Glückseligkeit in Molyvos
Die Pianistinnen Danae und Kiveli Dörken haben sich auf der Insel Lesbos ihren Festivaltraum erfüllt

Das Geschirr klappert, die Zikaden zirpen. Benedict Kloeckner sitzt am Rand des belebten Platzes in der Altstadt von Molyvos und spielt auf seinem Cello etwas ganz Zartes in den Geräuschpegel hinein: das lichte Prélude aus Johann Sebastian Bachs Solosuite Nr. 6 in D-Dur. Handys werden gezückt, der Restaurantbetrieb läuft normal weiter. Aber dennoch entsteht im Alltag ein besonderer Moment mit großer Kunst. MMM – Molyvos Musical Moments – heißen diese rund fünfzehnminütigen Pop-up-Konzerte, mit denen das 2015 von Danae und Kiveli Dörken gegründete Molyvos International Music Festival auf der griechischen Insel Lesbos die Musik direkt zu den Menschen bringt. Zu den Einheimischen, zu Touristen und zu denen, die arbeiten müssen und deshalb gar nichts von den Festivalkonzerten mitbekommen. Wie zum Beispiel die Barkeeper, die in der Congas-Bar die Drinks mixen. Aus den Lautsprechern klingt Salsa-Musik, während acht Musikerinnen und Musiker in T-Shirts, Badelatschen oder auch barfuß wie der Cellist Andreas Brantelid ihre Instrumente auspacken, um in dieser ungewöhnlichen Umgebung den ersten Satz aus Mendelssohns Oktett zu spielen. Antje Weithaas gibt an der ersten Violine den Einsatz und führt das Ensemble mit viel Erfahrung durch die virtuose Partitur. Die Berliner Geigenprofessorin hat 2022 zum ersten Mal beim Festival gespielt – und seitdem keine Ausgabe verpasst. Sie schätzt das familiäre Zusammensein zwischen den Musikerinnen und Musikern und die Nähe zum Publikum. „Gerade die Musical Moments finde ich wunderbar. Das ist so eine ursprüngliche Art und Weise, die Musik zum Inselpublikum zu bringen. Die Menschen bekommen etwas, was sie sonst nie bekommen würden.“
Selbst am Strand spielen Clémence de Forceville und Sebastian Manz Duette für Violine und Klarinette. „A Scattered Sketchbook“ des syrischen Komponisten Kinan Azmeh ist 2012 mitten im Krieg entstanden. Die seufzenden Glissandi erzählen vom Schmerz, das Meer bildet den rauschenden Klangteppich für die expressive Komposition. Betroffenheit im Bikini – auch das ist möglich bei diesem in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Festival. Sebastian Manz, Soloklarinettist des SWR Symphonieorchesters, war von Beginn an beim Festival dabei. „Es gibt hier keine festen Ensembles. Alle Werke werden vor Ort in wechselnden Konstellationen erarbeitet – das bringt auch die Musikerinnen und Musiker emotional enger zusammen als im normalen Konzertbetrieb.“ Dass alle Konzerte open air stattfinden, das Publikum zwischen den Sätzen klatscht und auch mal in der Ferne ein Motorrad röhrt, stört ihn nicht. Im Gegenteil: „Vieles ist hier freier und entspannter als im normalen Konzertbetrieb.“ Dass er künstlerisch keine Abstriche macht, zeigt Manz im Abendkonzert im virtuos perlenden Rondo aus Carl Maria von Webers Klarinettenquintett in B-Dur. Der frühere rbb-Toningenieur Kaspar Wollheim zaubert mit High-End-Mikrofonen, dezentem Hall und einem minimalen Delay für die richtige Ortung des Klanges einen exquisiten Sound, der den verlassenen Tennisplatz des direkt am Meer gelegenen Hotels Delfinia inmitten eines bunt angestrahlten Olivenhains zu einem Konzertsaal macht – inklusive Sternenhimmel und Blick auf die illuminierte Burg über der Stadt, wo das Festival im Jahr 2015 begonnen hatte. Nach der Renovierung soll es im Jahr 2029 wieder dorthin zurückkehren.
Kiveli und Danae Dörken führen auf Griechisch und Englisch durchs Programm und begleiten am Flügel – Danae bei der Suite aus Strawinskys „Geschichte des Soldaten“, Kiveli bei Beethovens Trio in Es-Dur op. 38: wach, hinhörend, technisch brillant. Die beiden künstlerischen Leiterinnen sind beim Festival omnipräsent – als Organisatorinnen, Künstlerbetreuerinnen, Moderatorinnen und in fast jedem Konzert auch als Interpretinnen. Und tanzen auch mal zusammen Sirtaki bei einem der vielen gemeinsamen Essen in den Restaurants des malerischen Städtchens an der Nordküste der Insel. Das Festival ist für die in Deutschland aufgewachsenen Pianistinnen, die bei Karl-Heinz Kämmerling und Lars Vogt studiert haben, ein Herzensprojekt. Ihre Mutter Lito Dakou, die ehrenamtlich die Geschäftsführung übernommen hat, stammt aus Molyvos. Hier haben sie als Kinder ihre Sommer verbracht. Hier möchten sie ihre Liebe zu diesem Ort mit der zur klassischen Musik verbinden. Geld bekommt keine von ihnen, aber viele Glücksmomente, wenn etwa die Kinder, die sie bei den unter dem Jahr auf Lesbos stattfindenden Schulprojekten kennenlernen, bei der Durchführung des Festivals mithelfen. 2025 stand das Festival noch unter dem Motto „Chaos“. Ist das diesjährige Motto „Eudaimonia“ – „Glückseligkeit“ nicht ein Widerspruch zur augenblicklichen Welt- und Gefühlslage? „Der aristotelische Begriff ‚Eudaimonia‘ meint nicht ein kurzfristiges Glücksgefühl, sondern eine innere Freude, die länger anhält und das Ergebnis eines tugendhaften Verhaltens ist“, erklärt Kiveli Dörken. „Das eigene Handeln ist entscheidend“, ergänzt die ältere Schwester Danae. „Glück kann auch ein Bettler finden.“
Das Motto dient beim Festival aber nicht nur als PR-Überschrift, sondern wird in den ambitionierten Konzertprogrammen regelrecht durchdekliniert. Neben den drei Hauptkonzerten und einem Familienkonzert in Molyvos gibt es drei Vorkonzerte an wechselnden historischen Stätten der Insel. Sven Helbigs „I Eat the Sun and Drink the Rain“ beschäftigt sich in der alten Olivenölmühle von Agia Paraskevi unter dem Titel „Equilibrium/Gleichgewicht“ mit dem Werden und Vergehen der menschlichen Existenz. Sphärische, mit viel Hall versehene Klänge treffen bei dieser aufwendigen Produktion auf bildstarke Videos von Máni M. Sigfússon. Der von der Inselhauptstadt Mytilini stammende Animato-Chor singt nur rund die Hälfte der zehn Sätze – die anderen werden durch Einspielungen realisiert. Sven Helbig steht am Synthesizer und kreiert fließende Übergänge, aber auch elektronische Störfeuer in dieser in weiten Teilen neoromantischen Musik. Helbig mag es, „dass bei diesem brillant kuratierten Festival die Musik nicht in hermetisch abgeschlossenen Räumen stattfindet, sondern Teil des Lebens wird“.
Im mit „Courage/Mut“ überschriebenen Konzert siedeln Abigél Králik, Simos Papanas, Tomoka Akasaka und Benedict Kloeckner Schostakowitschs existenzielles achtes Streichquartett zwischen Verzweiflung und Aufbegehren an – davon lässt sich die Katze, die einmal quer über die Szenerie läuft, aber nicht beeindrucken. Offiziell hat Schostakowitsch das Werk den Opfern von Faschismus und Krieg gewidmet. Aber mit seinen manisch wiederholten Initialen D-Es-C-H und dem Zitieren eigener Werke wie dem ersten Cellokonzert im dritten Satz erhält es einen ganz persönlichen Tonfall, den die vier radikal herausarbeiten. In diesem Kontext strahlt Robert Schumanns Klavierquartett in Es-Dur op. 47 noch heller. Antje Weithaas, Rachel Roberts, Andreas Brantelid und Danae Dörken erzielen im Andante cantabile große Innigkeit, bevor sie das Werk im Vivace-Finale schwungvoll und vital mit einem Ausrufezeichen enden lassen. Mit dem eingängigen Klavierquintett „Hommage“, das der Komponist Christos Papageorgiou der Geschäftsführerin Lito Dakou widmete, ist auch eine Uraufführung im Programm enthalten.
Ohne die quirlige Mutter von Danae und Kiveli, die jeder auf Molyvos kennt, wäre das Festival nicht denkbar. Sie führt die Gespräche vor Ort, organisiert die Schulbesuche während des Jahres, sucht neue Konzertorte und kündigt jeden der Molyvos Musical Moments vor Ort an. Vor allem aber muss sie jedes Jahr von Neuem die 230.000 Euro auftreiben, die das Festival kostet. In diesem Jahr musste sie sogar einen erheblichen Betrag aus eigener Tasche beisteuern – so viel Idealismus ist selten im professionellen Musikbetrieb. Dass die Deutsche Botschaft Athen das Festival von Beginn an unterstützt hat, freut sie sehr, auch wenn die Höhe des Beitrags wegen Sparmaßnahmen deutlich abgenommen hat. Die neue Kulturreferentin Siyuan He zeigt sich vor Ort begeistert von der Professionalität und Atmosphäre des Festivals. Mit 40.000 Euro den größten Posten innerhalb des Budgets trägt der in Düsseldorf ansässige Förderverein mit seinem Vorsitzenden Henning Stein. Finanzielle Planungssicherheit hatte Lito Dakou noch nie. Zur „Glückseligkeit“, dem Festivalmotto, fehlt ihr ein großer Hauptsponsor wie eine international tätige Firma, die diese kulturelle Brücke an der europäischen Außengrenze – das türkische Festland ist in Sichtweite – unterstützen möchte.
Zumindest musikalisch wird die Glückseligkeit aber im mit „Eudaimonia“ überschriebenen letzten Konzert erreicht, wenn Mendelssohns Oktett mit rasenden Läufen und zupackendem Strich in der abschließenden Fuge sich zu einem wahren Glücksrausch entwickelt, nachdem im Scherzo schon die Elfen getanzt haben. Der Klang der Meeresbrandung vermischt sich mit rauschendem Applaus.
Das Geschirr klappert, die Zikaden zirpen. Benedict Kloeckner sitzt am Rand des belebten Platzes in der Altstadt von Molyvos und spielt auf seinem Cello etwas ganz Zartes in den Geräuschpegel hinein: das lichte Prélude aus Johann Sebastian Bachs Solosuite Nr. 6 in D-Dur. Handys werden gezückt, der Restaurantbetrieb läuft normal weiter. Aber dennoch entsteht im Alltag ein besonderer Moment mit großer Kunst. MMM – Molyvos Musical Moments – heißen diese rund fünfzehnminütigen Pop-up-Konzerte, mit denen das 2015 von Danae und Kiveli Dörken gegründete Molyvos International Music Festival auf der griechischen Insel Lesbos die Musik direkt zu den Menschen bringt. Zu den Einheimischen, zu Touristen und zu denen, die arbeiten müssen und deshalb gar nichts von den Festivalkonzerten mitbekommen. Wie zum Beispiel die Barkeeper, die in der Congas-Bar die Drinks mixen. Aus den Lautsprechern klingt Salsa-Musik, während acht Musikerinnen und Musiker in T-Shirts, Badelatschen oder auch barfuß wie der Cellist Andreas Brantelid ihre Instrumente auspacken, um in dieser ungewöhnlichen Umgebung den ersten Satz aus Mendelssohns Oktett zu spielen. Antje Weithaas gibt an der ersten Violine den Einsatz und führt das Ensemble mit viel Erfahrung durch die virtuose Partitur. Die Berliner Geigenprofessorin hat 2022 zum ersten Mal beim Festival gespielt – und seitdem keine Ausgabe verpasst. Sie schätzt das familiäre Zusammensein zwischen den Musikerinnen und Musikern und die Nähe zum Publikum. „Gerade die Musical Moments finde ich wunderbar. Das ist so eine ursprüngliche Art und Weise, die Musik zum Inselpublikum zu bringen. Die Menschen bekommen etwas, was sie sonst nie bekommen würden.“
Selbst am Strand spielen Clémence de Forceville und Sebastian Manz Duette für Violine und Klarinette. „A Scattered Sketchbook“ des syrischen Komponisten Kinan Azmeh ist 2012 mitten im Krieg entstanden. Die seufzenden Glissandi erzählen vom Schmerz, das Meer bildet den rauschenden Klangteppich für die expressive Komposition. Betroffenheit im Bikini – auch das ist möglich bei diesem in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Festival. Sebastian Manz, Soloklarinettist des SWR Symphonieorchesters, war von Beginn an beim Festival dabei. „Es gibt hier keine festen Ensembles. Alle Werke werden vor Ort in wechselnden Konstellationen erarbeitet – das bringt auch die Musikerinnen und Musiker emotional enger zusammen als im normalen Konzertbetrieb.“ Dass alle Konzerte open air stattfinden, das Publikum zwischen den Sätzen klatscht und auch mal in der Ferne ein Motorrad röhrt, stört ihn nicht. Im Gegenteil: „Vieles ist hier freier und entspannter als im normalen Konzertbetrieb.“ Dass er künstlerisch keine Abstriche macht, zeigt Manz im Abendkonzert im virtuos perlenden Rondo aus Carl Maria von Webers Klarinettenquintett in B-Dur. Der frühere rbb-Toningenieur Kaspar Wollheim zaubert mit High-End-Mikrofonen, dezentem Hall und einem minimalen Delay für die richtige Ortung des Klanges einen exquisiten Sound, der den verlassenen Tennisplatz des direkt am Meer gelegenen Hotels Delfinia inmitten eines bunt angestrahlten Olivenhains zu einem Konzertsaal macht – inklusive Sternenhimmel und Blick auf die illuminierte Burg über der Stadt, wo das Festival im Jahr 2015 begonnen hatte. Nach der Renovierung soll es im Jahr 2029 wieder dorthin zurückkehren.
Kiveli und Danae Dörken führen auf Griechisch und Englisch durchs Programm und begleiten am Flügel – Danae bei der Suite aus Strawinskys „Geschichte des Soldaten“, Kiveli bei Beethovens Trio in Es-Dur op. 38: wach, hinhörend, technisch brillant. Die beiden künstlerischen Leiterinnen sind beim Festival omnipräsent – als Organisatorinnen, Künstlerbetreuerinnen, Moderatorinnen und in fast jedem Konzert auch als Interpretinnen. Und tanzen auch mal zusammen Sirtaki bei einem der vielen gemeinsamen Essen in den Restaurants des malerischen Städtchens an der Nordküste der Insel. Das Festival ist für die in Deutschland aufgewachsenen Pianistinnen, die bei Karl-Heinz Kämmerling und Lars Vogt studiert haben, ein Herzensprojekt. Ihre Mutter Lito Dakou, die ehrenamtlich die Geschäftsführung übernommen hat, stammt aus Molyvos. Hier haben sie als Kinder ihre Sommer verbracht. Hier möchten sie ihre Liebe zu diesem Ort mit der zur klassischen Musik verbinden. Geld bekommt keine von ihnen, aber viele Glücksmomente, wenn etwa die Kinder, die sie bei den unter dem Jahr auf Lesbos stattfindenden Schulprojekten kennenlernen, bei der Durchführung des Festivals mithelfen. 2025 stand das Festival noch unter dem Motto „Chaos“. Ist das diesjährige Motto „Eudaimonia“ – „Glückseligkeit“ nicht ein Widerspruch zur augenblicklichen Welt- und Gefühlslage? „Der aristotelische Begriff ‚Eudaimonia‘ meint nicht ein kurzfristiges Glücksgefühl, sondern eine innere Freude, die länger anhält und das Ergebnis eines tugendhaften Verhaltens ist“, erklärt Kiveli Dörken. „Das eigene Handeln ist entscheidend“, ergänzt die ältere Schwester Danae. „Glück kann auch ein Bettler finden.“
Das Motto dient beim Festival aber nicht nur als PR-Überschrift, sondern wird in den ambitionierten Konzertprogrammen regelrecht durchdekliniert. Neben den drei Hauptkonzerten und einem Familienkonzert in Molyvos gibt es drei Vorkonzerte an wechselnden historischen Stätten der Insel. Sven Helbigs „I Eat the Sun and Drink the Rain“ beschäftigt sich in der alten Olivenölmühle von Agia Paraskevi unter dem Titel „Equilibrium/Gleichgewicht“ mit dem Werden und Vergehen der menschlichen Existenz. Sphärische, mit viel Hall versehene Klänge treffen bei dieser aufwendigen Produktion auf bildstarke Videos von Máni M. Sigfússon. Der von der Inselhauptstadt Mytilini stammende Animato-Chor singt nur rund die Hälfte der zehn Sätze – die anderen werden durch Einspielungen realisiert. Sven Helbig steht am Synthesizer und kreiert fließende Übergänge, aber auch elektronische Störfeuer in dieser in weiten Teilen neoromantischen Musik. Helbig mag es, „dass bei diesem brillant kuratierten Festival die Musik nicht in hermetisch abgeschlossenen Räumen stattfindet, sondern Teil des Lebens wird“.
Im mit „Courage/Mut“ überschriebenen Konzert siedeln Abigél Králik, Simos Papanas, Tomoka Akasaka und Benedict Kloeckner Schostakowitschs existenzielles achtes Streichquartett zwischen Verzweiflung und Aufbegehren an – davon lässt sich die Katze, die einmal quer über die Szenerie läuft, aber nicht beeindrucken. Offiziell hat Schostakowitsch das Werk den Opfern von Faschismus und Krieg gewidmet. Aber mit seinen manisch wiederholten Initialen D-Es-C-H und dem Zitieren eigener Werke wie dem ersten Cellokonzert im dritten Satz erhält es einen ganz persönlichen Tonfall, den die vier radikal herausarbeiten. In diesem Kontext strahlt Robert Schumanns Klavierquartett in Es-Dur op. 47 noch heller. Antje Weithaas, Rachel Roberts, Andreas Brantelid und Danae Dörken erzielen im Andante cantabile große Innigkeit, bevor sie das Werk im Vivace-Finale schwungvoll und vital mit einem Ausrufezeichen enden lassen. Mit dem eingängigen Klavierquintett „Hommage“, das der Komponist Christos Papageorgiou der Geschäftsführerin Lito Dakou widmete, ist auch eine Uraufführung im Programm enthalten.
Ohne die quirlige Mutter von Danae und Kiveli, die jeder auf Molyvos kennt, wäre das Festival nicht denkbar. Sie führt die Gespräche vor Ort, organisiert die Schulbesuche während des Jahres, sucht neue Konzertorte und kündigt jeden der Molyvos Musical Moments vor Ort an. Vor allem aber muss sie jedes Jahr von Neuem die 230.000 Euro auftreiben, die das Festival kostet. In diesem Jahr musste sie sogar einen erheblichen Betrag aus eigener Tasche beisteuern – so viel Idealismus ist selten im professionellen Musikbetrieb. Dass die Deutsche Botschaft Athen das Festival von Beginn an unterstützt hat, freut sie sehr, auch wenn die Höhe des Beitrags wegen Sparmaßnahmen deutlich abgenommen hat. Die neue Kulturreferentin Siyuan He zeigt sich vor Ort begeistert von der Professionalität und Atmosphäre des Festivals. Mit 40.000 Euro den größten Posten innerhalb des Budgets trägt der in Düsseldorf ansässige Förderverein mit seinem Vorsitzenden Henning Stein. Finanzielle Planungssicherheit hatte Lito Dakou noch nie. Zur „Glückseligkeit“, dem Festivalmotto, fehlt ihr ein großer Hauptsponsor wie eine international tätige Firma, die diese kulturelle Brücke an der europäischen Außengrenze – das türkische Festland ist in Sichtweite – unterstützen möchte.
Zumindest musikalisch wird die Glückseligkeit aber im mit „Eudaimonia“ überschriebenen letzten Konzert erreicht, wenn Mendelssohns Oktett mit rasenden Läufen und zupackendem Strich in der abschließenden Fuge sich zu einem wahren Glücksrausch entwickelt, nachdem im Scherzo schon die Elfen getanzt haben. Der Klang der Meeresbrandung vermischt sich mit rauschendem Applaus.



