraut, dann folgt es ihm auch. Bei „Un été en France“ spiele ich in verschiedenen Städten und Dörfern in Frankreich, manchmal kommen 4.000 Leute. Ein Konzert dauert etwas über zwei Stunden, es gibt keine Pause und kein Programmheft, die Zuhörer wissen nicht, was sie erwartet. Es kann reine Klassik sein, Schubert, Rachmaninow, Ravel, Fauré, Brahms. Aber ich spiele auch Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, Schostakowitsch, Messiaen, Britten. Oder Stücke, die die Leute kennen: Filmmusik, Chansons.

Und den Zuhörern gefällt es! Ehrlich gesagt, hadere ich ein bisschen mit der Nach-Corona-Zeit: Natürlich war Corona eine furchtbare Erfahrung, und gerade die Künstler haben darunter gelitten, dass alles geschlossen wurde. Aber als dann das Konzertleben allmählich wieder losging, gab es so einen Moment der Improvisation. Manche Konzerte wurden erst 48 Stunden vorher angekündigt. Man wusste nicht, wer auftreten würde, weil die Musiker noch nicht uneingeschränkt reisen durften. Das Konzert konnte eine Stunde oder 45 Minuten oder anderthalb Stunden dauern. Es gab keine Pause, wegen der Hygieneregeln. Die Musiker spielten, was sie gerade parat hatten oder was ihnen in den Sinn kam. Alle herkömmlichen Codes fielen weg. Und das Publikum war begeistert von dieser Unvorhersehbarkeit. Aber kaum hatte das reguläre Konzertleben wieder Fahrt aufgenommen, war alles beim Alten. Ich finde es schade, dass wir uns nicht ein bisschen von dieser Freiheit bewahrt haben.

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Ich habe gehört, dass Sie vor Corona an die 100 Konzerte im Jahr gegeben haben …

Es waren eher 150, und das ist eindeutig zu viel. Seit Jahren versuche ich, das zu reduzieren. Ich möchte mehr Zeit für mich haben. Für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, dass ich lernen werde, nein zu sagen. Aber es gibt immer tausend gute Gründe, ein neues Projekt anzunehmen: Es sind gute Freunde beteiligt, das Repertoire ist interessant, es ist etwas Neues. Ich bin so erzogen, immer viel zu arbeiten, und habe fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir Zeit für mich nehme. Aber das wird jetzt anders!

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Ihre Tourneen führen Sie um die ganze Welt. Reisen Sie gerne oder empfinden Sie es als belastend, ständig unterwegs zu sein?

Oh, ich bin immer gerne gereist. Ich finde es großartig, Menschen zu treffen, neue Kulturen zu entdecken, die Kunst, die Architektur, das Essen, natürlich auch die Musik eines Landes. Es ist ein unglaubliches Glück, und es bereichert und inspiriert mich auch musikalisch.

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Haben Sie ein Ritual, um sich auf ein Konzert vorzubereiten?

Das Einzige ist, dass ich mich vorher ausruhen muss. Zum Glück kann ich immer und überall gut schlafen. Das ist sehr praktisch, um vor dem Konzert allein zu sein, seine Energie zu sammeln, Körper und Geist zu regenerieren. Als ich jünger war, dachte ich, man müsse vor jedem Konzert einem Ritual folgen, damit es richtig gut wird. Nach 20, 25 Jahren Bühnenerfahrung halte ich das nicht mehr für so wichtig. Man muss körperlich fi t und in Form sein, aber ansonsten kommt es vor allem darauf an, sich mit den Gegebenheiten arrangieren zu können. Manchmal hat man viel Zeit vor einem Konzert, manchmal nicht, weil bei der Reise irgendetwas schiefgelaufen ist, ein Zug Verspätung hatte oder sonst etwas Unerwartetes passiert ist, und dann muss man trotzdem auf den Punkt da sein.

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Was bedeutet es Ihnen, vor Publikum zu spielen?

Es ist für mich eine musikalische und emotionale Reise. Wir leben in einer Zeit der Perfektion. Die meisten Konzerte werden aufgezeichnet. Natürlich finden die Musiker das gut, denn so bleibt etwas von dem Konzert, und es ist ein Ansporn, sein Bestes zu geben. Aber mir scheint, es besteht die Gefahr, dass man vergisst, warum man überhaupt auf die Bühne geht. Man vergisst den emotionalen Aspekt, man vergisst, dass es darum geht, etwas zu teilen, dass es um die Freude an der Musik geht. Man muss die Balance finden zwischen der Perfektion – die es in der Musik eigentlich ohnehin nicht gibt – und der Freude, die man empfindet und mit dem Publikum teilt. Ich glaube, darin liegt die wichtigste Aufgabe der Musik.

"Destination Paris" heißt Ihr neues Album. Welches Bild haben Sie von Paris?

Paris ist eine zeitlose Stadt, eine magische Stadt – die Stadt der Liebe! Man muss sich nur die Maler anzuschauen, die Paris inspiriert hat, die Dichter, die Literatur, die Musik, natürlich auch die Filme. Es ist eine unglaublich reichhaltige Stadt, und so hat es mich gereizt, die Erkundungstour durch verschiedene Genres fortzusetzen, die ich mit Jérôme Ducros bei meinen drei letzten CDs „Intuition“, „Emotions“ und „Sensations“ unternommen habe. Dieses Mal eben mit Paris im Mittelpunkt, oder, weiter gefasst, Frankreich. Paris war eine Inspirationsquelle für die Oper ebenso wie für das französische Chanson oder den Film.

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Das Reservoir, aus dem Sie sich bedienen konnten, ist nahezu unerschöpflich. Wonach haben Sie die Stücke ausgewählt?

(lacht) Das ist immer schwierig. Zunächst einmal war es eine rein gefühlsmäßige, emotionale Auswahl von Werken, die mich berühren. Und dann ist es so, dass bestimmte Stücke auf dem Cello besonders gut funktionieren. Darüber habe ich viel mit Jérôme gesprochen, der die Stücke für mich arrangiert hat und mit dem mich eine enge persönliche und musikalische Freundschaft verbindet. Denn die Auswahl muss natürlich musikalisch und künstlerisch sinnvoll sein.

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Gibt es unter den Stücken eins, mit dem Sie etwas Besonderes verbinden?

Nein, sie haben alle ihre eigene Bedeutung. Einige stammen aus Filmmusiken oder Opern, das ist ein Repertoire, das auf dem Cello sehr gut funktioniert. Das Cello ist das Gesangsinstrument par excellence, es singt von Liebe, es singt von Melancholie, es ist dem Herzen so nah wie kein anderes Instrument. Das Einzige, worauf ich geachtet habe, ist, eine Balance zwischen den verschiedenen Genres und einen guten Rhythmus für die CD zu finden. Eine CD ist wie ein Konzert, es braucht einen roten Faden. Die Werke müssen abwechslungsreich sein, sie müssen sich gegenseitig beleuchten, keins darf das Stück davor oder danach totschlagen. Und es war wirklich eine Entdeckungsreise. Ich hatte schon immer eine abenteuerlustige Seite, ich liebe es, Neues zu entdecken und auszuprobieren.

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Es ist Ihr viertes Album in Folge mit einem unkonventionellen Programm. Haben Sie genug vom klassischen Repertoire?

Überhaupt nicht! Ich habe das Glück, und das empfinde ich wirklich als unglaublichen Luxus, die großen Konzerte, Dvořák, Schumann, Schostakowitsch, mit großen Musikern, großen Dirigenten, großen Orchestern spielen zu dürfen. Zugleich habe ich die Möglichkeit, Projekte mit weniger konventionellem Repertoire zu gestalten. Im Sommer mache ich immer eine Frankreich-Tournee, „Un été en France“, mit Programmen, die völlig anders sind als bei klassischen Konzerten. Dabei geht es mir auch darum, die Musik zu demokratisieren, Leuten, die vielleicht Vorbehalte gegen klassische Musik haben oder meinen, das sei nichts für sie, neue Werke anzubieten. Ich finde es großartig, dass ich unterschiedliche Projekte realisieren kann, die sich gegenseitig befruchten. Ich spiele auch viel zeitgenössische Musik. Letztes Jahr habe ich drei Konzerte uraufgeführt, von Thierry Escaich, Lera Auerbach und Danny Elfman. Und ich mache Programme, in denen ich verschiedene musikalische Genres erkunde. Aber alles ist Musik, mit großem „M“!

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Das klassische Musikleben ist eher konservativ. Die meisten Veranstalter werden nicht begeistert sein, wenn Sie vorschlagen, Escaich statt Dvořák zu spielen, oder?

Das hat zwei Aspekte. Das eine ist der professionelle Blickwinkel des Veranstalters, der sich mehr davon verspricht, einen verkaufsträchtigen Namen wie Mozart, Brahms oder Dvořák aufs Plakat zu setzen als einen unbekannten. Das ist die ökonomische Seite, bei der es darum geht, den Saal zu füllen. Auf der anderen Seite steht das Publikum. Wenn das Publikum einem Künstler vertraut, dann folgt es ihm auch. Bei „Un été en France“ spiele ich in verschiedenen Städten und Dörfern in Frankreich, manchmal kommen 4.000 Leute. Ein Konzert dauert etwas über zwei Stunden, es gibt keine Pause und kein Programmheft, die Zuhörer wissen nicht, was sie erwartet. Es kann reine Klassik sein, Schubert, Rachmaninow, Ravel, Fauré, Brahms. Aber ich spiele auch Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, Schostakowitsch, Messiaen, Britten. Oder Stücke, die die Leute kennen: Filmmusik, Chansons.

Und den Zuhörern gefällt es! Ehrlich gesagt, hadere ich ein bisschen mit der Nach-Corona-Zeit: Natürlich war Corona eine furchtbare Erfahrung, und gerade die Künstler haben darunter gelitten, dass alles geschlossen wurde. Aber als dann das Konzertleben allmählich wieder losging, gab es so einen Moment der Improvisation. Manche Konzerte wurden erst 48 Stunden vorher angekündigt. Man wusste nicht, wer auftreten würde, weil die Musiker noch nicht uneingeschränkt reisen durften. Das Konzert konnte eine Stunde oder 45 Minuten oder anderthalb Stunden dauern. Es gab keine Pause, wegen der Hygieneregeln. Die Musiker spielten, was sie gerade parat hatten oder was ihnen in den Sinn kam. Alle herkömmlichen Codes fielen weg. Und das Publikum war begeistert von dieser Unvorhersehbarkeit. Aber kaum hatte das reguläre Konzertleben wieder Fahrt aufgenommen, war alles beim Alten. Ich finde es schade, dass wir uns nicht ein bisschen von dieser Freiheit bewahrt haben.

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Ich habe gehört, dass Sie vor Corona an die 100 Konzerte im Jahr gegeben haben …

Es waren eher 150, und das ist eindeutig zu viel. Seit Jahren versuche ich, das zu reduzieren. Ich möchte mehr Zeit für mich haben. Für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, dass ich lernen werde, nein zu sagen. Aber es gibt immer tausend gute Gründe, ein neues Projekt anzunehmen: Es sind gute Freunde beteiligt, das Repertoire ist interessant, es ist etwas Neues. Ich bin so erzogen, immer viel zu arbeiten, und habe fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir Zeit für mich nehme. Aber das wird jetzt anders!

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Ihre Tourneen führen Sie um die ganze Welt. Reisen Sie gerne oder empfinden Sie es als belastend, ständig unterwegs zu sein?

Oh, ich bin immer gerne gereist. Ich finde es großartig, Menschen zu treffen, neue Kulturen zu entdecken, die Kunst, die Architektur, das Essen, natürlich auch die Musik eines Landes. Es ist ein unglaubliches Glück, und es bereichert und inspiriert mich auch musikalisch.

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Haben Sie ein Ritual, um sich auf ein Konzert vorzubereiten?

Das Einzige ist, dass ich mich vorher ausruhen muss. Zum Glück kann ich immer und überall gut schlafen. Das ist sehr praktisch, um vor dem Konzert allein zu sein, seine Energie zu sammeln, Körper und Geist zu regenerieren. Als ich jünger war, dachte ich, man müsse vor jedem Konzert einem Ritual folgen, damit es richtig gut wird. Nach 20, 25 Jahren Bühnenerfahrung halte ich das nicht mehr für so wichtig. Man muss körperlich fi t und in Form sein, aber ansonsten kommt es vor allem darauf an, sich mit den Gegebenheiten arrangieren zu können. Manchmal hat man viel Zeit vor einem Konzert, manchmal nicht, weil bei der Reise irgendetwas schiefgelaufen ist, ein Zug Verspätung hatte oder sonst etwas Unerwartetes passiert ist, und dann muss man trotzdem auf den Punkt da sein.

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Was bedeutet es Ihnen, vor Publikum zu spielen?

Es ist für mich eine musikalische und emotionale Reise. Wir leben in einer Zeit der Perfektion. Die meisten Konzerte werden aufgezeichnet. Natürlich finden die Musiker das gut, denn so bleibt etwas von dem Konzert, und es ist ein Ansporn, sein Bestes zu geben. Aber mir scheint, es besteht die Gefahr, dass man vergisst, warum man überhaupt auf die Bühne geht. Man vergisst den emotionalen Aspekt, man vergisst, dass es darum geht, etwas zu teilen, dass es um die Freude an der Musik geht. Man muss die Balance finden zwischen der Perfektion – die es in der Musik eigentlich ohnehin nicht gibt – und der Freude, die man empfindet und mit dem Publikum teilt. Ich glaube, darin liegt die wichtigste Aufgabe der Musik.