Interview & Porträt

Virtuosen im Sandkasten

Von
Susanne Dressler
Erschienen in der Printausgabe im
September 2026
Lesezeit ca.
Minuten
Foto: Julia Wesely
Foto: Julia Wesely

Dass Musiker aus zwei verschiedenen Orchestern gemeinsam Kammermusik machen, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Dass es sich bei den Philharmonix – Untertitel: The Vienna Berlin Music Club – um Wiener und Berliner Philharmoniker handelt, ist aber doch etwas Besonderes. Und erst recht ist es ungewöhnlich, welche Freiheiten sich das 2017 gegründete Ensemble nimmt und mit welcher ansteckenden guten Laune die sieben Musiker auf der Bühne stehen. Ein Abend mit den Philharmonix verspricht fast alles – nur kein klassisches Konzert im herkömmlichen Sinn. Klassische Konzerttraditionen nehmen sie augenzwinkernd auf die Schippe, und jeder erhält Raum für Soli und persönliche musikalische Akzente. Oft hat man das Gefühl, einer Jam-Session oder einem musikalischen Wettstreit unter Freunden beizuwohnen. Auch das Publikum wird zum Mitmachen eingeladen – da wird geschnippt, mitgeklatscht und gelacht.

„Philharmonix ist ein wesentlicher Bestandteil meines musikalischen Lebens“, sagt Noah Bendix-Balgley, Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. „Mit der Gruppe kann ich viele Musikstile erkunden, die ich bei meinen Orchester- und Solokonzerten nicht spielen kann. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, unsere eigenen, einzigartigen Philharmonix-Versionen zu kreieren. Alles, was wir lieben, sei es Volksmusik, Swing, Pop, Filmmusik oder neu interpretierte klassische Werke. Wir kennen uns in dieser Gruppe so gut, dass wir mit wunderbarer Freiheit und Spontanität spielen können.“ Der Amerikaner widmet sich mit großer Leidenschaft der Klezmermusik, forscht intensiv zur jüdischen Musiktradition und bringt diese musikalische Sprache regelmäßig in die Programme der Philharmonix ein.

Für die Kompositionen und die Arrangements zuständig sind sein Berliner Orchesterkollege, der Cellist Stephan Koncz, übrigens gebürtiger Wiener, und der Geiger Sebastian Gürtler, einer der vielseitigsten Musiker der Wiener Kammermusikszene und Primarius des renommierten Hugo-Wolf-Quartetts. Die Bearbeitungen der beiden – von klassischen wie auch von nicht klassischen Werken – sind weit mehr als bloße instrumentale Übertragungen. Sie greifen Motive auf, verändern Perspektiven, verweben musikalische Zitate und schaffen Arrangements, die häufig zwischen Hommage und eigenständiger Neukomposition stehen. Koncz und Gürtler liefern sozusagen die musikalische „Nahrung“ für das Ensemble. Sie kennen die Stärken und Eigenheiten ihrer Kollegen genau und schreiben ihren Freunden die Arrangements mit größtem Respekt auf den Leib.

Manchmal wissen die sieben bis kurz vor einem Konzert selbst nicht genau, was sie spielen werden

Arrangements steuern aber auch der Pianist Christoph Traxler, der im Hauptberuf als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unterrichtet, und Thilo Fechner bei. Der gebürtige Berliner ist Bratscher bei den Wiener Philharmonikern und tritt stets im knallroten Anzug auf. Das groovende Fundament legt Ödön Rácz, der aus Budapest stammende Solokontrabassist der Wiener Philharmoniker, während Daniel Ottensamer, Spross einer bedeutenden Klarinettistenfamilie und Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, auch als Conférencier durch die Konzerte führt. Mit großen Entertainerqualitäten ausgestattet, erklärt er die Ideen hinter den Arrangements und plaudert immer wieder aus dem Nähkästchen. Manchmal wissen die sieben Musiker bis kurz vor einem Konzert selbst nicht genau, was sie spielen werden: „Wir sind sieben Musiker, die sich das Einfache zum Ziel gesetzt haben: Musik zu spielen, auf die wir Lust haben. Zwar kommen wir mit unseren Ausbildungen aus der Welt der klassischen Musik, aber wir lieben alle Genres und Stilrichtungen.“

Dass die sieben Zeit finden, regelmäßig zu proben, zu konzertieren und auch noch CDs zu produzieren, grenzt beinahe an ein Wunder und ist wohl nur durch minutiöse Planung erklärbar. Gerade ist ihr fünftes Album erschienen. „Sandbox“, zu Deutsch: Sandkasten, bietet wieder einen bunten Mix an Werken, diesmal von Mozart und Schubert über Chopin, Debussy und Strauss’ „Zarathustra“ bis zu Bartók, den Beatles und Eigenkompositionen. „Das ist das Markenzeichen unseres Ensembles. Jedes Arrangement trägt unsere unverwechselbare Handschrift, und auch scheinbar Bekanntes wie Pippi Langstrumpf oder Star Trek erklingt in einem völlig neuen Kleid. Immer mit dem inneren Drang, das Musikantische und die ursprüngliche ‚Volksmusik‘ der Werke in den Vordergrund zu rücken oder neu zu erfinden“, beschreibt Daniel Ottensamer den Sound des Albums. Und Noah Bendix-Balgley ergänzt: „‚Sandbox‘ verkörpert das kindliche Gefühl des Spielens und der Freude, die wir in unseren Konzerten suchen. Dies ist unser fünftes Album, und wir fühlen uns immer noch wie Kinder, die mit ihren liebsten musikalischen Spielzeugen spielen.“ Genau diese Freude am gemeinsamen Musizieren macht die Philharmonix so besonders – und erklärt, warum ihre Konzerte musikalische Abenteuer bedeuten, die Virtuosität und Spielfreude auf einzigartige Weise verbinden.

Dass Musiker aus zwei verschiedenen Orchestern gemeinsam Kammermusik machen, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Dass es sich bei den Philharmonix – Untertitel: The Vienna Berlin Music Club – um Wiener und Berliner Philharmoniker handelt, ist aber doch etwas Besonderes. Und erst recht ist es ungewöhnlich, welche Freiheiten sich das 2017 gegründete Ensemble nimmt und mit welcher ansteckenden guten Laune die sieben Musiker auf der Bühne stehen. Ein Abend mit den Philharmonix verspricht fast alles – nur kein klassisches Konzert im herkömmlichen Sinn. Klassische Konzerttraditionen nehmen sie augenzwinkernd auf die Schippe, und jeder erhält Raum für Soli und persönliche musikalische Akzente. Oft hat man das Gefühl, einer Jam-Session oder einem musikalischen Wettstreit unter Freunden beizuwohnen. Auch das Publikum wird zum Mitmachen eingeladen – da wird geschnippt, mitgeklatscht und gelacht.

„Philharmonix ist ein wesentlicher Bestandteil meines musikalischen Lebens“, sagt Noah Bendix-Balgley, Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. „Mit der Gruppe kann ich viele Musikstile erkunden, die ich bei meinen Orchester- und Solokonzerten nicht spielen kann. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, unsere eigenen, einzigartigen Philharmonix-Versionen zu kreieren. Alles, was wir lieben, sei es Volksmusik, Swing, Pop, Filmmusik oder neu interpretierte klassische Werke. Wir kennen uns in dieser Gruppe so gut, dass wir mit wunderbarer Freiheit und Spontanität spielen können.“ Der Amerikaner widmet sich mit großer Leidenschaft der Klezmermusik, forscht intensiv zur jüdischen Musiktradition und bringt diese musikalische Sprache regelmäßig in die Programme der Philharmonix ein.

Für die Kompositionen und die Arrangements zuständig sind sein Berliner Orchesterkollege, der Cellist Stephan Koncz, übrigens gebürtiger Wiener, und der Geiger Sebastian Gürtler, einer der vielseitigsten Musiker der Wiener Kammermusikszene und Primarius des renommierten Hugo-Wolf-Quartetts. Die Bearbeitungen der beiden – von klassischen wie auch von nicht klassischen Werken – sind weit mehr als bloße instrumentale Übertragungen. Sie greifen Motive auf, verändern Perspektiven, verweben musikalische Zitate und schaffen Arrangements, die häufig zwischen Hommage und eigenständiger Neukomposition stehen. Koncz und Gürtler liefern sozusagen die musikalische „Nahrung“ für das Ensemble. Sie kennen die Stärken und Eigenheiten ihrer Kollegen genau und schreiben ihren Freunden die Arrangements mit größtem Respekt auf den Leib.

Manchmal wissen die sieben bis kurz vor einem Konzert selbst nicht genau, was sie spielen werden

Arrangements steuern aber auch der Pianist Christoph Traxler, der im Hauptberuf als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unterrichtet, und Thilo Fechner bei. Der gebürtige Berliner ist Bratscher bei den Wiener Philharmonikern und tritt stets im knallroten Anzug auf. Das groovende Fundament legt Ödön Rácz, der aus Budapest stammende Solokontrabassist der Wiener Philharmoniker, während Daniel Ottensamer, Spross einer bedeutenden Klarinettistenfamilie und Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, auch als Conférencier durch die Konzerte führt. Mit großen Entertainerqualitäten ausgestattet, erklärt er die Ideen hinter den Arrangements und plaudert immer wieder aus dem Nähkästchen. Manchmal wissen die sieben Musiker bis kurz vor einem Konzert selbst nicht genau, was sie spielen werden: „Wir sind sieben Musiker, die sich das Einfache zum Ziel gesetzt haben: Musik zu spielen, auf die wir Lust haben. Zwar kommen wir mit unseren Ausbildungen aus der Welt der klassischen Musik, aber wir lieben alle Genres und Stilrichtungen.“

Dass die sieben Zeit finden, regelmäßig zu proben, zu konzertieren und auch noch CDs zu produzieren, grenzt beinahe an ein Wunder und ist wohl nur durch minutiöse Planung erklärbar. Gerade ist ihr fünftes Album erschienen. „Sandbox“, zu Deutsch: Sandkasten, bietet wieder einen bunten Mix an Werken, diesmal von Mozart und Schubert über Chopin, Debussy und Strauss’ „Zarathustra“ bis zu Bartók, den Beatles und Eigenkompositionen. „Das ist das Markenzeichen unseres Ensembles. Jedes Arrangement trägt unsere unverwechselbare Handschrift, und auch scheinbar Bekanntes wie Pippi Langstrumpf oder Star Trek erklingt in einem völlig neuen Kleid. Immer mit dem inneren Drang, das Musikantische und die ursprüngliche ‚Volksmusik‘ der Werke in den Vordergrund zu rücken oder neu zu erfinden“, beschreibt Daniel Ottensamer den Sound des Albums. Und Noah Bendix-Balgley ergänzt: „‚Sandbox‘ verkörpert das kindliche Gefühl des Spielens und der Freude, die wir in unseren Konzerten suchen. Dies ist unser fünftes Album, und wir fühlen uns immer noch wie Kinder, die mit ihren liebsten musikalischen Spielzeugen spielen.“ Genau diese Freude am gemeinsamen Musizieren macht die Philharmonix so besonders – und erklärt, warum ihre Konzerte musikalische Abenteuer bedeuten, die Virtuosität und Spielfreude auf einzigartige Weise verbinden.