Jazz Forum

Lyrische Intensität

Von
Hans-Jürgen Schaal
Erschienen in der Printausgabe im
August 2024
Lesezeit ca.
Minuten
Foto: Peter Hundert
Foto: Peter Hundert

Sie ist beileibe keine Newcomerin mehr. Seit mehr als zehn Jahren schon macht Clara Haberkamp Aufnahmen im Klaviertrio – und das ist nur einer von vielen Aspekten ihres Schaffens. „Die hauptberufliche Jazzpianistin passt wohl nicht mehr zu meiner heutigen Persönlichkeit“, sagt die 35-Jährige. „Mittlerweile sehe ich mich gerne als genreoffene, improvisierende Pianistin und Komponistin. Die Wissenschaft und Pädagogik fügen sich in dieses Profil ein, alles kann sich gegenseitig bereichern. Das gibt mir einen ganzheitlichen Blick auf die Musik selbst – und somit auch auf ihre Vermittlung an Interessierte und Studierende.“ An der Universität der Künste Berlin ist Clara Haberkamp Gastdozentin für improvisierte Liedbegleitung. An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg arbeitet sie an ihrer Promotion. Sie komponiert für Vokalensembles, Kammergruppen, Bläserensembles, Streichquartette und mehr. Für das Berliner Festival „Young Euro Classic“ schrieb sie 2021 ein interdisziplinäres Konzertprogramm.

Alles begann schon früh. Im Kindes- und Jugendalter wurde Clara Haberkamp bei Landeswettbewerben von „Jugend jazzt“ und „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. Danach war sie Mitglied im Landesjugendjazzorchester NRW und im Bundesjazzorchester. Sie studierte Klavier in Berlin und Komposition in Hamburg. Sie begleitet auch Schauspieler und Liedermacher am Klavier und ist Mitglied in diversen Jazz- und Crossover-Formationen. Zu ihren musikalischen Partnern gehören oder gehörten David Friedman, Lisa Wulff, Jakob Bänsch und die Cellistin Atena Eshtiaghi. Als Jazzpianistin schätzt Haberkamp Kollegen wie Herbie Hancock, Brad Mehldau oder Fred Hersch. Doch sie lässt sich ebenso von der Musik Gustav Mahlers und Alexander Skrjabins inspirieren, auch von Ives, Crumb oder Ligeti.

Das neue Trio-Album

Da ist es kein Wunder, dass ihr Klavierspiel den Rahmen simpler Jazz-Konventionen ständig sprengt. Haberkamps Improvisationen entwickeln sich wie Kompositionen, entfalten eine komplexe Harmonik oder eine dichte Kontrapunktik und eine enorme lyrische Intensität. Sie haben ihre ganz eigene, atmende Logik des Fortgangs. Der amerikanische Kritiker Joe Woodard spricht von Haberkamps „sehr persönlicher Art der Gestaltung von Raum und Improvisation, frei von Formeln und leerem Gedöns“. Häufig wird ihr Spiel mit dem von Brad Mehldau verglichen, der ja ebenfalls von klassischen Komponisten und Konzepten inspiriert ist. 

Clara Haberkamp denkt nicht in der Linearität von Jazzchorussen, sondern kennt anspruchsvollere Formideen. Über „Cycle“ zum Beispiel, das unmittelbar begeisternde Eröffnungsstück ihres neuen Albums, sagt sie: „Dieses Stück erinnert an ein System, das immer wieder zurückkehrt zu seinem Ausgangspunkt, zu Wegen und Situationen, die in ähnlicher Weise schon vorgekommen sind. Neue musikalische Ebenen und Dimensionen werden durch eine Neubearbeitung der originalen Strukturen möglich. Wenn die Dinge sich immer weiter drehen, entwickeln und erweitern, nehmen sie Energie auf. Mich erinnert das an einen Phönix, an den Mond oder an den Rhythmus von Tag und Nacht.“

Einige der Stückkonzepte, aber auch die klassisch geschulten pianistischen Techniken, über die Clara Haberkamp verfügt, sind durchaus untypisch für ein Jazzalbum. In der Improvisation lässt diese Allround-Musikerin einfach alles zu, was ihr spontan in den Sinn kommt – dynamisch, harmonisch, stilistisch. „Wir sind in jedem Augenblick bereit, neue Richtungen einzuschlagen“, sagt sie. „Das erfordert eine hohe Bereitschaft, Risiken einzugehen. Ich kann manchmal die Verantwortung einfach abgeben und mich losmachen.“ 

Das geht natürlich nur mit aufmerksamen, virtuosen Begleitern. Oliver Potratz, Bass, der auch als Begleiter von Carsten Daerr, Dirk Bleese oder David Friedman geglänzt hat, und Jarle Vespestad, Schlagzeug, bekannt aus dem gefeierten Trio von Tord Gustavsen, sind für Haberkamp geradezu ideale Spielpartner. „Die Erfahrung der beiden bereichert meine Musik ungemein“, sagt sie. „Auch wenn es nicht immer danach klingt, ist vieles in meiner Musik kompositorisch und vor allem energetisch vorgegeben. Es geht da ein starker Impuls von meiner Seite aus. Die Musiker müssen also eine eigene Stimme, ja sogar eine eigene Spielphilosophie haben, um diese Dynamik bereichern, unterstützen und auch durchbrechen zu können. Denn genau das braucht meine Musik: Gegenpole und entzerrende Elemente.“

Frauenpower

Ihr Selbstvertrauen als Musikerin hat Clara Haberkamp schon in jungen Jahren entwickelt. Sie sehe es als Geschenk, sagt sie, dass sie schon früh „weibliche Identifikationsfiguren von Jazzmusikerinnen“ um sich hatte. Ihre Mutter Ilona, eine Jazzsaxofonistin, gehörte in den 1980er Jahren dem Frauenorchester Reichlich Weiblich an (damals noch als Ilona Henz), spielte später auch im United Women’s Orchestra und forscht zum Thema „Frauen im Jazz“. 1986 (noch vor Claras Geburt) interviewte sie die legendäre Jazzpianistin Jutta Hipp und hielt von da an engen Kontakt zu ihr. Jutta Hipp hatte einmal als „Europe’s First Lady of Jazz“ gegolten, war 1955 in die USA gegangen, machte dort Platten für Blue Note, gab die Musik aber nach fünf weiteren Jahren komplett auf. 

2023 hat Ilona Haberkamp ein Buch über Jutta Hipp veröffentlicht, in dem auch Clara zu Wort kommt. „Aus dieser Biografie“, so wird Clara Haberkamp darin zitiert, „habe ich gelernt, dass es wichtig ist, eine eigene Stimme und Improvisationssprache auf dem Instrument zu finden.“ Aber nicht nur das: „Juttas Stil, der auch Bach-ähnliche Passagen enthielt, inspiriert mich sehr“, sagt sie. Vor allem schätzt sie Jutta Hipps Cool-Jazz-Aufnahmen aus ihrer Frankfurter Zeit. „Jutta Hipp befürwortete auch persönlich meine ersten Zugänge zum Klavierspiel und zum Jazz. Zusammen mit meiner Mutter und ihren Kolleginnen von Reichlich Weiblich boten sich mir damit gleich zwei Generationen [als Vorbilder] auf diesem Feld.“

Das Clara Haberkamp Trio: Jarle Vespestad, Clara Haberkamp und Oliver Potratz. Foto: Peter Hundert

Das Label TYXart

Clara Haberkamps neues Album erscheint auf einem Label, das sich bis jetzt im Jazz noch nicht profiliert hat. TYXart ist eine ambitionierte, unabhängige Plattenfirma in der Nähe von Regensburg mit eigenem Tonstudio, eigenen Tonmeistern und einem engagierten Team. Dieses „neue Label für Musik und Klangkunst“ (so die Eigendarstellung) hat sich bislang hauptsächlich mit Kammermusik- und Literatur-Produktionen hervorgetan. Clara Haberkamps stilistische Offenheit machte dem Label nun aber den Schritt ins Jazz-Genre sehr leicht.

„Natürlich startet man eine Jazzreihe nicht mit einer beliebigen Produktion“, sagt Labelchef Andreas Ziegler. Besonders fasziniere ihn, wie Clara Haberkamp mit ihrem klassischen Hintergrund an den Jazz herangeht, wie sie „in ihrem Trio verschiedenste musikalisch-emotionale Ebenen in der Musik und in den Kompositionen zum Leuchten bringen kann“. Haberkamp spürte bei Ziegler eine ihr ähnliche Empfindung für Musik: „Andreas teilt meine Leidenschaft für komplexere kompositorische Zusammenhänge, aber auch für emotional direkte und unverstellte Momente. Kurzum, es passte.“ 

Es war Zieglers Wunsch, dass Haberkamp als Bonus Track des Albums auch eine Gesangsnummer aufnimmt. Die Pianistin wählte das alte irische Volkslied „Danny Boy“, bei dem sie ihren Gesang allein am Klavier begleitet. Auch die beiden Coverversionen, die ihr Trio für das Album eingespielt hat, sind keine typischen Jazzstandards: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Friedrich Hollaender und „If You Could Read My Mind“ vom kanadischen Songwriter Gordon Lightfoot, der 2023 verstorben ist. Haberkamp ist der ausgeprägte „Liedcharakter“ aller drei Stücke wichtig. „Im Moment habe ich großes Interesse daran, Lieder zu reharmonisieren oder eigenständig zu interpretieren“, sagt sie. „Und ich finde es schön, wenn einige Zuhörer und Zuhörerinnen, die nicht zum Jazz-Fachpublikum gehören, ein Lied erkennen und somit einen Zugang zur improvisierten Musik bekommen.“ 

Überhaupt scheint das Sangliche das eigentliche Geheimnis ihrer betörenden Musik zu sein. Wohin auch immer ihre Improvisationen führen: Clara Haberkamps Klavierspiel fesselt durch seinen singenden Ton, seine charmante Autorität. Man kann gar nicht anders, man muss ihr einfach zuhören.

Sie ist beileibe keine Newcomerin mehr. Seit mehr als zehn Jahren schon macht Clara Haberkamp Aufnahmen im Klaviertrio – und das ist nur einer von vielen Aspekten ihres Schaffens. „Die hauptberufliche Jazzpianistin passt wohl nicht mehr zu meiner heutigen Persönlichkeit“, sagt die 35-Jährige. „Mittlerweile sehe ich mich gerne als genreoffene, improvisierende Pianistin und Komponistin. Die Wissenschaft und Pädagogik fügen sich in dieses Profil ein, alles kann sich gegenseitig bereichern. Das gibt mir einen ganzheitlichen Blick auf die Musik selbst – und somit auch auf ihre Vermittlung an Interessierte und Studierende.“ An der Universität der Künste Berlin ist Clara Haberkamp Gastdozentin für improvisierte Liedbegleitung. An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg arbeitet sie an ihrer Promotion. Sie komponiert für Vokalensembles, Kammergruppen, Bläserensembles, Streichquartette und mehr. Für das Berliner Festival „Young Euro Classic“ schrieb sie 2021 ein interdisziplinäres Konzertprogramm.

Alles begann schon früh. Im Kindes- und Jugendalter wurde Clara Haberkamp bei Landeswettbewerben von „Jugend jazzt“ und „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. Danach war sie Mitglied im Landesjugendjazzorchester NRW und im Bundesjazzorchester. Sie studierte Klavier in Berlin und Komposition in Hamburg. Sie begleitet auch Schauspieler und Liedermacher am Klavier und ist Mitglied in diversen Jazz- und Crossover-Formationen. Zu ihren musikalischen Partnern gehören oder gehörten David Friedman, Lisa Wulff, Jakob Bänsch und die Cellistin Atena Eshtiaghi. Als Jazzpianistin schätzt Haberkamp Kollegen wie Herbie Hancock, Brad Mehldau oder Fred Hersch. Doch sie lässt sich ebenso von der Musik Gustav Mahlers und Alexander Skrjabins inspirieren, auch von Ives, Crumb oder Ligeti.

Das neue Trio-Album

Da ist es kein Wunder, dass ihr Klavierspiel den Rahmen simpler Jazz-Konventionen ständig sprengt. Haberkamps Improvisationen entwickeln sich wie Kompositionen, entfalten eine komplexe Harmonik oder eine dichte Kontrapunktik und eine enorme lyrische Intensität. Sie haben ihre ganz eigene, atmende Logik des Fortgangs. Der amerikanische Kritiker Joe Woodard spricht von Haberkamps „sehr persönlicher Art der Gestaltung von Raum und Improvisation, frei von Formeln und leerem Gedöns“. Häufig wird ihr Spiel mit dem von Brad Mehldau verglichen, der ja ebenfalls von klassischen Komponisten und Konzepten inspiriert ist. 

Clara Haberkamp denkt nicht in der Linearität von Jazzchorussen, sondern kennt anspruchsvollere Formideen. Über „Cycle“ zum Beispiel, das unmittelbar begeisternde Eröffnungsstück ihres neuen Albums, sagt sie: „Dieses Stück erinnert an ein System, das immer wieder zurückkehrt zu seinem Ausgangspunkt, zu Wegen und Situationen, die in ähnlicher Weise schon vorgekommen sind. Neue musikalische Ebenen und Dimensionen werden durch eine Neubearbeitung der originalen Strukturen möglich. Wenn die Dinge sich immer weiter drehen, entwickeln und erweitern, nehmen sie Energie auf. Mich erinnert das an einen Phönix, an den Mond oder an den Rhythmus von Tag und Nacht.“

Einige der Stückkonzepte, aber auch die klassisch geschulten pianistischen Techniken, über die Clara Haberkamp verfügt, sind durchaus untypisch für ein Jazzalbum. In der Improvisation lässt diese Allround-Musikerin einfach alles zu, was ihr spontan in den Sinn kommt – dynamisch, harmonisch, stilistisch. „Wir sind in jedem Augenblick bereit, neue Richtungen einzuschlagen“, sagt sie. „Das erfordert eine hohe Bereitschaft, Risiken einzugehen. Ich kann manchmal die Verantwortung einfach abgeben und mich losmachen.“ 

Das geht natürlich nur mit aufmerksamen, virtuosen Begleitern. Oliver Potratz, Bass, der auch als Begleiter von Carsten Daerr, Dirk Bleese oder David Friedman geglänzt hat, und Jarle Vespestad, Schlagzeug, bekannt aus dem gefeierten Trio von Tord Gustavsen, sind für Haberkamp geradezu ideale Spielpartner. „Die Erfahrung der beiden bereichert meine Musik ungemein“, sagt sie. „Auch wenn es nicht immer danach klingt, ist vieles in meiner Musik kompositorisch und vor allem energetisch vorgegeben. Es geht da ein starker Impuls von meiner Seite aus. Die Musiker müssen also eine eigene Stimme, ja sogar eine eigene Spielphilosophie haben, um diese Dynamik bereichern, unterstützen und auch durchbrechen zu können. Denn genau das braucht meine Musik: Gegenpole und entzerrende Elemente.“

Frauenpower

Ihr Selbstvertrauen als Musikerin hat Clara Haberkamp schon in jungen Jahren entwickelt. Sie sehe es als Geschenk, sagt sie, dass sie schon früh „weibliche Identifikationsfiguren von Jazzmusikerinnen“ um sich hatte. Ihre Mutter Ilona, eine Jazzsaxofonistin, gehörte in den 1980er Jahren dem Frauenorchester Reichlich Weiblich an (damals noch als Ilona Henz), spielte später auch im United Women’s Orchestra und forscht zum Thema „Frauen im Jazz“. 1986 (noch vor Claras Geburt) interviewte sie die legendäre Jazzpianistin Jutta Hipp und hielt von da an engen Kontakt zu ihr. Jutta Hipp hatte einmal als „Europe’s First Lady of Jazz“ gegolten, war 1955 in die USA gegangen, machte dort Platten für Blue Note, gab die Musik aber nach fünf weiteren Jahren komplett auf. 

2023 hat Ilona Haberkamp ein Buch über Jutta Hipp veröffentlicht, in dem auch Clara zu Wort kommt. „Aus dieser Biografie“, so wird Clara Haberkamp darin zitiert, „habe ich gelernt, dass es wichtig ist, eine eigene Stimme und Improvisationssprache auf dem Instrument zu finden.“ Aber nicht nur das: „Juttas Stil, der auch Bach-ähnliche Passagen enthielt, inspiriert mich sehr“, sagt sie. Vor allem schätzt sie Jutta Hipps Cool-Jazz-Aufnahmen aus ihrer Frankfurter Zeit. „Jutta Hipp befürwortete auch persönlich meine ersten Zugänge zum Klavierspiel und zum Jazz. Zusammen mit meiner Mutter und ihren Kolleginnen von Reichlich Weiblich boten sich mir damit gleich zwei Generationen [als Vorbilder] auf diesem Feld.“

Das Clara Haberkamp Trio: Jarle Vespestad, Clara Haberkamp und Oliver Potratz. Foto: Peter Hundert

Das Label TYXart

Clara Haberkamps neues Album erscheint auf einem Label, das sich bis jetzt im Jazz noch nicht profiliert hat. TYXart ist eine ambitionierte, unabhängige Plattenfirma in der Nähe von Regensburg mit eigenem Tonstudio, eigenen Tonmeistern und einem engagierten Team. Dieses „neue Label für Musik und Klangkunst“ (so die Eigendarstellung) hat sich bislang hauptsächlich mit Kammermusik- und Literatur-Produktionen hervorgetan. Clara Haberkamps stilistische Offenheit machte dem Label nun aber den Schritt ins Jazz-Genre sehr leicht.

„Natürlich startet man eine Jazzreihe nicht mit einer beliebigen Produktion“, sagt Labelchef Andreas Ziegler. Besonders fasziniere ihn, wie Clara Haberkamp mit ihrem klassischen Hintergrund an den Jazz herangeht, wie sie „in ihrem Trio verschiedenste musikalisch-emotionale Ebenen in der Musik und in den Kompositionen zum Leuchten bringen kann“. Haberkamp spürte bei Ziegler eine ihr ähnliche Empfindung für Musik: „Andreas teilt meine Leidenschaft für komplexere kompositorische Zusammenhänge, aber auch für emotional direkte und unverstellte Momente. Kurzum, es passte.“ 

Es war Zieglers Wunsch, dass Haberkamp als Bonus Track des Albums auch eine Gesangsnummer aufnimmt. Die Pianistin wählte das alte irische Volkslied „Danny Boy“, bei dem sie ihren Gesang allein am Klavier begleitet. Auch die beiden Coverversionen, die ihr Trio für das Album eingespielt hat, sind keine typischen Jazzstandards: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Friedrich Hollaender und „If You Could Read My Mind“ vom kanadischen Songwriter Gordon Lightfoot, der 2023 verstorben ist. Haberkamp ist der ausgeprägte „Liedcharakter“ aller drei Stücke wichtig. „Im Moment habe ich großes Interesse daran, Lieder zu reharmonisieren oder eigenständig zu interpretieren“, sagt sie. „Und ich finde es schön, wenn einige Zuhörer und Zuhörerinnen, die nicht zum Jazz-Fachpublikum gehören, ein Lied erkennen und somit einen Zugang zur improvisierten Musik bekommen.“ 

Überhaupt scheint das Sangliche das eigentliche Geheimnis ihrer betörenden Musik zu sein. Wohin auch immer ihre Improvisationen führen: Clara Haberkamps Klavierspiel fesselt durch seinen singenden Ton, seine charmante Autorität. Man kann gar nicht anders, man muss ihr einfach zuhören.