Musikgeschichte

Doppelbegabung

Von
Klemens Hippel
Erschienen in der Printausgabe im
September 2026
Lesezeit ca.
Minuten

Wollte man eine Rangliste der berühmtesten Komponisten erstellen, von denen man keine Musik kennt: François-André Danican Philidor würde wohl recht weit oben erscheinen. Vor allem natürlich deswegen, weil sein Name jedem Schachspieler ein Begriff ist. Nach ihm ist nicht nur eine bis heute populäre Eröffnung benannt, sondern auch eine elementare Stellung im Turmendspiel.

Was Philidors musikalische Verdienste angeht, muss man zunächst vorsichtig sein, gehört er doch zu einer ganzen Großfamilie französischer Musiker. Wer etwa die schöne Aufnahme von Suiten mit Jed Wentz und Musica ad Rhenum (2021) kennt: Die sind von Pierre, einem Cousin François-Andrés. Und wer Philidor als Begründer des berühmten Pariser Concert spirituel kennt, hat wieder einen anderen Philidor im Sinne: Anne Danican Philidor (1681-1728), der ein Halbbruder unseres Philidor war. Der enorme Altersunterschied von 45 Jahren verdankt sich der Tatsache, dass François-Andrés Vater André (genannt der Ältere) siebzehn Kinder mit seiner ersten Frau hatte, ehe er mit fast siebzig noch einmal heiratete – François-André kam dann vier Jahre vor dem Tode Andrés zur Welt: am 7. September 1726. Begründer der Musikerfamilie war der um 1580 geborene Oboist Michel gewesen, dem die Philidors wohl auch den klangvollen Namen verdanken: Er spielte so schön, dass er König Louis XIII. an seinen italienischen Oboisten Filidori erinnert haben soll. So wurde aus der Familie Danican erst „Danican dit Filidor“ (genannt Filidor), nach 1683 dann Danican Philidor.

Ob die ungewöhnlich frühe Aufnahme des sechsjährigen François-André in die Chapelle Royale (der seinerzeit An­dré Campra vorstand) nur dem großen Talent oder auch diesen Familienbanden zu verdanken ist, wissen wir nicht; sicher ist, dass der Knabe bereits mit eigenen Motetten auf sich aufmerksam machte. Trotzdem beendete der Stimmbruch zunächst seine Karriere – mit vierzehn verließ er die Kapelle und ging nach Paris, wo er sich als Kopist und Musiklehrer durchzuschlagen gedachte. Dass es dann ganz anders kam, lag daran, dass Philidor bei seinen Musikerkollegen das Schachspielen erlernt hatte. Eine beliebte Freizeitbeschäftigung an der Kapelle, deren Mitglieder ständig auf das Erscheinen der Herrschaften zu warten hatten – und da ihnen Kartenspiele als Glücksspiele verboten waren, bot sich Schach als Alternative an.

In Paris trafen sich die Schachfreunde seinerzeit im legendären Café de la Régence im Palais Royal, wo alle verkehrten, die Rang und Namen hatten – von Rousseau über Diderot bis Voltaire. Beim damals besten Meister der Stadt lernte Philidor noch ein wenig, doch bald galt er selbst als der beste des Landes. Die Bekanntschaften, die er im Café machte, zahlten sich aber auch musikalisch aus – als Rousseau 1745 aus Venedig zurückkam, ließ er sich von Philidor bei der Fertigstellung seiner „Les Muses Galantes“ helfen. Doch dann ging es für Philidor zunächst als Schachprofi weiter: Als er auf einer Konzertreise in Holland strandete, weil sein Begleiter plötzlich nach Paris zurückkehrte, lernte er in Den Haag britische Offiziere kennen, die ihn nach London einluden, wo Philidor nicht nur alle lokalen Größen besiegte, sondern auch mit den Plänen für ein Schachlehrbuch begann, das 1749 erschien.

Wie international bekannt Philidor damals bereits war, lässt sich gut an der Resonanz ablesen, die ein Besuch in Berlin und Potsdam im Jahre 1750 fand, wo er nicht nur oft am Hofe Friedrichs II. zu Gast war, sondern auch in ausführlichen Zeitungsartikeln und Briefen erwähnt wird – etwa bei den bis heute berühmten Mathematikern Goldbach und Euler. Letzterer berichtet auch, warum aus einer geplanten deutschen Ausgabe von Philidors Schachlehrwerk zunächst nichts wurde: Er musste überstürzt abreisen, weil er wegen einer Dame Probleme mit einigen Offizieren bekommen hatte. Ob es diese Klatschgeschichte war, die Novalis viele Jahre später zu seinem zweideutigen „Ich weiß nicht was“ anregte, in dem „Herr Filidor“, der „zum Spiele viel Genie“ hat, sich mit einem „Lisettchen“ betätigt: „oft giengs da capo an“? Susanne Poldauf hat 2001 in ihrer Philidor-Biografie diesen Novalis-Fund präsentiert.

Wenn man Gerbers Lexikon von 1792 glaubt, hat Philidor in Berlin noch „den Contrapunkt bey einem dasigen Meister studiert“. In jedem Fall nahm nun seine Karriere als Musiker Fahrt auf: Ende 1752 stellte er in London seine „Latin Music“ vor – und als das Gerücht aufkam, er könne gar nicht der Komponist sein, weil er doch Schachspieler sei, teilte er in der Presse mit, „dass die Kunst der Musik zu allen Zeiten sein ständiges Studium und sein Engagement gewesen ist und das Schachspiel lediglich eine Freizeitbeschäftigung“. Zur Aufführung seines „Hymn to Harmony“ war dann sogar Händel zu Gast.

1754 kehrte Philidor nach Frankreich zurück, wo er sich mit der Motette „Lauda sion“ um eine Stelle als Kapellmeister in Versailles bewarb. Doch die Musik des Weitgereisten war dem Hof „zu italienisch“ – schade, dass wir das nicht nachprüfen können, denn alle geistlichen Werke Philidors (später sollte noch ein Requiem auf Rameau hinzukommen) sind verschollen. Doch zum Glück war jenseits des Hofes das Italienische in – gerade hatte ja der Buffonistenstreit zwischen den Anhängern Rameaus und denen der italienischen Oper getobt, bei dem sich die Italiener durchgesetzt hatten. So brachte Philidor zwischen 1759 und 1765 elf Opern auf die Bühne der Opéra comique beziehungsweise Comédie-Italienne. Und mit „Ernelinde“ gelang ihm 1767 sogar der Sprung zur Tragédie lyrique.

Philidor (mit verbundenen Augen) beim Spielen. Kupferstich von 1794. Foto: wellcomeimages.org

Dass seine Beiträge zur Reform der französischen Oper heute meist vergessen werden, liegt daran, dass bald ein gewisser Gluck in Paris auftauchen sollte, der alle überstrahlte – doch mit „Ernelinde“ war Philidor der Erste, der Elemente der italienischen Oper in die Tragédie lyrique einbrachte. Wie sich das anhört, kann man sehr schön in der im vergangenen Jahr bei Château de Versailles Spectacles erschienenen Aufnahme hören. Bis 1769 kamen regelmäßig weitere Philidor-Opern auf die Pariser Bühnen, danach nur noch wenige, denn Philidor reiste seit 1771 wieder regelmäßig nach England, wo er in den neu entstandenen Schachclubs sehr gefragt war – vor allem wegen seiner gerühmten Fähigkeit, blind gleichzeitig gegen mehrere starke Gegner anzutreten.

Musikalisch machte er noch einmal mit seinem 1779 in London uraufgeführten Oratorium „Carmen saeculare“ auf eine Ode von Horaz von sich reden, das auch in Paris und Berlin ein großes Publikum fand. Friedrich Wilhelm II. war ebenso begeistert wie die Zarin Katharina II., die Philidor ein großzügiges Geldgeschenk machte, sodass Philidor das Werk 1788 drucken lassen konnte. Jean-Claude Malgoire hat es 1998 mit dem Orchestra della Svizzera Italiana für Naxos aufgenommen. Daneben wurde nur ein weiteres Werk Philidors zu seinen Lebzeiten gedruckt: Sein einziges Instrumentalwerk, die sechs Quartette „L’art de la Modulation“, erschien 1755 in Paris – wunderbare Salonmusik, die die Camerata Köln (2013) und Elizabeth Wallfisch mit Ars Antiqua (2016) aufgenommen haben. Eine skurrile Fassung für zwei Klaviere stellten Chantal und Gisèle Andranian 2022 vor.

Die Ambitionen, die Philidor mit seiner Musik verband, lassen sich überraschenderweise besonders gut in einem Buch über Schach nachvollziehen: 1787 veröffentlichte Richard Twiss sein Schachbuch, in dem Philidor ein ganzes Kapitel gewidmet ist: „Anekdoten von Mr. Philidor, berichtet von ihm selbst“. Der früheste Biograf Philidors hatte ihn noch selbst kennengelernt und in seiner Skizze der musikalischen Karriere des Meisters macht er eine interessante Anmerkung, die (mangels eigener musikalischer Expertise) nur aus dem Munde Philidors selbst stammen kann: In der Tragédie lyrique habe Philidor „eine vollständige Veränderung des nationalen Geschmacks in Bezug auf die französische Musik angestrebt“. Ein Unterfangen, das schließlich erfolgreich war – auch wenn die Lorbeeren dafür an andere gingen.

Zwei weitere Tragédies lyriques, „Persée“ (1780) und „Thémistocle“ (1785), hinterließen keine weiteren Spuren, obwohl „Persée“ für den Philidor-Kenner Julian Rusthon „musikalisch die reichste Oper Philidors“ ist – Philidor sei als Komponist nach 1770 „die Luft ausgegangen“, meint Rusthon, während er mehr und immer besser Schach gespielt habe. Das konnte er vornehmlich in England tun, und am Ende wurde dieses Pendeln zwischen Frankreich und England auch sein Verhängnis: 1792 setzte man ihn – nach der Revolution – in Paris auf die Liste der Emigranten, und er konnte nicht mehr nach Frankreich zurück; so starb Philidor am 31. August 1795 in London.

Wollte man eine Rangliste der berühmtesten Komponisten erstellen, von denen man keine Musik kennt: François-André Danican Philidor würde wohl recht weit oben erscheinen. Vor allem natürlich deswegen, weil sein Name jedem Schachspieler ein Begriff ist. Nach ihm ist nicht nur eine bis heute populäre Eröffnung benannt, sondern auch eine elementare Stellung im Turmendspiel.

Was Philidors musikalische Verdienste angeht, muss man zunächst vorsichtig sein, gehört er doch zu einer ganzen Großfamilie französischer Musiker. Wer etwa die schöne Aufnahme von Suiten mit Jed Wentz und Musica ad Rhenum (2021) kennt: Die sind von Pierre, einem Cousin François-Andrés. Und wer Philidor als Begründer des berühmten Pariser Concert spirituel kennt, hat wieder einen anderen Philidor im Sinne: Anne Danican Philidor (1681-1728), der ein Halbbruder unseres Philidor war. Der enorme Altersunterschied von 45 Jahren verdankt sich der Tatsache, dass François-Andrés Vater André (genannt der Ältere) siebzehn Kinder mit seiner ersten Frau hatte, ehe er mit fast siebzig noch einmal heiratete – François-André kam dann vier Jahre vor dem Tode Andrés zur Welt: am 7. September 1726. Begründer der Musikerfamilie war der um 1580 geborene Oboist Michel gewesen, dem die Philidors wohl auch den klangvollen Namen verdanken: Er spielte so schön, dass er König Louis XIII. an seinen italienischen Oboisten Filidori erinnert haben soll. So wurde aus der Familie Danican erst „Danican dit Filidor“ (genannt Filidor), nach 1683 dann Danican Philidor.

Ob die ungewöhnlich frühe Aufnahme des sechsjährigen François-André in die Chapelle Royale (der seinerzeit An­dré Campra vorstand) nur dem großen Talent oder auch diesen Familienbanden zu verdanken ist, wissen wir nicht; sicher ist, dass der Knabe bereits mit eigenen Motetten auf sich aufmerksam machte. Trotzdem beendete der Stimmbruch zunächst seine Karriere – mit vierzehn verließ er die Kapelle und ging nach Paris, wo er sich als Kopist und Musiklehrer durchzuschlagen gedachte. Dass es dann ganz anders kam, lag daran, dass Philidor bei seinen Musikerkollegen das Schachspielen erlernt hatte. Eine beliebte Freizeitbeschäftigung an der Kapelle, deren Mitglieder ständig auf das Erscheinen der Herrschaften zu warten hatten – und da ihnen Kartenspiele als Glücksspiele verboten waren, bot sich Schach als Alternative an.

In Paris trafen sich die Schachfreunde seinerzeit im legendären Café de la Régence im Palais Royal, wo alle verkehrten, die Rang und Namen hatten – von Rousseau über Diderot bis Voltaire. Beim damals besten Meister der Stadt lernte Philidor noch ein wenig, doch bald galt er selbst als der beste des Landes. Die Bekanntschaften, die er im Café machte, zahlten sich aber auch musikalisch aus – als Rousseau 1745 aus Venedig zurückkam, ließ er sich von Philidor bei der Fertigstellung seiner „Les Muses Galantes“ helfen. Doch dann ging es für Philidor zunächst als Schachprofi weiter: Als er auf einer Konzertreise in Holland strandete, weil sein Begleiter plötzlich nach Paris zurückkehrte, lernte er in Den Haag britische Offiziere kennen, die ihn nach London einluden, wo Philidor nicht nur alle lokalen Größen besiegte, sondern auch mit den Plänen für ein Schachlehrbuch begann, das 1749 erschien.

Wie international bekannt Philidor damals bereits war, lässt sich gut an der Resonanz ablesen, die ein Besuch in Berlin und Potsdam im Jahre 1750 fand, wo er nicht nur oft am Hofe Friedrichs II. zu Gast war, sondern auch in ausführlichen Zeitungsartikeln und Briefen erwähnt wird – etwa bei den bis heute berühmten Mathematikern Goldbach und Euler. Letzterer berichtet auch, warum aus einer geplanten deutschen Ausgabe von Philidors Schachlehrwerk zunächst nichts wurde: Er musste überstürzt abreisen, weil er wegen einer Dame Probleme mit einigen Offizieren bekommen hatte. Ob es diese Klatschgeschichte war, die Novalis viele Jahre später zu seinem zweideutigen „Ich weiß nicht was“ anregte, in dem „Herr Filidor“, der „zum Spiele viel Genie“ hat, sich mit einem „Lisettchen“ betätigt: „oft giengs da capo an“? Susanne Poldauf hat 2001 in ihrer Philidor-Biografie diesen Novalis-Fund präsentiert.

Wenn man Gerbers Lexikon von 1792 glaubt, hat Philidor in Berlin noch „den Contrapunkt bey einem dasigen Meister studiert“. In jedem Fall nahm nun seine Karriere als Musiker Fahrt auf: Ende 1752 stellte er in London seine „Latin Music“ vor – und als das Gerücht aufkam, er könne gar nicht der Komponist sein, weil er doch Schachspieler sei, teilte er in der Presse mit, „dass die Kunst der Musik zu allen Zeiten sein ständiges Studium und sein Engagement gewesen ist und das Schachspiel lediglich eine Freizeitbeschäftigung“. Zur Aufführung seines „Hymn to Harmony“ war dann sogar Händel zu Gast.

1754 kehrte Philidor nach Frankreich zurück, wo er sich mit der Motette „Lauda sion“ um eine Stelle als Kapellmeister in Versailles bewarb. Doch die Musik des Weitgereisten war dem Hof „zu italienisch“ – schade, dass wir das nicht nachprüfen können, denn alle geistlichen Werke Philidors (später sollte noch ein Requiem auf Rameau hinzukommen) sind verschollen. Doch zum Glück war jenseits des Hofes das Italienische in – gerade hatte ja der Buffonistenstreit zwischen den Anhängern Rameaus und denen der italienischen Oper getobt, bei dem sich die Italiener durchgesetzt hatten. So brachte Philidor zwischen 1759 und 1765 elf Opern auf die Bühne der Opéra comique beziehungsweise Comédie-Italienne. Und mit „Ernelinde“ gelang ihm 1767 sogar der Sprung zur Tragédie lyrique.

Philidor (mit verbundenen Augen) beim Spielen. Kupferstich von 1794. Foto: wellcomeimages.org

Dass seine Beiträge zur Reform der französischen Oper heute meist vergessen werden, liegt daran, dass bald ein gewisser Gluck in Paris auftauchen sollte, der alle überstrahlte – doch mit „Ernelinde“ war Philidor der Erste, der Elemente der italienischen Oper in die Tragédie lyrique einbrachte. Wie sich das anhört, kann man sehr schön in der im vergangenen Jahr bei Château de Versailles Spectacles erschienenen Aufnahme hören. Bis 1769 kamen regelmäßig weitere Philidor-Opern auf die Pariser Bühnen, danach nur noch wenige, denn Philidor reiste seit 1771 wieder regelmäßig nach England, wo er in den neu entstandenen Schachclubs sehr gefragt war – vor allem wegen seiner gerühmten Fähigkeit, blind gleichzeitig gegen mehrere starke Gegner anzutreten.

Musikalisch machte er noch einmal mit seinem 1779 in London uraufgeführten Oratorium „Carmen saeculare“ auf eine Ode von Horaz von sich reden, das auch in Paris und Berlin ein großes Publikum fand. Friedrich Wilhelm II. war ebenso begeistert wie die Zarin Katharina II., die Philidor ein großzügiges Geldgeschenk machte, sodass Philidor das Werk 1788 drucken lassen konnte. Jean-Claude Malgoire hat es 1998 mit dem Orchestra della Svizzera Italiana für Naxos aufgenommen. Daneben wurde nur ein weiteres Werk Philidors zu seinen Lebzeiten gedruckt: Sein einziges Instrumentalwerk, die sechs Quartette „L’art de la Modulation“, erschien 1755 in Paris – wunderbare Salonmusik, die die Camerata Köln (2013) und Elizabeth Wallfisch mit Ars Antiqua (2016) aufgenommen haben. Eine skurrile Fassung für zwei Klaviere stellten Chantal und Gisèle Andranian 2022 vor.

Die Ambitionen, die Philidor mit seiner Musik verband, lassen sich überraschenderweise besonders gut in einem Buch über Schach nachvollziehen: 1787 veröffentlichte Richard Twiss sein Schachbuch, in dem Philidor ein ganzes Kapitel gewidmet ist: „Anekdoten von Mr. Philidor, berichtet von ihm selbst“. Der früheste Biograf Philidors hatte ihn noch selbst kennengelernt und in seiner Skizze der musikalischen Karriere des Meisters macht er eine interessante Anmerkung, die (mangels eigener musikalischer Expertise) nur aus dem Munde Philidors selbst stammen kann: In der Tragédie lyrique habe Philidor „eine vollständige Veränderung des nationalen Geschmacks in Bezug auf die französische Musik angestrebt“. Ein Unterfangen, das schließlich erfolgreich war – auch wenn die Lorbeeren dafür an andere gingen.

Zwei weitere Tragédies lyriques, „Persée“ (1780) und „Thémistocle“ (1785), hinterließen keine weiteren Spuren, obwohl „Persée“ für den Philidor-Kenner Julian Rusthon „musikalisch die reichste Oper Philidors“ ist – Philidor sei als Komponist nach 1770 „die Luft ausgegangen“, meint Rusthon, während er mehr und immer besser Schach gespielt habe. Das konnte er vornehmlich in England tun, und am Ende wurde dieses Pendeln zwischen Frankreich und England auch sein Verhängnis: 1792 setzte man ihn – nach der Revolution – in Paris auf die Liste der Emigranten, und er konnte nicht mehr nach Frankreich zurück; so starb Philidor am 31. August 1795 in London.

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